Arbeitslehre als Schlüssel zur Demokratiebildung
Das Schulfach Arbeitslehre kann laut Dr. Eva Anslinger von Zentrum für
Arbeit und Politik (zap) der Universität Bremen eine Schlüsselrolle für
Demokratiebildung an Schulen spielen. „Sie macht demokratische Teilhabe in
lebensnahen Lernsituationen konkret erfahrbar.“ Das Fach steht im
Mittelpunkt der Jahrestagung der „Gesellschaft für Arbeit, Technik und
Wirtschaft im Unterricht“ in Bremen.
„Demokratie gerät weltweit unter Druck. Polarisierung, Desinformation und
wachsendes Misstrauen gegenüber politischen Institutionen prägen zunehmend
öffentliche Debatten“, betont die Vorsitzende des Vorstands der
„Gesellschaft für Arbeit, Technik und Wirtschaft im Unterricht“
Professorin Marianne Friese. „Wenn demokratische Gesellschaften stabil
bleiben sollen, reicht es nicht aus, über Demokratie zu sprechen.“ Junge
Menschen müssten erfahren, wie Beteiligung, Verantwortung und
Mitbestimmung im Alltag funktionierten. Schule spiele dabei eine zentrale
Rolle.
Demokratische Kompetenzen entstehen nach Ansicht von Anslinger dabei nicht
nur im Politikunterricht. Sie entwickeln sich auch dort, wo Schülerinnen
und Schüler über Arbeit, Wirtschaft, Konsum oder gesellschaftliche
Verantwortung nachdenken und gemeinsam Entscheidungen treffen. Lebensnahe
Lernfelder können demokratische Prozesse greifbar machen.
Ein Fach, das solche Erfahrungen ermöglicht, ist die Arbeitslehre bzw. in
Bremen das Fach Wirtschaft/Arbeit/Technik (WAT). Sie verbindet technische,
ökonomische und hauswirtschaftliche sowie soziale Bildung mit Themen wie
Verbraucherbildung und beruflicher Orientierung. Anslinger erklärt: „In
diesen Bereichen wird Demokratie nicht nur theoretisch behandelt, sondern
kann praktisch erlebt werden“ etwa durch Zusammenarbeit, Mitbestimmung und
die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen. In Projekten zur
nachhaltigen Gestaltung oder Materialwahl üben Jugendliche demokratische
Kompetenzen wie Aushandlung und Verantwortung direkt aus.“ Friese sagt,
Demokratiebildung müsse vor dem Hintergrund gesellschaftlicher
Veränderungen und digitaler Lebenswelten und des Strebens nach mehr
sozialer Gerechtigkeit weiterentwickelt werden, um diese Prozesse aktiv
mitzugestalten.
Welche Rolle die Arbeitslehre dabei spielen kann, steht im Mittelpunkt der
Jahrestagung der „Gesellschaft für Arbeit, Technik, Wirtschaft im
Unterricht“. Die Tagung findet am 18. und 19. März 2026 an der Universität
Bremen am „Zentrum für Arbeit und Politik“ (zap) statt. Forschende,
Lehrkräfte und Bildungsexpertinnen und Bildungsexperten diskutieren dort
über aktuelle Herausforderungen der Demokratiebildung sowie neue Ansätze
für den Unterricht.
Auf dem Programm stehen Vorträge und Workshops zu Themen wie politischer
Bildung in Zeiten des Populismus, finanzieller Bildung als Beitrag zu
sozialer Gerechtigkeit oder Schülerbeteiligung in schulischen
Entscheidungsprozessen. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie demokratische
Kompetenzen im schulischen Alltag gestärkt werden können.
