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Gesundheit

„HerzCheck“: Erfolgreiche Zwischenbilanz

Mit umgebauten Lkw bringt „HerzCheck“ MRT-Untersuchungen in ländliche
Regionen. Das Ziel: Eine Herzinsuffizienz frühzeitig erkennen und
zielgerichtet behandeln zu können. Im ersten Jahr wurden rund 2.000
Patient*innen an mittlerweile zwölf Standorten untersucht. Die Daten
liefern wertvolle Erkenntnisse.

Das Projekt „HerzCheck“ konnte sich bereits nach einem Jahr etablieren: Im
Juli 2021 wurde im brandenburgischen Templin der erste Standort eröffnet –
heute können sich Patient*innen an insgesamt zwölf Standorten in
Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern unkompliziert auf eine noch nicht
erkannte Herzschwäche untersuchen lassen. Knapp 2.000 Patient*innen haben
dieses kostenlose Angebot schon in Anspruch genommen – und die Nachfrage
wächst stetig.

Das Besondere des Projekts: „HerzCheck“ bringt modernste Diagnostik und
fachkundiges medizinisches Personal auch in dünn besiedelte Regionen; also
genau dorthin, wo es häufig weder genügend Fachkräfte noch die passenden
medizinischen Geräte gibt. „Wir wollen Risikopatient*innen ein optimales
Diagnose- und Therapieangebot machen – und zwar bereits, bevor sie eine
symptomatische Herzinsuffizienz entwickeln“, sagt „HerzCheck“-
Konsortialführer Prof. Dr. med. Sebastian Kelle, Kardiologe und Leiter der
Abteilung für kardiale MRT am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB).
„Deshalb arbeiten wir eng mit Kliniken und ambulanten Einrichtungen in
Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zusammen.“ Vor Ort können sich
Patient*innen in mobilen „HerzCheck“-Trailern per
Magnetresonanztomographie (MRT) untersuchen lassen.

Ziele und Vorteile des Projekts
Ziel von „HerzCheck“ ist es, eine Herzinsuffizienz bei Risikopatientinnen
und -patienten frühzeitig zu erkennen und so deren Prognose und
Lebensqualität zu verbessern. Zudem können hohe Folgekosten einer erst
spät diagnostizierten Herzinsuffizienz deutlich gesenkt oder sogar
vermieden werden. Den Betroffenen bleiben belastende
Krankenhausaufenthalte erspart. Mit der Möglichkeit moderner medizinischer
Versorgung will „HerzCheck“ auch einen Beitrag zur Stärkung der ländlichen
Regionen als Raum zum Leben und Arbeiten leisten.

„HerzCheck“: Standorte und Terminvereinbarung
Heute wurde der zwölfte Standort auf dem Gelände des Klinikums Südstadt in
Rostock eröffnet – damit sind alle geplanten Projektstandorte jetzt aktiv.
MRT-Untersuchungen des Herzens sind in den brandenburgischen Orten
Senftenberg, Frankfurt (Oder), Templin, Neuruppin, Eberswalde, Forst und
Potsdam möglich. In Mecklenburg-Vorpommern können sich Patient*innen in
Wolgast, Ueckermünde, Stralsund, Wismar und Rostock untersuchen lassen.
Termine können telefonisch unter 0331 96809190 oder über die
Projektwebsite unter www.herzcheck.org/registrieren/ vereinbart werden.

Ablauf der Untersuchung und Auswertung
Geschultes medizintechnisches Personal führt die MRT-Untersuchung durch.
Die Untersuchungsdaten werden unter Beachtung aller Datenschutzvorgaben
online an das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) übermittelt und dort von
einem erfahrenen Team aus Fachärzt*innen ausgewertet. Die behandelnden
Ärzt*innen vor Ort erhalten einen ausführlichen MRT- und Laborbericht vom
DHZB und können auf dieser Basis die weiteren Therapiemaßnahmen festlegen.
Ein Jahr nach der Erstuntersuchung wird der gesundheitliche Zustand aller
Patientinnen und Patienten mit auffälligem Befund erneut untersucht und
der Therapieerfolg wissenschaftlich evaluiert. Auch eine Teilgruppe mit
unauffälligem Befund wird als Stichprobe erneut untersucht.

