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Vermischtes

Silvesterkonzert des ZKO mit Thomas Hampson & Daniel Hope, KKL Luzern, 31.12.025, besucht von Léonard Wüst

KKL Konzertsaal

Das ZKO mit Daniel Hope Foto Nikolaj Lund

Thomas Hampson Bariton

von links nach rechts Daniel Hope Music Director Violine Johannes von Ballestrem Klavier Seon Deok Baik Bass Dimitri Monstein Schlagwerk

Besetzung:
Daniel Hope (Music Director) Thomas Hampson (Bariton)
Johannes von Ballestrem (Klavier) Dimitri Monstein (Schlagzeug)
Zürcher Kammerorchester
Programm:
Aaron Copland Hoe-Down, aus: Rodeo für Streichorchester
Leonard Bernstein America, aus: West Side Story-Suite, bearbeitet für Violine und Streichorchester von Paul Bateman
Jessie Montgomery Starburst für Streichorchester
Florence Price Adoration, bearbeitet für Violine und Streichorchester von Paul Bateman
Stephen Foster Beautiful Dreamer, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman
Harold Arlen Medley, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman
Bernard Herrmann Vertigo-Suite, bearbeitet für Violine, Klavier, Streichorchester und Perkussion von Paul Bateman
Kurt Weill Medley, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman
George Gershwin Song-Suite, bearbeitet für Violine, Jazz-Trio und Streichorchester von Paul Bateman

Aaron Copland – Hoe-Down aus „Rodeo“

Amerikanischer Geist trifft europäische Raffinesse

Daniel Hope und das Zürcher Kammerorchester präsentieren Aaron Coplands legendären „Hoe-Down“ aus dem Ballett „Rodeo“ in einer bemerkenswerten Interpretation für Streichorchester. Die Adaption des ursprünglich für großes Orchester konzipierten Werks offenbart neue Facetten von Coplands Werk.

Virtuose Streicherkunst im Western-Gewand

Die Reduktion auf Streicher zwingt die Musiker zu höchster Präzision und Ausdruckskraft. Jede Stimme wird hörbar, die charakteristischen Synkopen und rhythmischen Akzente treten plastisch hervor. Das Zürcher Kammerorchester meistert diese Herausforderung mit beeindruckender Homogenität.

Hopes sensible Interpretation

Daniel Hope Leitung
Daniel Hope Leitung

Daniel Hope versteht es meisterhaft, die wilde Energie des Square Dance zu kanalisieren, ohne die kammermusikalische Intimität zu verlieren. Seine Dirigiersprache ist klar und präzise, lässt aber Raum für spontane Momente. Besonders gelungen sind die dynamischen Kontraste zwischen den tänzerischen Passagen

Klangliche Brillanz und rhythmische Präzision

Die technische Perfektion des Ensembles ist beeindruckend. Schwierige Pizzicato-Passagen werden mit spielerischer Leichtigkeit gemeistert, die komplexen Rhythmen sitzen perfekt. Die Intonation bleibt selbst in den virtuosesten Momenten tadellos ebenso die Balance zwischen den Stimmgruppen

Amerikanische Folklore neu entdeckt

Thomas Hampson Bariton
Thomas Hampson Bariton

Diese Umsetzung beweist eindrucksvoll, dass Coplands Musik auch in reduzierter Besetzung ihre volle Wirkung entfaltet. Der „Hoe-Down“ wird hier nicht als nostalgische Americana präsentiert, sondern als zeitlos gültige Komposition von universeller Ausstrahlung in Verbindung mit folkloristischen Elementen. Hope sein Orchester liefern eine Interpretation ab, die sowohl Copland-Kenner als auch Neuentdecker begeistert. Die kammermusikalische Fassung eröffnet neue Hörperspektiven auf ein Meisterwerk der amerikanischen Klassik und beweist die zeitlose Qualität von Coplands Kompositionskunst

Jessie Montgomery Starburst für Streichorchester

Funkelnder Auftakt voller Energie
Jessie Montgomerys Starburst für Streichorchester entfacht vom ersten Ton an einen wahren Wirbel aus Klang und Bewegung. Unter der Leitung ihres Leiters präsentiert das ZKO eine Aufführung, die den Titel des Stücks – ein aufblitzender Stern – wörtlich nimmt. Die Musik scheint zu explodieren, funkelnd, unruhig, dabei stets kontrolliert und rhythmisch präzise.

Rhythmische Impulse und klangliche Transparenz

Zürcher Kammerorchester Foto Thomas Entzeroth
Zürcher Kammerorchester Foto Thomas Entzeroth

Montgomerys Komposition lebt von kurzen, aufblitzenden Motiven, die sich ineinander verweben, überlagern und wiederholen. Das Ensemble formt daraus ein dynamisches Netz aus Energie und Bewegung. Besonders beeindruckend ist die rhythmische Spannung, die trotz der schnellen Wechsel stets klar gezeichnet bleibt. Jede Gruppe des Orchesters erhält ihren Moment des Leuchtens, was dem Stück eine schillernde Vielschichtigkeit verleiht.

Daniel Hope als Klangarchitekt
Daniel Hope führt mit spürbarem Feingefühl für Struktur und Ausgewogenheit. Er lenkt das Ensemble mit präzisen Gesten, ohne den natürlichen Fluss der Musik zu ersticken. Seine Interpretation betont die modernistische Kraft von Montgomerys Tonsprache, lässt aber zugleich lyrische Momente aufscheinen. Hier wird nicht nur Energie entfesselt – sie wird geformt, beleuchtet und gezielt eingesetzt.

Ein Orchester in Bestform
Kaum ein Ensemble versteht es, zwischen barockem Repertoire, klassischer Tradition und moderner Musik so mühelos zu wechseln wie das Zürcher Kammerorchester. In „
Starburst“ zeigen die Musiker*innen ihre technische Finesse und ihr präzises Zusammenspiel. Besonders die klangliche Balance überzeugt: Das Werk funkelt, ohne zu überstrahlen; es vibriert, ohne seine Klarheit zu verlieren.

Komprimierte Moderne mit emotionalem Kern
Bei aller rhythmischen Dringlichkeit besitzt „
Starburst“ auch eine emotionale Tiefe. In den ruhigeren Passagen blitzt eine fast meditative Qualität auf, als gönne sich der helle Stern für einen Moment Ruhe, bevor er erneut aufstrahlt. Diese feinen Kontraste fängt Hope sensibel auf und formt sie zu einem Ensembleklang von großer Intensität.

