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Gesundheit

Wichtige Koordinierung bei lebensmittelbedingten Krankheiten

Das BVL veröffentlicht jährlich Berichte zu Erkrankungen durch
Lebensmittel

Der immer am 7. Juni stattfindende World Food Safety Day, der
Internationale Tag der Lebensmittelsicherheit, will Menschen für sichere
Lebensmittel sensibilisieren. Doch nicht immer lassen sich
lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche vermeiden. Wenn es zu größeren
derartigen Krankheitsausbrüchen kommt, koordiniert das Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Kommunikation
zwischen den beteiligten Behörden.

Die Lebensmittelunternehmen sind für die Sicherheit ihrer Erzeugnisse
verantwortlich. Falls deren Kontrollmechanismen einmal versagen, können
mit Krankheitserregern wie Bakterien, Viren oder Parasiten belastete
Produkte in den Handel gelangen. Kommt es dann zu einem Krankheitsausbruch
in mehreren Bundesländern, stellt das BVL den raschen
Informationsaustausch zwischen dem Robert Koch-Institut (RKI), das diese
Krankheitsfälle erfasst, den Lebensmittel-Überwachungsbehörden der
Bundesländer und dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sicher. So
können schnell Maßnahmen zur Eindämmung und Beendigung des Ausbruchs
getroffen werden.

Weiterhin sammelt das BVL für die Europäische
Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) Daten zu Lebensmitteln, die an
Krankheitsausbrüchen beteiligt sind, und veröffentlicht jedes Jahr
zusammen mit dem RKI einen Bericht zu lebensmittelbedingten
Krankheitsausbrüchen in Deutschland: https://bvl.bund.de/bela

Die Expertinnen und Experten im BVL unterstützen bei Bedarf die
Überwachungsbehörden bei der Ausbruchsaufklärung und geben ihr Wissen bei
Schulungen an Behördenmitarbeiter weiter. Dabei werden methodische Ansätze
und Werkzeuge der Ausbruchsaufklärung vorgestellt und geübt.

Hintergrund

Der World Food Safety Day, der Internationale Tag der
Lebensmittelsicherheit, wurde von den Vereinten Nationen im Jahr 2019 ins
Leben gerufen. Er wird jährlich am 7. Juni begangen. Ziel ist es, Menschen
für sichere Lebensmittel zu sensibilisieren, um so lebensmittelbedingte
Erkrankungen verhindern zu können. Weltweit beteiligen sich zahlreiche
Einrichtungen mit verschiedenen Aktivitäten rund um das Thema
Lebensmittelsicherheit an diesem Ereignis.

Das BVL erfüllt noch viele weitere Aufgaben im Bereich
Lebensmittelsicherheit. Wir koordinieren Programme zur Kontrolle von
Lebensmitteln und Pflanzenschutzmitteln, einschließlich dem Handel im
Internet. Weiterhin lassen wir Pflanzenschutzmittel, Tierarzneimittel und
gentechnisch veränderte Organismen zu – wenn sie für Menschen, Tiere und
Umwelt gesundheitlich unbedenklich sind. Wir informieren zudem regelmäßig:
Wir veröffentlichen jährliche Berichte und Daten zur Qualität von
Lebensmitteln in Deutschland und über die Ergebnisse der Verkehrs- und
Anwendungskontrollen im Pflanzenschutz.

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Gewebespende noch immer ein blinder Fleck in Politik und Gesellschaft

Die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) begeht in
diesem Jahr ihr 15-jähriges Jubiläum. Die gemeinnützige Organisation ist
die größte bundesweit tätige Einrichtung, die Gewebespenden realisiert, in
Gewebebanken aufbereitet und an Transplantationszentren vermittelt. 2.923
Menschen spendeten im letzten Jahr Gewebe, zum Großteil nach Herz-
Kreislauf-Versterben (2.504). 6.422 Gewebe gingen zur Aufbereitung in die
12 Gewebebanken im Netzwerk der DGFG ein – darunter 4.165 Augenhornhäute,
445 Herzklappen, 335 Blutgefäße und 30 Plazenten zur Gewinnung der
Amnionmembran. 6.608 Menschen konnte die DGFG in 2021 mit einem
Gewebetransplantat versorgen.