In speziell für Patient*innen und Ärzt*innen entwickelten Videos wird
verdeutlicht, wie die Untersuchung funktioniert und welche Vorteile daraus
entstehen – nicht nur für Patient*innen, sondern auch für Mediziner*innen
aus der Region. Die Videos sind auf der Projektwebsite unter
www.herzcheck.org/patienten/ und www.herzcheck.org/arzte/ abrufbar.

Erste Zwischenergebnisse und Fortgang des Projekts
„HerzCheck“ wird über einen Zeitraum von drei Jahren vom Innovationsfonds
des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert. Knapp zwei Jahre der
Projektlaufzeit entfallen auf die Durchführung der MRT-Untersuchungen; im
dritten Jahr werden die Ergebnisse wissenschaftlich ausgewertet. Dabei
wird untersucht, ob eine frühzeitige mobile Herz-MRT-Untersuchung dazu
beitragen kann, die Prognose von Patientinnen und Patienten mit
Herzinsuffizienz zu verbessern.

Ein erstes Zwischenfazit: In den bisherigen Untersuchungen konnte bei
mindestens jedem vierten Teilnehmenden eine asymptomatische
Herzinsuffizienz festgestellt werden, die den Betroffenen vorher nicht
bewusst war. „Unsere ersten Ergebnisse zeigen, dass das Projekt einen
echten Mehrwert bietet“, fasst Prof. Dr. med. Sebastian Kelle vom DHZB
zusammen. „Mit den Mitteln modernster Diagnostik und der Telemedizin
konnten wir die Krankheit bei vielen Patient*innen bereits eindeutig
feststellen. Damit ermöglichen wir eine frühzeitige Behandlung und
unterstützen zugleich Ärzt*innen vor Ort bei der Festlegung einer
passenden Therapie.“

„Rund 100.000 Versicherte der AOK Nordost leiden an Herzinsuffizienz –
offiziell. Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher liegen“, sagt Daniela
Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost. „Die Zwischenergebnisse
von HerzCheck zeigen: Wir sind auf dem richtigen Weg. Dabei ist HerzCheck
zu einem echten Herzensprojekt geworden. Die Versicherten melden sich bei
uns, um direkt Termine zu vereinbaren und ihre Dankbarkeit für dieses
Angebot zum Ausdruck zu bringen. Mit HerzCheck bringen wir gemeinsam mit
unseren Partnern eine wichtige Versorgung zu den Menschen. Die Evaluation
wird nun hoffentlich zeigen, dass die frühzeitige Entdeckung der
Herzinsuffizienz die prognostizierten Effekte – insbesondere den Rückgang
von vermeidbaren Krankenhausaufenthalten – erzielt. Dann stehen die
Chancen gut, dass der Gemeinsame Bundesausschuss mit HerzCheck ein
weiteres Innovationsfondsprojekt mit AOK-Nordost-Beteiligung für die
Regelversorgung empfiehlt.“

Daniel Hefel, Geschäftsführer der medneo Deutschland GmbH, ergänzt: „Mit
der Bereitstellung der mobilen MRT-Trailer und High-End-Geräte sowie
unserem engagierten Fachpersonal konnten wir alle zwölf Projektstandorte
genau nach Plan erschließen. Die Versicherten vor Ort geben uns recht: Die
Rückmeldung gegenüber unserem Fachpersonal nach der Untersuchung sind sehr
positiv. Auch das Feedback der lokalen Partner und Ärzt*innen vor Ort
bestätigt die Relevanz einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung, wie
wir sie gemeinsam im Projekt anbieten.“

Übersicht: Das Projekt „HerzCheck“
Das Projekt unter medizinischer Leitung des Deutschen Herzzentrums Berlin
wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit
über 7 Millionen Euro gefördert. Konsortialpartner sind die AOK Nordost –
Die Gesundheitskasse, die medneo Deutschland GmbH als Betreiberin der
mobilen MRT-Systeme und der IT-Technologie, das Herz- und Gefäßzentrum Bad
Bevensen, die Universitätsmedizin Göttingen, die Universitätsklinik Köln
sowie das Universitätsklinikum Heidelberg.

