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Gesundheit

AWMF: Sektorenübergreifende und regionale Krankenhausplanung dringend notwendig

Eine Krankenhausreform, die eine wissenschaftlich begründete, Patient
*innen-zentrierte und ressourcenbewusste Gesundheitsversorgung zum Ziel
hat, kann nur durch eine sektorenübergreifende und regionale
Versorgungsplanung gelingen. Darauf weist die AG „Medizin und Ökonomie“
der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Medizinischer
Fachgesellschaften e.V. (AWMF) hin. Gleichzeitig begrüßt sie, dass die zur
Vorbereitung einer Krankenhausreform eingesetzte Regierungskommission
wissenschaftlich ausgerichtet ist und auch die wissenschaftlichen
medizinischen Fachgesellschaften gehört werden sollen.

In einer aktuellen Stellungnahme hat die AG Medizin und Ökonomie der AWMF
festgehalten, welche Aspekte bei der anstehenden Krankenhausreform
berücksichtigt werden sollten.

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Derzeit schließen in Deutschland immer wieder Kliniken, weil sie defizitär
arbeiten und rote Zahlen schreiben. „Wir begrüßen, dass die
Bundesregierung diese unkontrollierten Klinikschließungen beenden will und
im Rahmen einer Regierungskommission auch unter Einbeziehung der
wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften nun eine
Krankenhausreform vorbereitet“, betont Professor Dr. med. Rolf-Detlef
Treede, AWMF-Präsident. „Die AWMF und die in ihr organisierten 182
Fachgesellschaften mit circa 250.000 Ärztinnen und Ärzten sowie
Angehörigen weiterer Gesundheitsfachberufe steht für einen zeitnahen
Austausch gerne zur Verfügung.“

„Aus Sicht der AWMF kann eine solche Strukturreform nur dann gelingen,
wenn eine sektorenübergreifende Versorgungsplanung erfolgt, in die der
ambulante Sektor mit einbezogen wird. Nur so kann sichergestellt werden,
dass an der Schnittstelle zwischen ambulanter zu stationärer Versorgung
nicht wie heute wertvolle Informationen verloren gehen oder es zu Brüchen
und Versorgungsproblemen kommt“, betont Professor Dr. med. Fred Zepp,
stellvertretender Präsident der AWMF.

„Da die Versorgungsstruktur in Städten häufig eine andere ist als auf dem
Land, fordern wir als AWMF auch, dass die Krankenhausplanung regional
erfolgt“, sagt Dr. med. Manfred Gogol, Schatzmeister der AWMF. Nach
Auffassung der AG „Medizin und Ökonomie“ der AWMF sollte sich die
regionale Planung neben der erwarteten demografischen Entwicklung
insbesondere an dem tatsächlichen diagnose- und schweregradorientierten
Behandlungs- und Pflegebedarf orientieren. So könne es beispielsweise
sein, dass aufgrund der demografischen Entwicklung in ländlichen Gebieten
die Gesamtzahl der Patientinnen und Patienten sinkt, zugleich jedoch
ältere, vielfach erkrankte Patientinnen und Patienten häufig höhere
Versorgungsaufwände haben. Dieser verstärkte Behandlungsbedarf müsse in
die Planung einbezogen werden.

Insgesamt sei es auch notwendig, dass die Krankenhäuser und die ambulant
Versorgenden gemeinsam an ihrer Versorgungsqualität gemessen werden. „Hier
soll in Zukunft die Kontinuität der Versorgung, die Kommunikation mit
Patientinnen und Patienten sowie die Indikations- und Ergebnisqualität
einbezogen werden“, erläutert Dr. med. Monika Nothacker, stellv. Leiterin
des AWMF-Instituts für Medizinisches Wissensmanagement (AWMF-IMWi).
Insbesondere bei der Indikationsqualität können Leitlinien unterstützen,
die jeweils den aktuellen Stand des Wissens zusammenfassen und damit die
Grundlage für vertrauenswürdige Entscheidungen in der Behandlung von
Patientinnen und Patienten bilden.

