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Für mehr Sicherheit im heimischen Netz

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Interdisziplinärer Forschungsverbund mit FAU-Beteiligung schaut genau hin
Wer denkt bei Cybersicherheit schon an eine Glühbirne oder das digitale
Thermostat im Flur? Genau diese unscheinbaren Geräte können ein
Sicherheitsrisiko sein. Warum das so ist und wie sich digitale
Technologien im Alltag sicher nutzen lassen haben Forschende aus fünf
bayerischen Universitäten im Forschungsverbund „ForDaySec“ vier Jahre lang
untersucht. Für die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
(FAU) erklärt Prof. Dr. Sabine Pfeiffer, Inhaberin des Lehrstuhls für
Soziologie mit dem Schwerpunkt Technik – Arbeit – Gesellschaft, warum
Sicherheitsrisiken oft dort entstehen, wo sie kaum jemand vermutet.



Frau Pfeiffer, Sie haben das Teilprojekt „Alltagsdigitalisierung“
geleitet. Worauf haben Sie hier das Hauptaugenmerk gerichtet?

Sabine Pfeiffer: Wir haben uns bewusst nicht auf die klassischen Geräte
wie Laptops oder Smartphones konzentriert. Uns interessierten vielmehr die
vielen kleinen vernetzten Geräte, die zunehmend in Haushalten und
Arbeitsumgebungen auftauchen und oft kaum wahrgenommen werden. Dazu
gehören etwa intelligente Heizungssteuerungen, Sprachassistenten oder
smarte Beleuchtungssysteme.

Gleichzeitig wollten wir die verbreitete Sicht hinterfragen, wonach vor
allem die Nutzerinnen und Nutzer für Sicherheitsprobleme verantwortlich
seien. Unsere Forschung zeigte, dass Menschen häufig unter Zeitdruck
stehen, viele Aufgaben gleichzeitig bewältigen müssen und Technik in
komplexen Alltagssituationen verwenden. Deshalb haben wir untersucht, wie
digitale Technologien tatsächlich genutzt werden und welche
Rahmenbedingungen sich auf IT-Sicherheit auswirken.

Sie haben Beschäftigte in Deutschland zu IT-Sicherheit in Arbeits- und
Wohnalltag befragt. Die Ergebnisse haben Sie in einem Paper analysiert.
Was haben Sie hier festgestellt?

Sabine Pfeiffer: Die Befragung bildete nur den Abschluss eines
mehrjährigen Forschungsprozesses. Wir haben Menschen auch in ihrem Alltag
– am Arbeitsplatz und zu Hause – besucht und uns genau angesehen, wo es
Probleme aber auch gute Lösungen gibt. Dabei zeigte sich, dass viele
Risiken nicht von spektakulären Cyberangriffen ausgehen, sondern von
Geräten, die Menschen längst vergessen haben. Gleichzeitig wurde deutlich,
dass Fehler häufig nicht durch Unwissenheit entstehen, sondern durch
Zeitdruck. Beispielsweise können Mitarbeitende noch so geschult sein und
dennoch unter hoher Arbeitsbelastung eine gut getarnte Spam-Mail
übersehen. Und die Technik hinter vielen Geräten ist oft undurchsichtig,
beispielsweise bei smarten Geräten.

Welche smarten Geräte aus dem Alltag bergen unterschätzte Gefahren?

Sabine Pfeiffer: Besonders unterschätzt werden Geräte, die im Alltag kaum
noch als digitale Systeme wahrgenommen werden, z.B. smarte Glühbirnen.
Viele Menschen erinnern sich nach einiger Zeit nicht mehr daran, dass
diese Geräte mit dem heimischen WLAN verbunden sind. Werden
Sicherheitsupdates nicht mehr bereitgestellt oder installiert, können
solche Geräte zu Einfallstoren für Hacker werden.

Ähnlich verhält es sich mit Sprachassistenten wie Alexa. Einmal von den
Kindern eingerichtet, stehen sie dauerhaft in Wohnräumen, obwohl sie nur
selten genutzt werden – und dennoch „mithören“ wenn z.B. im Homeoffice
vertrauliche Gespräche stattfinden.