Fazit: Ein kurzer, aber leuchtender Triumph
In kaum vier Minuten gelingt Montgomery ein kompaktes Klanggedicht – strahlend, vital und poetisch. Daniel Hope und das ZKO verleihen dem Stück eine elektrisierende Energie, die modern wirkt, aber nie kalt. „
Starburst“ in dieser Interpretation ist kein bloßes Feuerwerk, sondern eine helle musikalische Explosion: präzise gezündet und voller Leben.

Leonard Bernstein America, aus: West Side Story-Suite, bearbeitet für Violine und Streichorchester von Paul Bateman

Rhythmische Energie und orchestraler Glanz
Schon die ersten Takte von „America“sprühen vor rhythmischer Vitalität. Das Orchester entfacht ein mitreißendes Klangbild, das sofort in Bewegung versetzt. Das berühmte Wechselspiel zwischen beschwingtem Tanzrhythmus und jazzig-synkopischem Puls ist präzise artikuliert und gleichzeitig voller Spielfreude.

Virtuose Solovioline als erzählerische Stimme

Leitung Daniel Hope
Leitung Daniel Hope

Daniel Hopes Violine übernimmt dabei eine zentrale, fast theatralische Rolle. In seiner Interpretation wird die Solostimme nicht bloß als technisches Schaustück präsentiert, sondern als lebendige Figur, die zwischen Ironie, Leidenschaft und Temperament vermittelt. Hope phrasiert mit federnder Leichtigkeit und lässt sein Instrument singen, tanzen und schalkhaft aufblitzen. Dabei bleibt sein Spiel stets im Dialog mit dem Ensemble – ein echtes musikalisches Gespräch statt eines Monologs.

Paul Batemans raffinierte Bearbeitung
Bateman gelingt in seiner Fassung eine eindrucksvolle Balance zwischen Originalität und Respekt gegenüber Bernsteins Vorlage. Die Übertragung auf ein Streichensemble verstärkt die rhythmische Klarheit und bringt die melodischen Linien stärker zum Leuchten. Besonders auffällig ist, wie geschickt Bateman die perkussive Energie des Originals in rhythmisch pointierte Strichbewegungen der Streicher übersetzt. Das Ergebnis ist ein Arrangement, das sowohl elegant als auch temperamentvoll wirkt – eine Hommage ohne nostalgische Schwere.

Klangkultur und Präzision des Zürcher Kammerorchesters
Das ZKO beweist erneut seine enorme stilistische Flexibilität. Jeder Einsatz ist glasklar, jede dynamische Nuance sorgfältig modelliert. Trotz der mitreißenden Geschwindigkeit bleibt das Ensemble klanglich transparent. Diese Präzision verleiht dem Stück einen urbanen, fast elektrisierenden Charakter – ganz im Sinne von Bernsteins musikalischem Porträt des New Yorker Lebensgefühls.

Ein Beispiel moderner Klassikvermittlung
Insgesamt ist diese Darbietung ein Paradebeispiel für gelungene Brückenbildung zwischen klassischer Virtuosität und populärer Energie. Daniel Hope und das ZKO schaffen es, Bernsteins Musik zeitgemäß und zugänglich zu präsentieren, ohne ihre künstlerische Tiefe zu schmälern. So wird aus einem bekannten Klassiker ein neu belebtes Stück amerikanischer Klangkultur – frisch, prägnant, unwiderstehlich lebendig und wurde mit langanhaltendem Applaus belohnt,

Florence Price Adoration

Zarte Hommage an die Innerlichkeit
In „
Adoration“ von Florence Price, hier in der Bearbeitung von Paul Bateman für Violine und Streichorchester, entfaltet sich eine stille, ergreifende Schönheit. Unter der Leitung von Daniel Hope formt das ZKO einen Klangraum von leuchtender Ruhe. Jede Phrase scheint ein Gebet, jede Note atmet Demut und Wärme – ein Moment stiller Andacht in musikalischer Form.

Dialog zwischen Solovioline und Ensemble
Daniel Hope übernimmt die Solostimme mit jener sensiblen Klangsprache, die sein Spiel auszeichnet. Sein Ton ist weich, schwebend, mit einer feinen Melancholie durchzogen. Im Dialog mit dem Orchester entsteht kein Gegensatz, sondern ein behutsames Miteinander: Die Streicher hüllen die Violine in einen sanften Klangteppich, der sie trägt, aber niemals überlagert. Es ist eine zärtliche Zwiesprache zwischen Stimme und Raum.

Paul Batemans feinfühlige Bearbeitung
Batemans Arrangement bewahrt das intime Wesen der Originalfassung und überträgt es wirkungsvoll auf das größere Ensemble. Die Streicher öffnen das Werk harmonisch, ohne ihm seinen kammermusikalischen Charakter zu rauben. Besonders die fein abgestimmte Dynamik lässt die Musik atmen und schafft Momente von gläserner Transparenz, in denen Prices pastorale Tonsprache vollkommen zur Geltung kommt.

Klangliche Reinheit und emotionale Tiefe
Das Orchester zeigt hier seine unvergleichliche Fähigkeit zur Zurücknahme. Jeder Ton ist kontrolliert, jede Linie bewusst geformt. Die Aufführung lebt von schlichter Eleganz – fern jeder Sentimentalität, doch voller Empathie. Hope gelingt es, Florence Prices Spiritualität in eine universelle Sprache zu übersetzen: human, mild und tief empfunden.

Ein stilles Leuchten
Diese Interpretation von „
Adoration „ ist kein großes Drama, sondern ein leises Leuchten – ein musikalisches Innehalten inmitten einer oft lauten Welt. Daniel Hope und das ZKO schenken Florence Prices Musik die Andacht, die sie verdient: schlicht, ehrlich, strahlend in ihrer Ruhe.

Stephen Foster Beautiful Dreamer, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman

Ein Klassiker in neuem Licht
Stephen Fosters Beautiful Dreamer erfährt in Paul Batemans Bearbeitung eine behutsame, zugleich erfrischend moderne Neuinterpretation. Unter der Leitung von Daniel Hope entfaltet das ZKO einen fein schimmernden Klang, der den romantischen Charakter des Liedes wahrt, aber in ein elegantes, orchestrales Gewand kleidet.

Thomas Hampsons noble Stimme im Mittelpunkt
Bariton Thomas Hampson verleiht dem bekannten Lied eine berührende Tiefe. Sein Timbre, warm und edel, trägt den Text mit jener Mischung aus Wehmut und Zärtlichkeit, die Fosters Musik innewohnt. Hampson phrasiert mit kontrollierter Emotionalität, nie übersteigert, sondern stets natürlich. Er lässt die Figur des „beautiful dreamer“ nicht nur erklingen, sondern lebendig werden – als Sinnbild zarter Sehnsucht.

