Positiver Trend: Gesundheitsatlas zeigt Rückgang bei Herzinfarkten

Eine aktuelle Datenauswertung für den Gesundheitsatlas Deutschland des
Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt einen anhaltenden
Rückgang bei der Zahl der Herzinfarkte in Deutschland. Gleichzeitig ist
allerdings die Häufigkeit von Diabetes mellitus Typ 2 und Bluthochdruck
gestiegen, die jeweils Risikofaktoren für die Entstehung einer koronaren
Herzkrankheit und das Auftreten von Herzinfarkten darstellen. Der
Gesundheitsatlas Deutschland macht die aktuellen Entwicklungen für
insgesamt 26 Erkrankungen bis auf Landkreis-Ebene transparent.
Nach den aktuellen Ergebnissen des Gesundheitsatlas wurden in den
deutschen Krankenhäusern im Jahr 2024 rund 185.400 Herzinfarktfälle
dokumentiert. Dies entspricht einer Rate von 320 Fällen je 100.000
Personen ab dem 30. Lebensjahr. Im Jahr 2017 waren es noch 215.600 Fälle –
eine Rate von 380 Fällen je 100.000 Personen. Somit hat sich die Zahl der
Herzinfarktfälle im beobachteten Zeitraum von 2017 bis 2024 um etwa 30.000
reduziert. Das entspricht einem Minus von 14 Prozent.
„Der positive Trend dürfte mit Lebensstiländerungen wie Rauchverzicht und
einer verbesserten medizinischen Behandlung der Risikofaktoren für
Herzinfarkte zusammenhängen“, sagt Helmut Schröder, Geschäftsführer des
WIdO. „Gleichzeitig sehen wir in den Daten allerdings negative
Entwicklungen bei Erkrankungen, die als wichtige Risikofaktoren für das
Auftreten von Herzinfarkten gelten.“ So zeigt der Gesundheitsatlas einen
Anstieg bei den Diabetes-Erkrankungen: Der Anteil der Patientinnen und
Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 an der Gesamtbevölkerung ab 20
Jahren ist von 10,6 Prozent im Jahr 2017 auf 11,2 Prozent im Jahr 2024
gestiegen (plus 0,6 Prozentpunkte). Auch beim Risikofaktor Bluthochdruck
ist ein Anstieg zu verzeichnen: Hier wuchs der Anteil der betroffenen
Menschen an der Gesamtbevölkerung ab 20 Jahren von 28,8 Prozent im Jahr
2017 auf zuletzt 29,9 Prozent im Jahr 2024 (plus 1,1 Prozentpunkte).
„Durch einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend
körperlicher Aktivität und Rauchverzicht kann das Risiko für Herzinfarkte,
aber auch für Diabetes mellitus Typ 2 oder Hypertonie gesenkt werden“, so
Schröder. Den Verantwortlichen vor Ort, die an Maßnahmen zur Prävention
dieser Erkrankungen arbeiten, bietet der Gesundheitsatlas des WIdO eine
verlässliche Datenbasis bis auf die Ebene der Kreise und kreisfreien
Städte.
Unterschiede nach Altersgruppen und Geschlecht
Der Gesundheitsatlas schlüsselt die Daten zur Herzinfarkthäufigkeit auch
nach Alter und Geschlecht auf. Die Auswertungen zeigen, dass die
Herzinfarkt-Raten mit dem Alter deutlich ansteigen. Dabei gibt es einen
deutlichen Geschlechterunterschied: In allen Altersgruppen sind
Herzinfarkte bei Männern deutlich häufiger dokumentiert als bei Frauen. So
lag die Herzinfarkt-Rate in der Gruppe der 85- bis 89-Jährigen bei 1.240
je 100.000 Männer, während nur 720 je 100.000 Frauen betroffen waren. „Für
diese Unterschiede können nicht nur Lebensstilfaktoren oder biologische
Faktoren verantwortlich sein, sondern auch Unterschiede in der Art und
Intensität der Symptome. Sie führen oft dazu, dass ein Herzinfarkt bei
Frauen nicht oder nicht rechtzeitig erkannt wird“, so Helmut Schröder.
Höchste Herzinfarkt-Rate in Thüringen
Zwischen den Bundesländern zeigen sich deutliche Unterschiede bei den
Herzinfarkt-Raten: An der Spitze steht Thüringen mit einer Rate von 370
Fällen je 100.000 Personen ab 30 Jahren. In Hamburg liegt die Rate dagegen
nur bei 270 Fällen je 100.000 Personen ab 30 Jahren, also fast ein Drittel
geringer. „Im Vergleich zu 2017 hat sich die Spanne zwischen den
Bundesländern allerdings leicht verringert“, so Helmut Schröder. Ein
großer Teil der Unterschiede sei auf Alters- und Geschlechtsunterschiede
in der jeweiligen Bevölkerung zurückzuführen. Werden diese Unterschiede
rechnerisch bereinigt, nähern sich die Werte deutlich an: Die Fallraten je
100.000 Personen liegen dann bei 340 in Thüringen und 300 in Hamburg. In
diesem alters- und geschlechtsstandardisierten Vergleich ist Bremen mit
einer Rate von 370 je 100.000 Personen der Spitzenreiter, während die Rate
in Sachsen mit 270 je 100.000 am niedrigsten ist.
Aktuelle Daten für das Jahr 2024 zu 26 verschiedenen Erkrankungen
Die Website www.gesundheitsatlas-deutschla
26 Erkrankungen dar, die jetzt aktualisiert und um das Datenjahr 2024
ergänzt worden sind. Die epidemiologischen Kennzahlen wurden ausgehend von
den Krankenkassen-Routinedaten der mehr als 27 Millionen AOK-Versicherten
mit einem alters-, geschlechts- und morbiditätsadjustierenden Verfahren
auf die gesamte Wohnbevölkerung in den Regionen Deutschlands
hochgerechnet. Die Referenzzahlen für die zugrundeliegende Bevölkerung
basieren auf dem aktuellen Zensus 2022 und den entsprechenden
Bevölkerungsberechnungen des Statistischen Bundesamtes.
