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Virencheck für die Welternährung: Wie die DSMZ den sicheren Austausch von Cassavamaterial zwischen Südamerika und Afrika

Cassavapflanzen in Tanzania  Quelle: Samar Sheat  Copyright: Samar Sheat/DSMZ
Cassavapflanzen in Tanzania Copyright: Samar Sheat/DSMZ
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Die Abteilung Pflanzenviren der DSMZ gewährleistet mit modernster
Diagnostik den sicheren Transfer genetischer Ressourcen und leistet damit
einen zentralen Beitrag zur globalen Ernährungssicherung

Die von Dr. Björn Krenz geführte Abteilung für Pflanzenviren des Leibniz-
Instituts DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
in Braunschweig schützt durch den gesicherten globalen Austausch von
Cassava-Pflanzenmaterial diese extrem wichtige Ernährungspflanze.

Cassava
ist für hunderte Millionen Menschen in Sub-Sahara-Afrika lebensnotwendig.
Ähnlich wie die Kartoffel aus Südamerika stammend, liefert sie Stärke und
Energie für eine der vulnerabelsten Bevölkerungsgruppen der Welt. Doch
Klimawandel und neue Pflanzenkrankheiten setzen die Kulturen zunehmend
unter Druck. Die Antwort der Wissenschaft liegt in der gezielten
Pflanzenzüchtung, dafür wird ständig neues genetisches Material benötigt.
Pflanzenzüchtung beruht auf der kontinuierlichen Weiterentwicklung
vorhandener Sorten, um leistungsfähigere, ertragreichere und
widerstandsfähigere Pflanzen zu erzeugen, die beispielsweise besser an
veränderte klimatische Bedingungen angepasst sind oder neu auftretenden
Krankheits- und Schaderregern besser standhalten. „Besonders wertvolle
Cassava-Genotypen finden sich in ihren Ursprungsregionen Kolumbien und
Brasilien und sind wissenschaftlich wie entwicklungspolitisch von hoher
Relevanz“, informiert Doktor Krenz.

Das Risiko: Unsichtbare Bedrohungen auf Reisen
Der interkontinentale Austausch von Pflanzenmaterial birgt jedoch
erhebliche Risiken. Viren, Bakterien, Pilze, Nematoden und Insekten können
als blinde Passagiere mitreisen und in neuen Regionen auf anfällige
Sorten, unbekannte Vektoren oder fehlende Abwehrstrategien treffen. „Ein
unkontrollierter Transfer wäre nicht nur fahrlässig, sondern könnte
verheerende Folgen für ganze Anbaugebiete haben. Dieses Szenario trifft
natürlich nicht nur für Cassava zu“, so Dr. Björn Krenz.

Die Lösung: Modernste Diagnostik an der DSMZ
Genau hier setzt die Abteilung Pflanzenviren der DSMZ an. Unter der
Leitung von Dr. Samar Sheat arbeitet hier ein interdisziplinäres Team an
der Schnittstelle von Forschung, Diagnostik und internationaler
Pflanzengesundheit. Bevor Cassava-Material zwischen Kontinenten und
Regionen transferiert werden kann, durchläuft es ein intensives
Untersuchungsprotokoll, das auch bisher unbekannte und neuartige Erreger
zuverlässig erkennt. Präzise molekulare Methoden, darunter modernste
Genomsequenzierung und biologische Tests, kommen ebenso zum Einsatz wie
spezielle Quarantäne- und Growing-on-Verfahren unter kontrollierten
Bedingungen. Ziel ist die umfassende Bewertung des Gesundheitsstatus jedes
Pflanzenmaterials, bevor es freigegeben wird. „Unsere Arbeit ist wenig
sichtbar, aber sie ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wertvolles
genetisches Material überhaupt international genutzt werden kann. Wir
stellen sicher, dass die Züchtungsforschung auf der ganzen Welt Zugang zu
den besten Cassava-Linien bekommt, ohne dabei

phytosanitäre Risiken einzugehen", erläutert Dr. Samar Sheat von der
Abteilung Pflanzenviren des Leibniz-Instituts DSMZ.