Daniel Hopes Violine als leuchtendes Gegengewicht

Bariton Thomas Hampson herzt Music Director Daniel Hope
Bariton Thomas Hampson herzt Music Director Daniel Hope

Neben der Stimme fungiert Daniel Hopes Violine als klangliche Gesprächspartnerin. Sie reflektiert, antwortet, tröstet – ein schimmerndes Echo auf Hampsons Gesang. In Hopes Händen wird die Violine zur Trägerin stiller Emotionen, zu einer zweiten Stimme, die das Unausgesprochene artikuliert. Seine Tongebung ist samtig und klar, von lyrischer Schlichtheit geprägt.

Paul Batemans subtile Orchestrierung
Bateman behält den intimen Charakter des Originals bei, erweitert ihn aber um eine feine orchestrale Farbigkeit. Die Streicher schaffen warme Flächen, die zwischen Traum und Wirklichkeit oszillieren. Trotz romantischer Süße bleibt die Musik zurückhaltend und transparent. Dadurch entsteht eine Klanglandschaft, die Nostalgie nicht verklärt, sondern verweht wie eine sanfte Erinnerung.

Ein Lied voller zeitloser Sanftmut
Diese Interpretation verbindet Kunstlied-Intimität und orchestrale Eleganz zu einer feinsinnigen Hommage an Fosters Melodik. Hampson, Hope und das ZKO begegnen dem Stück mit schlichter Würde und spürbarer Liebe zum Detail. „
Beautiful Dreamer„ wird hier nicht als sentimentales Relikt präsentiert, sondern als leuchtendes, zeitloses Lied über Ruhe, Trost und Träumen.

Harold Arlen Medley, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman

Ein Rendezvous zwischen Broadway und Konzertsaal
Das „Harold Arlen Medley“, vereint einige der schönsten Melodien des großen amerikanischen Songwriters (Over the rainbow, let’s fall in love, I’ve got the world on a string). Unter der Leitung von Daniel Hope gelingt dem Ensemble eine Gratwanderung zwischen Swing, Sentiment und klassischer Eleganz – eine musikalische Verneigung vor Arlens unverwechselbarem Stil.

Thomas Hampson: Charme und Ausdruckskraft

Thomas Hampson bedankt sich bei seinen Mitmusikern
Thomas Hampson bedankt sich bei seinen Mitmusikern

Bariton Thomas Hampson führt durch das Medley mit charismatischer Bühnenpräsenz und geschmeidigem Timbre. Seine Stimme bewegt sich mühelos zwischen jazzigem Flair und liedhafter Empfindsamkeit. Mal klingt er augenzwinkernd und charmant, mal von bittersüßer Nostalgie erfüllt. Hampson versteht, Arlens Songs nicht bloß zu singen, sondern sie erzählerisch aufblühen zu lassen.

Daniel Hope und die Violine als zweite Stimme
Daniel Hopes Violine agiert nicht nur als Begleitung, sondern als gleichberechtigter Partner. In ihrem leuchtenden Ton spiegelt sich die emotionale Bandbreite der Songs – von himmelblauer Sehnsucht bis zu tänzerischem Überschwang. Hope versteht es, sein Instrument zwischen Jazz-Anklängen und klassischer Phrasierung wandern zu lassen, wodurch feine Zwischentöne entstehen, die die vokale Linie umspielen.

Paul Batemans geschmackvolle Verbindung von Stilen
Batemans Arrangement bewahrt die Leichtigkeit des amerikanischen Songbooks und verleiht ihm zugleich orchestrale Noblesse. Die Streicher klingen warm und transparent, verzichten auf Rührseligkeit und setzen stattdessen auf rhythmische Präzision und schimmernde Klangfarben. So entsteht ein funkelndes Mosaik, das Arlens Melodien in neuem Licht zeigt – elegant, aber nie distanziert.

Ein Abend zwischen Traum und Tanz
Das Ergebnis ist ein stilvoller Brückenschlag zwischen Konzertsaal und Broadway. Hampson, Hope und das ZKO verwandeln das Medley in einen feinsinnigen Dialog von Stimme und Instrumenten. Arlens Musik erscheint hier als zeitloser Ausdruck amerikanischer Sehnsucht – leichtfüßig, berührend und mit einem Hauch von Sternenstaub.

Bernard Herrmann Vertigo-Suite, bearbeitet für Violine, Klavier, Streichorchester und Perkussion von Paul Bateman

Psychologische Spannung in Klang gegossen
Bernard Herrmanns „Vertigo-Suite“ entfaltet eine suggestive Klangwelt zwischen Traum, Obsession und Abgrund. Unter Daniel Hopes Leitung lässt das ZKO dieses Meisterwerk filmischer Musik als auskomponiertes Drama lebendig werden – intensiv, düster und faszinierend klar.

 

Ein Klanglabyrinth zwischen Wahn und Wirklichkeit
In der „Vertigo-Suite“, öffnet sich eine eindringliche Klangwelt voller psychologischer Spannung. Unter der Leitung von Daniel Hope verwandelt das Orchester die Filmmusik in ein intensives Konzertstück, das innere Zerrissenheit und hypnotische Anziehung meisterhaft spürbar macht.

Die Violine als emotionales Zentrum
Daniel Hope führt seine Solovioline mit erzählerischer Präzision. Sein Ton ist gläsern, schwebend, oft von einer beinahe körperlosen Zartheit. Zwischen suchenden Linien und abrupten Ausbrüchen zeichnet er die fragile Seele der Hauptfigur nach. Es ist, als würde die Violine selbst zwischen Sehnsucht und Angst taumeln – ein psychologisches Porträt in Klang.

Dimitri Monstein: Rhythmus der Obsession
Die Perkussion, virtuos gespielt von Dimitri Monstein, wirkt wie das pochende Herz des Werkes. Seine subtilen Akzente, das leise Grollen und die scharfen rhythmischen Impulse verleihen der Musik eine fast körperliche Präsenz. Monstein versteht es, Spannung aufzubauen, ohne die Kontrolle zu verlieren – seine klangliche Präzision erhöht die Dramatik des gesamten Ensembles.

Paul Batemans detailreiche Orchestrierung
Bateman erweitert Herrmanns Filmsprachenkosmos um ein kammermusikalisches Raffinement. Das Klavier verstärkt die harmonische Dichte, während die Streicher atmosphärische Schleier bilden. Die Musik schillert zwischen klaren Linien und nebulöser Düsternis (ganz Alfred Hitchcock),zwischen Abgrund und Auflösung – ein Wechselspiel aus Struktur und Instinkt.