Obgleich die Zahlen in der Gewebespende im Unterschied zur Organspende
jährlich steigen, haben wir in Deutschland nach wie vor einen Mangel an
Gewebe. „Noch immer führen wir Wartelisten für eine Augenhornhaut. Im
letzten Jahr konnten wir nur jede zweite Anfrage für eine Herzklappe
bedienen. Das ist noch immer zu wenig“, hält Martin Börgel,
Geschäftsführer der DGFG, fest. Auch das Wissen um die Gewebespende, ihre
Voraussetzungen und ihre Organisation, die sich von der Organspende
deutlich unterscheidet, ist erschreckend gering. Das zeigt sogar das
jüngst in Kraft getretene Gesetz zur Stärkung der
Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende, das die Gewebespende zwar
betrifft, in seiner aktuellen Form jedoch erheblich gefährdet.

Online-Register gefährdet Versorgung mit Geweben

Bereits Anfang März veröffentlichte die DGFG einen offenen Brief und
appellierte an den Gesetzgeber, die Gewebespende in der Gesetzesreform der
etablierten Praxis angemessen zu berücksichtigen. Rückhalt erfährt die
DGFG dabei auch von ihren fünf Gesellschafterkliniken, der Medizinischen
Hochschule Hannover, den Universitätskliniken in Dresden, Leipzig und
Rostock sowie dem Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg, die
allesamt das Anliegen der DGFG unterstützen.

In dem besagten Gesetz vorgesehen: ein Online-Register sowohl zur
Dokumentation der Entscheidung zur Organ- als auch zur Gewebespende. Das
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, welches das Register
derweil einrichtet, verteilt für den Zugriff auf dieses Register
sogenannte Verordnungsermächtigungen an ausgewählte Personen, um im
Einzelfall die Entscheidung des potentiellen Spenders bzw. der
potentiellen Spenderin zu überprüfen. Dabei völlig außer Acht gelassen und
im Gesetz nicht mit berücksichtigt sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
von Gewebespendeeinrichtungen. Ändert sich an dem bereits in Kraft
getretenen Gesetz bis zum Registerstart nichts mehr, besteht die Gefahr,
dass eine Vielzahl an Gewebespenden nicht mehr realisiert werden kann und
sich damit die Patientenversorgung mit Gewebetransplantaten in Deutschland
erheblich verschlechtert.

Ministerium, Ärztekammer Niedersachsen und MHH unterstützen die
Gewebespende

Zusammen mit der niedersächsischen Sozial- und Gesundheitsministerin
Daniela Behrens, der Vizepräsidentin der Ärztekammer Niedersachsen Doktor
Marion Charlotte Renneberg und dem Präsidenten der Medizinischen
Hochschule Hannover Professor Michael P. Manns macht die DGFG bei einer
Pressekonferenz auf die Bedeutung der Gewebespende für die
Patientenversorgung in Hannover, Niedersachsen und darüber hinaus
aufmerksam.

„Eine Gewebespende ist für viele Menschen die einzige Chance auf Heilung
oder Linderung. Der DGFG ist es in den letzten 15 Jahren gelungen, die
Gewebespende erfolgreich auszubauen und die Patientenversorgung zu
verbessern. Etwa die Hälfte aller Hornhaut-, Herzklappen- und
Amniontransplantate werden von Hannover aus in Zentren in ganz Deutschland
vermittelt. In Deutschland gilt – sowohl für die Organ- als auch für die
Gewebespende – die Entscheidungslösung. Eine Gewebespende nach dem Tod ist
nur möglich, wenn eine schriftliche oder mündliche Zustimmung der
Spenderinnen oder des Spenders vorliegt oder die Angehörigen eine
Entscheidung im Sinne der Ver¬storbenen treffen. Es bedarf stetiger
Aufklärung. Ein Projekt wie »Gewebespende erleben« trägt
öffentlichkeitswirksam dazu bei. Nutzen Sie die Chance, vorbeizukommen,
sich zu informieren und eine Entscheidung zu treffen. Damit entlasten sie
schließlich ihre Familie, die im Spendenfall nach ihrem Willen gefragt
wird“, sagt Gesundheitsministerin Daniela Behrens.

