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Wer Arbeit unterbricht und abends fortsetzt, wünscht sich kürzere Arbeitszeiten – kein Indiz für bessere Vereinbarkeit

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Beschäftigte, die ihre Erwerbsarbeit regelmäßig unterbrechen und abends
fortsetzen, machen im Schnitt mehr Überstunden und wünschen sich kürzere
Arbeitszeiten, zeigt eine breit angelegte Datenanalyse. Das spricht
dagegen, dass die von der Bundesregierung diskutierte Deregulierung des
Arbeitszeitgesetzes für mehr Flexibilität im Sinne von Beschäftigten
sorgen oder das Arbeitsvolumen in Deutschland nachhaltig erhöhen kann.
Möglich wäre sogar eine Verschärfung von Personalmängeln durch höhere
Belastung, so eine neue Studie des Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.*

Für manche Menschen beginnt der Arbeitstag zweimal: Sie setzen sich nach
einer längeren Unterbrechung später wieder an den Schreibtisch. Eine
solche „Fragmentierung“ der Erwerbsarbeitszeit gilt Befürworter*innen
einer Deregulierung des geltenden Arbeitszeitgesetzes als Chance.
Insbesondere Frauen und Mütter – so die These – könnten dadurch
Erwerbsarbeit und Familie besser unter einen Hut bringen und daher ihre
vertraglichen Arbeitszeiten ausweiten. Damit könne das Fachkräftepotenzial
besser ausgeschöpft werden.

WSI-Forscherin Dr. Yvonne Lott hat empirisch untersucht, was an diesem
Argument dran ist. Fazit der Arbeitszeitexpertin: „Die Ergebnisse zeigen,
dass fragmentierte Erwerbsarbeitszeiten nicht mit einer Verlängerung der
vertraglich vereinbarten Arbeitszeit, sondern mit höheren Überstunden
verbunden sind. Wer den Arbeitstag unterbricht, wünscht sich kürzere
Erwerbsarbeitszeiten. Das spricht eher für eine Mehrbelastung durch
Fragmentierung als für Erholung und eine gute Work-Life-Balance.“

Für ihre Analyse hat die Sozialwissenschaftlerin Daten der
Arbeitszeitbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin (BAuA) ausgewertet. Diese stammen aus den Jahren 2019, 2021
und 2023 und beziehen sich auf Angaben von 21.000 Beschäftigten, die
teilweise an mehreren Befragungswellen teilgenommen haben.
Schichtarbeitende wurden nicht berücksichtigt. Das Ausmaß der Arbeitszeit-
Fragmentierung wurde erfasst über die Frage: „Wie oft kommt es vor, dass
Sie die Arbeit aus privaten Gründen für mehrere Stunden unterbrechen und
am Abend nach 19 Uhr weiterarbeiten?“

-Was hilft wirklich? Echte Entlastung und digitale Erfassung von
Arbeitszeiten statt Fragmentierung-

Lotts Berechnungen zufolge, bei denen Faktoren wie Geschlecht,
Beschäftigungsumfang oder Gesundheitszustand statistisch berücksichtigt
wurden, gibt es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Fragmentierung
und vertraglicher Arbeitszeit. Dagegen zeigt sich ein deutlicher Effekt
auf Überstunden: Bei stärker fragmentierten Arbeitszeiten ist deren Zahl
höher, ebenso wie die Diskrepanz zwischen gewünschter und tatsächlicher
Arbeitszeit (mehr Daten in der Abbildung in der pdf-Version dieser PM und
in der Studie; Links unten).

„Fragmentierte Arbeitszeiten erweisen sich damit nicht als nachhaltiges
Instrument zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, so die WSI-Expertin.
„Weil sie mit zusätzlichen Überstunden und dem Wunsch nach kürzeren
Arbeitszeiten einhergehen, können sie auf Dauer nicht nur die
Vereinbarkeit belasten, sondern auch die Gesundheit und das Wohlbefinden
von Beschäftigten und ihre Bindung an den Arbeitgeber schwächen.
Fragmentierte Arbeitszeiten können daher Fehlzeiten erhöhen und
Personalmangel verschärfen.“

Für wirkliche Fortschritte in Sachen Vereinbarkeit sollte die Politik laut
Lott durchsetzen, dass Arbeitszeit verlässlich digital erfasst wird, um
Überstunden sichtbar zu machen. Es gelte, Erreichbarkeit am Abend zu
begrenzen sowie für echte Entlastung zu sorgen, etwa durch den Ausbau des
Kinderbetreuungsangebots und eine bessere Pflegeinfrastruktur.
Selbstbestimmte Arbeitszeitmodelle wie Wahlarbeitszeit oder Optionszeit
sollten gestärkt werden.

„Diese wichtigen empirischen Befunde zeigen einmal mehr, dass eine
Abschaffung des 8-Stunden-Tages nicht zu einer Ausweitung der
Erwerbsarbeitszeiten von Frauen führen würde. Politik, die das erreichen
möchte, sollte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tatsächlich
erleichtern, zum Beispiel durch verlässliche Kinderbetreuung“, sagt Prof.
Dr. Bettina Kohlrausch, die wissenschaftliche Direktorin des WSI (weitere
Forschungsergebnisse zum Themenkomplex finden Sie unten verlinkt).**