Ein sinfonischer Albtraum mit Sogwirkung
Das ZKO formt unter Hope eine spannungsgeladene, atmende Interpretation. Jede Phrase ist bewusst modelliert, jede Stille besitzt Gewicht. Diese „
Vertigo-Suite“ ist keine bloße Filmmusik-Adaption, sondern ein psychologisches Klangdrama: kühl, verführerisch, erschreckend schön – ein strahlend dunkler Höhepunkt orchestraler Erzählkunst.

Kurt Weill Medley, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman

Zwischen Kabarett und Konzertsaal
Das „
Kurt Weill Medley“ vereint einige der bekanntesten Melodien des Komponisten, wie u.a. „Mackie Messer“ zwischen Theater und Jazz. Unter der Leitung von Daniel Hope bewegt sich das ZKO souverän zwischen den Welten – mit klarer Struktur, rhythmischem Schwung und einem feinen Gespür für Weills ironische Untertöne.

Thomas Hampson – der erzählerische Bariton
Thomas Hampson gestaltet die verschiedenen Stücke mit beeindruckender stimmlicher Wandlungsfähigkeit. Mal klingt er charmant und lässig, dann wieder beißend oder melancholisch. Jede Phrase trägt erzählerisches Gewicht, jede Nuance ist bewusst gesetzt. Hampson versteht es, die gesellschaftskritische Schärfe Weills mit menschlicher Wärme zu verbinden – Musiktheater auf höchstem Niveau.

Daniel Hope als lyrischer Gegenpart
Daniel Hopes Violine agiert nicht als bloßer Begleiter, sondern als gleichberechtigte Klangfigur. Mit fein geschwungenem Ton und präziser Artikulation spinnt er emotionale Fäden zwischen Gesang und Orchester. In seinem Spiel leuchtet jene Zwiespältigkeit auf, die Weills Musik auszeichnet – Schönheit mit einem Schatten von Bitterkeit.

Paul Batemans stilistische Balance
Batemans Arrangement bewahrt den Charakter des Originals, ohne ihn zu glorifizieren. Die orchestrale Textur bleibt transparent, die Streicher verleihen dem Ganzen einen Hauch von Eleganz, ohne den Biss der Vorlage zu glätten. So entsteht eine kluge, respektvolle Neuinterpretation.

Ein Hauch von Berlin im KKL

Thomas Hampson freut sich über den Applaus
Thomas Hampson freut sich über den Applaus

Diese Aufführung ist mehr als ein Medley: Sie ist ein atmosphärisches Porträt der Weill’schen Welt – zerrissen, charmant, tragisch und zeitlos modern. Hampson, Hope und das ZKO verwandeln Weills Facettenreichtum in ein glänzendes, klanglich pointiertes Erlebnis.

Glanzvoller Abschluss

George Gershwin Song-Suite, bearbeitet für Violine, Jazz-Trio und Streichorchester von Paul Bateman

Ein Funkeln zwischen Jazz und Klassik

In der „Song-Suite verschmelzen Welten. Unter Daniel Hopes Leitung gelingt dem Zürcher Klangkörper eine stilistisch brillante Balance zwischen symphonischem Glanz und jazziger Leichtigkeit – ein musikalisches Schaulaufen voller Rhythmus, Farbe und Eleganz.

Daniel Hope – die Violine als Klangbrücke
Hope führt seine Solovioline mit leuchtendem, geschmeidigem Ton, der mühelos zwischen lyrischem Ausdruck und swingender Spielfreude pendelt. Er formt Gershwins Melodien mit Gespür für deren vokale Herkunft und lässt sie zugleich improvisatorisch frei wirken. So entsteht ein spannender Dialog zwischen Klassik und amerikanischer Jazztradition.

Jazz-Trio mit pulsierendem Herzschlag

Johannes von Ballestrem Piano Symbolbild
Johannes von Ballestrem Piano Symbolbild

Pianist Johannes von Ballestrem bringt warme Harmonie und elegante Leichtigkeit ins Spiel, während Dimitri Monstein am Schlagzeug mit subtiler Präzision, zusammen mit Bassistin Seon-Deok Baik, das rhythmische Fundament legt. Ihre Interaktion mit den Streichern wirkt spontan und organisch – kein Bruch, sondern ein lebendiger Austausch. Dazu gesellte sich Daniel Hope, erweiterte so das Trio zu einem Jazzquartett, indem er mit seiner Guarneri del Gesù von 1742 im virtuosen Stil eines Stéphane Grappelli mitimprovisierend brillierte.

Ein orchestraler Swingmoment
Bateman gelingt eine Instrumentation, die Gershwins Geist respektiert und zugleich neu beleuchtet: üppig, aber nie überladen. Diese „
Song-Suite“ ist kein museales Arrangement, sondern eine Hommage an das vibrierende Lebensgefühl der 1920er – mitreißend, delikat und voller Charme.

von links nach rechts Daniel Hope Music Director Violine Johannes von  Ballestrem Klavier seon Deok  Baik  Bass  Dimitri Monstein Schlagwerk
von links nach rechts Daniel Hope Music Director Violine Johannes von Ballestrem Klavier seon Deok Baik Bass Dimitri Monstein Schlagwerk

Das beigeisterte Auditorium belohnte die Darbietenden mit einer „Standig Ovation“ die auch Bariton Thomas Hampson auf die Bühne zurück holte, was den Applauspegel nochmals erhöhte und das Orchester zu einer Zugabe im neoamerikanischen Stil animierte. Das aber reichte dem Publikum im vollbesetzten Saal noch nicht und es erreichte mit seiner Applauskaskade, dass alle Ausführenden noch Cole Porters „Begin the Beguine“ intonierten.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos:  MaxThürig    www.zko.ch Homepage von https://thomashampson.com/

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www.gabrielabucher.ch www.herberthuber.ch www.maxthuerig.ch

von links nach rechts Daniel Hope Music Director Violine Johannes von Ballestrem Klavier Seon Deok Baik Bass Dimitri Monstein Schlagwerk

Pianist Johannes von Ballestrem und Daniel Hope im Hintergrund

Die Ausführenden geniessen die stehende Ovation beim Schlussapplaus

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Silvesterkonzert mit Thomas Hampson & Daniel Hope, 31.12.2025 KKL Luzern, kommentiert von Max Thürig

KKL Konzertsaal

Das ZKO mit Daniel Hope Foto Nikolaj Lund

Thomas Hampson Bariton

von links nach rechts Daniel Hope Music Director Violine Johannes von Ballestrem Klavier Seon Deok Baik Bass Dimitri Monstein Schlagwerk

