Zwischen künstlicher Intelligenz und Geodaten
m Portrait: Steffen Knoblauch, Alumni und KlarText-Preisträger der Klaus
Tschira Stiftung, will Umwelt- und Gesundheitsrisiken besser verstehen.
In ihren Alumni-Portraits stellt die Klaus
Tschira Stiftung von ihr geförderte Menschen vor, die wichtige Impulse in
Wissenschaft, Forschung und Gesellschaft setzen. Heute: Wie können
künstliche Intelligenz und Geodaten dazu beitragen, Umwelt- und
Gesundheitsrisiken besser zu verstehen? Dieser Frage widmet sich Dr.
Steffen Knoblauch.
Steffen Knoblauch ist Habilitand und Dozent am Interdisciplinary Center
for Scientific Computing der Universität Heidelberg sowie Applied Research
Scientist am Heidelberg Institute for Geoinformation Technology (HeiGIT).
Darüber hinaus ist er als Berater für die Global Facility for Disaster
Risk Reduction (GFDRR) der Weltbank tätig. Er wurde an der Universität
Heidelberg an der Graduate School for Mathematical and Computational
Methods for the Sciences im Fach Geoinformatik promoviert und erwarb zudem
einen Master sowie einen Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen am
Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
Seine Forschung konzentriert sich auf den Einsatz von künstlicher
Intelligenz zur Bewertung umweltbedingter Gesundheitsrisiken, auf gerechte
Klimaschutzmaßnahmen sowie auf die Resilienz gegenüber Naturkatastrophen.
Ergänzend untersucht er Ungleichheiten beim Zugang zu Chancen und
analysiert Herausforderungen im Bereich der planetaren Gesundheit.
Dr. Steffen Knoblauch ist KlarText-Preisträger 2025. Mit dem KlarText-
Preis für Wissenschaftskommunikation zeichnet die Klaus Tschira Stiftung
junge Forschende aus, die ihre Promotion besonders verständlich und
anschaulich für ein nichtwissenschaftliches Publikum erklären können. Die
prämierten Beiträge machen komplexe Forschung für die Gesellschaft
zugänglich und fördern den Dialog zwischen Wissenschaft und
Öffentlichkeit.
Im Gespräch gibt Steffen Knoblauch Einblicke in seinen Werdegang, die
Themen, die ihn in seiner Forschung beschäftigen, und die Erfahrungen, die
ihn auf seinem Weg geprägt haben.
Wie würdest du deine Forschung/Arbeit einem Kind erklären?
In meiner Forschung entwickle ich Methoden, um Umwelteigenschaften, die
die menschliche Gesundheit beeinflussen – wie zum Beispiel Luftqualität
oder extreme Hitze – möglichst präzise zu modellieren. Dafür arbeite ich
mit vielen Daten, die jeden Tag gesammelt werden, etwa durch
Mobiltelefone, Wetterstationen oder Satellitenbilder aus dem All. Mit
Hilfe von Künstlicher Intelligenz, also schlauen Computern, können wir aus
diesen großen Datenmengen wichtige Informationen und neue Erkenntnisse
gewinnen. So lässt sich besser verstehen, wie sich Umweltbedingungen
räumlich und zeitlich verändern. Dieses Wissen hilft dabei, Städte
lebenswerter zu gestalten und Maßnahmen zu entwickeln, die Menschen vor
gesundheitlichen Risiken schützen.
Was verbindet dich mit der Klaus Tschira Stiftung?
Mit der Klaus Tschira Stiftung verbinde ich vor allem die Förderung von
Wissenschaftskommunikation und den KlarText-Preis. Besonders schätze ich
aber auch die Unterstützung gesellschaftlich relevanter Projekte, die
sonst oft schwer finanzierbar wären. Die Förderung ermöglicht uns am
Heidelberg Institute for Geoinformation Technology (HeiGIT) die
Zusammenarbeit zwischen Forschung und humanitären Organisationen – also
genau die Art von gemeinwohlorientierten Non-Profit-Projekten, die
Innovation mit einem direkten positiven gesellschaftlichen Nutzen
verbinden, für die jedoch häufig nur begrenzte Fördermittel zur Verfügung
stehen.
Welchen Rat würdest du deinem jüngeren Ich nach dem Schulabschluss geben?
Lass dich von deinen Interessen leiten. Nach dem Schulabschluss hat man
oft das Gefühl, dass Entscheidungen die Zukunft stark festlegen, aber in
Wirklichkeit entstehen viele Möglichkeiten erst im Laufe der Zeit. Wichtig
ist, neugierig zu bleiben und den eigenen Interessen zu folgen.
Wie sieht ein typischer Tag bei dir derzeit aus?
Mein Tag beginnt meistens mit Sport in der Natur und einem entspannten
Frühstück. Auf der Arbeit starte ich oft mit einem Kaffee mit Kolleginnen
und Kollegen, bevor ich E-Mails bearbeite oder Veranstaltungen
koordiniere. Je nach Tag plane ich Lehrveranstaltungen, bereite Inhalte
vor, arbeite gemeinsam mit anderen Forschenden an gemeinsamen Projekten
oder nutze ruhigere Phasen, um Forschungsergebnisse aufzuschreiben und
neue Ideen weiterzuentwickeln.
Wenn man dich an einem freien Sonntag suchen würde: wo würde man dich
wahrscheinlich finden?
Wahrscheinlich irgendwo in der Natur – gemeinsam mit Freunden oder der
Familie. Am liebsten verbringe ich freie Zeit mit Outdoorsport und viel
Sonne.
Gab es einen Menschen, einen Moment oder einen Impuls, der dein Interesse
für Wissenschaft oder deinen heutigen Weg geprägt hat?
Ja, auf jeden Fall. Besonders geprägt hat mich mein Doktorvater Prof. Dr.
Alexander Zipf. Er schenkt mir großes Vertrauen und viel Unterstützung und
ermöglicht mir dadurch große Freiräume – sowohl für meine persönliche
Weiterentwicklung als auch für kreative Forschung. Diese Offenheit und
dieses Vertrauen haben mir gezeigt, welche zentrale Rolle das
wissenschaftliche Umfeld spielt, um neue Ideen zu entwickeln und sich
entfalten können.
Kontakt:
Anja Heinzelmann (Leitung Kommunikation)
Tel.: 06221-533 118
E-Mail: anja.heinzelmann@klaus-tschira
Die Klaus Tschira Stiftung (KTS) fördert Naturwissenschaften, Mathematik
und Informatik und möchte zur Wertschätzung dieser Fächer beitragen. Sie
wurde 1995 von dem Physiker und SAP-Mitgründer Klaus Tschira (1940–2015)
mit privaten Mitteln ins Leben gerufen. Ihre drei Förderschwerpunkte sind:
Bildung, Forschung und Wissenschaftskommunikation. Das bundesweite
Engagement beginnt im Kindergarten und setzt sich in Schulen, Hochschulen
und Forschungseinrichtungen fort. Die Stiftung setzt sich für den Dialog
zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ein. Weitere Informationen unter:
www.klaus-tschira-stiftung.de.