Zugleich brauche es eine grundlegende sektorenübergreifende Reform der
Vergütung. „Die derzeitige duale Finanzierung sowie der
gesundheitspolitisch forcierte Wettbewerb zwischen den
Leistungsanbietenden stehen einer ressourcenbewussten Versorgung in vielen
Bereichen entgegen, auch dies muss sich dringend ändern“, betont Zepp. Zur
Überwindung der Sektorengrenzen setzen sich die wissenschaftlichen
medizinischen Fachgesellschaften außerdem für neue, ebenfalls
sektorenübergreifende und interprofessionelle Versorgungskonzepte in Form
von Zentren und Netzwerken ein. „Nur so kann im Sinne einer
evidenzbasierten hochwertigen Patient*innenversorgung die Ergebnisqualität
verbessert werden, die das Primat der zukünftigen Versorgungsplanung sein
muss“, sagt Zepp.

Hier gelangen Sie zur ausführlichen Stellungnahme:
<https://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Stellungnahmen/Medizinische_Versorgung/20220629_AWMF_Stellungnahme_KH_Reform_final.pdf>

*** Bei Veröffentlichung Beleg erbeten. ***

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF) e. V. bündelt die Interessen der medizinischen
Wissenschaft und trägt sie verstärkt nach außen. Sie handelt dabei im
Auftrag ihrer 182 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften.
Gegründet 1962 mit dem Ziel, gemeinsame Interessen stärker gegenüber dem
Staat und der ärztlichen Selbstverwaltung zu positionieren, erarbeitet die
AWMF seitdem Empfehlungen und Resolutionen und vertritt diese im
wissenschaftlichen und politischen Raum. Die AWMF ist Ansprechpartner für
gesundheitspolitische Entscheidungsträger, wie den Gemeinsamen
Bundesausschuss, und koordiniert die Entwicklung und Aktualisierung
medizinisch-wissenschaftlicher Leitlinien in Deutschland. Jede
gemeinnützige Fachgesellschaft in Deutschland kann Mitglied werden, sofern
sie sich wissenschaftlichen Fragen der Medizin widmet. Die AWMF finanziert
sich vorwiegend durch die Beiträge ihrer Mitgliedsgesellschaften und
Spenden.

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Ein reicher Schatz, der endlich gehoben werden muss: DDG fordert Zusammenführung der bundesweiten DMP-Diabetes-Daten

Wirkung und Sicherheit eines einzelnen Medikaments können recht gut in
klinischen Studien untersucht werden. Nahezu unmöglich ist es dagegen, die
facettenreiche Behandlung chronischer Erkrankungen, wie die des Diabetes
mellitus, unter kontrollierten oder gar doppelblinden Studien zu
evaluieren. Zu vielfältig sind die Voraussetzungen, die die Erkrankten mit
sich bringen, und zu komplex ist die Therapie, die sich aus vielen, zum
Teil nicht-medikamentösen Interventionen zusammensetzt. Im Rahmen einer
Studie können diese nur schwer voneinander getrennt betrachtet werden.

Umso wichtiger wäre es, die umfangreichen, im Behandlungsalltag ohnehin
anfallenden Daten, aus den Disease-Management-Programmen (DMP)
zusammenzuführen und auszuwerten. Bereits seit mehreren Jahren fordert die
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), diesen bislang weitgehend
ignorierten Datenschatz zu heben. Apelle zur freiwilligen Zusammenführung
der bereits erhobenen Daten zeigten bislang keine Wirkung. Daher fordert
der DDG-Vorstand den Gesetzgeber dazu auf, die Verpflichtung zur
Zusammenführung der Dokumentationsdaten in den DMP-Anforderungen
festzuschreiben.

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Disease-Management-Programme (DMP) sind strukturierte
Behandlungsprogramme, die Menschen mit einer chronischen Erkrankung bei
der Therapie und Behandlung unterstützen. Hier soll ein koordiniertes
Vorgehen ermöglichen, dass erkrankte Personen über Einrichtungsgrenzen
hinweg auf dem aktuellen medizinischen Forschungsstand behandelt werden–
so können Komplikationen und Folgeerkrankungen vermieden werden. Für
Menschen mit Diabetes mellitus existieren solche Programme seit 2003;
mittlerweile sind rund fünf Millionen Betroffene – über 4,7 Millionen
Menschen mit Typ-2-Diabetes, sowie 267.000 Menschen mit Typ-1-Diabetes –
bundesweit in diese Programme eingeschrieben. „Bis heute ist es in den
meisten Bundesländern jedoch nicht gelungen, die im Rahmen der DMP
erhobenen Daten gezielt zusammenzuführen und auszuwerten“, sagt Dr. med.
Matthias Kaltheuner, Diabetologe aus Leverkusen.

