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Gesundheit

Vorbereiten auf die Klimafolgen

UKL-Mediziner blicken auf gesundheitliche Auswirkungen des Klimawandels/
Erstellung eines Hitzeaktionsplans für Leipzig begrüßt

Ist vom Klimawandel die Rede, geht es viel um die Auswirkungen auf die
Natur, die Pflanzen- und Tierwelt und in der Folge für die Lebensqualität
des Menschen. Diese Veränderungen des Weltklimas haben ganz handfeste
individuelle Auswirkungen auf die Gesundheit. Mediziner am UKL haben das
im Blick und plädieren dafür, vorbereitet zu sein – so wie mit dem jetzt
für Leipzig zu erstellenden Hitzeaktionsplan.

Veränderungen des Klimas in Form der Erderwärmung zeigen sich als
Extremwetterlagen: Stürme, Starkregen mit folgenden Fluten, Hitzewellen,
Brände und Dürren. Auch in Deutschland werden die Sommer heißer und
trockener. In diesem Frühjahr meldete dann aber Indien Hitzerekorde von
bis zu 50 Grad, und auch hierzulande startete das Frühjahr mit deutlich
wärmeren Temperaturen.
Dies stellt Ärztinnen und Patient:innen vor neue Herausforderungen. Vor
allem Herz-Kreislauf-Kranke und generell ältere Menschen leiden unter
extremen Temperaturschwankungen. Notfallmediziner:innen und
Kardiolog:innen, aber auch Neonatologen des UKL sind sich dieser Situation
bewusst und stellen sich bereits heute darauf ein.
„Problematisch ist es vor allem, wenn Hitzeperioden länger andauern –
einzelne Tage mit hohen Sommertemperaturen machen uns dagegen keine
Sorgen“, erklärt Prof. Matthias Knüpfer. Der Frühchenexperte engagiert
sich mit Kolleg:innen in der UKL-Gruppe von „Health for Future“ und blickt
damit auch sehr aufmerksam auf das, was sich hier als Aufgabe für das
Gesundheitswesen anbahnt.
„Der Klimawandel macht uns derzeit nicht direkt krank, aber er führt dazu,
dass sich bestehende Erkrankungen verschlechtern und sich das Risiko für
gesundheitliche Schäden erhöht“.
Was das genau heißt, ist für die Frühgeborenenmedizin bereits in einigen
Studien untersucht worden. „Während Hitzewellen steigt das Risiko für eine
Frühgeburt um 15 Prozent, die Gefahr, dass das Kind mit einem niedrigeren
Geburtsgewicht auf die Welt kommt, sogar um ein Drittel“, beschreibt die
Kinderärztin Dr. Friederike Jonas, ebenfalls Mitglied der engagierten
Klimagruppe. Eine hohe Feinstaubbelastung infolge von Hitze wirkt sich
auch auf Schwangerschaften aus und kann zu mehr Frühgeburten führen. Auch
die Zahl von Totgeburten steigt - um 14 Prozent. „Das sind Entwicklungen,
die uns ganz klar Sorge bereiten“, so Jonas. Schwangere gehören damit
zusammen mit Neugeborenen und Kleinkindern, Senioren oder chronisch
Kranken zu den durch die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels
besonders gefährdeten Gruppen.

Herz-Kreislauf in Gefahr

„Extreme Ausreißer der optimalen Temperatur nach beiden Seiten können für
unsere Patient:innen in der Kardiologie gefährlich werden“, bekräftigt
auch Prof. Ulrich Laufs, Direktor der Kardiologie am UKL. Eigentlich passe
sich die Thermoregulation des Menschen über die Haut, die
Schweißproduktion und den Kreislauf an veränderte Bedingungen an,
erläutert der Experte. „Das legt nahe, dass dies auch bei steigenden
Umgebungstemperaturen der Fall ist. Doch gerade bei Älteren oder
Gefäßerkrankten reduziert sich dieser Effekt.“ Vor allem Niere und Herz
hingen eng zusammen, erklärt der Kardiologe. Bei vielen seiner
Patient:innen sei die Nierenfunktion bereits eingeschränkt. „Wenn sich
dies durch hitzebedingte Einflüsse weiter verschlechtert, gefährdet das
möglicherweise den Patienten ganz entscheidend.“  Herzkranke trügen bei
Hitze ein besonderes Risiko und sollten sich mehr als andere schützen,
empfiehlt Prof. Laufs.

