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Anpassung des Unterhalts: Dieses Jahr hat Papa kein Geld für Weihnachtsgeschenke

Zum 1. Januar 2021 wird der Kindesunterhalt massiv erhöht. Der Selbstbehalt, also das Minimum, welches Unterhaltszahlenden verbleiben muss, wird aber wieder nicht angepasst. Dies führt zu steigender Armut bei Unterhaltszahlern und Unterhaltszahlerinnen. 


Der Kindesunterhalt steigt um 6,5% und damit deutlich stärker als die Lebenshaltungskosten. Die Reallöhne dagegen sinken aktuell um 4,7% unter Vorjahresniveau. Woher also soll das Geld für den höheren Kindesunterhalt kommen? 

„Diese massive Erhöhung des Kindesunterhalts mitten in einer der elementarsten Wirtschaftskrisen, die unser Land jemals erlebt hat, ist unverantwortlich wird zu Armut bei Unterhaltszahlenden und zu einer höheren Belastung der Unterhaltsvorschusskassen führen“, meint Markus Witt, Mitglied im Bundesvorstand des Väteraufbruch für Kinder e.V. Problematisch sei, dass der notwendige Selbstbehalt, der einem Unterhaltspflichtigen verbleiben muss, nicht angepasst wird. „Wenn auf der einen Seite das Existenzminimum für Kinder angeblich derart steigt, dann müsse dies gleichzeitig auch beim Existenzminimum für Unterhaltspflichtige zu sehen sein. Dieser Schritt fehlt aber wieder einmal“, kritisiert Witt und weist darauf hin, dass dadurch immer mehr Unterhaltszahlende in Armut getrieben werden.

Notwendig wäre seit vielen Jahren eine grundlegende Reform des Unterhaltsrechts, welches auch die Betreuungsleistungen des unterhaltszahlenden Elternteils berücksichtigt. Darin stimmen Juristen, Verbände und Anwaltschaft seit langem überein, denn bisher zahlt derjenige, der sein Kind umfangreich betreut und auch ein Kinderzimmer bereithält genau dasselbe wie derjenige, der sich überhaupt nicht um sein Kind kümmert oder kümmern kann. Eine schreiende Ungerechtigkeit.

Die Politik verweigert sich einer Unterhaltsreform bereits seit mehreren Legislaturperioden. Erst jüngst ließ Bundesjustizministerin Lambrecht (SPD) verkünden, dass für die notwendige große Reform des Familienrechts nicht genügend Zeit gewesen wäre, obwohl das Vorhaben im Koalitionsvertrag eigentlich fest vereinbart war. So wird das Problem nach 8 Jahren großer Koalition erneut in die nächste Legislaturperiode verschoben.

Das Problem für Unterhaltszahlende: selbst wenn diese mittlerweile weniger verdienen, können sie ihre Unterhaltsverpflichtung nicht einfach reduzieren. In der Regel ist dafür eine langwierige und kostspielige Abänderungsklage erforderlich – für die sie weder Zeit noch Geld haben. Sie müssen damit oftmals ein Leben unterhalb des Existenzminimums führen, mitten in Deutschland und von der Öffentlichkeit unbeachtet.

Ihren Kindern werden viele dieses Jahr keine Geschenke unterm Weihnachtsbaum präsentieren können, da für Baum und Geschenke einfach das Geld nicht da ist und selbst das Weihnachtsessen das Budget sprengen würde.

Alle Unterhaltszahlenden, bei denen der Unterhalt verbindlich und vollstreckbar geregelt ist, sollten darauf achten, die Unterhaltszahlungen rechtzeitig zum Januar 2021 anzupassen, um keine rechtlichen Nachteile zu erleiden. Wie sie dies leisten sollen, darauf liefert die Politik keine Antworten. ERGÄNZENDE INFORMATIONEN:

Reallöhne: 
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/152761/umfrage/entwicklung-der-loehne-in-deutschland/


WEITERE INFORMATIONEN: 

Väteraufbruch für Kinder e.V.: www.vaeteraufbruch.de
Der Väteraufbruch für Kinder e. V. (VAfK) ist der mitgliederstärkste bundesweit vertretene Interessenverband für von Kindern getrennt lebende Eltern und Väteremanzipation. Er vertritt und 4.000 Mitgliedern in rund 100 lokalen Gesprächskreisen, Kontaktstellen und Kreisvereinen, darunter 10 % Frauen. 