Das sei umso weniger verständlich, als die Voraussetzungen hierfür gar
nicht besser sein könnten: Im Rahmen der DMP werden die Patienten
regelmäßig untersucht und wichtige Parameter, teilweise mehrmals im Jahr,
erfasst und festgehalten. Hierzu zählen der Blutzucker- und HbA1c-Wert,
der Blutdruck, die Nierenfunktion und auch der bei dieser Erkrankung so
wichtige Zustand der Augen und Füße. „Diese Daten werden seit Beginn der
DMP-Verträge in allen 17 kassenärztlichen Vereinigungen bundesweit erhoben
und liegen im gleichen Dateiformat vor“, betont Kaltheuner. Die für eine
bundesweite Analyse erforderliche Standardisierung sei daher seit vielen
Jahren gewährleistet, und auch die Analysekompetenz werde im
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Köln bereits
vorgehalten. „Es wäre daher in kurzer Zeit und mit geringem Aufwand
möglich, die DMP-Dokumentationen in einer Art nationalem Diabetesregister
zusammenzuführen und auszuwerten“, erklärt der Diabetologe.

Aus den Daten, die bislang weitgehend ungenutzt bei den kassenärztlichen
Vereinigungen (KV) liegen, ließen sich wertvolle Informationen zum
eventuellen Nutzen der DMPs und zur Versorgungsqualität von Menschen mit
Diabetes herausfiltern. „Insbesondere für Längsschnittuntersuchungen sind
die Daten hervorragend geeignet, da die Patientinnen und Patienten in den
DMP über Jahre hinweg begleitet werden“, sagt Dr. Dorothea Reichert,
niedergelassene Diabetologin in Landau und DDG-Vorstandsmitglied. Damit
ließen sich primär medizinische Fragen, wie die nach dem Einfluss von
Komorbiditäten oder des Alters auf den Krankheitsverlauf, beantworten.
Aber auch gesundheitspolitische Fragestellungen, wie beispielsweise welche
Betroffenen mit Diabetes in hausärztlicher Betreuung von einer
frühzeitigen Überweisung in spezialisierten Zentren profitieren oder
Schnittstellen besser ineinandergreifen können, ließen sich klären.

Ausführlich analysiert und publiziert wurden die DMP-Daten bislang nur in
der KV-Bereichen Nordrhein und Westfalen-Lippe. Niedersachsen und Baden-
Württemberg stehen zumindest in den Startlöchern. „Im Grunde ist aber seit
Jahren kein wesentlicher Fortschritt zu erkennen“, sagt Kaltheuner. Der
DDG-Vorstand appelliert daher an die betroffenen Institutionen sowie den
Gesetzgeber, die Zusammenführung der Dokumentationen verpflichtend in den
DMP-Anforderungskatalog aufzunehmen. Die Erhebung der DMP-Daten habe
bisher mindestens 1,5 Milliarden Euro gekostet, so die DDG-Experten. Diese
nun zu zentralisieren, zu analysieren und in einem Gesamtbericht
darzustellen, schlage mit verhältnismäßig geringen Kosten zu Buche. Derart
günstig seien wichtige medizinische und gesundheitspolitische
Erkenntnisse, die Millionen von schwer betroffenen Menschen zugutekommen,
nicht oft zu haben.

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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9200 Mitgliedern
eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in
Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in
Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und
entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung
der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als acht Millionen Menschen in
Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch
umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

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Sicher reisen mit Herzkrankheit: Was sollte man beachten?

Höhe, Hitze, Tropenklima und dreckige Luft können Herzkranke zusätzlich
belasten. Was man bei Rhythmusstörungen und einem Herzschrittmacher, bei
Herzschwäche oder nach einem Herzinfarkt wissen sollte, erklärt die
Herzstiftung