Weitere Informationen gibt es unter www.herzcheck.org

Über das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB)
Das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) ist eine überregionale
Spezialklinik für die Diagnostik und Therapie von Herz-Kreislauf-
Erkrankungen. Seit seiner Gründung als gemeinnützige Stiftung des
bürgerlichen Rechts im Jahr 1986 wurden am DHZB über 253.000 Patientinnen
und Patienten behandelt und über 127.000 Herzoperationen durchgeführt. Zu
den Behandlungsschwerpunkten gehören die minimalinvasive chirurgische
Behandlung von Herzklappen-Erkrankungen, Herz- und/oder
Lungentransplantationen sowie kardiovaskuläre Bildgebungsverfahren. Das
Deutsche Herzzentrum Berlin betreibt zudem das weltweit größte Programm
für mechanische Kreislaufunterstützungssysteme („Kunstherzen“). Das
Behandlungsprogramm für angeborene und oft komplexe Herzerkrankungen bei
Patient*innen jeden Alters macht das DHZB zu einer der führenden Kliniken
in Europa. Außerdem ist das DHZB national und international seit mehr als
25 Jahren eine der Referenzadressen für die Ausbildung und die
Durchführung kardialer MRT-Untersuchungen.

Über die AOK Nordost
Die AOK Nordost ist mit rund 1,7 Millionen Versicherten die größte
Krankenkasse in der Region Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Sie ist ein kompetenter Partner in allen Gesundheits- und
Versorgungsfragen, bietet exzellenten Service, überzeugende Leistungen und
steht für qualitätsgesicherte Versorgungsprogramme. Neben der persönlichen
Beratung in Servicecentern vor Ort hat die AOK Nordost auch ihr Online-
Informationsangebot stark ausgebaut. Versicherte können jetzt auch via
Live-Chat mit Ihrer Gesundheitskasse Kontakt aufnehmen. Über 'Meine AOK'
erhalten sie zudem einen 24/7 individuellen Zugang zu ihrer AOK Nordost.

Über die medneo GmbH
medneo ist ein innovatives Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin, das sich
auf Radiology as a Service – einem neuen Betreibermodell für die
Radiologie – für den ambulanten und stationären Sektor spezialisiert hat.
Dabei wandelt medneo ein klassisches Hardwaregeschäft in ein
Dienstleistungsgeschäft um. Die im Jahre 2011 durch André Glardon, Dr.
Matthias Issing und Nicolas Weber gegründete Firma, bietet Ärztinnen und
Ärzten, Krankenhäusern sowie Forschungseinrichtungen Diagnostik-on-Demand.
medneo liefert klinische Bilder statt Geräte - ein revolutionärer Gedanke,
der bis heute der Schlüssel für den Erfolg ist.

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Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch immer Todesursache Nummer eins

Herzstiftung erhöht Fördermittel für patientennahe Herzforschung und
fordert Nationalen Herz-Kreislauf-Plan – Jahresbericht 2021 vorgelegt

Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen mit anhaltend hohen Sterblichkeits-
und Hospitalisationsraten eine enorme Herausforderung für das
Gesundheitswesen dar. Millionen Menschen in Deutschland leiden an Herz-
Kreislauf-Erkrankungen, die mit über 338.000 Sterbefällen (2020) für 34 %
aller Todesfälle verantwortlich sind. Pro Jahr werden mehr als 1,7
Millionen Menschen wegen Herzkrankheiten vollstationär in Kliniken
versorgt. Für die Interessen der Herzpatienten setzt sich die Deutsche
Herzstiftung ein. „Kernziel unserer Arbeit ist es, die Lebensqualität
chronisch herzkranker Menschen und deren herzmedizinische Versorgung zu
verbessern sowie die Krankheitslast und Sterblichkeit durch Herz-
Kreislauf-Erkrankungen zu verringern“, erklärt Prof. Dr. Thomas
Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Um diese
Ziele zu erreichen, fördert die Herzstiftung die Herz-Kreislauf-Forschung,
ist erste Anlaufstelle und politische Stimme für Herzpatienten, betreibt
Aufklärung und Information über Herz-Kreislauf-Erkrankungen und
unterstützt Projekte zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Infos
unter www.herzstiftung.de

Herzstiftung legt Jahresbericht 2021 vor
Trotz der Covid-19-Pandemie blickt die Herzstiftung auf ein erfolgreiches
Jahr mit einer Vielzahl an Aktivitäten und Projekten zurück
(www.herzstiftung.de/jahresbericht). So konnten etwa in der bundesweiten
Aufklärungsaktion (Herzwochen) rund 500 Informationsveranstaltungen
(Online- und Präsenz) zur Volkskrankheit Bluthochdruck stattfinden. Mit
dem Präventionsprogramm „Skipping Hearts – Seilspringen macht Schule“ für
GrundschülerInnen fanden bundesweit rund 1.000 Workshops an Schulen statt.
Die Herzstiftung förderte im Jahr 2021 etwa 80 Projekte, Stipendien und
Wissenschaftspreise in der Herz-Kreislaufforschung. Rund 12 Millionen
NutzerInnen besuchten 2021 die Website der Herzstiftung, um sich über
Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu informieren.

