Deutsche Leberstiftung zum Global Fatty Liver Day: Fettlebererkrankungen oft unterschätzt
Anlässlich des Global Fatty Liver Day am 11. Juni ruft die
Deutsche Leberstiftung zu mehr Aufmerksamkeit für Fettlebererkrankungen
(Steatotische Lebererkrankung, SLD) auf. Unter dem internationalen
Leitgedanken „Act now“ macht der vom Global Liver Institute (GLI)
initiierte Aktionstag seit 2018 auf eine der weltweit häufigsten, aber oft
lange unentdeckten chronischen Lebererkrankungen aufmerksam. Am Global
Fatty Liver Day kommen Patienten, medizinische Fachkreise, Forschende
sowie gesundheitspolitische Akteure weltweit zusammen, um Bewusstsein zu
schaffen und Maßnahmen zur Verbesserung von Prävention, Früherkennung und
Versorgung voranzutreiben.
Die Steatotischen Lebererkrankungen gelten inzwischen als stille weltweite
Epidemie. Da Beschwerden häufig fehlen oder nur unspezifisch ausgeprägt
sind, bleibt die Erkrankung trotz ihrer stark zunehmenden Verbreitung oft
lange unerkannt. Nach Angaben des GLI werden bis zum Jahr 2030 weltweit
schätzungsweise 357 Millionen Menschen von einer Fettlebererkrankung
betroffen sein.
Die gesundheitlichen Folgen reichen dabei weit über die Leber hinaus: Mehr
als 70 Prozent der Betroffenen leiden zusätzlich an Adipositas
(Fettleibigkeit), bis zu 75 Prozent an Typ-2-Diabetes und viele Patienten
an Fettstoffwechselstörungen. Damit zählt die Fettlebererkrankung zu den
bedeutenden Risikofaktoren für schwere kardiometabolische
Folgeerkrankungen. Unbehandelt kann sie zu Leberzirrhose, Leberzellkrebs
(Hepatozelluläres Karzinom, HCC) und schließlich zur Notwendigkeit einer
Lebertransplantation führen.
Auch in Deutschland ist die Fettlebererkrankung mittlerweile die häufigste
chronische Lebererkrankung. Rund ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung
ist betroffen – häufig ohne es zu wissen. Besonders alarmierend: Auch bei
Kindern und Jugendlichen wird zunehmend eine Fettlebererkrankung
diagnostiziert.
Metabolisches Syndrom als Hauptrisikofaktor für die Lebergesundheit
Zu den Hauptursachen einer Fettlebererkrankung zählt das „Metabolische
Syndrom“, eine Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck, (Prä-)Diabetes
und Fettstoffwechselstörung. Diese Faktoren können die Ansammlung von Fett
in der Leber fördern, ein breites Spektrum von Leberschäden umfassen und
beispielsweise zu einer Metabolischen dysfunktions-assoziierten
steatotischen Lebererkrankung (MASLD) führen. Eine einfache Verfettung –
auch einfache Steatose genannt – ist in den meisten Fällen anfangs relativ
harmlos und die Leberfunktion bleibt normal. In diesem Stadium ist es noch
verhältnismäßig einfach möglich, durch eine Lebensstiländerung
„gegenzusteuern“: Mit Gewichtsreduktion, angepasster gesünderer Ernährung,
Alkoholverzicht sowie Bewegung und Sport können sogar in einer stark
verfetteten Leber die Fettansammlungen abgebaut werden.
Wenn die MASLD voranschreitet, zeigt die Leber entzündliche Veränderungen
der Leberzellen (Hepatitis) und beginnende Ablagerungen von narbigen
Fasern. Dieses Stadium wird als Metabolische dysfunktions-assoziierte
Steatohepatitis (MASH) bezeichnet. Aus der MASH kann sich eine
Leberfibrose (Bindegewebsvermehrung) und im weiteren Verlauf eine
Leberzirrhose (Vernarbung der Leber) entwickeln. Aus der MASH kann sich –
sogar ohne vorherige Zirrhose – ein Leberzellkrebs (HCC) entwickeln.
Gesunder Lebensstil als wichtigste Therapie
Die Behandlung von MASLD und MASH setzt vor allem auf eine dauerhafte
Lebensstiländerung. Zentrale Bausteine der Therapie sind gesunde
Ernährung, regelmäßige Bewegung sowie die Behandlung von
Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht. Empfohlen
werden frische, ausgewogene und zuckerarme Lebensmittel, während Alkohol,
stark verarbeitete Produkte und zuckerreiche Getränke möglichst vermieden
werden sollten.
Erweiterte Therapieoptionen für fortgeschrittene Fettlebererkrankung
Auch medikamentöse Therapieoptionen gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Ergänzend zu konsequenten Lebensstiländerungen stehen inzwischen erste
spezifische Behandlungsansätze für die MASH zur Verfügung. Bereits seit
2025 ist Resmetirom in der Europäischen Union (EU) für ausgewählte
Patientengruppen zugelassen. Damit zeichnet sich ein Paradigmenwechsel in
der MASH-Therapie ab: Erstmals stehen gezielte medikamentöse Ansätze zur
Verfügung, insbesondere für Betroffene mit fortgeschrittener Erkrankung,
bei denen Lebensstilmaßnahmen allein nicht ausreichen. Weitere Medikamente
sind in der Entwicklung und werden das therapeutische Spektrum in den
kommenden Jahren erweitern.
Wichtig: Prävention und Früherkennung von Lebererkrankungen
„Der Global Fatty Liver Day 2026 mit dem Motto ‚Act Now‘ macht deutlich:
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, aktiv etwas für die eigene
Lebergesundheit zu tun“, erklärt Prof. Dr. Heiner Wedemeyer,
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung. „Fettlebererkrankungen
entwickeln sich oft lange unbemerkt, gehören jedoch inzwischen zu den
häufigsten Lebererkrankungen und können schwerwiegende Folgen wie
Leberzirrhose oder Leberzellkrebs haben. Umso wichtiger sind Prävention
und Früherkennung. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung,
regelmäßiger Bewegung, einem bewussten Umgang mit Alkohol und der
Vermeidung von Übergewicht kann das Risiko deutlich senken. Schon kleine
Veränderungen im Alltag haben eine große Wirkung.“ Er betont: „Wichtig ist
jedoch auch die Verhältnisprävention: Dazu gehören eine verständliche
Lebensmittelkennzeichnung, die Einschränkung der Vermarktung ungesunder
Produkte an Kinder, frühzeitige Ernährungsbildung sowie stärkere
Investitionen in Prävention und ärztliche Ausbildung. Gesundheit darf
nicht allein von individuellen Möglichkeiten abhängen – wir brauchen
gesundheitsfördernde Rahmenbedingungen. Ebenso wichtig bleibt die
Früherkennung von Lebererkrankungen und deren Folgen. ‚Act Now‘ bedeutet
deshalb auch, Prävention und Früherkennung stärker in den
gesundheitspolitischen Fokus zu rücken.“
Die Deutsche Leberstiftung bietet Broschüren unter anderem zu den Themen
„Leber und Krebs“, „Leber und Fett“ sowie „Leber und Alkohol“ für
Betroffene und ihre Angehörigen an. Bestellmöglichkeiten und Download auf
der Serviceseite unter https://www.deutsche-leberstif
Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung, Forschungsvernetzung und wissenschaftliche Projekte
zu verbessern. Mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung
die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher
erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet
außerdem Information und Beratung in medizinischen Fragen. Auf der Website
finden Sie umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für Betroffene,
Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter: https://www
.deutsche-leberstiftung.de.
UNSERE BUCHEMPFEHLUNGEN
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