Neue Infektionen wandern ein

Infektiologen sind sich sicher: Durch den Klimawandel werden sich auch
Infektionskrankheiten, die schon jetzt die zweithäufigste Todesursache
weltweit darstellen, weiter ausbreiten. „Die Malaria wird zwar so schnell
nicht zu uns kommen“, sagt Prof. Dr. Christoph Lübbert, Leiter des
Bereichs Infektions- und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Leipzig
(UKL), „aber man muss Menschen und Mücken im Blick behalten, um diese
Infektionskrankheit, die bis vor rund 150 Jahren in Deutschland in Form
der Malaria tertiana noch relativ häufig vorkam und erst Mitte der 1950er
Jahre ausgerottet wurde, in Schach zu halten.“
Grundsätzlich werden durch Tiere auf den Menschen übertragene Krankheiten
(Zoonosen) sowie Krankheiten, bei denen eine Übertragung vom Tier auf den
Menschen und umgekehrt möglich ist (Anthropozoonosen), durch ein
verändertes Klima beeinflusst. „Verlängerte Sommer und milde Winter bieten
beispielsweise Zecken längere Aktivzeiten. Und diese Organismen mit ihren
beim Stechakt übertragenen Krankheitserregern breiten sich weiter aus:
Früher waren nur Bayern und Baden-Württemberg ein Risikogebiet für die
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME); heute sind es auch Sachsen und
Thüringen. Deshalb rechne ich bei uns zunehmend mit mehr Erkrankungen,
gleiches gilt für die Borreliose. Zudem kommen Krankheiten aus tropischen
Gebieten zu uns, weil sich durch eine fortschreitende Erwärmung
biologische Zyklen schließen können. Ich erinnere nur: Vor zwei Jahren
hatten wir in Leipzig den ersten Toten durch das aus Uganda stammende
West-Nil-Virus.“

Vorbereitungen jetzt beginnen

„Viele im Gesundheitswesen Tätige fordern daher dazu auf, jetzt mit der
Vorsorge zu beginnen und Vorbereitungen auf die Herausforderungen durch
die Klimafolgen zu treffen“, beschreibt Prof. Christoph Josten,
Medizinischer Vorstand am UKL. „Die Krankenhäuser und Praxen dürfen nicht
alleingelassen werden bei der Bewältigung“. Eine Lösung wäre die
Entwicklung und Umsetzung eines auch von den UKL-Vertretern der Gruppe
„Health for future“ geforderten  Hitzeaktionsplans, der auf möglichst
vielen Schultern ruht. Damit werden in einer Kommune alle für einen
Hitzeschutz nötigen Aktivitäten geplant und mit allen Beteiligten
koordiniert – von der Stadtreinigung, die mit Wassersprühfahrzeugen Staub
und Hitze auf den Straßen verringern könnte über Maßnahmen in
Betreuungseinrichtungen wie Schulen, Kitas, Pflegeheimen bis hin zu
Abstimmungen mit Kliniken und dem Rettungsdienst. In Leipzig gibt es einen
solchen  Hitzeaktionsplan bislang noch nicht, die Erstellung wurde gerade
Mitte Juni im Stadtrat beschlossen. „Das begrüßen wir sehr und stehen gern
zur Verfügung, um bei der Entwicklung zu unterstützen“, so Josten

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Diabetes Typ 1: Abschied vom Kinderdiabetologen bedeutet häufig Abbruch der ärztlichen Betreuung

