Smarte Marinas - Daten aus dem Hafenbecken: Neue Sensorik liefert Echtzeit-Infos für Segler:innen

Pünktlich zum Start in die Segelsaison hat ein deutsch-dänisches Projekt
erstmals auch in einem dänischen Segelhafen moderne Mess-Sensorik
installiert. In deutschen Ostseehäfen liefern die Systeme schon länger
lokale Daten wie Wasserstand und Wassertemperatur in Echtzeit, kostenlos
und digital abrufbar. Entwickelt wurde die Sensorik am GEOMAR Helmholtz-
Zentrum für Ozeanforschung Kiel, die Datenvisualisierung entstand in
Zusammenarbeit mit der Hochschule Flensburg.
Aus dem gemeinsamen Projekt
wird nun ein Start-up ausgegründet. Die Arbeiten sind Teil des Interreg
Deutschland-Danmark-Projekts „Baltic Ventures Programm“, das den maritimen
Sektor in Schleswig-Holstein und Süddänemark stärkt.
Die Segelsaison hat begonnen, und in vielen Häfen entlang der deutschen
Ostseeküste finden Bootsbesitzer:innen seit vergangenem Jahr einen
praktischen Service vor: Daten zu Wassertemperatur, Wellenhöhe und
Wasserstand können kostenlos und in Echtzeit abgerufen werden. Die
Sensorik dafür wurde am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
unter anderem von Andreas Pinck entwickelt, die übersichtliche und
nutzerfreundliche Software-Plattform „MARLIN“ („Maritime Live
Information“) entstand in Zusammenarbeit mit der Hochschule Flensburg im
Rahmen eines zweisemestrigen Masterprojekts im Studiengang Angewandte
Informatik unter der Leitung von Prof. Dr. Simon Olberding.
„Wir bringen Messdaten dorthin, wo sie unmittelbar genutzt werden – an den
Liegeplatz und auf die Smartphones der Seglerinnen und Segler“, sagt Dr.
Esther Rickert, die das Projekt am GEOMAR leitet.
Das System beobachtet, misst und überträgt live. Segler:innen können somit
vor dem Ablegen sehen, welche Bedingungen sie im nächsten Hafen erwarten.
Und auch die Hafenbetreiber:innen gewinnen hilfreiche Einblicke in die
Dynamiken des Wassers, die sie bislang oft nur schätzen konnten.
Doch die Daten sind nicht nur praktisch für Wassersportler:innen. Mit den
Messpunkten an den Marinas nutzen die Wissenschaftler:innen vom GEOMAR und
seinen Partnerinstitutionen die vorhandene maritime Infrastruktur, um
Umweltinformationen flächendeckend zu erfassen. Mithilfe dieser Daten
können Küstenräume besser verstanden und geschützt werden.
Im Rahmen des Interreg-Projekts „Baltic Ventures Programm“ soll
langfristig ein grenzüberschreitendes Beobachtungsnetzwerk entstehen. Ein
aktueller Meilenstein dafür ist die Installation der Sensorik auf der
Insel Avernakø (Dänemark). Hier wurde nun der erste Sensor nördlich der
Grenze in Betrieb genommen.
Für vier junge Leute von der Hochschule Flensburg haben die smarten
Marinas noch einen ganz anderen Effekt: Tarek Almohamad, Krister Goldbeck,
Fatih Ergen und Julian Müller, die die Visualisierungsplattform MARLIN
entwickelt haben, machen sich mit einem Start-up selbstständig, das die
Technologie aus dem Forschungsprojekt zu einem marktfähigen Produkt
weiterentwickelt.
„Mit MARLIN wollen wir maritime Umweltdaten so einfach auf dem Smartphone
zugänglich machen wie die Wettervorhersage“, sagt Tarek Almohamad vom
Gründerteam.
„Diese Kooperation hat viele Gewinner hervorgebracht“, sagt Rickert: „Die
Forschung, den Küstenschutz, alle, die sich auf dem Wasser bewegen und
natürlich die Entrepreneurs.“ Und am Ende könnte auch das Meer gewinnen,
denn ein besseres Verständnis der Ostsee ist die Grundlage für ihren
Schutz.
Hintergrund: „Baltic Ventures Programm“
Das Projekt „Baltic Ventures Programm“ wird durch Interreg Deutschland-
Danmark und die Europäische Union kofinanziert. Leadpartner ist das
BlueTech Center / Erhvervshus Fyn. Ziel des Projekts ist es, neue
Plattformen für Wissensaustausch, gemeinsame Innovationsprozesse und
Technologieentwicklung zu schaffen, damit der maritime Sektor die
notwendigen Werkzeuge zur Entwicklung nachhaltiger Lösungen erhält.
Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit umfasst unter anderem eine
„Maritime Startup Growth Academy“, die Start-ups sowie kleine und mittlere
Unternehmen bei der Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle unterstützt,
die „Maritime Open Data Sandbox“, die maritime Daten für Unternehmen,
Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutschland und Dänemark
zugänglich macht, sowie den Zugang zu Testeinrichtungen und
regulatorischen Sandkästen, in denen neue Technologien unter realistischen
Bedingungen erprobt werden können.
