DANK: „Zuckersteuer nicht auf die lange Bank schieben.“
Die zweite und dritte Lesung sowie die Debatte im Deutschen Bundestag zum
GKV-Beitragssatzstabilisierung
kommentiert Barbara Bitzer, Sprecherin des Wissenschaftsbündnisses
Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) und
Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG):
„Keine GKV-Reform ohne wirksame Prävention! Wir begrüßen es sehr, dass die
Bundesregierung mit dem Beschluss des GKV-
Beitragssatzstabilisierungsges
Debattier- in den Umsetzungsmodus schaltet. Jetzt ist es entscheidend, das
Gesetz zur Einführung einer Zuckersteuer nicht auf die lange Bank zu
schieben und sich nicht von Scheindebatten zur Wirksamkeit ablenken zu
lassen. Die Empfehlungen der FinanzKommission Gesundheit und der
Wissenschaft zur Ausgestaltung der Zuckerabgabe geben einen klaren und
sinnvollen Rahmen vor. Daran sollte sich das Bundesministerium für
Gesundheit orientieren.“
Das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten
(DANK) spricht sich seit 15 Jahren für die Einführung einer Zuckersteuer
als Herstellerabgabe aus, damit die gesunde Wahl zur einfachen Wahl wird.
In Großbritannien ist es seit der Einführung der Steuer gelungen, den
Zuckergehalt in den Getränken zu reduzieren, die Rezepturen nachhaltig
anzupassen und den Zuckerkonsum über diese Produkte bei Kindern und
Jugendlichen zu halbieren. „In Großbritannien ist die Zuckersteuer ein
echtes Erfolgsmodell. Die britische Regierung hat erkannt, dass
Lenkungssteuern Einfluss auf Rezepturen der Hersteller, den Zuckerkonsum,
das Kaufverhalten und die Gesundheit entwickeln können. Sie schärft die
Abgabe in den kommenden Jahren daher nach und weitet sie auch auf andere
Produktgruppen aus“, erläutert die Sprecherin der DANK.
Beispiel Chile: Zuckersteuer mit anderen Maßnahmen flankieren
Dass sich ernährungspolitische Maßnahmen auf die Gesundheit auswirken
können, schlüsselte eine aktuelle Studie jüngst auf, die im Lancet
erschienen ist. Forschende analysierten das chilenische
Lebensmittelkennzeichnungs- und Werbegesetz und die Daten von mehr als
320.000 Kindern verschiedener Geburtenkohorten. Das Ergebnis: Kinder, die
den ernährungspolitischen Maßnahmen ausgesetzt waren, hatten eine
signifikant geringere Wahrscheinlichkeit für Übergewicht oder Adipositas.
Bei Mädchen war die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht oder Adipositas um
rund 2,8 % geringer, bei Jungen um 2,4 %.
Das südamerikanische Land setzt neben einer Zuckersteuer bereits seit
Jahren auf ein Maßnahmenpaket, das Warnhinweise auf der Vorderseite von
Verpackungen für Produkte mit zu viel Zucker, Salz oder gesättigten
Fetten, Werbebeschränkungen für ungesunde Lebensmittel gegenüber Kindern
und Einschränkungen des Verkaufs und Marketings ungesunder Produkte an
Schulen umfasst. In Deutschland ist die ‚Nährwert-Ampel‘ Nutri-Score
dagegen noch immer freiwillig für die Unternehmen. Eine umfassende Wirkung
kann das System jedoch nur entfalten, wenn er verbindlich auf allen
Verpackungen zu finden ist. Auch das Gesetz zur Regulierung von Werbung
für Produkte, die viel Zucker, Fett und Salz erhalten und sich direkt an
Kinder richten, wurde nach langen und sehr intensiven politischen
Diskussionen unter der Ampelkoalition nicht umgesetzt.
„Die Daten aus Chile und Großbritannien zeigen, dass Prävention kein
nettes ‚add on‘ für die Gesundheitspolitik und den Kinderschutz ist,
sondern entscheidend sein kann, um dauerhaft mehr gesunde Lebensjahre zu
sichern und das Gesundheitssystem nachhaltig zu entlasten. Mit der
Einführung einer Zuckersteuer in Deutschland können dafür entscheidende
Impulse gesetzt werden“, schließt Präventionsexpertin Bitzer.
Quellen:
• Nina Rogers et. al. „Estimated changes in free sugar consumption
one year after the UK soft drinks industry levy came into force:
controlled interrupted time series analysis of the National Diet and
Nutrition Survey“:
https://jech.bmj.com/content/j
• Prof. Guillermo Paraje et. al. „The impact of Chile's multipronged
food labelling and advertising law on early childhood excess weight: a
cohort difference-in-differences study“:
https://www.thelancet.com/jour
Über das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare
Krankheiten (DANK):
Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) ist ein
Wissenschaftsbündnis aus 24 medizinisch-wissenschaftlichen
Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen, das sich seit
mehr als 15 Jahren für Maßnahmen der Verhältnisprävention zur Verhinderung
von Krankheiten wie Adipositas, Diabetes, Krebs und Herz-
Kreislaufkrankheiten einsetzt. Das Bündnis fordert die Einführung einer
Zuckersteuer, mehr Kinderschutz in der Lebensmittelwerbung, täglich eine
Stunde Sport und Bewegung in KiTa/Schule sowie die Einführung
verbindlicher Qualitätsstandards für die KiTa-und Schulernährung nach den
DGE-Empfehlungen. Mehr über DANK: www.dank-allianz.de
