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TU Berlin: Coronavirus - Was bringt der neue Lockdown?

Wenn die Bevölkerung die Corona-Regeln über die Feiertage immer wieder neu
ausreizt, werden die Infektionszahlen steigen

Dass die Maßnahmen des Lockdown-light von Anfang November 2020 die Corona-
Infektionszahlen nur zum Stagnieren gebracht haben, ist für Prof. Dr. Kai
Nagel, Mobilitätsforscher an der TU Berlin, nicht weiter verwunderlich:
„Die Mobilitätseinschränkung war gerade einmal halb so stark wie im
Frühjahr, zusätzlich sind die Schulen weitgehend offen geblieben.“ In
seinem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt
„MODUS-COVID“ modelliert er das Infektionsgeschehen in Berlin auf der
Basis von anonymisierten Mobilfunkdaten. Nach ihrem jüngsten Bericht an
das Bundesministerium von Anfang Dezember 2020 sind der Wissenschaftler
und sein Team überzeugt: „Selbst wenn die Bevölkerung weitgehend auf
private Treffen an den Feiertagen verzichtet, wird es mindestens bis zum
Frühjahr dauern, bis die Kontaktnachverfolgung wieder in vollem Umfang
greift. Sollten die Feiertagsregeln aber so ausgereizt werden, dass sich
über mehrere Tage immer wieder fünf Personen aus zwei Haushalten treffen,
werden die Infektionszahlen deutlich steigen und nicht sinken.“

Diese Prognose können die Wissenschaftler*innen anhand ihrer Modelle
belegen. Sie haben ein agenten-basiertes synthetisches Modell entwickelt,
das für jeden einzelnen Wochentag für alle Personen über eine Simulation
verfügt, wann, wo und wie sich Personen bewegen, wo sie sich aufhalten und
welche Aktivitäten sie dort ausführen. Verschiedene Parameter des Modells
simulieren die zur Verfügung stehenden Maßnahmen und können über den
Verlauf der Zeit variiert und der Realität angepasst werden.

„So können wir in unseren Simulationen zum Beispiel berechnen, wie sich
die Ferien und die Schulschließungen auswirken, was es bedeutet, wenn
durchgehend Alltagsmasken getragen werden oder wie sich eine Reduktion der
aushäusigen Aktivitäten auf die Reproduktionszahl R auswirkt. R gibt an,
wie viele Personen im Durchschnitt von einer infizierten Person angesteckt
werden“, erläutert Ricardo Ewert, wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Fachgebiet Verkehrssystemplanung und Verkehrstelematik von Kai Nagel.

Für die kommenden Weihnachtstage haben die Wissenschaftler*innen drei
verschiedene Modelle durchgerechnet:

Modell 1 simuliert das Geschehen, wenn die Dezember-Dynamik weitergeführt
wird, wobei die weitverbreiteten Ferien sowie die Schulschließungen durch
die Ferien berücksichtigt werden.

Modell 2 zeigt das Infektionsgeschehen, wenn sich die Menschen an die
jetzt neu beschlossenen, verschärften Regeln halten und lediglich die
Lockerungen an den Weihnachtsfeiertagen nutzen.

Modell 3 berücksichtigt ebenfalls den erneuten Lockdown, geht aber davon
aus, dass die Menschen zusätzlich zu den Weihnachtstagen auch an Silvester
vermehrt Kontakt haben.
„Selbst wenn sich die Menschen nur an den Feiertagen vermehrt treffen,
wird es nach unserer Simulation zu einem Anstieg der Fallzahlen kommen“,
erläutert Sebastian Müller, ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Fachgebiet, die Situation.

„Unsere Simulation ist da ganz eindeutig: Wenn Modell 2 eintritt, werden
die Zahlen nochmal leicht ansteigen, bevor sie wieder sinken. Wenn aber
das Modell 3 eintrifft, werden die Infektionszahlen nochmal deutlich
steigen, die Krankenhäuser werden ihre Kapazitätsgrenzen erreichen und der
Lockdown muss dann vermutlich bis in den April fortgeschrieben werden, um
die Infektionszahlen wieder auf ein Maß herunterzufahren, bei dem die
Gesundheitsämter die Nachverfolgung bewerkstelligen können“, ergänzt Kai
Nagel.