„Die Gewebespende verdient dieselbe öffentliche Aufmerksamkeit wie die
Organspende. Die Medizinische Hochschule Hannover ist stolzes
Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation und
glaubt somit eine wesentliche Struktur mitgeschaffen zu haben, die als
Ergänzung zur traditionellen Organtransplantation hilft Leben zu retten
und Lebensqualität zu erhalten.“ sagt Professor Dr. med. Michael Manns,
Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover.

„Es ist für jeden einzelnen wichtig, sich frühzeitig mit der Frage
auseinanderzusetzen, ob eine Gewebespende nach dem Tod in Frage kommt.
Sprechen Sie mit Ihrer Familie darüber, mit Ihren Freunden, Verwandten und
Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt des Vertrauens. Denn je häufiger Sie sich mit
diesem Thema auseinandersetzen, desto fundierter können Sie schlussendlich
entscheiden“, ergänzt Dr. med. Marion Charlotte Renneberg, Vizepräsidentin
der Ärztekammer Niedersachsen.

DGFG macht sich stark für die Aufklärungsarbeit mit „Gewebespende erleben“
Open Air

Mit der Fotografieausstellung »Gewebespende erleben« Open Air möchte die
DGFG die allgemeine Öffentlichkeit sowie Entscheiderinnen und Entscheider
aus der Politik und Gesundheitsbranche für die Gewebespende
sensibilisieren. Die Open Air-Ausstellung basiert auf einem
Gemeinschaftsprojekt mit der Hochschule Hannover: Sieben Fotografinnen und
Fotografen aus dem Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie
haben das Projekt 2019 mit der DGFG realisiert. In 2021 wurde
»Gewebespende erleben« gleich zweimal prämiert: einmal mit dem Silbernen
Nagel des Art Directors Club, dann holte das Projekt Gold im Rahmen des
German Design Award. Die Fotografien wurden bislang ausschließlich in
Kliniken gezeigt. Corona machte eine öffentliche Ausstellung bislang nicht
möglich. Doch das soll sich nun ändern. Als Open Air- Ausstellung ist
»Gewebespende erleben« noch bis zum 13. Juni 2022 auf dem Hannah-Arendt-
Platz in Hannover zu sehen. Am Abend des 2. Juni findet dort eine
öffentliche Abendveranstaltung statt – moderiert von Dr. Carola Holzner,
auch bekannt als Doc Caro aus Social Media und TV. Protagonistinnen und
Protagonisten der Fotografieausstellung, Expertinnen und Experten aus der
Gewebemedizin und Gesundheitsbranche sowie DGFG-Mitarbeitende kommen zu
Wort und geben Einblick in die Gewebespende und die Prozesse, die
dahinterstehen. Finanziert wird dieses Aufklärungsprojekt mithilfe von
Spendengeldern, Sponsoring und Fördermitteln. „Ein herzlicher Dank gilt
dabei insbesondere der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
(BZgA) und der AOK Niedersachsen, die dieses Aufklärungsprojekt als
Sponsoren großzügig unterstützen.“ Weitere Informationen zur Veranstaltung
und Ausstellung sind zu finden unter: https://gewebenetzwerk.de/15-jahre-
dgfg/


Die Ausstellung steht auch als Poster-Set für die öffentliche Aufklärungs-
und Bildungsarbeit zur Verfügung. Kliniken, Schulen, öffentliche
Einrichtungen, Gesundheitsämter und viele weitere sind herzlich dazu
eingeladen, »Gewebespende erleben« ihren Besucherinnen und Besuchern zu
zeigen. „Wir alle wünschen uns, dass die Bilder in die Welt hinausgetragen
werden, dass sie gesehen werden und dass wir im besten Fall einen kleinen
Beitrag dazu leisten können, auf das wichtige Thema der Gewebespenden
aufmerksam zu machen“, sagt Martin Börgel.

15 Jahre Gewebegesetz – 15 Jahre DGFG

Seit gut 15 Jahren wird die Gewebespende unabhängig von der Organspende in
Deutschland realisiert. Am 1. August 2007 trat das sogenannte Gewebegesetz
in Kraft: Das Gesetz über Qualität und Sicherheit von menschlichen Geweben
und Zellen wurde am 25. Mai 2007 vom Bundestag verabschiedet. Es setzt die
EU-Richtlinie (EG-Geweberichtlinie 2004/23/EG) aus dem Jahr 2004
insbesondere über Änderungen im Transplantationsgesetz (TPG) und
Arzneimittelgesetz (AMG) um. Die Richtlinie soll europaweit einheitliche
Qualitäts- und Sicherheitsstandards für Gewebeprodukte schaffen. Auf Basis
des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der
Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das
Handelsverbot.

