S3-Leitlinie Endometriumkarzinom aktualisiert
Das Leitlinienprogramm Onkologie hat die S3-Leitlinie Endometriumkarzinom
überarbeitet. Die Leitlinie gibt unter anderem evidenzbasierte
Empfehlungen für eine risikoadaptierte Therapie, mit der unnötige
Eingriffe vermieden werden können, sowie Hinweise zur Diagnostik und
Therapie seltener histologischer Subtypen und erblicher Varianten.
Die S3-Leitlinie entstand unter der Federführung der Deutschen
Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der
Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) der Deutschen
Krebsgesellschaft (DKG) sowie unter Mitwirkung von 35 weiteren
Fachgesellschaften und Organisationen. Finanziert wurde die Überarbeitung
von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie.
Laut dem Robert Koch-Institut erkranken in Deutschland jährlich etwa
11.000 Frauen an Gebärmutterkörperkrebs. Damit ist die Tumorerkrankung
hierzulande die häufigste Krebserkrankung der weiblichen
Geschlechtsorgane. Das Endometriumkarzinom wird am häufigsten zwischen dem
70. und 84. Lebensjahr diagnostiziert. Da die Tumorart oftmals in einem
frühen Stadium diagnostiziert wird, ist die Prognose günstig. Bei der
Behandlung des Endometriumkarzinoms können eine Operation, Bestrahlung
und/oder eine medikamentöse Therapie zum Einsatz kommen.
Durch eine evidenzbasierte risikoadaptierte Therapie können beim
Endometriumkarzinom mit geringem Risikoprofil unnötige Operationen und
adjuvante Strahlen- und/oder Chemotherapien vermieden werden. „Dieser
Ansatz reduziert deutlich die therapieinduzierte Morbidität und erhöht
zeitgleich die Lebensqualität der Patientinnen. Die S3-Leitlinie gibt hier
wichtige Empfehlungen, ohne die onkologische Sicherheit zu
vernachlässigen“, so Professor Clemens Tempfer von der Universitäts-
Frauenklinik der Ruhr-Universität Bochum. Gemeinsam mit Professorin Sara
Brucker, Universitätsklinikum Tübingen, und Professor Eric Steiner, GPR
Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim, hat er die Leitlinie
koordiniert.
Operatives Staging beim Endometriumkarzinom
Die Therapie des Endometriumkarzinoms orientiert sich unter anderem an der
Risikobeurteilung der European Society of Gynaecological Oncology (ESGO),
der European Society for Radiotherapy and Oncology (ESTRO) und der
Europäischen Gesellschaft für Pathologie (ESP). „Bei der Risikoeinteilung
unterscheiden wir zwischen low risk, intermediate risk, high-intermediate
risk und high risk“, erklärt Brucker. „Diese Einteilung hilft uns,
individualisierte Therapieentscheidungen zu treffen.“
Je nach Risikoklasse können beim operativen Eingriff die Gebärmutter und
der Gebärmutterhals inklusive der Eileiter vollständig entfernt werden. In
einigen Fällen werden auch die Wächterlymphknoten entfernt. Mit der
Sentinel-Node-Biopsie (SNB) wird überprüft, ob sich Tumorzellen im lokal
angrenzenden Lymphknotengebiet ausgebreitet haben. „Die Leitlinie gibt
Empfehlungen, wann genau eine Sentinel-Lymphadenektomie entsprechend der
ESGO/ESTRO/ESP-Risikoklassifik
wichtige Hinweise zu Indikation, Art und Ausmaß der Lymphadenektomie“, so
Brucker.
Adjuvante Strahlen- und Chemotherapie des Endometriumkarzinoms
Bei bestimmten Patientinnengruppen erfolgt ergänzend zur Operation eine
Chemo- und/oder Strahlentherapie. Auch hier bietet die die ESGO/ESTRO/ESP-
Risikoklassifikation einen molekular-basierten individualisierten Ansatz
zur Risikoabschätzung und Therapieplanung. Wenn die Tumorzellen ein
bestimmtes molekulares Muster aufweisen und der Tumor komplett entfernt
werden konnte, kann sogar gänzlich auf eine adjuvante Chemo- und
Strahlentherapie verzichtet werden. „Patientinnen mit einer höheren
Risikoklasse können beim primären Endometriumkarzinom eine vaginale
Brachytherapie, eine perkutane Strahlentherapie des kleinen Beckens, eine
Chemotherapie oder eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie
erhalten. In der aktualisierten Leitlinie geben wir entsprechende
Hinweise“, erklärt Steiner.
Darüber hinaus umfasst die S3-Leitlinie unter anderem
Behandlungsempfehlungen bei fortgeschrittenen Erkrankungsstadien und bei
seltenen Tumoren wie z. B. dem Karzinosarkom. Zudem liefert sie
evidenzbasierte Hinweise zum Fertilitätserhalt.
Die neue S3-Leitlinie ist auf dieser Webseite als PDF abrufbar:
https://www.leitlinienprogramm
Als Online-Version ist die Leitlinie hier einsehbar: https://hub
.leitlinienprogramm-onkologie.
therapie-und-nachsorge-der-pat
Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.
Weitere Informationen unter: https://www.leitlinienprogramm
onkologie.de/app
Das Leitlinienprogramm Onkologie
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 36 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) ist
eine der großen wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie
hat sich der Stärkung der Fachgebiete der Frauenheilkunde und Geburtshilfe
verschrieben und fördert das gesamte Fach sowie seine Subdisziplinen, um
die Einheit des Faches Frauenheilkunde und Geburtshilfe
weiterzuentwickeln. Als medizinische Fachgesellschaft engagiert sich die
DGGG fortwährend für die Gesundheit von Frauen und vertritt die
gesundheitlichen Bedürfnisse der Frau auch in diversen politischen
Gremien.
Mehr unter: https://www.dggg.de/
Die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie
Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) ist eine
selbstständige AG der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe e.V. (DGGG) und der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG).
Die AGO verfolgt die Förderung der Wissenschaft und Forschung sowie die
Aus- und Weiterbildung von Medizinerinnen und Medizinern in den Themen-
und Aufgabenbereichen der gynäkologischen Onkologie einschließlich der
Mammatumoren. Mehr unter: https://www.ago-online.de/