Besetzung:
Daniel Hope (Music Director) Thomas Hampson (Bariton)
Johannes von Ballestrem (Klavier) Dimitri Monstein (Schlagzeug)
Zürcher Kammerorchester
Programm:
Aaron Copland Hoe-Down, aus: Rodeo für Streichorchester
Leonard Bernstein America, aus: West Side Story-Suite, bearbeitet für Violine und Streichorchester von Paul Bateman
Jessie Montgomery Starburst für Streichorchester
Florence Price Adoration, bearbeitet für Violine und Streichorchester von Paul Bateman
Stephen Foster Beautiful Dreamer, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman
Harold Arlen Medley, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman
Bernard Herrmann Vertigo-Suite, bearbeitet für Violine, Klavier, Streichorchester und Perkussion von Paul Bateman
Kurt Weill Medley, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman
George Gershwin Song-Suite, bearbeitet für Violine, Jazz-Trio und Streichorchester von Paul Bateman

Eine Reise durch das alte Amerika – Silvester im KKL Luzern

Glanz, Erwartung – und dann Substanz

Zürcher Kammerorchester Foto Thomas Entzeroth
Zürcher Kammerorchester Foto Thomas Entzeroth

Silvesterkonzerte tragen oft die Bürde, mehr zu versprechen als sie halten können: Glanz, Leichtigkeit, Unterhaltung – und bitte nicht zu viel Tiefgang. Das Silvesterkonzert des Zürcher Kammerorchesters im ausverkauften KKL Luzern am 31. Dezember 2025 widerlegte diese Erwartung mit Nachdruck. Unter der musikalischen Leitung von Daniel Hope, der zugleich als Solist agierte, wurde der Abend zu einer klug kuratierten, berührenden und hochklassigen Reise durch ein Amerika der Musikgeschichte – eines, das heute fast schon wie ein Sehnsuchtsort wirkt.

Amerikanische Klanglandschaften vor der Pause

Bereits das Programm vor der Pause spannte einen weiten, aber stimmigen Bogen. Aaron Coplands „Rodeo“, hier in der Fassung für Streichorchester, eröffnete den Abend mit tänzerischer Energie und transparenter Rhythmik. Das Zürcher Kammerorchester spielte mit federnder Präzision, ohne je ins Rustikale abzugleiten.

Zeitgenössische Energie und stille Innigkeit

Daniel Hope Leitung
Daniel Hope Leitung

Einen der stärksten Kontraste lieferte Jessie Montgomerys „Starburst“: pulsierend, dicht, elektrisierend. Die Streicher glühten, die Energie sprang förmlich über – ein zeitgenössisches Statement, das sich selbstverständlich in den historischen Kontext einfügte. Umso eindringlicher wirkte danach Florence Prices „Adoration“: eine wunderbar feine, ruhige, zutiefst ergreifende Musik. Eine konzentrierte Stille eroberte den KKL-Saal!

Leonard Bernsteins „America“ aus der „West Side Story„ setzte darauf einen schillernden Akzent zwischen Broadway, Jazz und sinfonischer Geste – pointiert, rhythmisch scharf, mit hörbarem Vergnügen musiziert.

Songs, Stimmen und ein Hauch Hollywood

Thomas Hampson Bariton
Thomas Hampson Bariton

Mit Stephen Fosters „Beautiful Dreamer“, interpretiert von Thomas Hampson, betrat ein weiterer Fixstern des Abends die Bühne. Der Bariton gestaltete das Lied mit großer Noblesse, warmem Timbre und jener altersweisen Gelassenheit, die nicht sentimental, sondern wahrhaftig wirkt. Das anschließende Harold-Arlen-MedleySomewhere Over the Rainbow, Let’s Fall in Love, I’ve Got the World on a String – verband Violine, Bariton und Streichorchester zu einem schwebenden Klangbild zwischen Hollywood-Glamour und melancholischer Rückschau.

Nach der Pause: Abgründe und große Gefühle

Nach der Pause wechselte die Stimmung – ohne den roten Faden zu verlieren. Bernard Herrmanns „Vertigo Suite“ (Prelude, The Nightmare, Scene d’Amour) entfaltete ihre hypnotische Sogwirkung mit dunkler Eleganz. Daniel Hope formte lange Spannungsbögen, ließ die Musik atmen und schuf jene unterschwellige Unruhe, die Hitchcocks Filmklassiker so unvergesslich macht.

Weill, Gershwin – und ein Ensemble in Hochform

Leitung Daniel Hope
Leitung Daniel Hope

Es folgten Medleys von Kurt Weill (Speak Low, It Never Was You, Westwind, Mack the Knife) und schließlich die große George-Gershwin-Song-Suite, arrangiert für Violine, Jazz-Trio und Streichorchester. Hier erreichte der Abend seinen überschäumenden Höhepunkt. Besonders hervorzuheben sind neben den Solisten auch Johannes von Ballestrem am Klavier, Dimitri Monstein an der Perkussion und die Kontrabassistin Seon-Deok Baik – sie alle waren ein absolutes Highlight, rhythmisch präzise, stilistisch souverän und mit spürbarer Spielfreude.

Ein Amerika, das nachklingt

Johannes von Ballestrem Piano Symbolbild
Johannes von Ballestrem Piano Symbolbild

Daniel Hopes Ansagen zwischen den Werken waren locker, informativ und angenehm frei von Pathos. Sie halfen, das Konzert als das zu verstehen, was es war: eine musikalische Zeitreise durch ein „altes Amerika“, reich an Vielfalt, Widersprüchen, Hoffnung und künstlerischer Kraft – ein Amerika, wie man es sich heute kaum noch vorstellen kann…

Begeisterung, Zugaben und ein Lächeln zum Jahresende

Thomas Hampson freut sich über den Applaus
Thomas Hampson freut sich über den Applaus

Am Ende verließ ein sichtlich begeistertes Publikum den Saal: mit Lächeln im Gesicht, innerlich gelockert, beschwingt. Die zwei großzügigen Zugaben setzten dem Abend die Krone auf. Ein Silvesterkonzert, das nicht nur unterhielt, sondern motivierte – ein fulminanter Jahresabschluss mit Nachhall für das kommende Jahr.