DDG fordert flächendeckend qualifizierte Versorgungsangebote im Umgang mit
modernen AID-Technologien

Jedes Jahr werden etwa 2000 junge Patientinnen und Patienten mit
Typ-1-Diabetes erwachsen. Damit steht auch ihr Wechsel vom
kinderdiabetologischen Behandlungsteam in die Erwachsenenmedizin an. Doch
zehn bis 40 Prozent der Betroffenen schaffen diesen Übergang in eine
geregelte fachärztliche Betreuung, die so genannte Transition, nicht (1,
4). Fehlt ihnen jedoch die ärztliche Empfehlung und Begleitung für
eventuell notwendige Therapieanpassungen, kann dies weitreichende
gesundheitliche, unter Umständen lebensgefährliche Folgen mit sich
bringen.

Dazu gehören etwa Stoffwechselentgleisungen – und langfristig vorzeitige
Erblindung, Nierenversagen oder Amputationen. Neben den seit vielen Jahren
bekannten Problemen bei der Transition kommen nun neue Herausforderungen
hinzu. Denn in der Kinderdiabetologie sind moderne sensorgesteuerte
Insulinpumpensysteme zur Glukosekontrolle wie die so genannten AID-Systeme
(Automatische InsulinDosierung) häufiger im Einsatz als in der
Erwachsenenmedizin (2, 4). Eine entsprechende Expertise für Schulung und
Begleitung im Umgang mit modernen Diabetestechnologien fehlt jedoch
vielerorts in der Erwachsenentherapie. Auf der gemeinsamen Online-
Pressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der
Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) am Dienstag, den 28. Juni
2022 um 11.00 Uhr zeigen Expertinnen und Experten, wie Transition gelingen
kann und wo noch Handlungsbedarf besteht.
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Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und
Jugendalter. In Deutschland sind rund 32.500 Menschen unter 18 Jahren
betroffen. Insbesondere bei kleinen Kindern hat sich die Zahl der
Erkrankungsfälle in den letzten Jahren verdoppelt. Jedes Jahr erkranken
hierzulande mittlerweile mehr als 3.000 Minderjährige an einem
Typ-1-Diabetes (1).

Moderne Technologien wie Insulinpumpen und Glukosesensoren sind in der
Kinderdiabetologie viel weiter verbreitet als in der Erwachsenenmedizin

„Im Prinzip erhalten Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes die gleiche
Therapie wie Erwachsene – nämlich eine Stoffwechselstabilisierung mittels
Insulin, die auf Ernährung und körperliche Aktivität abgestimmt ist“, sagt
Professor Dr. med. Andreas Neu, Präsident der DDG. Jedoch seien neue
Technologien wie Insulinpumpen und Glukosesensoren in der
Kinderdiabetologie viel weiter verbreitet als in der Erwachsenenmedizin,
berichtet der Kinderdiabetologe. Er ist kommissarischer Ärztlicher
Direktor der Abteilung für Neuropädiatrie, Entwicklungsneurologie und
Sozialpädiatrie an der Kinderklinik des Universitätsklinikums Tübingen.
Mehr als 90 Prozent der Kinder unter sechs Jahren nutzen die modernen
Diabetestechnologien, die auch bei älteren Kindern und Jugendlichen weit
verbreitet sind, zur täglichen Stoffwechselkontrolle (2). Im Gegensatz
dazu beträgt der Anteil der betroffenen Erwachsenen über 20 Jahre mit eine
Insulinpumpentherapie unverändert 20 bis 30 Prozent (3).

