Musikpreis der Stadt Duisburg 2026 geht an Igor Levit
Als im Frühjahr 2020 die Konzertsäle weltweit verstummten, saß Igor Levit
Abend für Abend an seinem Klavier in Berlin und spielte für Tausende
Menschen im Livestream. Später folgte eine fast 16-stündige Aufführung
von Erik Saties „Vexations“, 840 Wiederholungen eines einzigen
musikalischen Gedankens – ein künstlerisches Ausdauerprojekt, das weit
über die Grenzen des klassischen Konzertbetriebs hinaus Aufmerksamkeit
erregte. Gerade in solchen Momenten zeigt sich, was Igor Levit als Künstler
auszeichnet: Für ihn ist Musik nie bloß Interpretation, sondern immer auch
gesellschaftliche Kommunikation.
Für dieses außergewöhnliche künstlerische und gesellschaftliche
Engagement erhält der Pianist nun den Musikpreis der Stadt Duisburg
2026.
Igor Levit zählt seit Jahren zu den prägendsten Musikerpersönlichkeiten
seiner Generation. Auf den großen internationalen Konzertpodien ist er
ebenso zu Hause wie in den zentralen Werken des klassischen Repertoires.
Gleichzeitig sucht er immer wieder die Auseinandersetzung mit Werken, die
politische, gesellschaftliche oder historische Fragen berühren.
Dabei hat Levit nie den Weg des unpolitischen Virtuosen gewählt. Mit
großer Klarheit positioniert er sich gegen Antisemitismus, Hass und
Ausgrenzung und nutzt seine öffentliche Sichtbarkeit immer wieder für
gesellschaftliche Debatten. „Ich kann nicht anders, als an dieser Welt
teilzunehmen“, sagt er über sein Engagement und ergänzt: „Und weil ich es
wichtig finde, sich für andere einzusetzen, wenn ihnen Unrecht geschieht.“
Hans Jürgen Kerkhoff, Vorsitzender der Köhler-Osbahr-Stiftung, die den
Musikpreis der Stadt Duisburg stiftet, würdigt Levit als Künstler, der
musikalische Exzellenz und gesellschaftliche Verantwortung auf besondere
Weise verbinde: „Igor Levit steht für eine Künstlerpersönlichkeit, die weit
über den Konzertsaal hinauswirkt. Seine Stimme hat in unserer Gesellschaft
Gewicht – musikalisch wie menschlich.“
Auch Oberbürgermeister Sören Link gratuliert dem Preisträger: „Igor Levit
zeigt, dass Kunst Haltung haben kann, ohne ihre Offenheit zu verlieren. Er
gehört zu den herausragenden Musikern unserer Zeit und ist zugleich eine
wichtige Stimme in gesellschaftlichen Fragen. Wir sind stolz, dass er sich
mit Duisburg und dem Ruhrgebiet verbunden fühlt.“
Mit dem Ruhrgebiet verbindet Igor Levit zudem eine persönliche
Geschichte. Als seine Familie Mitte der 1990er Jahre aus dem russischen
Nischni Nowgorod nach Deutschland kam, führte sie ihr Weg zunächst nach
Dortmund. „Damals begann meine Biografie in Deutschland“, erinnert sich
der Pianist. „Deshalb spüre ich eine sehr starke Bindung zu der Region,
denn das ist das Deutschland, das ich als Kind kennengelernt habe und das
uns willkommen geheißen hat.“
Diese Verbundenheit ist bis heute geblieben. Regelmäßig kehrt Levit für
Konzerte ins Ruhrgebiet zurück, unter anderem zum Klavier-Festival Ruhr.
In der Saison 2026/2027 wird er darüber hinaus mit einem besonderen
Beethoven-Projekt nach Duisburg kommen: Im Rahmen von „Alles
Beethoven“ spielt er sämtliche 32 Klaviersonaten des Komponisten inNordrhein-Westfalen. In der Philharmonie Mercatorhalle wird er dabei die
letzten drei Sonaten aufführen, die er als „Heiligtümer der Klavierliteratur“
bezeichnet.
Zu den bisherigen Preisträger des Musikpreises der Stadt Duisburg zählen
unter anderem Pina Bausch, Hans Werner Henze, Yehudi Menuhin,
Wolfgang Rihm, Tanja Tetzlaff, Carolin Widmann, Frank Peter Zimmermann
und Axel Kober.
Die Verleihung des Musikpreises der Stadt Duisburg findet am 30.
September 2026 um 19.30 Uhr in der Philharmonie Mercatorhalle statt.