Mehr als 4 Millionen Euro für die Herzforschung
Der Bedarf an Forschungsförderung und Hilfsangeboten für Herz-Kreislauf-
Patienten wächst. Die Deutsche Herzstiftung stellte gemeinsam mit der von
ihr 1988 gegründeten Deutschen Stiftung für Herzforschung ein
Fördervolumen von insgesamt 4,15 Mio. Euro (2020: 3,36 Mio. Euro) für
Wissenschaftsprojekte und Forschungsvorhaben in der Kardiologie,
Kinderkardiologie und Herzchirurgie bereit und erhöhte damit erneut die
Fördermittel. Darüber hinaus wurden im Jahr 2021 eine Vielzahl von
patientennahen Forschungsvorhaben auf dem gesamten Gebiet der Herz-
Kreislauf-Erkrankungen gefördert. Infos: www.herzstiftung.de/jahresbericht
An ihrem Kurs des intensivierten Förderns der Herzforschung hält die
Herzstiftung auch im laufenden Jahr 2022 fest und stellt eine Million Euro
für innovative Forschungsprojekte zur Volkskrankheit Vorhofflimmern zur
Verfügung, um den dringlichen Bedarf in der Forschung zur häufigsten
anhaltenden Herzrhythmusstörung zu unterstützen.

Entwicklung stabil trotz Corona-Pandemie
Die Förderung patientennaher Forschung und die umfangreiche
Aufklärungsarbeit der Deutschen Herzstiftung ist nur möglich dank der
finanziellen Unterstützung ihrer Mitglieder, ihrer großzügigen Förderinnen
und Förderer sowie aufgrund von Erbschaften und Vermächtnissen. Trotz der
schwierigen Gesamtsituation konnte die Herzstiftung in 2021 ein gutes
Finanzergebnis erreichen. Erträgen in Höhe von 15,98 Mio. Euro (2020:
16,84 Mio. Euro) standen Aufwendungen in Höhe von 13,47 Mio. Euro (2020:
11,96 Mio. Euro) gegenüber. Die Zahl der Mitglieder konnte mit 106.535 zum
Jahresende 2021 auf einem stabilen Niveau gehalten werden (2020: 107.607).

Deutsche Herzstiftung fordert Nationale Herz-Kreislauf-Strategie
Mit Abstand sterben weiterhin die meisten Menschen – weit vor
Krebserkrankungen – an den Folgen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.
Angesichts der anhaltend hohen Sterblichkeit und Erkrankungshäufigkeit
durch Herzkrankheiten in Deutschland ist eine nationale Strategie für eine
bessere medizinische Versorgung und mehr innovative Forschung auf dem
Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen dringend notwendig. Gemeinsam mit
den herzmedizinischen Fachgesellschaften fordert die Herzstiftung daher
eine Nationale Herz-Kreislauf-Strategie zur Senkung der kardiovaskulären
Sterblichkeit und besseren Prognose für Herzpatienten. Als ersten Schritt
dazu gründete die Herzstiftung 2021 auf Initiative der der ehemaligen
Bundes-Patientenbeauftragten Prof. Dr. Claudia Schmidt und gemeinsam mit
medizinischen Fachgesellschaften das Aktionsbündnis „Beherzt Handeln“, das
einen Entwurf für eine Nationale Herz-Kreislauf-Strategie mit konkreten
Vorschlägen ausarbeitete mit der Forderung an die Politik, diese in den
Koalitionsvertrag der Bundesregierung aufzunehmen (Infos:
www.herzstiftung.de/pressemitteilung/beherzt-handeln).

Der Jahresbericht 2021 der Deutschen Herzstiftung steht kostenfrei zum
Download (PDF) zur Verfügung unter www.herzstiftung.de/jahresbericht oder
ist in Print-Form erhältlich unter Tel. 069 955128400.