Qualifizierte Behandlungseinrichtungen für die Betreuung moderner AID-
Technologien fehlen in der Breite

Moderne AID-Systeme regulieren die Glukosemessung und Insulinabgabe
teilautomatisch. Dabei ahmen sie die natürliche Funktion der
Bauchspeicheldrüse nach. Das ermöglicht, täglich länger im
Glukosezielbereich zu sein und das Risiko für Stoffwechselschwankungen zu
verringern – insbesondere nachts. Studien zeigen demnach auch einen klaren
Vorteil einer Langzeittherapie per AID-Systemen (5). Alle AID-Systeme
setzen jedoch voraus, dass die Nutzenden umfassend geschult sind und in
ungewöhnlichen oder kritischen Situationen richtig reagieren können.
Momentan gibt es noch zu wenig qualifizierte Behandlungseinrichtungen für
die Betreuung moderner AID-Technologien: „Für die jungen Erwachsenen mit
Typ-1-Diabetes im Transitionsprozess ist es deshalb schwierig, eine
Behandlungseinrichtung in der Nähe zu finden, die mit dem Auslesen von
ambulanten Glukoseprofilen und der Anpassung von AID-Systemen vertraut
ist“, so Neu.

Mehr Eigenverantwortung bei den neuen Technologien erfordert geschulte
Ansprechpartner

Transition ist die geplante Überführung von den kinderzentrierten in die
erwachsenenorientierten Versorgungssysteme. Die jungen Patientinnen und
Patienten müssen Verantwortung für die Behandlung ihrer Erkrankung
übernehmen und sich die dafür notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten
aneignen.
„Dieser sensible Prozess ist sehr störanfällig“, weiß Neu. „Hier verlieren
wir immer noch zu viele Betroffene: Oft kommen sie erst wieder in eine
diabetologische Behandlungseinrichtung, wenn sich diabetesbezogene Folgen
eingestellt haben, die vermeidbar gewesen wären.“ Umso wichtiger sei es,
dass der Übergang gezielt und individuell vorbereitet werde – und dass
entsprechend qualifizierte Erwachseneneinrichtungen niederschwellig
erreichbar sind.

Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Mediensprecher der DDG, fasst
zusammen: „Eine erfolgreiche Transition und ein langes, möglichst gesundes
Leben sind unsere Behandlungsziele. Die aktuelle Versorgung ist in der
Summe zwar gut, in der Fläche und im Detail jedoch sehr ungleich verteilt.
Angesichts des derzeit rasch zunehmenden Einsatzes hochspezialisierter
Diabetestechnologien fordern wir die weitere Verbesserung der Transition
in die Erwachsenendiabetologie.“

Literatur:

(1) Neu A.: Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes
mellitus im Kindes- und Jugendalter, Diabetologie und Stoffwechsel 15,
2020. DOI: 10.1055/a-1193-3781

(2) Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2022. Herausgegeben von der
Deutschen Diabetes Gesellschaft und DiabetesDE: <https://www.deutsche-
diabetes-
gesellschaft.de/fileadmin/user_upload/Gesundheitsbericht_2022_final.pdf>

(3) Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2021. Herausgegeben von der
Deutschen Diabetes Gesellschaft und DiabetesDE: <https://www.deutsche-
diabetes-
gesellschaft.de/fileadmin/user_upload/06_Gesundheitspolitik/03_Veroeffentlichungen/05_Gesundheitsbericht/20201107_Gesundheitsbericht2021.pdf>

(4) Datz N et al. Wenn Menschen mit Typ-1-Diabetes erwachsen werden, Dtsch
Med Wochenschr 2021; 146: 1200–120. DOI: 10.1055/a-1332-4603

(5) Clemens Kamrath, Sascha R. Tittel, Thomas M. Kapellen, Thekla von dem
Berge, Bettina Heidtmann, Katrin Nagl, Ulrike Menzel, Simone Pötzsch,
Katja Konrad, Reinhard W. Holl: Early versus delayed insulin pump therapy
in children with newly diagnosed type 1 diabetes: results from the
multicentre, prospective diabetes follow-up DPV registry, Lancet Child
Adolesc Health. 2021 Jan;5(1):17-25. DOI: 10.1016/S2352-4642(20)30339-4

Weitere Informationen:

Übersicht aller von der DDG zertifizierten Kliniken und Arztpraxen:
<https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/behandlung/zertifizierte-
einrichtungen>