Text: www.maxthuerig.ch

Fotos:  MaxThürig    www.zko.ch Homepage von https://thomashampson.com/

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von links nach rechts Daniel Hope Music Director Violine Johannes von Ballestrem Klavier Seon Deok Baik Bass Dimitri Monstein Schlagwerk

Pianist Johannes von Ballestrem und Daniel Hope im Hintergrund

Die Ausführenden geniessen die stehende Ovsation beim Schlussapplaus

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LSO Neujahreswalzer, Arien und spanisches Feuer mit Regula Mühlemann und María Dueñas, KKL Luzern, 1.1.2026, besucht von Léonard Wüst

KKL Konzertsaal

Luzerner Sinfonieorchester Foto Philipp Schmidli

Violinistin Maria Duenas und das Luzerner Sinfonieorchester unter der Leitung von Chefdirigent Michael Sanderling am Donnerstag, 1. Januar 2026 im Konzertsaal des KKL Luzern. (Luzerner Sinfonieorchester/Philipp Schmidli)

Sopranistin Regula Muehlemann und das Luzerner Sinfonieorchester unter der Leitung von Chefdirigent Michael Sanderling am Donnerstag, 1. Januar 2026 im Konzertsaal des KKL Luzern. (Luzerner Sinfonieorchester/Philipp Schmidli)

Besetzung:
Luzerner Sinfonieorchester
Chefdirigent Michael Sanderling
Violine María Dueñas
Sopran Regula Mühlemann
Programm:
Johann Strauss (Sohn) (1825–1899) Spanischer Marsch, op. 433
Eduard Lalo (1823–1892) Symphonie espagnole für Violine und Orchester, op. 21
Johann Strauss (Sohn) Ouvertüre zur Operette Die Fledermaus, op. 362
Arie «Mein Herr Marquis» aus der Operette Die Fledermaus, op. 362
Frühlingsstimmen-Walzer für Sopran und Orchester, op. 410
Franz Liszt (1811–1886) Mephisto-Walzer Nr. 1, Der Tanz in der Dorfschenke, S.514
Giuseppe Verdi (1813–1901) Arie „Mercè, dilette amiche“ aus der Oper I Vespri Siciliani
Luigi Arditi (1822–1903) Il Bacio – Walzer für Sopran und Orchester

Anstelle von, wie üblich, Intendant Numa Bischof Ullmann, begrüsste diesmal Chefdirigent Michael Sanderling das Publikum im vollen Konzertsaal und richtete dann einige ernste Worte, betreffend die Katastrophe in Crans Montana an dieses und bat um eine Schweigeminute im Stehen.

Es sei richtig, so Sanderling nachher, dass man auf das übliche Neujahrsfeuerwerk am Seebecken verzichtet habe, doch musizieren wolle man zum Jahresanfang aber trotzdem.

Johann Strauss (Sohn) (1825–1899) Spanischer Marsch, op. 433

Feuriger Glanz und tänzerische Präzision

Chefdirigent Michael Sanderling
Chefdirigent Michael Sanderling

Johann Strauss’ „Spanischer Marsch“, verbindet Wiener Eleganz mit südlicher Leidenschaft. Schon in den ersten Takten blitzen rhythmische Energie und orchestrale Strahlkraft auf. Der typische Strauss-Schwung paart sich hier mit exotischem Kolorit – ein klingender Gruß an Spanien, verführt durch Glanz, Witz und vorwärtsdrängende Vitalität.

Melodische Raffinesse mit iberischem Flair
Strauss gelingt es, den Charakter eines Marsches mit tänzerischer Leichtigkeit zu verbinden. Die Melodien schimmern wie Sonnenlicht, fein akzentuiert durch charmante Triolenfiguren und warme Harmonien. Zwischen Stolz und Eleganz entfaltet sich eine Musik, die gleichsam auf dem Boulevard wie im Ballsaal zu Hause ist.

Rhythmus als Motor der Spielfreude
Die prägnanten Trompetensignale und die pointierten Streicherfiguren verleihen dem Werk einen unwiderstehlichen Schwung. Trotz martialischer Anmutung bleibt der Ton beschwingt und humorvoll – ein Paradebeispiel für Strauss’ Fähigkeit, selbst in strenger Form tänzerische Leichtigkeit zu finden.

Ein funkelnder Abschluss mit Charme
Der „
Spanische Marsch“ ist kein militärischer Auftritt, sondern ein festlicher Vorbeimarsch voller Esprit. Er vereint Präzision, Glanz und ein Augenzwinkern – ganz im Sinne des Wiener Walzerkönigs, der hier zeigt, dass er auch jenseits des Tanzes ein Meister der farbigen Orchesterkunst war.

Éduard Lalo (1823–1892) Symphonie espagnole für Violine und Orchester, op. 21

Ein Feuerwerk französisch-spanischer Leidenschaft

Dirigent Michael Sanderling und die spanische Violinistin María Dueñas Foto Philipp Schmidli
Dirigent Michael Sanderling und die spanische Violinistin María Dueñas Foto Philipp Schmidli

Édouard Lalos „Symphonie espagnole“ (mit dieser gewann die Solistin Maria Dueñas den Menuhin-Wettbewerb im Mai 2021) verbindet französische Eleganz mit südländischem Temperament. In der Aufführung des Luzerner Sinfonieorchesters unter Michael Sanderling entfaltet sich das Werk als brillanter Dialog zwischen orchestraler Farbigkeit und solistischer Virtuosität – funkelnd, rhythmisch pulsierend und stets von tänzerischem Schwung getragen.

María Dueñas – Virtuosin mit Temperament und Seele
María Dueñas gestaltet den Solopart mit technischer Souveränität und ausgeprägtem Sinn für Finesse. Ihr Ton leuchtet warm und klar, die schnellen Läufe sprühen vor Energie, doch bleiben stets musikalisch eingebettet. In lyrischen Momenten zeigt sie subtile Emotionalität – ein Spiel voller Feuer und Gefühl, nie bloß effektvoll.

Michael Sanderling formt orchestrale Klarheit

Die  Violinistin María Dueñas  bedankt sich für der Applaus Foto Philipp Schmidli
Die Violinistin María Dueñas bedankt sich für der Applaus Foto Philipp Schmidli

Das Luzerner Sinfonieorchester reagiert sensibel auf Dueñas’ Impulse. Sanderling hält den Klang transparent und rhythmisch straff, wodurch Lalos raffinierte Instrumentation – vom schimmernden Streicherteppich bis zu den markanten Bläserakzenten – ihre volle Wirkung entfaltet.

Ein funkelndes Zusammenspiel der Kulturen
Diese Interpretation zeigt Lalos Meisterwerk als Werk zwischen Welten: französisch in der Form, spanisch im Geist. Dueñas und Sanderling beweisen, dass Virtuosität und Tiefe sich nicht ausschließen – ihre Interpretation ist klangliches Leuchten voller Anmut, Stolz und Lebensfreude.