Bedeutung für die globale Ernährungssicherung
Die Arbeit der DSMZ ermöglicht internationale Cassava-Züchtung,
Resistenzforschung und den Transfer verbesserter Linien und verhindert
gleichzeitig, dass Pathogene aus Südamerika nach Afrika oder umgekehrt
verschleppt werden. Die DSMZ ist damit eine global bedeutende
wissenschaftliche Kontrollstelle für den sicheren Austausch
pflanzengenetischer Ressourcen. Das Beispiel Cassava zeigt exemplarisch,
wie moderne Virusdiagnostik, internationale Zusammenarbeit und
verantwortungsvoller Umgang mit pflanzengenetischen Ressourcen
zusammenwirken - zum Nutzen der Ernährungssicherheit und
Pflanzengesundheit weltweit. „Pflanzengenetische Ressourcen sind das
Kulturgut aller Menschen. Es ist unsere Verantwortung, sie so zu schützen
und verfügbar zu machen, dass künftige Generationen davon profitieren –
gerade angesichts des Klimawandels", so Dr. Samar Sheat von der Abteilung
Pflanzenviren des Leibniz-Instituts DSMZ abschließend.

DSMZ-Pressekontakt
PhDr. Sven-David Müller, Pressesprecher des Leibniz-Instituts DSMZ-
Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH, Tel.:
0531/2616-300, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Über das Leibniz-Institut DSMZ
Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und
Zellkulturen GmbH ist die weltweit vielfältigste Sammlung für biologische
Ressourcen (Bakterien, Archaeen, Protisten, Hefen, Pilze, Bakteriophagen,
Pflanzenviren, genomische bakterielle DNA sowie menschliche und tierische
Zellkulturen). An der DSMZ werden Mikroorganismen sowie Zellkulturen
gesammelt, erforscht und archiviert. Als Einrichtung der Leibniz-
Gemeinschaft ist die DSMZ mit ihren umfangreichen wissenschaftlichen
Services und biologischen Ressourcen seit 1969 globaler Partner für
Forschung, Wissenschaft und Industrie. Die DSMZ ist als gemeinnützig
anerkannt, die erste registrierte Sammlung Europas (Verordnung (EU) Nr.
511/2014) und nach Qualitätsstandard ISO 9001:2015 zertifiziert. Als
Patenthinterlegungsstelle bietet sie die bundesweit einzige Möglichkeit,
biologisches Material nach den Anforderungen des Budapester Vertrags zu
hinterlegen. Neben dem wissenschaftlichen Service bildet die Forschung das
zweite Standbein der DSMZ. Das Institut mit Sitz auf dem Science Campus
Braunschweig-Süd beherbergt mehr als 94.400 Bioressourcen und hat rund 210
Beschäftigte. www.dsmz.de

Über die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 96 eigenständige
Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-,
Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und
Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute
widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen.
Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, vernetzen
sich in übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten
wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte
Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft berät und informiert
Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Sie setzt
Schwerpunkte im Wissenstransfer, insbesondere mit den Leibniz-
Forschungsmuseen. Ein besonderer Fokus liegt zudem auf technologisch
relevanter Forschung und aktivem Technologietransfer: Leibniz-Institute
bringen innovative Entwicklungen gezielt in die Anwendung und fördern
durch Kooperationen mit Wirtschaft und Industrie die Umsetzung neuer
Technologien in die Gesellschaft. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge
Kooperationen mit den Hochschulen – unter anderem in Form der Leibniz-
WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und
Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen
Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern
Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die
Leibniz-Institute beschäftigen rund 21.400 Personen, darunter 12.200
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das Finanzvolumen liegt bei gut
2,3 Milliarden Euro. www.leibniz-gemeinschaft.de