S3-Leitlinie Transition von der Pädiatrie in die Erwachsenenmedizin:
<https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/186-001l_S3_Transition_Paediatrie_Erwachsenenmedizin_2021-04.pdf>

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Zöliakie, parenterale Ernährung und Migrationserfahrung: Drei neue Leitlinien-Apps

Mehr Zeit für das Patientengespräch, weniger Durchforsten von
unübersichtlichen Leitlinien – darin unterstützen drei neue Webanwendungen
Pädiater:innen im Berufsalltag. Die Stiftung Kindergesundheit hat in
Kooperation mit der European Academy of Paediatrics (EAP) medizinische
Leitlinien verständlich und nutzerfreundlich in digitale Angebote
eingebettet.

Eine Web-App zur parenteralen Ernährung macht Pädiater:innen im
stationären und intensivmedizinischen Umfeld und Neonatolog:innen
Leitlinien zur parenteralen Ernährung von Früh-, Neugeborenen, Kindern und
Jugendlichen zugänglich. Sie fasst Empfehlungen zu Flüssigkeitsmangement,
Energie, Makro- und Mikronährstoffen je nach Alter und Gesundheitszustand
strukturiert zusammen und bietet einen digitalen Infusionsplan zur
einfachen Berechnung der empfohlenen Verabreichung.

Die Web-App „Caring for migrant children“ erleichtert die Untersuchung von
Kindern mit Flucht- oder Migrationserfahrung, in dem sie Pädiater:innen
einen „Entscheidungsbaum“ auf Basis aktueller, evidenzbasierter
Empfehlungen der European Academy of Paediatrics für die Praxis zur
Verfügung stellt.

Die „Zöliakie-App“ unterstützt Kinderärzt:innen und
Kindergastroenterolog:innen bei der Diagnose von Zöliakie. Sie basiert auf
dem Diagnosealgorithmus der aktuellen ESPGHAN-Richtlinien. Neben der
Anleitung der diagnostischen Maßnahmen werden zu jedem diagnostischen
Schritt relevante Hintergrundinformationen bereitgestellt.

„Wir wollten eine digitale Anwendung entwickeln, die für Pädiaterinnen und
Pädiater eine spürbare Erleichterung im Klinikalltag schafft. Deshalb
haben wir besonderes Augenmerk auf eine benutzerfreundliche Anwendung
gelegt“, berichtet der Münchner Kinder- und Jugendarzt Professor Berthold
Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Die Apps liefern
wichtige Informationen für die Praxis auf Basis aktueller evidenzbasierter
Leitlinien – kostenlos und werbefrei. Ich freue mich, wenn möglichst viele
Medizinerinnen und Mediziner dieses Angebot nutzen. Am Ende kommt es den
Kindern und ihren Familien zugute, die nach neuesten Standards behandelt
werden.“

Auf www.pediatric-guidelines.eu können die Apps ab sofort abgerufen und
genutzt werden.

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Neues Großgerät ermöglicht innovative Krebstherapie am Uniklinikum Dresden

Seit wenigen Tagen werden Tumor-Patientinnen und -Patienten im
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden mit dem neuen
Magnetresonanz-Linearbeschleuniger (MR-LINAC) therapiert. Das hochmoderne
Großgerät „Unity“ der Firma Elekta setzt mit der Kombination von Photonen
und MRT-Bildgebung neue Standards in der personalisierten
Strahlentherapie. Dabei ist eine noch präzisere Bestrahlung beweglicher
Tumoren mit Photonen möglich.

„Diese individualisierte Hochpräzisions-Bestrahlung ist die Zukunft in der
Strahlentherapie. Mit dem MR-LINAC startet die Hochschulmedizin Dresden in
ein neues Therapiezeitalter“, sagt Prof. Esther Troost, Direktorin der
Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Dresdner Uniklinikums
und Dekanin der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus an der TU
Dresden.

