Neue S3-Leitlinie der DGRh: Herz-Kreislauf-Risiken bei Rheuma gezielter erkennen und behandeln
Entzündlich-rheumatische Erkrankungen können neben Gelenken, Haut und
inneren Organen auch Herz und Gefäße betreffen. Patientinnen und Patienten
erleiden häufiger kardiovaskuläre Begleit- und Folgeerkrankungen wie
Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Rhythmusstörungen,
Gefäßerkrankungen und thromboembolische Ereignisse. Die nun
veröffentlichte S3-Leitlinie „Management kardiovaskulärer Komorbiditäten
entzündlich-rheumatischer Erkrankungen“ fasst verfügbares Wissen zusammen
und gibt praxisnahe Empfehlungen für Vorbeugung, Diagnostik und
Behandlung. Sie wurde unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für
Rheumatologie und Klinische Immunologie e. V. (DGRh) entwickelt.
Beteiligt waren Expertinnen und Experten aus den für das Thema relevanten
Fächern und der Deutschen Rheuma-Liga als Patientenorganisation.
Sie finden diese Meldung auch unter:
https://www.dgrh.de/pressemitt
„Bei einzelnen Erkrankungen und Risikokonstellationen erreicht das Risiko
eine Größenordnung, die mit anderen Hochrisikokonstellationen wie Diabetes
mellitus vergleichbar ist“ sagt der Koordinator der Leitlinie, Prof. Dr.
med. Jan Leipe, leitender Rheumatologe am Universitätsklinikum Schleswig-
Holstein, Campus Kiel. Kardiovaskuläre Risiken würden bei Menschen mit
entzündlich-rheumatischen Erkrankungen im Versorgungsalltag noch nicht
immer ausreichend strukturiert erhoben, meint Leipe. „Die Leitlinie soll
helfen, Blutdruck, Blutfette, Diabetes, Rauchen, Übergewicht und weitere
Risikofaktoren regelmäßig zu erfassen, konsequent zu behandeln und
vermeidbare Herz-Kreislauf-Ereignisse zu verhindern.“
Die Empfehlungen richten sich an alle medizinischen Fächer, die erwachsene
Patientinnen und Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen
versorgen. Sie umfassen wichtige Erkrankungsgruppen wie entzündliche
Arthritiden, Kollagenosen und Vaskulitiden. Neben der wiederholten
Einschätzung des Gesamtrisikos für Herz-Kreislaufereignisse betont die
Leitlinie die Bedeutung der Kontrolle der rheumatischen Entzündung. Denn
die Krankheitsaktivität selbst kann zum kardiovaskulären Risiko beitragen
kann.
Die Leitlinie bewertet auch antirheumatische Therapien unter
kardiovaskulären Gesichtspunkten. Glukokortikoide und nichtsteroidale
Antirheumatika sollten möglichst niedrig dosiert und so kurz wie möglich
zum Einsatz kommen. Für mehrere krankheitsmodifizierende Therapien fasst
das Dokument Hinweise zur kardiovaskulären Sicherheit und zu potenziell
günstigen Effekten zusammen. Präventionsmaßnahmen für den Schutz von Herz
und Kreislauf wie Blutdruck-, Fett- und antithrombotische Therapie sollen
sich an den jeweils gültigen Fachleitlinien orientieren.
„Rheumatologie ist Systemmedizin. Deshalb darf die Versorgung nicht bei
der Kontrolle von Gelenk- oder Organmanifestationen stehen bleiben“, sagt
Prof. Dr. Ulf Wagner, Präsident der DGRh und Leiter des Bereichs
Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig. „Die neue S3-Leitlinie
stärkt den interdisziplinären Blick auf Herz und Gefäße und bietet eine
Grundlage, um Schnittstellen zwischen Rheumatologie, hausärztlicher
Versorgung, Innerer Medizin und kardiovaskulären Fächern zu verbessern.“
Die DGRh sieht in der Leitlinie einen wichtigen Schritt, um
kardiovaskuläre Prävention bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen
verbindlicher in der klinischen Praxis zu verankern. Ziel sei es, Risiken
früher zu erkennen, Behandlungswege klar zu gestalten und langfristig
Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei dieser Patientengruppe zu verringern, sagt
Professor Wagner.
Bei Abdruck Beleg erbeten.
Literatur: S3-Leitlinie „Management kardiovaskulärer Komorbiditäten
entzündlich-rheumatischer Erkrankungen“, AWMF-Register Nr. 060-010. Link
zur AWMF: https://register.awmf.org/de/l
Über die DGRh: Die DGRh ist mit mehr als 1850 Mitgliedern die größte
medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft im Bereich der
Rheumatologie und klinischen Immunologie im deutschsprachigen Raum. Sie
repräsentiert hierzulande seit fast 100 Jahren rheumatologische
Wissenschaft und Forschung und deren Entwicklung. Als gemeinnütziger
Verein arbeitet die DGRh unabhängig und ohne Verfolgung wirtschaftlicher
Ziele zum Nutzen der Allgemeinheit.