Auch Menschen mit Herzkrankheiten wie koronare Herzkrankheit (KHK),
Herzrhythmusstörungen, Klappenerkrankungen und Herzschwäche
(Herzinsuffizienz) müssen in der Regel nicht aufs Reisen verzichten. Wer
mit Herzerkrankung den Sommer zum Verreisen nutzt, sollte seine Reise
allerdings gut planen. „Grundsätzlich sollten Betroffene immer rechtzeitig
mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt Rücksprache halten, ob und wann eine
Reise möglich ist oder nicht“, so der Herzstiftungs-Experte Privatdozent
Dr. med. Magnus Baumhäkel unter www.herzstiftung.de/urlaub-herzpatient Der
niedergelassene Kardiologe und Gefäßspezialist in Saarbrücken rät
Herzkranken, sich bereits vier bis sechs Wochen vor der Reise nochmals
untersuchen zu lassen, damit die Stabilität der Erkrankung überprüft und
die Medikation eventuell geändert werden kann. „Nur so lassen sich Risiken
durch Überbelastungen oder Fehleinschätzungen vermeiden.“ Eine Reise-
Checkliste für Herzpatienten zu hilfreichen Punkten wie
Krankheitsunterlagen einpacken (z. B. letzter OP-, Ultraschall- oder
Röntgenbericht) und einen Medikamentenplan mitführen bietet die
Herzstiftung unter www.herzstiftung.de/urlaub-herzpatient oder telefonisch
unter 069 955128-400.

Wie belastbar ist man mit seiner Erkrankung?
Erster Anhaltspunkt, ob eine Reise empfehlenswert ist, ist die Frage nach
der Belastbarkeit. Generell gilt: Die körperliche Leistungsfähigkeit
sollte nicht wesentlich eingeschränkt sein. Bestimmte Eingriffe und
Erkrankungen am Herzen sollten eine bestimmte Zeit zurückliegen, um sicher
in den Urlaub fahren zu können:
- Eine Aufdehnung der Herzkranzgefäße, das Einsetzen eines implantierbaren
Defibrillators oder eines Herzschrittmachers sollte in der Regel 1-2
Wochen vor Reiseantritt zurückliegen. Kurzfristigere Reisen sind möglich,
sollten aber mit dem behandelnden Arzt/Kardiologen abgesprochen werden.
- Ein Herzinfarkt oder eine Herzoperation sollten 2-4 Wochen zurückliegen.

Hitze, Kälte, Höhe: das richtige Reiseziel?
Bei der Wahl des richtigen Urlaubsziels sollten Herzpatienten den Klima-
und Zeitwechsel berücksichtigen. Sehr hohe Temperaturen können ohne
Vorsichtsmaßnahmen bei vorbelasteten Menschen beispielsweise einen
Kreislaufkollaps oder Herzrhythmusstörungen auslösen (Info:
www.herzstiftung.de/herzprobleme-bei-hitze). Aufenthalte in großen Höhen
können den Herzmuskel zu stark belasten und im schlimmsten Fall zu einem
Herzinfarkt führen. Vor allem in Höhen über 2500 m sorgt die „dünnere“
Luft für weniger Sauerstoff in den Arterien. Das Herz steuert dem via
Sympathikusaktivierung entgegen, wodurch u. a die Herzschlag-Rate steigt.
Dies belastet allerdings ein ohnehin schwaches Herz zusätzlich. „Tropische
und subtropische, arktische und subarktische Klimata sind für
Herzpatienten grundsätzlich nicht zu empfehlen, weil sie das Herz-
Kreislauf-System zu sehr anstrengen“, betont Baumhäkel und fügt hinzu:
„Sinnvoller ist es, eine Klimazone zu wählen, an die der Körper bereits
gewöhnt ist.“ Optimale Reisezeiten für Herzpatienten sind das Frühjahr und
der Herbst.

Luftqualität am Reiseort vorab checken!
Auch Luftverschmutzung kann das Herz-Kreislauf-System belasten.
Schadstoffe in der Luft wie Feinstaub, Kohlenmonoxid und Stickoxide
begünstigen Entzündungen, entzündliche Botenstoffe aus der Lunge gelangen
in den Kreislauf und wirken sich begünstigend auf Gefäßerkrankungen wie
Ablagerungen in den Arterienwänden (Arteriosklerose) aus. Das gilt etwa
für eine KHK, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck. „Je nach Art der
Herz- oder Kreislauferkrankung kann sich Luftverschmutzung am Reiseort
bereits innerhalb kurzer Zeit ungünstig auf die Erkrankung auswirken, im
schlimmsten Fall eine Komplikation wie Herz- oder Hirninfarkt auslösen
oder bei Herzinsuffizienz-Patienten zu einem Krankenhausaufenthalt
führen“, so Baumhäkel. Herzpatienten sollten sich daher vorab über die
Luftqualität vor Ort informieren. Infos zur Luftqualität weltweit sind
unter https://waqi.info/de/ abrufbar.