Inzwischen führen in der DGFG 48 Koordinatorinnen und Koordinatoren
zusammen mit sechs Ärztinnen und Ärzten täglich zahlreiche Gewebeentnahmen
durch – mit Erfolg. Sie sind diejenigen, die innerhalb der vergangenen 15
Jahre über 29.000 Gewebespenden realisieren und damit nahezu 60.000
Patientinnen und Patienten mit Gewebetransplantaten helfen konnten.
Täglich erhält die DGFG tausende Meldungen potentieller Spenderinnen und
Spender, die stets gründlich auf ihre Eignung überprüft werden. Hierbei
werden oft auch die zuletzt behandelnden Ärzte auf den Klinikstationen
kontaktiert. Jede potentielle Spende beansprucht personelle Ressourcen,
sowohl der Gewebespendeeinrichtung als auch der Klinik. Der zeitliche
Druck ist gleichzeitig hoch. Herzklappen und Blutgefäße müssen binnen 36
Stunden, Augenhornhäute innerhalb von 72 Stunden ab Todeseintritt
entnommen worden sein. Spricht aus medizinischer Sicht nichts gegen eine
Spende kommt es zum entscheidenden Schritt: der Klärung, ob eine
Entscheidung zur Gewebespende bereits vorliegt. Hier käme dann das
künftige Online-Register ins Spiel. Nun droht der DGFG als
Gewebespendeeinrichtung, fortan keine Auskunft über die dort dokumentierte
Entscheidung zu erhalten. Aus diesem Grund bittet die DGFG den Gesetzgeber
darum, die bereits in Kraft getretene Reform um Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter von Gewebespendeeinrichtungen als auskunftsberechtigte
Personen, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
ebenfalls ernannt werden sollen, zu erweitern.

DGFG

Die gemeinnützige Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG)
fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland.
Von 1997 bis 2007 organisierte die DGFG noch als Tochtergesellschaft der
DSO (als sogenannte DSO-G) die Gewebespende. 2007 kam es mit Inkrafttreten
des Gewebegesetztes zur räumlichen und rechtlichen Trennung von der DSO
und zur Gründung der DGFG. Seitdem realisiert die DGFG eigenständig und
unabhängig die Gewebespende. Die Basis bildet das freiwillige Engagement
der Kliniken, die sich über die Jahre dem Netzwerk angeschlossen haben und
der DGFG potentielle Gewebespenderinnen und -spender melden. Die DGFG
vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit
einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in
Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Als unabhängige,
gemeinnützige Gesellschaft wird die DGFG ausschließlich von öffentlichen
Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen: Gesellschafter sind das
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum
Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin
Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. Die DGFG
ist in ihrer Aufbaustruktur, der Freiwilligkeit der Unterstützung durch
die Netzwerkpartner und ihrer Unabhängigkeit von privaten oder
kommerziellen Interessen einzigartig in Deutschland.

Alle Statements der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Pressekonferenz
sowie Bildmaterial finden Sie unter:
https://gewebenetzwerk.de/25-jahre-gewebespende-15-jahre-dgfg/

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ANCA-assoziierte Vaskulitis: Neue Standardmedikamente und weniger Kortison

Für Patienten mit einer ANCA-assoziierten Vaskulitis, einer der schwersten
rheumatischen Erkrankungen, haben sich die Therapieoptionen in den letzten
Jahren verbessert. Bei diesen seltenen Erkrankungen halten auch Biologika-
Therapien Einzug. Diese gelten nicht selten als neuer Therapiestandard.
Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e. V. (DGRh) trägt den neuen
Behandlungsempfehlungen aus den USA Rechnung. Updates der europäischen und
deutschen Empfehlungen und Leitlinien sind auf der Basis neuer Ergebnisse
aus Therapiestudien in Vorbereitung.