Wie können sich Menschen schützen beziehungsweise wie können sie Vorsorge
leisten, um nicht Opfer von Cyberangriffen zu werden?

Sabine Pfeiffer: Wichtig ist zunächst, sich bewusst zu machen, welche
vernetzten Geräte sich überhaupt im eigenen Umfeld befinden. Viele Risiken
entstehen durch Technik, die längst in Vergessenheit geraten ist.
Gleichzeitig wollten wir im Projekt vermeiden, die Verantwortung allein
den Nutzerinnen und Nutzern zuzuschieben. Sicherheit entsteht durch
regelmäßige Updates. ForDaySec hat deshalb unter anderem ein Whitepaper
veröffentlicht, das Handlungsmöglichkeiten für mehr digitale
Alltagssicherheit beschreibt.

Ziel war es, wissenschaftliche Ergebnisse verständlich aufzubereiten und
konkrete Orientierung für den Alltag zu geben. Die zentrale Erkenntnis
bleibt: Cybersicherheit ist keine reine Technikfrage, sondern eine
gesellschaftliche Aufgabe, die unterschiedliche Perspektiven
zusammenführen muss.

Wie lief die Zusammenarbeit mit anderen Teilbereichen ab, gab es hier
Austausch?

Sabine Pfeiffer: Ursprünglich war das Projekt stark informatisch geprägt.
Im Verlauf der Planung wurden jedoch bewusst rechtswissenschaftliche und
sozialwissenschaftliche Perspektiven eingebunden. Dadurch entstand ein
echter interdisziplinärer Forschungsverbund. Während die Informatik
technische Lösungen entwickelte und rechtliche Fragen etwa zu
Verantwortlichkeiten untersuchte, haben wir die Perspektive der Menschen
und ihrer Alltagspraxis eingebracht.

Datenschutz bei Smart-Home-Geräten

Mit der steigenden Anzahl von smarten Geräten im eigenen Umfeld wird es
immer schwieriger, den Überblick zu behalten, welche Geräte welche Daten
speichern und wie diese Daten mit anderen Geräten ausgetauscht werden.
Deshalb haben FAU-Forschende um Prof. Dr. Felix Freiling, Inhaber des
Lehrstuhls für Informatik 1 (IT-Sicherheitsinfrastrukturen), im
Teilprojekt „Datenschutz-Analyse“ jene Geräte dahingehend analysiert,
welche Daten wirklich auf den Geräten gespeichert sind.

Felix Freiling: „Beispielsweise haben wir smarte Relais untersucht. Das
sind Schalter, die in Wänden oder hinter Steckdosen eingebaut sind und von
uns Menschen über WLAN oder Bluetooth angesteuert werden, also Teil von
Smart-Home-Geräten sind. Sie öffnen oder schließen den Stromkreis. Wir
haben 16 Relais von neun Herstellern untersucht und konnten in sieben
Fällen die WLAN-Zugangsdaten im Klartext extrahieren. Die
Funkkommunikation war zudem bei sieben Modellen nicht verschlüsselt. Bei
einer anderen Untersuchung konnten wir bei einem Smart-TV von Amazon Daten
extrahieren und einen vollständigen Zugriff auf lokale Daten und Cloud-
Daten erreichen.“

Handlungsempfehlungen für mehr digitale Alltagssicherheit:
https://fordaysec.de/wp-content/uploads/2025/09/ForDaySec-Whitepaper.pdf

Studie über IT-Sicherheit in Arbeits- und Wohnalltag:
https://www.labouratory.de/files/downloads/WP-09-2026-CYBERSEC-Alltag.pdf

Studie zu Smart Relais:
https://doi.org/10.1016/j.fsidi.2024.301810

Studie zu Smart-TV:
https://dfrws.org/wp-content/uploads/2024/07/dfrws-usa-2024-echo-
show-15.pdf


Bildmaterial zum Download:
https://www.fau.de/2026/07/news/forschung/fuer-mehr-sicherheit-im-
heimischen-netz/