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Neuer US-Präsident Biden: Hoffnungsträger für die Klimapolitik? DBU-Online-Salon mit hochkarätigen Gästen – Schon mehr als 200 Anmeldungen

Selten zuvor hat die Wahl eines neuen US-Präsidenten eine solche Euphorie in der internationalen Klimapolitik ausgelöst wie jetzt das Votum für Joe Biden und seine designierte Stellvertreterin Kamala Harris. Aber sind die Hoffnungen berechtigt? Und: Bedeutet Biden die Rückkehr zur Devise „Make Climate Great Again?“ Diesen und anderen Fragen widmet sich der nächste DBUdigital Online-Salon der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) morgen, 3. Dezember, von 18 bis 19:30 Uhr – mit hochkarätigen Gästen und unter Moderation von DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Mehr als 200 Teilnehmende haben sich bereits registriert, weitere Anmeldungen sind möglich.

Der DBUdigital Online-Salon ist in Zeiten der Coronapandemie mittlerweile zu einem echten DBU-Markenzeichen geworden – geboren aus der Idee, frische Impulse für aktuelle Debatten in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zu liefern, noch dazu mit herausragenden Gästen und Persönlichkeiten. Zu den heiß diskutierten Themen zählt in diesen Tagen der Ausgang der Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten von Amerika – und die möglichen Auswirkungen auf die globale Klimapolitik. Denn nach langer Hängepartie steht fest, dass Joe Biden neuer und 46. Präsident der USA wird. 

John Kerry künftiger US-Sonderbeauftragter für Klimapolitik

Weltweit große Erwartungen an eine Neuausrichtung beim Klima-, Umwelt- und Artenschutz weckte Biden mit der Nominierung John Kerrys zum künftigen US-Sonderbeauftragten für Klimapolitik – und seiner Ankündigung, den von seinem Vorgänger Donald Trump vollzogenen Austritt aus dem Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 rückgängig zu machen. Über mögliche Folgen dieses Machtwechsels debattieren morgen Bastian Hermisson, der Büroleiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Washington DC, Dr. Brigitte Knopf, die Generalsekretärin des wissenschaftlichen Think Tanks „Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC)“, sowie Prof. Dr. Dirk Messner, der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA). 

UBA-Präsident: Der amerikanische Alleingang wird ein Ende haben

UBA-Präsident Messner stimmen die ersten Signale Bidens hoffnungsfroh: „Der angekündigte Wiedereintritt der USA in das Übereinkommen von Paris ist ein wichtiger Schritt, um die Klimaschutzziele noch zu erreichen. Ich bin zuversichtlich, dass der amerikanische Alleingang innerhalb der G7 und G20 mit der neuen Administration ein Ende haben wird.“ Nach Messners Ansicht erwächst aus dieser Erkenntnis aber zugleich eine gewisse Verpflichtung: „Das Thema Subventionsabbau für fossile Energieträger und internationale Anstrengungen für einen angemessenen CO2-Preis könnten gemeinsame Anstrengungen der EU und USA werden.“ DBU-Generalsekretär Alexander Bonde sieht in der Wahl Bidens und Harris‘ eine „vollkommen neue, positive Lage“ für die weltweite Klimapolitik. Ein neugewählter US-Präsident allein sei jedoch noch keine Lösung der Klimakrise. Es müsse jetzt darum gehen, „wo die Europäische Union und Deutschland gemeinsam mit den USA in der internationalen Klimapolitik voranschreiten können“, so Bonde. „Wir müssen uns hierzulande fragen, welche Hausaufgaben wir dabei selbst zu bewältigen haben und mit welchen konkreten Strategien wir Biden und die USA in den aktiven, internationalen Klimaschutz einbinden und unterstützen können.“

 „Verstärkt über einen Preis für den Ausstoß von Kohlendioxid reden“

Dass es nicht ausreicht, sich beim Klimaschutz allein auf die Vereinigten Staaten zu verlassen, gibt auch MCC-Generalsekretärin Knopf zu bedenken. Entscheidend werde sein, „was Biden tatsächlich von seinen Klimaplänen umsetzen kann“. Für Knopf steht im Übrigen fest, lediglich ein maximales Erderwärmungsziel von 1,5 oder 2 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu formulieren, zeitigt noch keine Erfolge. Knopf: „Wir müssen deshalb verstärkt über einen Preis für den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) reden.“ Es sei aber „ein erster guter Schritt“, dass in Deutschland die CO2-Bepreisung im Wärme- und Verkehrssektor ab 2021 mit einer Kalkulation von 25 Euro pro ausgestoßener Tonne CO2 starte.