Bei der ANCA-assoziierten Vaskulitis, an der in Deutschland wenige Tausend
Menschen leiden, greift das Immunsystem im ganzen Körper die kleinen
Blutgefäße an. „Bei diesen Erkrankungen führen bestimmte fehlgebildete
Antikörper aus der Gruppe der „ANCA“-Autoantikörper zu einer Aktivierung
von Abwehrzellen, den neutrophilen Granulozyten, die dann eine
Gefäßentzündung (=Vaskulitis) und Schädigung des Gefäßsystems in
verschiedenen Organen wie etwa der Niere herbeiführt. Dies wiederum kann
die Durchblutung und Funktion lebenswichtiger Organe gefährden, berichtet
Professor Dr. med. Andreas Krause, Präsident der DGRh und Chefarzt am
Immanuel Krankenhaus Berlin. „Häufig werden die Nieren angegriffen, aber
auch Herz und Lungen, Nervensystem und Magen-Darm-Trakt, Hals, Nase,
Ohren, Augen oder die Haut können beteiligt sein.“

Experten unterscheiden drei Formen von ANCA-assoziierten Vaskulitiden: die
Granulomatose mit Polyangiitis (GPA), die Mikroskopische Polyangiitis
(MPA) und die Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA). Allen
Formen ist das Auftreten einer Vaskulitis gemeinsam. Unbehandelt kann ein
Krankheitsschub innerhalb weniger Monate zum Tod führen. Therapeutisch
werden Glukokortikoide („Kortison“) und andere Mittel eingesetzt, die das
Immunsystem hemmen, die Patienten aber oft anfälliger gegenüber
Infektionen machen. Zur Therapie der GPA und MPA wird heute insbesondere
das Medikament Rituximab eingesetzt. Dieses Medikament ist ein Biologikum,
also ein gentechnisch hergestellter therapeutischer Antikörper, der
B-Zellen zerstört. Diese spielen in dem Entzündungsprozess eine
entscheidende Rolle. Es wird bei der GPA und MPA eingesetzt, um
Krankheitsschübe zu beenden („Remissionsinduktion“) und neue Schübe zu
verhindern („Remissionserhaltung“). „Auf das früher eingesetzte
Zytostatikum Cyclophosphamid, das die Blutbildung im Knochenmark hemmt und
zur Unfruchtbarkeit führen kann, kann heute oft verzichtet werden“, so
Professor Krause. Auch ein Plasmaaustausch sei heute nur noch in schweren
Ausnahmefällen notwendig, zum Beispiel bei rasch fortschreitenden
Nierenschäden trotz medikamentöser Therapie. Für die EGPA steht außerdem
das im November 2021 neu zugelassene Biologikum Mepolizumab zur Verfügung.
Es hemmt das Wachstum einer spezielle Abwehrzellpopulation, den
sogenannten eosinophilen Granulozyten, die bei der EGPA eine wichtige
Rolle spielen.

Um einen für die Patienten lebensgefährlichen Krankheitsschub möglichst
rasch zu beenden, wurden früher vorübergehend hochdosierte Glukokortikoide
eingesetzt. Inzwischen wird eine niedrigere Dosis verwendet, die in einer
Studie (PEXIVAS) zu gleich guten Ergebnissen geführt hat. Im Januar dieses
Jahres wurde in Europa zudem der Wirkstoff Avacopan zugelassen. Professor
Krause erklärt: „Das neue Medikament hemmt die Aktivierung des Komplement-
Systems, das an der ANCA-assoziierten Vaskulitis beteiligt ist.“ In einer
klinischen Studie (ADVOCATE) hat Avacopan vor allem den Kortisonbedarf für
die Remissionsinduktion deutlich gesenkt. Nach Einschätzung des Experten
werden die Patienten zwar auch in Zukunft nicht ganz ohne Glukokortikoide
auskommen, mögliche Nebenwirkungen wie Infektionen und Diabetes könnten
jedoch deutlich begrenzt werden.