Besser langsam angehen
Am Urlaubsort sollten Herzpatienten sich langsam eingewöhnen, z. B. in den
ersten Tagen auf Bergtouren verzichten oder lange Sonnenbäder vermeiden.
Regelmäßige leichte bis mittlere Belastung ist auch im Urlaub
wünschenswert, z. B. Wandern oder Radfahren - allerdings nicht in der
Mittagssonne. „Wer schwimmen will, sollte das vorab mit dem Arzt
besprechen. Denn beim plötzlichen Einsteigen in sehr kaltes Wasser oder
beim Ausstieg kann es unter Umständen zu Kreislaufproblemen kommen“, so
Baumhäkel. Patienten, die Medikamente nehmen, sollten ihre gewohnte
Einnahmezeit beibehalten, denn so ist die Gefahr am geringsten, dass das
Medikament vergessen wird. Da sich im Urlaub die Essgewohnheiten ändern
können, sollten Herzpatienten, die wegen einer künstlichen Herzklappe oder
Vorhofflimmern den Gerinnungshemmer Marcumar einnehmen, ihre Gerinnung in
kürzeren Abständen kontrollieren. Fettreiche Kost und ein ungewohnt hoher
Konsum Vitamin-K-haltiger Lebensmittel können die Marcumar-Wirkung
beeinträchtigen.

Wer sollte aufs Reisen verzichten?
In bestimmten Fällen wird Menschen mit Herzerkrankungen davon abgeraten,
eine Reise anzutreten. Dazu gehören Patientinnen und Patienten mit
- Angina pectoris (Brustenge) bei geringen Belastungen wie z. B.
Treppensteigen,
- zunehmender Angina pectoris (Brustenge),
- Luftnot bei geringer Belastung wie Gehen zu ebener Erde oder
Treppensteigen,
- zunehmender Luftnot oder zunehmenden Ödemen,
- wiederholtem Schwindel
- und plötzlichen Bewusstlosigkeiten (Synkopen).

Herz-Tipp bei implantierbarem Defibrillator/Herzschrittmacher
Einige Schrittmachersysteme verfügen über die Möglichkeit, eine circadiane
Rhythmik zu programmieren. Bei einem Wechsel der Zeitzonen sollte diese
Funktion zuvor deaktiviert werden. Im Rahmen von Sicherheits-Checks können
die begehbaren Detektoren mit Schrittmachern/Defibrillatoren benutzt
werden. Manuelle Metalldetektoren sollten jedoch möglichst nicht direkt
über das Aggregat geführt werden (Schrittmacherausweis vorzeigen). Weitere
Infos unter: www.herzstiftung.de/schrittmacher-defi-reise

Urlaub im Corona-Zeiten: Urlauber sollten sich vor ihrer Reise u. a. über
Pandemie-Bestimmungen am Reiseziel, Reisewarnungen und Quarantänepflichten
bei der Heimkehr informieren. Vor Buchung sollten sich Herzkranke über die
Corona-Sicherheitsmaßnahmen ihres Hotels informieren: Welche Reinigungs-
und Desinfektionsverfahren kommen wann und wo zum Einsatz und trägt das
Personal Maske? Wie gut funktioniert das Belüftungssystem des Hotels? etc.
Vor Ort sollten Verhaltensregeln eingehalten werden (AHA+L-Formel):
- Abstand halten (mindestens 1,5 Meter),
- Hygieneregeln beachten (richtiges Husten, Niesen und gründliches
Händewaschen),
- im Alltag sowie auf Reisen Maske tragen
- und regelmäßiges Lüften in Innenräumen
Sollten Herzpatienten aufgrund einer angeordneten Quarantäne länger im
Urlaubsland bleiben müssen, sollten sie auf einen ausreichenden Vorrat an
notwendigen Medikamenten achten.

