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Öffentliche Erklärung des efzn-Vorstandes zur aktuellen energiepolitischen Situation

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Aktuell zeigt sich einmal mehr, dass Fragen nach der Sicherheit der
Energieversorgung zentrale Fragen für die gesamte Gesellschaft sind. War
es 2022 der russische Angriff auf die Ukraine, der deutlich gemacht hat,
wie relevant der Zugang zu bezahlbarer Energieversorgung ist – und wie
sehr sich die Kontrolle des Zugangs zu Erdöl und Erdgas in Konflikten als
Druckmittel eignet – ist es heute, im Jahr 2026, die Blockade einer
globalen Versorgungsader in der Straße von Hormus durch den Iran.



Einmal mehr stellen infolgedessen massiv gestiegene Energiepreise unsere
Gesellschaft vor große Herausforderungen. Sie wirken sich auf Wirtschaft
und Arbeitswelt aus und verschärfen soziale und materielle Ungleichheiten.
Zugleich wächst das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Politik und
Wissenschaft. Kritische Stimmen gegenüber einer nachhaltigen und
zukunftsfesten Energiepolitik werden lauter. Diese Entwicklung betrachtet
das Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (efzn) aus seiner langjährigen
Kompetenz im Bereich disziplinübergreifender Energieforschung mit großer
Sorge.

Es gibt zahlreiche aktuelle energiepolitische Herausforderungen und es
gibt ebenso viele Bemühungen, Lösungen zu finden. So fokussiert die
Hightech-Agenda als zentrales forschungspolitisches Vorhaben der
Bundesregierung auf die Energieforschung in mehreren Feldern:
Batterieforschung gehört beispielsweise ebenso dazu wie die erneuerbaren
Energien und die Wasserstoffforschung. Ein „zielorientiertes und
technologieoffenes Energieforschungsprogramm“ soll entstehen und die
Bereiche Strom, Wärme, Wasserstoff und Energiesystem abbilden. Mittels
Innovationen für die Energiewende sollen Systemkosten gesenkt,
Abhängigkeiten reduziert und die Resilienz des Energiesystems gestärkt
werden.

Gerade die letzten beiden Punkte – der Abschied von neuen und bestehenden
Abhängigkeiten sowie die Stärkung der Resilienz des Energiesystems – sieht
das efzn als zentrale, aktuelle Herausforderungen der Energieforschung.
Für eine sichere, unabhängige und bezahlbare Energieversorgung für die
Zukunft sind aus Sicht des efzn der Ausbau der Erneuerbaren Energien und
der Netzausbau von zentraler Bedeutung. Hierdurch lässt sich die
Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten nachhaltig und bezahlbar verringern.

Dabei benötigt insbesondere der Netzausbau mehr Schwung, denn er ist
unverzichtbar für die Elektrifizierung von Industrie und Wärmeversorgung,
für E-Mobilität, für Wind- und Solarparks sowie Rechenzentren – also für
alle neuen elektrischen Verbraucher. Verzögerungen im Bereich der
Energieforschung – so soll das neue, eigentlich für 2025 angekündigte
Energieforschungsprogramm der Bundesregierung jetzt erst Anfang 2027
fertig sein – sind mit Blick auf diese dringend benötigte
Weiterentwicklung als Grundlage für ein unverzichtbares, resilientes und
klimafreundliches Energiesystem kritisch.

Einfache, schnelle und kostenneutrale Lösungen für die oben dargestellten,
weitreichenden Transformationen gibt es aus wissenschaftlicher Sicht
leider nicht.

Aber in Niedersachsen ist der Anfang gemacht:

An den Lösungen für eben jene komplexen Herausforderungen der
Transformation des Energiesystems arbeiten niedersächsische
Wissenschaftler:innen disziplinübergreifend erfolgreich im efzn zusammen.
Im derzeit vom Land Niedersachsen und der VolkswagenStiftung aus dem
Programm zukunft.niedersachsen geförderten Forschungsprogramm TEN.efzn
wird die technisch-naturwissenschaftliche Energieforschung mit der
sozialwissenschaftlichen Transformationsforschung systematisch
verschränkt. Denn die Energiefrage ist eine soziale Frage, in der sich
gesellschaftliche Konflikte, aber auch neue Chancen für mehr
Nachhaltigkeit und Zusammenhalt bündeln.

Im Rahmen der Energieministerkonferenz (EnMK) auf Norderney haben das
efzn, die Leibniz Universität Hannover, das ISFH – Institut für
Solarenergieforschung Hameln und das DLR-Institut für Vernetzte
Energiesysteme zudem Kernergebnisse der Studie SCOPE.efzn vorgestellt. In
der vom Niedersächsischen Umweltministerium in Auftrag gegebenen und vom
Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur geförderten
Forschungsarbeit wurden nationale Leitstudien zur Klimaneutralität 2045
systematisch analysiert. Diese Analyse, verbunden mit einem eigens
entwickelten Referenzszenario, kann als Grundlage für die Ableitung von
Handlungsoptionen für energiepolitische Entscheidungsprozesse dienen. Die
Veröffentlichung des Abschlussberichts erfolgt in Kürze.

Um darüber hinaus die disziplinübergreifende Forschung zum aktuellen Thema
„Krisenfähigkeit des Energiesystems Niedersachsen“ gezielt zu stärken und
belastbare Handlungsoptionen für die niedersächsische Landespolitik zu
entwickeln, hat der Vorstand des efzn kürzlich ein niedersächsisches
Förderprogramm für „kleine, agile Projekte“ aufgelegt. Dieses stieß, wie
bereits der diesjährige efzn-Forschungsworkshop zum gleichen Thema, auf
großes Interesse. Die eingereichten Konzepte sind sehr vielversprechend
und werden zu einem späteren Zeitpunkt durch das efzn ausführlich
vorgestellt.

Das efzn steht damit jetzt und künftig ganz praktisch dafür ein, mit der
niedersachsenweiten Expertise der Forscher:innen aus unterschiedlichsten
Disziplinen einen Beitrag zu den aktuellen Herausforderungen der
Energiewende zu leisten – innerhalb der Wissenschaft, beratend im Dialog
mit der Politik und als Ansprechpartner für alle Bereiche der
Gesellschaft.