Im vergangenen Jahr haben amerikanische Experten neue Empfehlungen zur
Therapie der ANCA-assoziierten Vaskulitis formuliert. Diese Empfehlungen
wurden jetzt durch ein Team um Professor Dr. med. Julia Holle vom
Rheumazentrum Schleswig-Holstein Mitte in Neumünster in der Zeitschrift
für Rheumatologie (2022; 81: 280-285) vorgestellt, „Für die Patienten ist
der erfolgreiche Einsatz der Biologika und die Senkung der Glukokortikoid-
Dosis ein wichtiger Fortschritt“, sagt Frau Professor Holle. Viele Fragen
seien jedoch noch offen. So bleibe unklar, wie lange die
Erhaltungstherapie im Anschluss an eine Remission dauern muss. Auch hier
gehe es darum, die Patienten möglichst vor den Nebenwirkungen der
Medikamente zu schützen, ohne die Kontrolle über das Erkrankungsgeschehen
zu verlieren. „Allerdings berücksichtigen die im Jahr 2021 publizierten
amerikanische Empfehlungen nicht die 2022 neu zugelassenen Substanzen wie
Avacopan“, erklärt Professor Holle. Es sind also bereits Updates der
Therapieempfehlungen und Guidelines erforderlich. An einem Update der
europäischen und deutschen Empfehlungen und Leitlinien wird zurzeit
gearbeitet.

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Deutsche Leberstiftung zum Tag der Organspende: Leberzirrhose ist häufigster Grund für eine Lebertransplantation

Nach zwei Jahren, in denen zum Tag der Organspende virtuelle
Veranstaltungen stattfanden, wird 2022 auf das lebenswichtige Thema wieder
mit einer Präsenzveranstaltung hingewiesen. Am 4. Juni 2022 sollen in der
diesjährigen Partnerstadt Mainz mit der Aufforderung „Zeit, Zeichen zu
setzen“ Menschen motiviert werden, eine individuelle Entscheidung zur
Organspende zu treffen.

Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des Körpers, das zahlreiche
lebenswichtige Aufgaben erfüllt. Wenn die Leber versagt, ist die
Lebertransplantation bis heute die einzige Therapiemöglichkeit.

Der häufigste Grund für eine Transplantation der Leber in den westlichen
Ländern ist die Leberzirrhose, die durch verschiedene Lebererkrankungen
verursacht sein kann. Während in den letzten Jahren die chronische
Hepatitis C immer seltener die Ursache für eine Leberzirrhose ist, nimmt
die durch die nicht-alkoholische Fettleberhepatitis (NASH) bedingte
Leberzirrhose immer stärker zu. Auch andere Erkrankungen, übermäßiger
Alkoholkonsum oder Vergiftungen können Gründe für eine Leberzirrhose sein.

Bei einer fortgeschrittenen chronischen Lebererkrankung vernarbt die Leber
immer stärker, das gesunde Lebergewebe wird verdrängt. Dieser Vorgang kann
in einer Leberzirrhose münden. Die chronischen Schädigungen der Leber
führen zu einer Zerstörung der Leberzellen. So verliert die Leber immer
mehr die Fähigkeit, ihre Aufgaben zu erfüllen. Anfangs reicht das
restliche Lebergewebe noch aus, um die Funktion der Leber in normalen
Lebenssituationen aufrechtzuerhalten. Wenn aber immer mehr Leberzellen
zugrunde gehen, kann die Leber ihre Aufgaben nicht mehr ausreichend
bewältigen und es kommt zu einem Leberversagen.

Im ersten Quartal 2022 ist nach Angaben der Deutschen Stiftung
Organtransplantation (DSO) ein starker Rückgang von Organspendern und
Organentnahmen zu verzeichnen. Die Zahl der Organspenden ist um fast ein
Drittel gesunken. Eine unerwartete Entwicklung, da Deutschland im
Vergleich zu den meisten anderen Ländern bislang ohne negative
Auswirkungen auf die Organspende durch die Corona-Pandemie gekommen ist.
Ein Grund für den Rückgang könnte laut DSO unter anderem die angespannte
Situation in den Kliniken sein.

Auch die Zahl der postmortalen Lebertransplantationen ist im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum von Januar bis April um 25,7 Prozent reduziert. Diese
Entwicklung ist besonders dramatisch, da das lebenswichtige Organ Leber
zahlreiche Funktionen im Körper hat, die so vielfältig und komplex sind,
dass sie nicht über einen längeren Zeitraum mit medizinischen Apparaten zu
ersetzen sind.

