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Vermischtes

Neuausrichtung der Ernährungspolitik in MV – Dialogforum am 23. März in Schwerin setzt neue Dynamik in Gang

Ob in Kita, Schule oder Kantine – was in Mecklenburg-Vorpommern auf den
Teller kommt, soll gesünder, regionaler und ökologischer werden. Beim
BioBitte-Dialogforum „Die Zukunft der Gemeinschaftsverpflegung“
diskutierten Politik, Wissenschaft und Praxis über den Weg zu einer
nachhaltigen Verpflegung. Vertreten waren Akteur:innen aus Landespolitik
und Kommunen, Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Wissenschaft, NGOs und
Catering. Dabei wurden deutliche Signale für eine engere politische
Verzahnung gesendet. Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus stellte die
Initiierung einer interministeriellen Arbeitsgruppe für die Erarbeitung
einer Ernährungsstrategie für das Land in Aussicht.

Ziel: Bio-regional bis 2035

„Bio-regional ist erste Wahl“ – zu diesem Statement des
Landwirtschaftsministers gab es unter den Teilnehmenden am Dialogforum
„Die Zukunft der Gemeinschaftsverpflegung in MV“ erstaunliche Einigkeit:
Es wurde das Ziel formuliert, bis 2035 wesentliche Anteile der Verpflegung
in Kitas, Schulen und anderen Einrichtungen auf frische, regional und in
Bio-Qualität produzierte Ware umzustellen. „Wir müssen das Potenzial von
täglich 200.000 Mahlzeiten nutzen“, so Jakob Wondra vom Forschungsprojekt
RegioVers, das gemeinsam mit dem Verband BIO in MV e.V. im Rahmen der
Initiative BioBitte das Dialogforum ausgerichtet hat.

Hochkarätiges Podium fordert Koordination und Standards

In der lebhaften Podiumsdiskussion mit Dr. Till Backhaus (SPD), Dr. Sylva
Rahm-Präger (SPD), Dirk Bruhn (Die Linke) und Dr. Harald Terpe (Bündnis
90/Die Grünen) kristallisierten sich entscheidende Forderungen heraus:

·       Verbindlichkeit bei Qualitätsstandards: Die Teilnehmenden sprachen
sich dafür aus, die DGE-Qualitätsstandards für Kitas und Schulen künftig
verpflichtend zu verankern, statt sie wie bisher als „Soll-Regelung“ zu
führen. Ziel solle sein, die Verpflegung gesünder zu gestalten, um
gesellschaftliche Probleme, wie z.B. Adipositas, zu bekämpfen.

·       Signale für eine ressortübergreifende Strategie: Aus der
politischen Runde waren deutliche Signale zu vernehmen, die Koordination
beim Thema Ernährung künftig besser zu bündeln. Offenheit für einen
ressortübergreifenden Austausch sei gefordert, als wichtiger erster
Schritt hin zu einer interministeriellen Zusammenarbeit, mit Blick auf die
Entwicklung einer umfassenden Ernährungsstrategie für MV.

·       Rechtlicher Rahmen: Diskutiert wurde zudem die Verankerung von
Bio-Quoten im Kitafördergesetz (KiFoeG) sowie im kommenden
Koalitionsvertrag. Dies würde Landwirten, verarbeitende Unternehmen und
Caterern Planungssicherheit geben und damit die Umstellung auf Bio-
Produktion ankurbeln.

·       Ernährung als Bildungsauftrag: Einigkeit herrschte zudem darüber,
dass Ernährung auch ein Bildungsauftrag sei – Kinder sollten stärker durch
Küchenbesuche und gemeinsame Gestaltung von Speiseplänen einbezogen
werden. Zugleich bestand Konsens, dass gesunde Verpflegung sozial gerecht
und für alle bezahlbar bleiben muss.

Von anderen lernen

Stephanie Wunder vom Think Tank Agora Agrar ordnete das Thema in ihrem
Impulsvortrag in den Kontext erfolgreicher Ernährungsstrategien anderer
Bundesländer ein. Sie verdeutlichte, wie die Gestaltung von
„Ernährungsumgebungen“ – also das, was uns im Alltag zum Essen angeboten
wird – Menschen dabei unterstützt, sich ohne Mehraufwand gesund und
nachhaltig zu ernähren.

Bio-Quoten kostenneutral umsetzbar

Dass dieser Weg machbar ist, bewiesen Praxisbeispiele wie die Fröbel-
Gruppe. Robert Kapa und Christiane Oppler berichteten, wie sie nach einer
gezielten Küchenberatung den Bio-Anteil binnen eines Jahres von 10 % auf
über 60 % steigerten – und das kostenneutral.
Die Strategie: Weniger Fleisch, mehr frische pflanzliche Rohware und eine
Planung, die den Köch:innen wieder mehr handwerklichen Spielraum gibt.
Auch Leuchttürme wie der Caterer „Knirps und Knolle“, das Studierendenwerk
Greifswald und die neue Rostocker Großküche „Mittagsmatrosen“ zeigen, dass
die Umstellung bereits an Fahrt aufnimmt.

Fazit und Ausblick

Das Dialogforum hat gezeigt: Die Praxis ist bereit, und die Politik sendet
erste positive Signale für die notwendigen strukturellen Reformen. „Wir
brauchen jetzt gemeinsam abgestimmte Regelungen, die soziale Gerechtigkeit
mit ökologischer Verantwortung verbinden“, resümiert Hauptveranstalterin
Anna Hope vom Verband BIO in MV. Der wissenschaftlich-praktische Dialog in
Schwerin markiert damit den Startpunkt für eine neue Dynamik in der
Ernährungspolitik des Landes.

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