Service-Tipps

Checkliste für mehr Sicherheit
Eine Reise-Checkliste zu den wichtigsten Punkten einer guten
Reisevorbereitung und die Bestellmöglichkeit eines Reise-Sets für
Herzkranke bietet die Deutsche Herzstiftung kostenfrei unter
www.herzstiftung.de/urlaub-herzpatient oder telefonisch unter 069
955128-400

Neu aus der Podcast-Reihe imPULS zum Schwerpunkt Reise

Hitze, Höhe & Hektik – Sicher reisen trotz Herzschwäche
In der aktuellen imPULS-Episode erläutert der Kardiologe Prof. Stephan von
Haehling, welche Reisevorbereitungen empfehlenswert sind, warum Pausen auf
der Reise besonders wichtig sind und wie Klima, Luftverschmutzung und Höhe
am Urlaubsort eine Herzinsuffizienz verschlechtern können. Hören Sie rein
unter www.herzstiftung.de/podcast-reisen-herzinsuffizienz

Infos zu den Themen Schwimmen, Wandern und Radfahren:
www.herzstiftung.de/schwimmen
www.herzstiftung.de/wandern
www.herzstiftung.de/radfahren

Reisehilfen für Herzpatienten
Damit Herzpatientinnen und -patienten möglichst sicher auf Reisen gehen
können, bietet die Herzstiftung ein kostenfreies Reise-Set (1x Checkliste
zur Reise-Vorbereitung, 1x Med. Sprachführer für Herznotfall im Ausland,
1x Notfallausweis) und weitere hilfreiche Materialien an:
www.herzstiftung.de/urlaub-herzpatient

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Technologien zur Sturzprävention

Prof. Dr. João Pedro Batista von der SRH Hochschule für Gesundheit
informiert am 28. Juli 2022 in seiner Online-Antrittsvorlesung über Stürze
bei älteren Menschen.

Jedes Jahr stürzt ein Drittel der über 65-Jährigen, wobei die Rate
sturzbedingter Verletzungen mit dem Alter steigt. Stürze können zum einen
schwerwiegende physische Folgen wie Knochenbrüche oder Kopfverletzungen
haben, zum anderen auch psychische Folgen. Die Angst vor Stürzen und der
Verlust des Selbstvertrauens führen wiederum zu einer Verringerung der
körperlichen Funktion und der sozialen Interaktion. Diese Einschränkungen
der Aktivitäten können das Risiko weiterer Stürze erhöhen und zur
Verschlechterung der körperlichen Fähigkeiten beitragen. Daher stellt sich
die Frage, wie Stürze bei älteren Menschen verhindert werden können.

„Physiotherapeutische Interventionen, die die Körperhaltung herausfordern,
sollten bei der Gestaltung von Übungen zur Sturzprävention besonders
berücksichtigt werden. Es besteht jedoch ein dringender Bedarf an
innovativen Lösungen zur Verringerung des Sturzrisikos bei älteren
Menschen“, erläutert Prof. Dr. João Pedro Batista, Professor für
Therapiewissenschaft im ausbildungsintegrierenden Bachelor-Studiengang
Physiotherapie am Campus Leverkusen der SRH Hochschule für Gesundheit. In
seiner kostenfreien Online-Antrittsvorlesung „Stürze bei älteren Menschen:
Technologien zur Sturzprävention und die Rolle der Physiotherapie“ am 28.
Juli 2022 um 17.30 Uhr stellt Prof. Dr. João Pedro Batista neue
Technologien zur Sturzprävention und Implikationen für die klinische
Praxis vor.

Messinstrumente und kontinuierliche Überwachung sollen
Rehabilitationsteams und Forscher:innen dabei helfen, die Mechanismen
hinter einem Sturzereignis zu verstehen und Daten für eine objektivere und
kostengünstigere Behandlung bereitzustellen. Dabei sind der Umgang mit
computergestützten Instrumenten sowie auch die Interpretation
wissenschaftlicher Evidenzen zur Übertragung der Sturzrisikoforschung auf
die Gangfunktion im täglichen Leben von großer Bedeutung für die
Physiotherapeut:innen der Zukunft. Auch für Studierende im
ausbildungsintegrierenden Bachelor-Studiengang Physiotherapie an der SRH
Hochschule für Gesundheit hält der Bereich der Gesundheitstechnologien zur
Sturzprävention nach ihrem Abschluss vielfältige Möglichkeiten und
Herausforderungen bereit.

Interessierte können sich für die kostenfreie Online-Antrittsvorlesung am
28. Juli 2022 unter https://eveeno.com/427577251 anmelden.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.srh-gesundheitshochschule.de/unsere-hochschule/hochschulteam
/joao-pedro-batista/

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