Unterstützung der Ukraine nach drei Jahren Krieg: Hilfen gering, aber stetig – Verschiebung auf Waffenbeschaffung
Während der letzten drei Kriegsjahre haben die Geberländer der Ukraine auf
niedrigem Niveau, aber kontinuierlich Hilfe zugewiesen – im Schnitt im
Wert mehr als 80 Milliarden Euro pro Jahr.
Europäische Geber sind seit
2022 die Hauptquelle der Hilfe für die Ukraine, insbesondere bei der
finanziellen und humanitären Hilfe. Gleichzeitig zeigen die Daten eine
Verlagerung hin zur Waffenbeschaffung. Stammte die Militärhilfe für die
Ukraine zu Beginn des Krieges vor allem aus den vorhandenen
Waffenarsenalen der Geberländer, die im Laufe der Zeit geleert wurden,
besteht heute der Großteil der Militärhilfe aus neu produzierten Waffen
der westlichen Rüstungsindustrie.
Multilaterale Rüstungsbeschaffungsinitiative
zunehmende Rolle. Das zeigt das jüngste Update des Ukraine Support
Trackers, das Hilfen bis einschließlich Dezember 2024 erfasst.
Am 24. Februar 2025 jährt sich der Einmarsch Russlands in die Ukraine zum
dritten Mal. Rückblickend zeigt sich, dass die westlichen Geberländer der
Ukraine kontinuierlich Hilfe zugewiesen haben, und zwar fast einem
linearen Trend folgend. Insgesamt wurden der Ukraine in den letzten drei
Jahren rund 267 Mrd. EUR an Hilfsgeldern zugewiesen, was mehr als 80 Mrd.
EUR pro Jahr ausmacht. Davon entfielen rund 130 Milliarden Euro (49
Prozent) auf militärische Hilfe, 118 Milliarden Euro (44 Prozent) auf
finanzielle Unterstützung und 19 Milliarden Euro (7 Prozent) auf
humanitäre Hilfe.
Gemessen an der Wirtschaftsleistung der Geberstaaten sind die
Ukrainehilfen allerdings nach wie vor gering. Deutschland, Großbritannien
und die USA haben beispielsweise weniger als 0,2 Prozent ihres BIP pro
Jahr für die Unterstützung der Ukraine mobilisiert, während andere reiche
Geberländer wie Frankreich, Italien oder Spanien nur etwa 0,1 Prozent
ihres jährlichen BIP bereitgestellt haben. Selbst kleine innenpolitische
Prioritäten sind um ein Vielfaches teurer als das, was für die Ukraine
getan wird. So kosten beispielsweise die Steuersubventionen Deutschlands
für Dieselkraftstoff („Dieselprivileg“) den Steuerzahler dreimal mehr pro
Jahr als die deutsche Militärhilfe für die Ukraine. Auch die steuerliche
Subventionierung von Firmenwagen oder die neu eingeführte sogenannte
„Mütterrente“ ist um ein Vielfaches kostspieliger. „Betrachtet man die
Staatshaushalte der meisten europäischen Geberländer, so erscheint die
Unterstützung der Ukraine in den letzten drei Jahren eher als kleines
‚Nebenprojekt‘, denn als große finanzielle Anstrengung“, sagt Christoph
Trebesch, Leiter des Ukraine Support Tracker (https://www.ifw-
kiel.de/de/themendossiers/krie
tracker/
Europa als Ganzes hat die USA in der Summe der Hilfen überholt. Insgesamt
hat Europa 70 Mrd. EUR an finanzieller und humanitärer Hilfe sowie 62 Mrd.
EUR an militärischer Hilfe bereitgestellt. Demgegenüber stehen 64 Mrd. EUR
an Militärhilfe aus den USA sowie 50 Mrd. EUR an finanzieller und
humanitärer Hilfe.
Die abnehmende Bedeutung der US-Hilfe begann Mitte 2023, auch weil der US-
Kongress neue Hilfspakete für die Ukraine blockierte. In den letzten
Monaten hat die US-Hilfe wieder zugenommen, aber „mit der Rückkehr von
Präsident Trump ins Amt wird die US-Militärhilfe wahrscheinlich wieder ins
Stocken geraten. Infolgedessen werden die europäischen Geber aufgefordert
sein, ihre Bemühungen zu verstärken und die große Lücke zu schließen, die
die USA hinterlassen könnten“, sagt Christoph Trebesch.