Schwerer Schaden für die Demokratie

Der Washingtoner Büroleiter der Heinrich-Böll-Stiftung weist unterdessen auf die politischen Altlasten hin, die Biden von seinem Vorgänger Trump erben wird. Bastian Hermisson: „Unter der Trump-Präsidentschaft hat die Demokratie in den Vereinigten Staaten schweren Schaden erlitten – auch befeuert durch die Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft. Was wir hier erleben, ist im Grunde die Geburt von zwei Parallelwelten – basierend auf unterschiedlichen Faktenlagen in einem jeweils separaten Medien-Universum.“ Das heiße auch: „Es gibt keine gemeinsame Grundlage für einen politischen Diskurs, weder innerhalb der Zivilgesellschaft noch unter den demokratischen Institutionen bis hin zu den Medien.“ Mithin: eine schwere Bürde für eine wirksame Klimaschutzpolitik. 

Massive Zunahme an Extremwetter-Ereignissen in den USA

Was Hermisson Mut macht: Die US-Bevölkerung signalisiere „große Unterstützung“ für die Entwicklung erneuerbarer Energien und nachhaltiger Infrastruktur. Selbst die Mehrheit der Republikaner, also der Trump-Partei, erkenne, „dass die Zukunft der Energiewirtschaft den erneuerbaren Energien und im Verkehrssektor der Elektromobilität gehört“. Nach Hermissons Worten hat die „massive Zunahme an Extremwetter-Ereignissen“ in den USA – wie etwa die Hurrikans an der Golfküste, Waldbrände im Westen, Überflutungen im Mittleren Westen des Landes – zu einem größeren Bewusstsein für das Thema Klimawandel in den Vereinigten Staaten beigetragen. Hermisson: „Ähnlich wie in Europa die Aktivistinnen und Aktivisten von Fridays for Future erweisen sich in den USA mehr und mehr Jugendbewegungen als treibende Kraft politischer Veränderungen.“ Aufmerksamkeit errege dort besonders das „Sunrise Movement“, ein Zusammenschluss junger Menschen – „übrigens nicht nur im Kampf gegen den Klimawandel, sondern auch gegen soziale Ungerechtigkeit und Rassismus“, so Hermisson. Diese gesellschaftliche Entwicklung werde von dem in den USA politisch anvisierten „Green New Deal“ widergespiegelt: Das Vorhaben sehe einerseits enorme Investitionen in nachhaltige Infrastruktur auf allen Ebenen vor, sei andererseits „zugleich gekoppelt mit einer sozialpolitischen Komponente sowie der Auseinandersetzung mit Rassismus und systematischer Diskriminierung von bestimmten Bevölkerungsschichten“.

Lebenswirklichkeit der US-Bevölkerung teils dramatisch verändert

Mit Blick auf die US-Klimapolitik stimmen drei Faktoren optimistisch, so Hermisson. Positiv sei etwa „die Dynamik der amerikanischen Wirtschaft, die sich die Minderung von Emissionen zum Ziel gesetzt hat“. Die Biden-Präsidentschaft könne diese Transformation noch beflügeln. Außerdem traue er der künftigen US-Regierung zu, Klimapolitik in allen Ministerien oben auf die Agenda zu setzen. Dafür spreche die Ernennung John Kerrys zum US-Sonderbeauftragten für Klimapolitik. Und drittens?  Die Einstellung innerhalb der Bevölkerung wandle sich rasant, weil deren Lebenswirklichkeit sich wegen der Folgen des Klimawandels teils dramatisch verändere oder gar schon verändert habe. Hermisson: „Plötzlich fragen sich die Menschen: Wo kann ich noch mein Haus bauen? Was kann ich als Landwirt noch pflanzen?“

Für eine interessante Debatte im DBUdigital Online-Salon dürfte gesorgt sein. Wer dabei sein möchte, kann sich noch anmelden: https://www.dbu.de/550artikel38838_2440.html

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Digitale Hilfe für Städte im Klimanotstand Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert Projekt des Instituts für Systemische Energieberatung