Deutschlandweit sind nur vier weitere dieser Geräte in der
Patientenversorgung im Einsatz: in Heidelberg, Tübingen, München und
Trier. Der Freistaat Sachsen hat die Investition in das neue Großgerät mit
insgesamt fast neun Millionen Euro unterstützt. Die damit verbundenen
Forschungsvorhaben werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale
Entwicklung (EFRE) gefördert. „Mit dem MR-LINAC beginnt am Uniklinikum
Dresden ein neues Level der Krebstherapie und der Forschung daran. Ich
freue mich sehr, dass Dresden auch in Zukunft zu den wenigen Standorten
deutschlandweit zählt, an denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
ihre Forschungen zur Behandlung von Krebs, aber auch anderen Erkrankungen
auf höchstem technologischen Niveau vorantreiben und damit neue
Behandlungsmöglichkeiten entwickeln können. Die Dresdner Hochschulmedizin
hat auf dem Gebiet der Radioonkologie und Strahlentherapie bereits eine
Spitzenposition im nationalen, aber auch internationalen Vergleich inne,
die sie nun weiter ausbauen kann“, sagt Sachsens Wissenschaftsminister
Sebastian Gemkow.

Die Bestrahlung mit Photonen baut auf Informationen einer röntgenbasierten
Bildgebung. Vor jeder Bestrahlung geben dreidimensionale Abbildungen des
Patienteninneren Hinweise darauf, wie und wo Gewebe bestrahlt werden muss.
Mit Röntgenbildgebung lassen sich jedoch Tumore der Weichgewebe nicht
optimal abbilden und eine Anpassung des Bestrahlungsplans in Echtzeit ist
nicht möglich. Diese beiden Nachteile der Photonenbestrahlung sind vor
allem vor dem Hintergrund relevant, dass 60 Prozent der zu bestrahlenden
Tumoren sich an oder in beweglichen Organen befinden. Die meisten davon
haben ihren Ursprung in Weichgeweben – am häufigsten treten sie an den
Extremitäten oder am Rumpf und im Bauchraum auf. Beispiele sind Tumoren in
Muskeln, Leber, Bauchspeicheldrüse, Niere, Nebenniere, Prostata oder
Gebärmutter. Dabei ließe sich die biologische Wirksamkeit der Bestrahlung
durch eine erhöhte Bestrahlungsdosis je Sitzung steigern. Um dies
umzusetzen, müsste der individuelle Therapieplan in Echtzeit an die sich
täglich ändernde Anatomie angepasst werden.

Der im Neubau des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden
(NCT/UCC) angesiedelte MR-LINAC bietet den Medizinerinnen und Medizinern
nun die Möglichkeit einer maßgeschneiderten, bildgesteuerten, täglich
adaptierbaren Hochpräzisionsstrahlentherapie für komplexe, sich bewegende
Zielgebiete. Dafür wurde ein Photonen-Linearbeschleuniger in ein
Magnetresonanztomographie-Gerät integriert. „Uns stehen nun in der
Bildgebung ein exzellenter, hochaufgelöster Weichgewebskontrast sowie
Bilder in Echtzeit zur Verfügung. Zudem können wir zusätzliche Dosis im
Normalgewebe vermeiden“, sagt Prof. Mechthild Krause, zusammen mit Prof.
Esther Troost Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und
Radioonkologie des Universitätsklinikums Dresden, sowie Teil des
Geschäftsführenden Direktoriums des NCT/UCC. Daraus ergeben sich nicht nur
bessere Behandlungsmöglichkeiten für die Krebskranken. Die Medizinerinnen
und Mediziner haben zudem viele Ansatzpunkte zur Forschung, um die
Therapie noch besser zu machen. „Das Ziel ist die Entwicklung der
individuellen Bestrahlungsplananpassung basierend auf der Bewegung von
Tumor und Normalgewebe. Bei der Behandlung beweglicher Weichgewebstumoren
soll zudem die Dosis je Bestrahlungssitzung erhöht werden, um die Anzahl
an Sitzungen insgesamt zu reduzieren“, erklärt Prof. Esther Troost weiter.
Neben Studien zur Behandlung Krebskranker werden auch Studien zur
Behandlung anderer Indikationen folgen. Der MR-LINAC reiht sich in die
hochmoderne Ausstattung der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und
Radioonkologie ein: neben drei Linearbeschleunigern neuester Generation
verfügt diese seit 2014 über eine Protonentherapieanlage. Hiermit ist die
Klinik eine der Modernsten Europas.

