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Lungenkrebs: S3-Leitlinie mit neuen Empfehlungen zu Immuntherapie und Operabilität

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Die S3-Leitlinie „Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des
Lungenkarzinoms“ wurde im Leitlinienprogramm Onkologie aktualisiert. Die
wichtigsten Änderungen betreffen die Empfehlung zur medikamentösen
Behandlung des kleinzelligen Lungenkarzinoms (SCLC) im fortgeschrittenen
Stadium, grundlegende Anpassungen zur Operabilitätsbewertung des nicht-
kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) im Stadium II und III und neue
Empfehlungen zur interventionellen Therapie.



Laut Robert Koch-Institut erkrankten im Jahr 2023 24.900 Frauen und 33.500
Männer an Lungenkrebs. Die Prognose ist eher ungünstig und richtet sich
stark nach dem Erkrankungsstadium: Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei
Frauen bei rund 25 Prozent und bei Männern bei 19. Lungenkarzinome lassen
sich in die Gruppen NSCLC und SCLC einteilen, wobei etwa 20 Prozent der
diagnostizierten Tumoren SCLC sind.

Therapieempfehlungen kleinzelliges Lungenkarzinom

60 bis 70 Prozent aller Patient*innen mit einem neu diagnostizierten SCLC
befinden sich zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits im palliativen
Stadium IV. Die Therapie zielt daher auf Lebensverlängerung und -qualität
ab.
Für diese Therapiesituation wurde in der Leitlinie eine neue Empfehlung
zur Kombination der Chemotherapie mit einem PD-1-Antikörper aufgenommen.
„Durch die Checkpoint-Inhibitoren zusätzlich zur Chemotherapie wurde ein
neuer Standard etabliert, der das progressionsfreie Überleben und das
Gesamtüberleben deutlich verbessert“, sagt Professor Wolfgang Schütte vom
Krankenhaus Martha-Maria in Halle-Dölau. Gemeinsam mit Dr. Sylvia Gütz,
St. Elisabeth Krankenhaus Leipzig und Dr. Wiebke Nehls, Helios Klinikum
Emil von Behring, koordinierte er die Aktualisierung der Leitlinie. „Wir
haben nun erstmals Daten, die ein Langzeitüberleben von drei Jahren
zeigen. Die Studien zeigen klare Vorteile der kombinierten Therapie im
Vergleich zur alleinigen Chemotherapie.“

Auch für die Situation eines Rezidivs oder eines Fortschreitens des SCLC
im Stadium IV werden in der aktualisierten Leitlinie neue
Therapieempfehlungen gegeben.

Neue Standards bei der Operabilitätsbewertung beim nicht-kleinzelligen
Lungenkarzinom

In der Leitlinie werden auch neue Empfehlungen zur Therapieentscheidung
beim NSCLC Stadium II und III gegeben. Wenn möglich, ist eine Operation
als kurativer Ansatz die Therapie der Wahl. Ist eine Operation nicht
möglich, was insbesondere im fortgeschrittenen Stadium der Fall ist,
werden verschiedene multimodale Konzepte angewandt.
Erstmals wird nun die Operabilität systematisch in drei Dimensionen
bewertet:
-       Technisch: Ist der Tumor resektabel?
-       Funktionell: Verträgt der/die Patient*in die OP?
-       Onkologisch: Ist eine vollständige Tumorentfernung mit einer
besseren Prognose für den/die Patient*in möglich?

Neu sind dazu standardisierte Diagnostikpfade zur präzisen Beurteilung der
Operabilität sowie klare Empfehlungen zur multimodalen Therapie: Bei
resektablen Tumoren kommt neoadjuvante Immunchemotherapie zum Einsatz. Bei
unsicherer Operabilität soll die Empfehlung zur multimodalen Therapie erst
nach erweiterter Diagnostik im Tumorboard und unter besonderer
Berücksichtigung der Patient*innenwünsche erfolgen. Auch die operativen
Verfahren werden durch neue Empfehlungen genauer definiert, so
beispielsweise die Kriterien für minimalinvasive Lobektomien (VATS/RATS)
oder die Indikation für Manschettenresektionen zur Pneumonektomie-
Vermeidung. Zudem wurde das Alter als alleiniges Ausschlusskriterium
gestrichen – hier soll nun eine individuelle, interdisziplinäre
Risikoabwägung stattfinden.

Interventionelle Therapie: Zehn überarbeitete Empfehlungen, vier neue

Interventionelle Therapien sind Methoden, die lokal wirksam sind und als
minimalinvasive Eingriffe durchgeführt werden. Beim Lungenkrebs werden sie
vor allem im palliativen Setting eingesetzt, etwa um Atemwege zu befreien,
Blutungen zu stillen oder Tumorgewebe zu zerstören.
„In der Leitlinie gibt es viele neue und überarbeitete
Therapieempfehlungen, die dabei helfen, die Lebensqualität unserer
Patient*innen zu verbessern oder eine Folgetherapie zu ermöglichen“, so
Schütte.

Über die Leitlinie

Die S3-Leitlinie „Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des
Lungenkarzinoms“ wird als sogenannte „Living Guideline“ fortlaufend
aktualisiert. Sie richtet sich an Onkolog*innen, Pneumolog*innen,
Thoraxchirurg*innen und alle an der Behandlung von Patient*innen mit
Lungenkrebs beteiligten Personen.
Die Leitlinie entstand unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft
für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP), der Deutschen
Krebsgesellschaft e.V. vertreten durch ihre Arbeitsgemeinschaften und
unter Mitwirkung von 29 weiteren Fachgesellschaften und Organisationen.
Finanziert wurde das Leitlinienupdate von der Deutschen Krebshilfe im
Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie.

Die neue S3-Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar https://www
.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/lungenkarzinom oder im
Leitlinien-Hub unter https://hub.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinie
/praevention-diagnostik-therapie-und-nachsorge-des-lungenkarzinoms

Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert, die
für Android- oder iOS-Systeme verfügbar ist. https://www
.leitlinienprogramm-onkologie.de/app

Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 37 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://leitlinienprogramm-onkologie.de