Weiterführende Informationen:

Alle Simulationen sowie einen Maßnahmenrechner, der auch für die
Beurteilung des Risikos in einem privaten Umfeld genutzt werden kann,
finden Sie hier: <https://covid-sim.info/>

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„Worauf warten wir noch?“ – Intensivmediziner fordern sofortigen Lockdown in allen Bundesländern

Die deutschen Intensivmediziner appellieren an die Politik, unverzüglich
zu handeln! Jeder weitere Tag ohne durchgreifende und nachhaltige
Lockdown-Maßnahmen koste Menschenleben, sagt der Präsident der Deutschen
Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI),
Prof. Uwe Janssens. 30.000 Neuinfektionen am Tag. 600 Corona-Tote täglich.
Dazu das Wissen, dass selbst ein sofortiger Lockdown die Zahlen erst in
zwei bis drei Wochen deutlich sinken lasse – „Ein Zögern und Warten auf
Weihnachten ist schier unverantwortlich“, so Janssens, Chefarzt der Klinik
für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-
Hospital in Eschweiler.

„Worauf warten wir noch?“, fragt Janssens deshalb. „Weitere 14 Tage nach
dem Motto ‚Augen zu und durch!‘ erscheinen angesichts der heutigen Zahlen
nicht mehr nachvollziehbar.“ Er rechnet vor: „Wenn wir die kommenden zwei
Wochen jeden Tag im Schnitt 30.000 Neuinfektionen haben, verzeichnen wir
an Weihnachten etwa 420.000 Corona-Infizierte. Die sich daraus ableitenden
Zahlen an Krankenhauspatienten und schwerst erkrankten Patienten, die eine
intensivmedizinische Behandlung benötigen, wird dann nicht mehr adäquat zu
behandeln sein.“ Man bereite sich bereits auf Priorisierungs-Situationen
vor.

Maßnahmen in unseren Nachbarländern zeigen Wirkung

Auch der designierte Präsident der DIVI, Prof. Gernot Marx, Direktor der
Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am
Universitätsklinikum Aachen pflichtet Janssens bei: „Es genügt der Blick
nach Belgien, Frankreich, Irland, um zu erkennen, dass harte Lockdown-
Maßnahmen tatsächlich in der Lage sind, die hohen Infektionszahlen zu
beherrschen.“ Diese Erkenntnisse müssten genügen, um endlich nach Wochen
des Zögerns durchgreifend das Virus zu bekämpfen.

Gemeinsam handeln – Ressourcen nicht verspielen

Wichtig ist den Medizinern ein konzertiertes und gemeinsames Handeln ALLER
Bundesländer. Auch der Norden Deutschlands, der derzeit noch wenig
betroffen sei, müsse mitziehen, erklärt DIVI-Vorstandsmitglied Prof.
Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Wir brauchen die Möglichkeit
einer Reserve, um Patienten in weniger belastete Regionen in Deutschland
verlegen zu können.“
Denn bereits jetzt müssen sich einzelne Kliniken in Deutschland von der
Notfallversorgung abmelden und sind teilweise lange Transportzeiten für
Notfallpatienten erforderlich, bis das nächste Krankenhaus mit freien
Behandlungskapazitäten erreicht wird. „Auch können dringend notwendige
Operationen zum Beispiel bei Krebserkrankungen oder Herzerkrankungen
bereits in einigen Versorgungsgebieten nicht mehr zeitnah durchgeführt
werden“, weiß Kluge.

„Am harten Lockdown führt kein Weg vorbei!“

DIVI-Präsident Janssens fordert deshalb mit Blick auf die Gesamtsituation
Deutschlands: „Die Belastungen auf den Intensivstationen haben ein Ausmaß
angenommen, das nicht mehr lange von Pflegern und Ärzten gestemmt werden
kann. Wir befürchten einen körperlichen und psychischen Kollaps der
Mitarbeiter, die nun schon seit Wochen diesen Anforderungen ausgesetzt
sind. Wir brauchen jetzt einen durchgreifenden Lockdown. Daran führt kein
Weg vorbei!“

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Beamte und Selbständige in Rentenversicherung integrieren

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil schlägt vor, ab dem Jahr 2024 Unternehmer unter 35 Jahren obligatorisch in die gesetzliche Rentenversicherung zu integrieren. Dazu erklärt die Vorsitzende des BDH Bundesverband Rehabilitation, Ilse Müller:

„Wir setzen uns für die Einführung einer Renten-Bürgerversicherung ein, die Arbeitnehmer, Beamte und Selbständige gleichermaßen umfasst. Zur langfristigen Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherung darf es angesichts der demografischen Entwicklung in der Zukunft keine Ausnahmen von der Versicherungspflicht mehr geben. Uns droht in den kommenden Jahren eine durch zahlreiche Sonderversicherungsmodelle und wachsende Bundeszuschüsse ausgelöste Vertrauenskrise in das staatliche Rentensystem. Mit seinem Vorstoß zur Altersvorsorgepflicht für junge Selbständige stößt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil eine fundamentale Debatte an. Die gesetzliche Rentenversicherung wird dem demografischen Stresstest auf lange Sicht nur dann standhalten, wenn es uns gelingt, die Zahl der Beitragszahler um Selbständige und Beamte zu erweitern. Eine so gestärkte Rentenversicherung kann den Kampf gegen die grassierende Altersarmut wirksam bestreiten und einen wesentlichen Beitrag zum Generationenausgleich leisten.“

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Politischer Abend "E-Rezept für PatientInnen"

Erster Politischer Abend der GMDS zur Masern-Impfpflicht am 15. Oktober 2019 in der Hörsaalruine der Berliner Charité  Lars Ziegenhain
Erster Politischer Abend der GMDS zur Masern-Impfpflicht am 15. Oktober 2019 in der Hörsaalruine der Berliner Charité Lars Ziegenhain

Das E-Rezept soll ab Januar 2022 eingeführt werden, so ist es unter
anderem im Patientendaten-Schutz-Gesetz geregelt. Das E-Rezept muss den
Patientinnen und Patienten einen unmittelbaren Nutzen bringen, das ist der
Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und
Epidemiologie (GMDS) besonders wichtig.

Die mit dem E-Rezept verordneten Medikamente müssen in der Elektronischen
Patientenakte (EPA) so dokumentiert sein, dass PatientInnen,
ApothekerInnen und ÄrztInnen darauf zugreifen können, wenn dies notwendig
ist. Auf diese Weise muss die Arzneimitteltherapiesicherheit gerade bei
Polymedikation verbessert werden.
Arzneimitteltherapiesicherheit ist aber auch auf wissenschaftliche
Forschung angewiesen, für die Daten aus dem Verordnungsprozess
datenschutzgerecht und interoperabel bereitgestellt werden müssen. Das
E-Rezept muss in einem vereinten Europa auch grenzüberschreitend die
sichere Versorgung mit Medikamenten ermöglichen. Gerade in der Pandemie
hat das E-Rezept eine besondere Bedeutung für die Telemedizin. Bei dem
politischen Abend „E-Rezept für PatientInnen“ werden PatientInnen die
Probleme beleuchten, die das bisherige Papierrezept und der damit
verbundene Medikationsprozess mit sich bringen. ExpertInnen aus Medizin,
Medizinischer Informatik und Epidemiologie werden Lösungsansätze
aufzeigen. Gemeinsam mit PolitikerInnen und PatientInnen werden wir
diskutieren, was die nächsten Schritte sein müssen.

Vorläufiges Programm:

Politischer Abend „E-Rezept für PatientInnen“
Donnerstag, 17. Dezember 2020, 18:00 - 20:00 Uhr
Webkonferenz über GoToMeeting

Gesamtmoderation: Prof. Dr. Sylvia Thun

Einführung: Prof. Dr. Alfred Winter (GMDS-Präsident):
E-Rezept kurz vor der technischen Realisierung, aber ungenutzte Chancen
für die Patienten und die Gesundheit.

Patientenstory:
Patientenvertreter: Günter Breitenberger, Selbsthilfeverein
Organtransplantierte NRW e. V.

Statements zur Patientenstory (Podiumsrunde):

Perspektive Patienten: Monja Gerigk, Institut Patientenerleben Essen

Perspektive MI und UseCasePOLAR: Prof. Dr. Thomas Ganslandt, Professor für
Medizinische Informatik

Perspektive Pharmakologie und POLAR : Prof. Dr. med. Renke Maas, Professor
für Pharmakologie

Perspektive Sicherheit: N.N.

Perspektive Pharmkoepidemiologie: Wiebke Schäfer, GMDS AG
Pharmkoepidemiologie

Wissenschaftlichen Beitrag: Dr. Kerstin Boldt, Leiterin der GMDS AG
Arzneimittelinformationssysteme

Zusammenfassung: Prof. Dr. Sylvia Thun

Diskussion

Fazit: GMDS-Memorandum zum E-Rezept: Prof. Dr. Alfred Winter

Den Link zur Teilnahme für die Veranstaltung senden wir Ihnen rechtzeitig
vor der Veranstaltung per E-Mail zu.

Bitte melden Sie sich unter dem folgenden Link für die Veranstaltung an:

https://www.gmds.de/de/ueber-uns/organisation/praesidiumskommissionen
/gesundheitsstrategie-der-bundesregierung/

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