Grüne Sache: Das Institut für Systemische Energieberatung in Landshut entwickelt ein digitales Werkzeug, mit dem Kommunen Umweltfolgen bewerten können, bevor Beschlüsse gefasst werden. © Antje Deepen-Wieczorek/piclease
Grüne Sache: Das Institut für Systemische Energieberatung in Landshut entwickelt ein digitales Werkzeug, mit dem Kommunen Umweltfolgen bewerten können, bevor Beschlüsse gefasst werden. © Antje Deepen-Wieczorek/piclease

Als erste deutsche Stadt hat Konstanz den Klimanotstand beschlossen. Ab sofort werden bei allen Entscheidungen die Lösungen bevorzugt, die sich positiv auf Klima-, Umwelt- und Artenschutz auswirken. Mehr als 70 Gemeinden und Städte folgten dem Beispiel und riefen ihrerseits den Klimanotstand aus. In dieser Lage könnte ihnen ein Projekt des Instituts für Systemische Energieberatung (Landshut) zugutekommen: ein digitales Werkzeug als Bewertungshilfe für kommunale umwelt- und klimaschonende Beschlüsse. Das Vorhaben wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) fachlich und finanziell mit rund 113.000 Euro gefördert.

„Es wird Zeit gegenzusteuern“

„Nachdem die Folgen des Klimawandels wie Dürre und Starkregenereignisse auch in Deutschland bereits spürbar sind, wird es Zeit gegenzusteuern“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. „Viele Städte und Gemeinden sind schon auf dem richtigen Weg. Eine wirkungsvolle Methode, um vor Beschlüssen mögliche Klimaauswirkungen zu kennen, kann deshalb eine große Unterstützung  sein“, so Bonde weiter. Die Digitalisierung biete entsprechende Chancen. Mit einem Datenbank-basierten Werkzeug seien neben Klimafolgen überdies die langfristigen Kosten von Entscheidungen besser einzuschätzen.

Drei Kommunen in Bayern beteiligt

„Das von uns entwickelte Instrument soll für Städte und Gemeinden ein Werkzeug sein, um mögliche positive und negative Klimafolgen von bevorstehenden Entscheidungen rasch zu erfassen“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Petra Denk vom Institut für Systemische Energieberatung. Die Landshuter Einrichtung beteiligt drei unterschiedlich große Kommunen in Bayern am Projekt: Erlangen (111.000 Einwohnerinnen und Einwohner), Pfaffenhofen an der Ilm (26.000) und Wolfratshausen (19.000). Nach Denks Worten berechnet das Werkzeug nicht nur die Belastung durch Kohlendioxid (CO2) beim Kauf zum Beispiel von Heizungstechnik, sondern schätzt auch den gesamten CO2-Ausstoß im Lebenszyklus des Produktes.

Unterschiedliche Kategorien abdecken

Das nun neu zu entwickelnde Instrument soll eine Bewertung nach Kategorien wie Beschaffung, Bauwesen und Mobilität ermöglichen. Für jede Kategorie werden Denk zufolge Unterkategorien entwickelt worden „mit Klimaschutz-Alternativen für eine geringere CO2-Belastung; ebenso soll eine Abschätzung der Mehrkosten erfolgen“. So können die Klimaauswirkungen verschiedener Energieträger für Heizungstechnik wie Öl oder Pellets im Vergleich dargestellt werden. „Dieses Werkzeug versetzt Städte und Gemeinden also in die Lage, unkompliziert Beschlüsse verstärkt auf Klimaschutz auszurichten und umweltfreundliche Entscheidungen zu treffen“, so Denk.

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„EU sollte aus der Friedensgeschichte früherer Imperien lernen“

Politikwissenschaftler Herfried Münkler in Münster: Europäische Union
sollte sich an früheren Großreichen orientieren – „Imperien haben
zerstörerische Kriege verhindert und Austausch geschaffen“ – Vortrag im
Rahmen der Ringvorlesung „Imperien und Zugehörigkeiten“ des
Exzellenzclusters „Religion und Politik“