Forschungsvorhaben für weitere Anwendung
Der Freistaat Sachsen unterstützt die Verbindung von moderner, effizienter
Patientenversorgung und wissenschaftlicher Forschung mit einer Förderung
für das Großgerät. „Für die Hochschulmedizin Dresden spielt die gezielte
Förderung des Freistaats in Forschungsprojekten zu innovativen Therapien
eine wichtige Rolle. Sie ist eine verlässliche Basis dafür, dass
Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum ihr gemeinsames
wissenschaftliches Profil kontinuierlich weiterentwickeln. Der neue MR-
LINAC ermöglicht es uns nun, die personalisierte Strahlentherapie weiter
zu perfektionieren und neue, innovative Therapiekonzepte anzubieten“, sagt
Professor Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Dresdner
Uniklinikums. „Wir freuen uns, mit dem Hersteller des MR-LINAC, der Firma
Elekta, eine tiefgreifende Forschungskooperation abgeschlossen zu haben,
in der wir gemeinsam diese neue Technologie für weitere therapeutische
Optionen weiterentwickeln“, ergänzt Stefan Pieck, administrativer Direktor
und wissenschaftlicher Koordinator im OncoRay – Nationales Zentrum für
Strahlenforschung in der Onkologie.

Die Studie, die auf dem MR-Linearbeschleuniger erfolgen soll, beschäftigt
sich mit Herzerkrankungen, die Herzrhythmusstörungen (Tachykardien)
auslösen. So weisen beispielsweise Narben, die in Folge eines
Herzinfarktes entstanden sind, elektrische Potenziale auf, die den
Herzschlag über den altersüblichen physiologischen Wert hinaus
beschleunigen. Manche davon betroffenen Patienten können weder mit
Medikamenten noch mit anderen kardiologischen Verfahren zufriedenstellend
therapiert werden. Mit Hilfe der hochgezielten Bestrahlung, einer
Stereotaxie, soll die Narbe von betroffenen Patienten in einer einzigen
Sitzung behandelt werden. „Wir wollen bei der Studie, die in Kooperation
dem Herzzentrum Leipzig durchgeführt wird, herausfinden, ob die einmalige
Bestrahlung die elektrischen Potenziale minimiert und der Herzschlag
wieder in den Normbereich reduziert werden kann,“ erklärt Prof. Esther
Troost das neue Forschungsprojekt, welches Teil einer europäisch
geförderten Studie ist.

100 Jahre Strahlentherapie in Dresden
Die Einweihung des MR-LINAC ist Höhepunkt des in diesem Jahr begangenen
Jubiläums anlässlich 100 Jahre Strahlentherapie in Dresden. Anfang der
1920er-Jahre wurde eine Strahlenklinik zur diagnostischen und
therapeutischen Anwendung von Strahlen durch Erich Saupe in Dresden
gegründet. Für das Jahr 1922 ist die erste dokumentierte Strahlentherapie
im Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt (Haus 9) in den Archiven belegt.
1923 erfolgte die Gründung des Röntgeninstituts am Johannstädter
Krankenhaus. Eine Ausstellung im Dekanat der Medizinischen Fakultät auf
der Fiedler Straße gibt einen Überblick über die Geschichte. Anlässlich
des Jubiläums findet zudem ein Festakt einschließlich Symposiums am 21.
Juni 2022 statt.

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