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25 Jahre im Dienste der Kindergesundheit

Die Stiftung Kindergesundheit setzt sich mit wissenschaftlich evaluierten
Programmen für die Prävention im Kindes- und Jugendalter ein. Warum das
Thema mentale Gesundheit aktuell besonders im Fokus steht und welche
Entwicklungen hier Anlass zur Sorge geben, erklären Expert:innen der
Stiftung.

Fast alle Coronamaßnahmen sind aufgehoben, das Leben scheint für die
meisten Familien wieder in geordneten Bahnen zu verlaufen. Und doch wirft
die Pandemie noch immer einen Schatten auf Kinder und Eltern. Die
seelische Belastung für Heranwachsende ist zwar etwas zurückgegangen, wie
die Hamburger COPSY-Studie jüngst gezeigt hat, sie hat sich aber auf einem
hohen Niveau stabilisiert. Depressive und psychosomatische Symptome,
Ängste und auch Essstörungen kommen weiterhin häufiger vor als vor Corona.
Auch die Eltern sind noch immer erschöpft. Ihnen steckt die Belastung von
zwei Jahren Ausnahmezustand in den Knochen.

„Umso wichtiger ist es, die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen und
ihren Familien zu erkennen und zu verstehen und niemanden mit dem Gefühl
der Überforderung allein zu lassen“, sagt die ärztliche Direktorin des
Heckscher Klinikums für Kinder- und Jugendpsychiatrie Priv.-Doz. Dr.
Katharina Bühren. Sie ist jüngst dem Vorstand der Stiftung
Kindergesundheit beigetreten. Die in München beheimatete Stiftung feiert
2022 ihr 25-jähriges Jubiläum und hat sich vorgenommen, sich dem Thema
Psyche in diesem Jahr mit besonderer Aufmerksamkeit zu widmen.

Frau Dr. Bühren, jüngsten Meldungen der DAK-Gesundheit zufolge wurden in
den Krankenhäusern 60 Prozent mehr Mädchen und Jungen aufgrund einer
Adipositas behandelt als im Vorjahr. Auch bei starkem Untergewicht sowie
Magersucht und Bulimie sollen die Zahlen zugenommen haben.

Können Sie diese Entwicklung aus Ihrer Berufspraxis bestätigen? Wie können
Sie sich diesen Anstieg erklären?

Ja, das deckt sich definitiv mit unserem Eindruck. Die Zahl der
Neudiagnosen bei den Kindern und Jugendlichen ist deutlich angestiegen –
ca. 40 Prozent. Ich denke, es gibt mehrere Gründe für dieses Phänomen. Zum
einen bedeutete die Pandemie für viele Heranwachsende Stress, Angst und
ein Gefühl des Kontrollverlusts. Für manche von ihnen wurde dann die
Regulierung des Essverhaltens zu einem Weg die Kontrolle zurückzuerlangen,
zu einer Art Stressbewältigungsstrategie. Die Kontrolle über Essen und
Gewicht in Zeiten der Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen haben
einigen Kindern und Jugendlichen eine Tagesstruktur und auch Halt gegeben.
Kinder und Jugendliche, die vorher schon Schwierigkeiten hatten, sind
während der Corona-Pandemie vermehrt unter Druck gekommen. Auch die
intensivere Beschäftigung mit sozialen Medien während des Lockdowns kann
dazu beigetragen haben. Junge Menschen haben sich noch exzessiver mit dem
eigenen Körper beschäftigt und waren dem Eindruck von falschen
Körperbildern auf Instagram, Tiktok und Co. noch intensiver ausgesetzt.
Hinzu kommt, dass der Zugang zu diesen Medien immer früher erfolgt.

Wo finden betroffene Kinder und Jugendliche und ihre Familien Hilfe?

Eltern, die sich um ihr Kind Sorgen machen, sollten unbedingt das Gespräch
mit ihm suchen und dranbleiben, auch wenn erst einmal alles geleugnet
wird. Parallel sollten sie sich an Menschen wenden, die professionell zu
dem Thema beraten können. Erste Ansprechpartner:innen können
Beratungsstellen, Hausärzt:innen oder Kinderärzt:innen sein.

Gibt es etwas, das man aktiv als Eltern tun kann um Essstörungen
vorzubeugen?

Da gibt es leider kein Patentrezept. Bei Essstörungen gibt es häufig keine
klare Ursache, sondern lediglich begünstigende Faktoren. Einzeln
betrachtet sind sie nicht für eine Essstörung verantwortlich, aber wenn
mehrere von ihnen zusammenkommen, kann das Risiko erhöht sein. