Umgang mit Medikamenten: Viele ältere Menschen haben Schwierigkeiten
Die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente gehört für viele ältere
Menschen zum Alltag. Eine aktuelle Untersuchung aus der hausärztlichen
Versorgung zeigt jedoch, dass die selbstständige Anwendung dieser
Arzneimittel häufig mit Herausforderungen verbunden ist. Forschende der
Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und des
Universitätsklinikums Essen haben gemeinsam mit Kolleg:innen des
Universitätsklinikums Düsseldorf die Ergebnisse der Studie kürzlich in
Frontiers of Public Health veröffentlicht.
Für die Studie wurden 102 Personen ab 70 Jahren befragt, die regelmäßig
mindestens fünf verschiedene Medikamente anwenden. Dabei berichteten 20
Prozent, dass ihnen Medikamente bereits ausgegangen waren, und fünf
Prozent gaben an, Medikamente verwechselt zu haben. Besonders häufig
traten praktische Probleme bei der Anwendung von Augentropfen auf: Rund 40
Prozent der Befragten nannten diese Darreichungsform als schwierig. Zudem
hatten knapp 20 Prozent Schwierigkeiten beim Öffnen von
Medikamentenverpackungen.
Altersbedingte Veränderungen beeinflussen Arzneimitteltherapiesicherheit
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Arzneimitteltherapiesicherheit nicht
allein von der Verordnung der richtigen Medikamente abhängt. Auch die
Fähigkeit, Medikamente korrekt zu handhaben und dauerhaft anzuwenden,
spielt eine zentrale Rolle. Da altersbedingte Veränderungen der
Sehfähigkeit, Feinmotorik oder Gedächtnisleistung die
Medikamentenanwendung erschweren können, gilt die sogenannte
Medikamentenmanagement-Kompete
geriatrischen Versorgung.
„Gleichzeitig zeigte die Studie, dass die meisten Befragten den Nutzen
ihrer Medikamente positiv bewerteten und deren Zweck kannten. Die
beobachteten Schwierigkeiten scheinen daher weniger auf mangelnde
Motivation als auf praktische Hürden im Alltag zurückzuführen zu sein“, so
Dr. Janine Gronewold, Diplom-Psychologin an der Klinik für Neurologie des
Universitätsklinikums Essen.
Mehr Forschung zu Unterstützungsmaßnahmen notwendig
Die Autor:innen sehen in den Ergebnissen einen Hinweis darauf, dass
Probleme bei der Medikamentenanwendung in der hausärztlichen Versorgung
häufiger erkannt und gezielt adressiert werden sollten. Künftige Studien
sollen untersuchen, welche Unterstützungsmaßnahmen dazu beitragen können,
Medikationsfehler zu vermeiden und die Arzneimitteltherapiesicherheit im
Alter zu verbessern.