Die neuen Daten zeigen auch, dass der russisch-ukrainische Krieg zunehmend
von der Waffenproduktion bestimmt wird. Zu Beginn des Krieges stammte die
militärische Hilfe weitgehend aus den bestehenden Arsenalen der
Geberländer, aber die anhaltende russische Aggression erfordert
inzwischen, dass ein zunehmender Anteil direkt von der Industrie bezogen
wird.
In den ersten Kriegsmonaten wurde mehr als 90 Prozent der militärischen
Hilfe aus nationalen Waffenbeständen mobilisiert. Im Jahr 2023 und 2024
hingegen wurde der Großteil der Militärhilfe – mehr als 60 Prozent – bei
der Industrie geordert und neu produziert. Das gilt besonders für
Deutschland, wo fast dreiviertel des Kriegsgeräts für die Ukraine direkt
bei der Industrie geordert wurde. Großbritannien kann seine Lagerbestände
nutzen und bestellt nur 22 Prozent der Waffen neu, die USA 48 Prozent.
Drei Jahre nach Beginn des Krieges gelingt es den europäischen Gebern
langsam, sich besser zu koordinieren und neue Mechanismen für die
gemeinsame Beschaffung industrieller Waffen für die Ukraine einzuführen.
Die größte internationale Beschaffungsinitiative ist der International
Fund for Ukraine (IFU), ein von Großbritannien geführter
Finanzierungsmechanismus, der Beiträge mehrerer Länder bündelt, um
militärische Ausrüstung für die Ukraine zu beschaffen, mit
Gesamtzuweisungen in Höhe von 1,6 Mrd. Euro. Zu den weiteren jüngsten
Bemühungen gehören die tschechische Munitionsinitiative und das NATO
Comprehensive Assistance Package.
„Russlands Krieg gegen die Ukraine ist zu einem Wettstreit bei der
Beschaffung und Waffenproduktion geworden“, sagt Christoph Trebesch. „Es
ist daher essenziell, die industrielle Kapazität für die Verteidigung
Europas auszubauen. Der beste Weg dafür ist eine gesamteuropäische
Kooperation bei der Waffenproduktion und Beschaffung.“
Eine ausführlichere Analyse dieser Trends und weitere Einblicke in die
Entwicklung der Ukraine-Unterstützung in den letzten drei Jahren finden
Sie in unserem Bericht: Ukraine Support After Three Years of War: Aid
remains low but steady and there is a shift toward weapons procurement
(https://www.ifw-
kiel.de/fileadmin/Dateiverwalt
Über den Ukraine Support Tracker
Der Ukraine Support Tracker erfasst und quantifiziert militärische,
finanzielle und humanitäre Hilfen, die der Ukraine seit dem 24. Januar
2022 (aktuell bis Dezember 2024) zugesagt wurden. Berücksichtigt sind 40
Länder, spezifisch die EU-Staaten, die weiteren Mitglieder der G7,
Australien, Südkorea, Norwegen, Neuseeland, die Schweiz, die Türkei,
China, Taiwan und Indien. Erfasst sind Zusagen, die Regierungen dieser
Länder der ukrainischen Regierung gemacht haben; Hilfszusagen der EU-
Kommission und der Europäischen Investitionsbank sind separat aufgeführt;
private Spenden oder solche internationaler Organisationen wie des IWF
sind in der Hauptdatenbank nicht enthalten. Ebenso nicht mitgezählt sind
Hilfen an Nachbarländer der Ukraine wie Moldawien oder andere Länder –
etwa für die Aufnahme von Geflüchteten.
Datenquellen sind Bekanntgaben offizieller Regierungsstellen und Berichte
internationaler Medien. In Sachmitteln geleistete Hilfe wie zum Beispiel
Medizingüter, Lebensmittel oder militärisches Gerät werden anhand von
Marktpreisen oder Angaben aus früheren Hilfskampagnen geschätzt. In
Zweifelsfällen werden die höheren verfügbaren Werte angesetzt.
Der Ukraine Support Tracker wird laufend erweitert, korrigiert und
verbessert. Anregungen dazu sind sehr willkommen und können gerne an
Mehr Informationen und die kompletten Daten finden Sie auf der Webseite
(https://www.ifw-kiel.de/de/th
/ukraine-support-tracker/
Mehr zur Methodik des Ukraine Support Trackers steht in einem vertiefenden
Kiel Working Paper (https://www.ifw-kiel.de/de/pu
support-tracker-which-countrie