Historische Imperien wie das antike Römische Reich oder das British Empire
sollten nach Einschätzung des Berliner Politikwissenschaftlers Prof. Dr.
Herfried Münkler einer Neubewertung unterzogen werden. „Imperien werden
meist als aggressive Akteure gesehen, die plündern und unterdrücken.
Manche wurden aber zu Hütern und Sachwaltern eines gemeinsamen Raumes,
sicherten Frieden und sorgten für kulturellen Austausch und eine
gemeinsame Werte- und Rechtsordnung“, sagte der Professor von der
Humboldt-Universität zu Berlin am Dienstagabend in Münster.  Die
Europäische Union (EU) lasse sich als ein solches Imperium verstehen und
könne aus den früheren Großreichen lernen. „Uns steht das Ende des
amerikanischen Zeitalters bevor: Die EU sollte spezifisch europäische
Interessen und Werthaltungen in die Neugestaltung der Weltordnung
einbringen, wenn der alte Kontinent im 21. Jahrhundert noch eine Rolle
spielen will.“ Wie das in regionaler und globaler Hinsicht gelingen könne,
lasse sich an früheren imperialen Ordnungen ablesen, „die große
zerstörerische Kriege verhinderten und kulturellen Austausch schufen.“

„Die EU bezeichnet sich selbst als ‚Raum des Friedens und des
Wohlstands‘“, führte Münkler in der Ringvorlesung „Imperien und
Zugehörigkeiten“ des Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der WWU aus.
„Das kommt der Selbstlegitimation imperialer Ordnungen zu jeder Zeit
gleich.“ In seinem Vortrag setzt der Wissenschaftler den
Imperialismustheorien des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts eine
„Imperiumstheorie“ entgegen, „die der Analyse der Vergangenheit dienen
kann, aber auch der Selbstaufklärung der EU über sich selbst“.  Ins
Zentrum seiner Imperiumstheorie stellt Münkler nicht die Ausbeutung von
Kolonien, sondern die Bereitschaft der Reiche, in Gemeingüter zu
investieren. „Imperien stellen Werte wie Wohlstand, Sicherheit und Frieden
sowie Güter in großen geographischen Räumen bereit. Das funktioniert nur,
wenn sie daraus nicht nur für sich Nutzen ziehen wollen.“ Als aktuelles
Beispiel nannte Münkler das internationale Klimaabkommen. „Donald Trumps
Austritt aus dem Abkommen war die Weigerung, in Gemeingüter zu
investieren.“ Sein ‚America first‘ sei als Gegenparole dazu zu verstehen.

„Langlebige Imperien haben in ihre Peripherie investiert“

„Unser Blick auf historische Imperien ist durch die im öffentlichen
Diskurs dominanten Imperialismustheorien des späten 19. und frühen 20.
Jahrhunderts verstellt“, so Münkler weiter. „Viele imperiale Ordnungen
lassen sich als Friedensordnungen betrachten. Namen wie die pax romana,
pax americana, aber auch pax mongolica oder pax sovietica stehen geradezu
für die Verhinderung großer zerstörerischer Kriege.“ Das Römische Reich
der Antike und das Britische Reich der Neuzeit hätten über lange Zeit ihre
Ränder und die Peripherie am Fortbestand der imperialen Ordnung zu
interessieren vermocht. „Langlebige Imperien haben in ihre Ränder
investiert und sie an den Vorteilen imperialer Ordnung, nämlich
Sicherheit, Frieden und Wohlstand, teilhaben lassen.“

Ringvorlesung im ersten Cluster-Themenjahr „Zugehörigkeit und Abgrenzung“

Die interdisziplinäre Ringvorlesung „Imperien und Zugehörigkeiten“ des
Exzellenzclusters untersucht den Einfluss von Kolonialmächten auf die
sozialen, kulturellen und religiösen Zugehörigkeiten von
Bevölkerungsgruppen in Großreichen und die Folgen bis heute und nimmt an
Fallbeispielen von der Antike bis in das 20. Jahrhundert in den Blick, wie
die Vielschichtigkeit von Zugehörigkeiten und religiösen Identitäten
imperiale Gesellschaften beeinflussten und welche Dynamiken sozialer
Formierung damit verbunden waren. Die Vortragsreihe bildet den Auftakt zum
ersten Themenjahr „Zugehörigkeit und Abgrenzung. Dynamiken sozialer
Formierung“ des Exzellenzclusters, das sich im Jahresprogramm 2020/21 mit
dem Entstehen sozialer Gruppen befasst sowie mit den Identitäten und
Konflikten, die daraus erwachsen.

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