Die Relevanz des Themas Organspende kennt auch Egbert Trowe,
Vorstandsmitglied Lebertransplantierte Deutschland e. V.: Trowe wurde 2002
im Alter von 57 Jahren eine Spenderleber transplantiert, nachdem eine
unerkannte Virushepatitis seine Leber so stark unumkehrbar geschädigt
hatte, dass sie ihre lebenswichtigen Funktionen nicht mehr erfüllen
konnte. Seit mehreren Jahren ist Trowe Mitorganisator und Teilnehmer der
Aktion „Geschenkte Lebensjahre“, die beim Tag der Organspende zum festen
Programm zählt.

„Es freut mich, dass wir in diesem Jahr erstmalig seit dem Beginn der
Corona-Pandemie den Tag der Organspende am ersten Samstag im Juni wieder
mit einer Vor-Ort-Veranstaltung begehen können. Mit der Aufforderung
‘Zeit, Zeichen zu setzen‘ sollen die Menschen in ganz Deutschland
motiviert werden, eine persönliche Entscheidung zur Organspende zu
treffen“, erklärt Egbert Trowe und ergänzt: „Der coronabedingte Rückgang
der Organspendezahlen in Deutschland im ersten Quartal 2022 zeigt uns, wie
wichtig es ist, dass alle Akteure im Prozess der Organspende trotz
widriger Umstände die schwer kranken Menschen auf den Wartelisten nicht
aus den Augen verlieren. Wir brauchen weiterhin die aktive Zustimmung aus
der Bevölkerung und auch das engagierte Handeln der Kliniken und
Organisationen.“

Auf der Warteliste für eine Lebertransplantation standen in Deutschland im
Jahr 2021 fast 1.400 Menschen – transplantiert wurden 834 Spenderorgane.
Noch immer sterben täglich Menschen, denen mit einer Transplantation hätte
geholfen werden können.

Vor den 1950er-Jahren war das Ersetzen von kranken oder verletzten
Körperteilen nur eine Szenerie in fantastischen Romanen oder Science-
Fiction-Filmen. Doch seit Mitte der 50er-Jahre in den USA die erste
Nierentransplantation und 1967 in Kapstadt die erste Herztransplantation
gelang, übersteigt der Bedarf an Organen, die schwer kranken Menschen das
Leben retten könnten, die Zahl der verfügbaren Organe. Und seit jeher wird
versucht, mehr Menschen zu einer (positiven) Entscheidung in Bezug auf die
Organspende zu motivieren.

Die Gesundheitsbehörde in Hamburg machte am 3. November 1971 mit der
Ausgabe des ersten Organspendeausweises erstmalig einen Vorstoß, die
Spendebereitschaft zu erhöhen. Das kleine Kärtchen feierte also im letzten
Jahr bereits seinen fünfzigsten Geburtstag, doch angesichts der sinkenden
Transplantationszahlen ist es so aktuell und wichtig wie nie.

Das erläutert auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Leberstiftung,
Prof. Dr. Michael P. Manns: „Es ist wirklich an der Zeit, Zeichen zu
setzen. Jeder sollte seine Entscheidung entweder in einem
Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung schriftlich
dokumentieren. Ich hoffe, dass mit dem am 1. März 2022 in Kraft getretenen
Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende
tatsächlich mehr Menschen aktiv werden. Eine Transplantation ist zwar ein
hochkomplexes Verfahren, aber wir sind in der Lage, durch die
interdisziplinäre Zusammenarbeit sehr gute Heilerfolge erzielen – und
könnten noch mehr Menschen heilen, wenn ausreichend Organe zur Verfügung
stehen würden.“

Die Deutsche Leberstiftung bietet ein Informationsfaltblatt zum Thema
„Leber und Transplantation“ an. Bestellmöglichkeiten und Download auf der
Serviceseite unter https://www.deutsche-leberstiftung.de.

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die
öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt
und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem
Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und
Apotheker in medizinischen Fragen. Weitere Informationen zur Stiftung
unter https://www.deutsche-leberstiftung.de. Auf der Website finden Sie
unter anderem umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für
Betroffene, Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter.

BUCHTIPP: Jetzt in der vierten, aktualisierten und erweiterten Auflage:
„Das Leber-Buch“ informiert umfassend und allgemeinverständlich über die
Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien. Es ist im
Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-8426-3043-7, € 19,99 [D]. Weitere
Informationen: https://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch. Sie
können ein Rezensionsexemplar per Mail an <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> (Frau M.
Asche) anfordern.

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