Johann Strauss Ouvertüre zur Operette Die Fledermaus, op. 362

Ein spritziger Auftakt voller Esprit
Johann Strauss’ Ouvertüre zur Operette „
Die Fledermaus„ist ein Feuerwerk an melodischem Witz, rhythmischer Eleganz und tänzerischem Schwung – ein Inbegriff der Wiener Lebensfreude. Unter der Leitung von Michael Sanderling präsentiert das LSO eine Interpretation, die gleichermaßen glänzt und differenziert phrasiert, prickelnd wie Champagner und doch präzise kontrolliert.

Eleganz in Klang und Bewegung

Neujahrskonzertimpression von Philipp Schmidli
Neujahrskonzertimpression von Philipp Schmidli

Von den ersten zarten Streichereinsätzen bis zum aufblühenden Hauptthema entfalten die Musiker:innen einen Klang voller Transparenz und Leichtigkeit. Sanderling betont die rhythmische Elastizität der Phrasen, lässt die Musik atmen und schwingen, ohne ins Übermütige zu kippen. So entsteht eine Ouvertüre, die ihre Vitalität aus Balance gewinnt – zwischen Schwung und Stil, zwischen Theater und Konzertsaal.

Das Luzerner Sinfonieorchester mit Wiener Flair
Die Holzbläser glänzen mit Charme und Wärme, die Streicher mit seidiger Geschmeidigkeit. Besonders bezaubernd gelingt das Spiel mit den dynamischen Kontrasten: Das Ensemble versteht es, Spannung aufzubauen, zurückzunehmen und wieder funkelnd aufzulösen. Hier wird Strauss nicht nur gespielt, sondern gelebt.

Ein musikalischer Tanz der Lebenslust

Neujahrskonzertimpression von Philipp Schmidli
Neujahrskonzertimpression von Philipp Schmidli

Sanderlings Deutung zeigt, wie viel Substanz hinter Strauss’ Leichtigkeit steckt. Unter seiner präzisen, unprätentiösen Leitung entfaltet sich die Fledermaus-Ouvertüre als kleines symphonisches Drama – voller Humor, Glanz und klanglicher Raffinesse. Ein schwungvoller Auftakt, der den Geist des Wiener Walzers aufleuchten lässt, doch in Luzern stilvoll neu erblüht.

Johann Strauss Arie «Mein Herr Marquis» aus der Operette Die Fledermaus, op. 362

Ein funkelnder Moment voll Charme und Witz
In der berühmten Arie
„Mein Herr Marquis“ aus Johann Strauss’ Die Fledermaus entfaltet sich purer Operettenzauber. Das LSO unter Michael Sanderling bietet einen leichten, federnden Klangteppich, der Regula Mühlemann Raum für ihre stimmliche Eleganz und ihr unwiderstehliches Spiel zwischen Ironie und Anmut lässt.

Regula Mühlemann – Virtuosin des Humors

Regula Mühlemann
Sopranistin Regula Mühlemann Foto Philipp Schmidli

Mit glockenklarem Sopran und präziser Artikulation verleiht Mühlemann der listigen Kammerzofe Adele feine Konturen. Jede Verbeugung, jeder vokale Augenaufschlag ist perfekt gesetzt. Sie verbindet technische Brillanz mit charmanter Schalkhaftigkeit, ohne in Klamauk zu verfallen – eine perfekte Balance aus Esprit und musikalischer Geschmackssicherheit.

Das Orchester als tänzerischer Partner
Unter Sanderlings Leitung spielt das Luzerner Sinfonieorchester mit Schwung und Leichtigkeit, doch stets mit vornehmer Zurückhaltung. Die Begleitung wirkt atmend und fein nuanciert, besonders in den Walzerpassagen, die sich wie Seide um Mühlemanns Stimme legen.

Ein kleiner Triumph der Operettenkunst

Sopranistin Regula Mühlemann Foto Philipp Schmidli
Sopranistin Regula Mühlemann Foto Philipp Schmidli

Diese Aufführung beweist, dass Strauss’ Musik weit mehr ist als Unterhaltung: Sie lebt vom raffinierten Zusammenspiel von Stimme, Orchester und szenischem Witz. Regula Mühlemanns Adele sprüht vor Leben – kokett, klug und unwiderstehlich. Ein musikalisches Kabinettstück voller Glanz und augenzwinkernder Leichtigkeit animiert das Auditorium denn auch zu einem langanhaltenden Applaus für die in Adligenswil bei Luzern geboren und aufgerwachsene „Lokalmatadorin“.

Johann Strauss Frühlingsstimmen-Walzer für Sopran und Orchester, op. 410

Ein Erwachen in Klang und Farbe

Neujahrskonzertimpression von Philipp Schmidli
Neujahrskonzertimpression von Philipp Schmidli

Johann Strauss’ „Frühlingsstimmen-Walzer“ ist ein Hymnus auf das Leben, die Leichtigkeit und das Erwachen der Natur. Unter Michael Sanderlings Leitung gelingt dem KKL Residenzorchester eine Interpretation von schwebender Eleganz. Vom ersten zarten Vogelruf der Violinen bis zu den strahlenden Tutti entfaltet sich eine Atmosphäre von vibrierender Frische.

Gesang als Spiegel des Frühlings
Mühlemanns Sopranstimme gleitet über das orchestrale Geflecht wie eine Lichtspur. Mit hell timbrierter, klarer Linie formt sie Strauss’ Melodien zu klingenden Blüten – zart im Ausdruck, zugleich von glitzernder Präzision. Jeder Ton atmet Freude und Bewegtheit, ohne je ins Übermütige zu rutschen. So entsteht ein Gesang, der aus dem Innersten heraus leuchtet.

Michael Sanderling und die Kunst des schwebenden Tempos
Sanderling führt sein Orchester mit feinem Gefühl für Balance und rhythmischen Atem. Die Phrasen pulsieren lebendig, die Klangfarben changieren zwischen seidiger Wärme und tänzerischem Funkeln. Trotz aller Eleganz bleibt der Walzer rhythmisch straff und voller innerer Energie.

Ein Walzer als klingende Hoffnung

Sopranistin Regula Mühlemann und Dirigent Michael Sanderling Foto Philipp Schmidli
Sopranistin Regula Mühlemann und Dirigent Michael Sanderling Foto Philipp Schmidli

Diese Aufführung macht deutlich, warum Strauss der „Walzerkönig“ bleibt: Sie vereint Vitalität, Anmut und orchestrale Raffinesse. Das LSO schafft unter Sanderlings Leitung ein Klanggemälde von tänzerischer Leichtigkeit – ein musikalischer Frühling, der im Herzen weiterblüht und mit dementspreprechendem Applaus belohnt wird.

