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Vermischtes

Vorhofflimmern erkennen: Was taugen Smartwatches und andere Wearables?

Frühwarnsystem bei Vorhofflimmern? Smartwatches und andere Wearables
können zu früher Diagnose von unbemerktem Vorhofflimmern beitragen.
Herzspezialisten erklären Vor- und Nachteile der digitalen Helfer

Vorhofflimmern ist eine tückische Herzerkrankung. Die häufigste anhaltende
Herzrhythmusstörung mit über 1,6 Millionen Betroffenen in Deutschland kann
anfallsartig und nur kurz auftreten, lange anhalten oder auch dauerhaft
bestehen bleiben. Während ein Teil der Betroffenen Herzklopfen,
Unruhegefühl oder Luftnot spürt, tritt bei nahezu der Hälfte aller
Patienten Vorhofflimmern ohne Symptome oder Beschwerden auf. „Viele
Menschen wissen gar nicht, dass sie Vorhofflimmern haben“, berichtet
Kardiologe Prof. Dr. Peter Radke vom Wissenschaftlichen Beirat der
Deutschen Herzstiftung. „Eine frühzeitige Diagnose von Vorhofflimmern ist
jedoch entscheidend, weil die Rhythmusstörung unbemerkt und unbehandelt
die Gefahr für lebensbedrohliche Komplikationen wie Schlaganfall und
Herzschwäche erhöht. Oft wird die Rhythmusstörung leider nur durch Zufall
beim Arzt entdeckt. In manchen Fällen erst dann, wenn Vorhofflimmern zu
einem Schlaganfall geführt hat“, warnt Herzstiftungs-Experte Prof. Radke,
Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Abteilung für Kardiologie der Schön
Klinik Neustadt, anlässlich der bundesweiten Herzwochen. Diese informieren
unter dem Motto „Herz aus dem Takt: Vorhofflimmern erkennen und handeln“
über die Volkskrankheit Vorhofflimmern. Infos zu Veranstaltungen,
Patienten-Ratgebern und Podcasts sind abrufbar unter
<https://herzstiftung.de/herzwochen>
Insgesamt 20 bis 30 Prozent der ischämischen Schlaganfälle, die durch den
Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn entstehen, gehen auf Vorhofflimmern
zurück. Eine weitere Komplikation als Folge unerkannten und unbehandelten
Vorhofflimmerns ist die Herzinsuffizienz (Herzschwäche).

Vorhofflimmern früh erkennen: Regelmäßig den Puls messen
Um lebensbedrohliche Folgen wie diese zu vermeiden, kommt es darauf an,
Vorhofflimmern frühzeitig zu diagnostizieren: Dabei spielt neben
technologischen Untersuchungsmethoden wie dem herkömmlichen EKG
(Elektrokardiogramm) oder digitalen Helfern wie Wearables weiterhin das
Pulsmessen eine wichtige Rolle. Denn ein Verdacht für Rhythmusstörungen
ergibt sich auch aus einem unregelmäßigen Puls. „Jeder kann seinen Puls
fühlen und dadurch kontrollieren, ob der Puls unregelmäßig oder zu langsam
oder zu schnell ist“, erklärt Prof. Radke. Die normale Herzfrequenz liegt
bei 60 bis 80 Schlägen pro Minute. „Da Vorhofflimmern in jedem Alter
auftreten kann, aber mit zunehmendem Alter häufiger vorkommt, sollte jeder
über 65-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder
koronarer Herzkrankheit (KHK) täglich seinen Puls messen. Menschen über 75
Jahre sollten generell täglich ihren Puls kontrollieren.“ Wie man den Puls
selbst misst und bei welchem Puls eine ärztliche Abklärung angebracht ist,
erklärt die Herzstiftung unter <https://herzstiftung.de/puls-messen>
(siehe auch die Zusatzinformation).
Das rechtzeitige Erkennen von Vorhofflimmern ist auch deshalb so wichtig,
weil möglichst früh auch die Ursachen zu behandeln sind, die zu der
Rhythmusstörung führen und das Herz aus dem Takt bringen: Bluthochdruck,
Übergewicht, KHK, Herzschwäche. „Nur so ist eine erfolgreiche Therapie des
Vorhofflimmerns möglich“, betont der Kardiologe aus Neustadt.

Messung per Smartwatch und Wearable
Der Puls kann durch eine Smartwatch oder andere sogenannte Wearables
angezeigt werden. Wearables sind am Körper getragene, kleine elektronische
Geräte, die in der Lage sind, biophysikalische Daten (Schrittzahl,
Blutdruck, Herzfrequenz, Pulskurven) und ein einfaches EKG aufzuzeichnen.
Zu Wearables zählen „smarte“ Uhren, Armbänder, Ringe, Brillen, T-Shirts
oder EKG-Patches. Der Vorteil dieser digitalen Helfer gegenüber dem
herkömmlichen EKG beim Arzt: „Hält die Rhythmusstörung nur kurz und
außerhalb des Untersuchungszeitfensters in der Arztpraxis an, bleibt sie
mit einem herkömmlichen EKG womöglich unentdeckt“, erklärt Herzstiftungs-
Experte Prof. Radke. Häufig treten nämlich Episoden nachts, in Ruhephasen
oder während bestimmter Aktivitäten auf – oft dann, wenn man gerade nicht
beim Arzt ist. Manche Smartwatches oder andere Wearables können ein 1
-Kanal-EKG über 30 Sekunden aufzeichnen. „Das 1-Kanal-EKG kann besonders
dann hilfreich sein, wenn Vorhofflimmern nur gelegentlich auftritt, das
sogenannte paroxysmale Vorhofflimmern. Dieses sollte dann allerdings durch
einen Arzt abschließend beurteilt werden, der meist auch noch ein 12
-Kanal-EKG anfertigt“, betont Radke. In solchen Fällen ist möglicherweise
außerdem ein Langzeit-EKG über 24 Stunden oder der Einsatz eines
Ereignisrekorders notwendig. Infos unter <https://herzstiftung.de
/vorhofflimmern-diagnose>

Wearable kann Hinweis geben, aber die Diagnose stellt immer der Arzt
„Wearables können Vorhofflimmern zwar mit einer hohen Treffsicherheit
erkennen, sie können aber die Diagnose beim Arzt nicht ersetzen“,
unterstreicht auch der Kardiologe und Elektrophysiologe Prof. Dr.
Christian Veltmann, Elektrophysiologie Bremen am Herzzentrum Bremen. Das 1
-Kanal-EKG einer Smartwatch erfasse nur einen Bruchteil dessen, was ein 12
-Kanal-EKG in der Arztpraxis zeige, so Veltmann. „Viele Herzprobleme, etwa
Durchblutungsstörungen wie KHK oder andere Rhythmusstörungen als
Vorhofflimmern, erkennen die Geräte nicht oder nur unzuverlässig.

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