Fahrzeug mit Hightech-Diagnostik wird als Modellprojekt Pflegeheime im Saarland versorgen

Ein LKW vollgepackt mit Hightech-Diagnostik soll künftig Pflegeheime im
Saarland anfahren, um deren erkrankten Bewohnern medizinische
Untersuchungen vor Ort zu ermöglichen und ihnen Klinikaufenthalte zu
ersparen. Für dieses bundesweit einmalige Modellprojekt haben die
Universität des Saarlandes, das Universitätsklinikum und mehrere Partner
über acht Millionen Euro Fördergelder vom Gemeinsamen Bundesausschuss
bewilligt bekommen. Das neue Fahrzeug wurde nun erstmals der
Öffentlichkeit präsentiert.
Im Saarland gibt es derzeit 160 Pflegeheime, darin leben mehr als 14 000
Menschen, die häufig dement oder in ihrer Mobilität stark eingeschränkt
sind. Wenn diese betagten Personen gesundheitliche Probleme bekommen,
werden sie meist nur zur Diagnostik für mehrere Tage ins Krankenhaus
eingewiesen. Der Transport und die ungewohnte Umgebung belasten diese
risikogefährdete Patientengruppe sehr. Um ihnen dies zu ersparen und die
Notaufnahmen der Kliniken zu entlasten, hat Klaus Faßbender, langjähriger
Medizinprofessor an der Universität des Saarlandes, ein umfangreiches
Konzept für die mobile Diagnostik von Pflegeheimbewohnern erarbeitet.
Dieses Konzept hat bereits vor vier Jahren den Gemeinsamen Bundesausschuss
überzeugt: Das höchste Gremium der Selbstverwaltung im deutschen
Gesundheitswesen beauftragte den Medizinprofessor damit, im Rahmen eines
innovativen medizinischen Versorgungsmodells ein passendes Fahrzeug mit
technischer Diagnostik zu entwickeln und es an saarländischen Pflegeheimen
testweise einzusetzen.
Das DIKOM-Fahrzeug wurde dafür mit einem Computertomographen, einem
Röntgen- und Ultraschallgerät, einem EEG- und EKG-Gerät sowie einem Labor
ausgestattet, was dem Standard einer klinischen Notaufnahme entspricht.
Der LKW umfasst einen barrierefrei zugänglichen Behandlungsraum und eine
hochwertige Ausstattung für die digitale Vernetzung und telemedizinische
Kommu¬nikation. Anspruchsvoll ist auch die energetische Versorgung, für
die ein besonders leistungsfähiges Batte¬riesystem entwickelt wurde, das
den ganztägigen Betrieb aller diagnostischen Geräte garantiert und die
telemedizinische Vernetzun¬g erst möglich macht. Die Batterien werden
jeweils über Nacht aufgeladen, um die mobile geriatrische Einheit tagsüber
voll einsatzbereit zu halten. An der technischen Entwicklung und Umsetzung
war die Homburger Firma „A6 JUNG“ maßgeblich beteiligt, die Expertise für
Spezialanfertigungen im Fahrzeugbau hat.
Die „Mobile Geriatrie Unit“ (MGU) wird bei ihren Untersuchungseinsätzen
von Fachärzten sowie von medizinisch-technischen Radiologie- und
Rettungsassistenten begleitet. Die in dem Spezialfahrzeug erhobenen Daten
werden über eine geschützte mobile Übertragung direkt an Spezialisten für
Radiologie, Innere Medizin und Geriatrie sowie Neurologie und Orthopädie
übermittelt. „Diese Experten werten die Befunde aus und stellen sie
zeitnah den überweisenden Hausärzten und den Pflegeteams in den Heimen zur
Verfügung, damit diese ihre Patienten in vertrauter Umgebung weiter
versorgen können. Auf diese Weise werden die Haus- und Fachärzte vor Ort
gestärkt und die Krankenhäuser entlastet. Auch die Beiträge der
Versicherten werden wirtschaftlicher eingesetzt“, erklärt Professor Klaus
Faßbender.