Franz Liszt (1811–1886) Mephisto-Walzer Nr. 1, Der Tanz in der Dorfschenke, S.514

Ein Tanz mit dem Teufel
Franz Liszts „Mephisto-Walzer Nr 1“  ist ein musikalisches Beben zwischen Ekstase und Verführung. Unter ihrem Chefdirigenten entfacht das LSO ein Klangbild voller Raserei, Glut und dämonischer Eleganz – ein Walzer, der lodert, funkelt und zugleich messerscharf kontrolliert bleibt.

Teuflische Virtuosität und orchestraler Glanz
Von den ersten fiebrig flirrenden Geigen bis zu den eruptiven Bläserfanfaren sitzt jede Nuance. Sanderling formt die wilden Rubati und dynamischen Kontraste mit fester Hand, lässt die Musik aber nie ins Chaos entgleiten. Das Orchester scheint in höllischer Verlockung zu tanzen, getrieben von unbezwingbarem Rhythmus und gleißender Energie.

Zwischen Verführung und Abgrund

Neujahrskonzertimpression von Philipp Schmidli
Neujahrskonzertimpression von Philipp Schmidli

Liszt malt hier kein bloßes Tanzvergnügen, sondern ein seelenvolles Drama: Sinnlichkeit kippt in Raserei, Schönheit in Zerstörung. Sanderling meißelt diese Dualität plastisch heraus – mit schneidender Präzision und dramatischer Wucht. Besonders die Streicher glänzen mit glühender Intensität, die Holzbläser mit schattenhafter Ironie.

Ein Rausch in orchestraler Vollendung

Das LSO beweist in dieser Deutung, dass der „Mephisto-Walzer“ weit über virtuosen Effekt hinausgeht: ein teuflisch kluges, packend erzähltes Stück Musik, in dem Verführung und Verdammnis sich im Dreivierteltakt vereinen. Ein glühender Triumph der orchestralen Verführungskraft.

Giuseppe Verdi (1813–1901) Arie „Mercè, dilette amiche“ aus der Oper I Vespri Siciliani

Ein Triumph des Glanzes und der Gnade
In Giuseppe Verdis Arie
„Mercè, dilette amiche“ entfaltet sich reine Opernfestlichkeit. Regula Mühlemann lässt mit kristallklarem Sopran und sicherer Bühnenpräsenz Verdis Jubelgesang leuchten. Unter Michael Sanderlings Leitung begleitet das LSO mit funkelnder Präzision und feierlicher Grandezza.

Regula Mühlemann – Strahlkraft mit Leichtigkeit
Mühlemann meistert die anspruchsvolle Koloraturpartie mit technischer Leichtigkeit und tänzerischer Eleganz. Ihre Stimme bleibt hell und geschmeidig, frei strömend bis in die höchsten Höhen. Dabei vermittelt sie nicht bloß Virtuosität, sondern echte Freude und Dankbarkeit – ein Gesang, der aus innerem Strahlen geboren scheint.

Orchester und Dirigent als glänzendes Fundament
Michael Sanderling formt sein Ensemble zu einem atmenden Klangkörper: Die Streicher schimmern silbrig, die Bläser setzen strahlende Akzente. Gemeinsam schaffen sie eine festliche Bühne für Mühlemanns Stimme, die von dieser orchestralen Glut ideal getragen wird.

Verdi als Fest menschlicher Empfindung
Diese Interpretation lässt spüren, dass Verdi hier nicht bloß Virtuosität, sondern Lebensfreude feiert. Das Zusammenspiel von Sopran und Orchester verleiht der Arie funkelnde Balance zwischen Jubel und Zartheit – ein leuchtender Moment, der zugleich elegant, emotional und berührend echt wirkt. Das Publikum feiert „seine“ Starsopranistin mit einer wahren Applauskadkade, ist dann aber etwas verwirrt, als diese den Saal durch
einen der vorderen Seiteneingänge zu verlässt

Luigi Arditi (1822–1903) Il Bacio – Walzer für Sopran und Orchester

Das Orchester beginnt zu spielen, ohne die Sopranistin auf der Bühne, die dann, die Arie intonierend, von einem der hinteren Publikumseingängen aus durch den Konzertsaal auf die Bühne schreitet.

Ein Kuss in Klang verwandelt
Luigi Arditis Il Bacio – ein funkelnder Walzer für Sopran und Orchester – ist reine Belcanto-Eleganz in Bewegung. Unter Michael Sanderlings Leitung entfaltet das LSO eine glänzende, federleichte Begleitung, die tänzerischen Schwung und feine Nuancen perfekt vereint.

Regula Mühlemann – Charme und Virtuosität

Regula Mühlemann schreitet singend durchs Publikum Foto Philipp Schmidli
Regula Mühlemann schreitet singend durchs Publikum Foto Philipp Schmidli

Mit strahlender Stimme und makelloser Technik gestaltet Regula Mühlemann Arditis Partitur als kokettes Spiel von Anmut und Temperament. Ihre Koloraturen perlen mühelos, jede Phrase klingt von süßer Spielfreude getragen. Dabei verbindet sie technische Brillanz mit feinem Ausdruck – ein musikalischer Kuss, charmant und lebendig.

Ein kleines Juwel der Leichtigkeit
Sanderling hält den orchestralen Fluss transparent und beschwingt. So bleibt „
Il Bacio“ das, was es sein soll: ein zarter Augenblick purer Freude. Mühlemann und das LSO verwandeln Arditis Miniatur in ein funkelndes Kabinettstück italienischer Eleganz – leicht, duftend, unwiderstehlich, den das Auditorium mit stürmischem Applaus belohnt.

Neujahrskonzertimpression von Philipp Schmidli
Neujahrskonzertimpression von Philipp Schmidli

Für die, vom Publikum energisch erklatschte Zugabe,vereinigten sich Orchester, Dueñas und Mühlemann und unternahmen einen Karibiktrip. Gemeinsam sangen und spielten sie das Finale der tragischen Geschichte der María la O aus der gleichnamigen Zarzuela des kubanischen Komponisten Ernesto Lecuona. Ein krönender, jubilierender Abschluss eines grossartigen Konzertabends und ein Versprechen für das neue Jahr 2026

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Philipp Schmidli  www.sinfonieorchester.ch und https://regulamuehlemann.com/

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Dirigent Michael Sanderling Foto Philipp Schmidli

Regula Mühlemann schreitet singend durchs Publikum Foto Philipp Schmidli

Die zwei Solistinnen nach der gemeinsamen Zugabe Foto Philipp Schmidli

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