Die Einsätze des neuen Hightech-Lasters an saarländischen Pflegeheimen
werden wissenschaftlich begleitet, um den medizinischen und ökonomischen
Nutzen als Basis für eine zukünftige Übernahme in die Regelversorgung zu
evaluieren. Unterstützt wird das Modellprojekt mit dem Namen „DIKOM -
Diagnostik und Konsil im Pflegeheim mittels Mobiler Geriatrie Unit“ durch
die Saarländische Pflegegesellschaft, die Kassenärztliche Vereinigung,
alle im Saarland tätigen Kranken- und Pflegekassen, die saarländischen
Diagnostikexperten von Xcare, des Caritasklinikums Lebach sowie
verschiedener Institute des Universitätsklinikums.
Projektträger ist die Universität des Saarlandes. Der gesamte innovative
Versorgungsprozess wird vom Saarbrücker Institut für Sozialforschung und
Sozialwirtschaft (ISO) sowie dem Berliner Institut für angewandte
Versorgungsforschung (inav) wissenschaftlich begleitet. Insgesamt haben
Professor Klaus Faßbender und sein Team für die Projektlaufzeit von
insgesamt drei Jahren zwölf Konsortial- und 33 Kooperationspartner zur
Mitwirkung gewonnen. In der im September startenden aktiven Modellphase
erhalten zunächst rund 4 000 Heimbewohner aus etwa 50 Pflegeheimen eine
„mobile Diagnostik“ in ihrer vertrauten Umgebung.
Universitätspräsident Ludger Santen sagt anlässlich der Präsentation der
mobilen geriatrischen Einheit: „Das DIKOM-Fahrzeug ist ein Musterbeispiel
für den Wissenstransfer an der Universität. An der Medizinischen Fakultät
entstand die geniale Idee, die Hightech-Diagnostik zu den betagten
Menschen zu bringen, um diesen damit belastende Krankenhausaufenthalte zu
ersparen. Mit viel Engagement und Erfindergeist sowie der Unterstützung
zahlreicher Partner aus der Medizin und Medizintechnik sowie der Sozial-
und Gesundheitswirtschaft wurde diese Idee nun buchstäblich auf die Straße
gebracht. In der Pilotphase werden saarländische Pflegeheime davon
profitieren. Wir hoffen sehr, dass dieses Modellprojekt Bund, Länder und
Krankenkassen begeistert, damit das mobile und zugleich hochkarätige
Angebot nach erfolgreichem Modellverlauf flächendeckend zum Standard
wird.“
Jakob von Weizsäcker, Minister der Finanzen und für Wissenschaft des
Saarlandes, betont: „Deutschland und das Saarland altern. Für sich
genommen ist es ausgesprochen erfreulich, dass unsere Lebenserwartung hoch
ist. Damit gehen allerdings neue Anforderungen an unser Gesundheitswesen
einher. Um diese besser zu erfüllen, benötigen wir Innovationen. Deshalb
begrüße ich die Indienststellung des DIKOM-Fahrzeugs. Damit soll erprobt
werden, wie die medizinische Versorgung, einschließlich moderner
Diagnostik, zu älteren und pflegebedürftigen Menschen kommen kann. Wir
schließen damit im Saarland eine große Versorgungslücke. Die Universität
des Saarlandes und das Universitätsklinikum leisten gemeinsam mit ihren
Partnern hier echte Pionierarbeit. Ich wünsche dieser neuen
Versorgungsform viel Erfolg!“
Staatssekretär David Lindemann, Chef der Staatskanzlei sowie Vorsitzender
des Aufsichtsrates des Universitätsklinikums des Saarlandes, ergänzt:
„„Mit dem DIKOM-Fahrzeug gehen wir neue Wege in der Gesundheitsversorgung.
Denn Wege werden im Alter beschwerlicher. Wenn Experten mit Hightech-
Ausstattung die Diagnostik bei den Menschen durchführen, dann profitieren
nicht nur die Patienten. Auch Pflegeheime und Krankenhäuser werden durch
das innovative Fahrzeug entlastet. Das ist Innovation aus dem Saarland für
das Saarland: Eine starke Idee aus Forschung und Gesundheitswesen wurde
mit der Expertise eines Homburger Unternehmens Realität. Gemeinsam zeigen
wir, was möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen. So geht
Zusammenhalt, so geht Saarland.“
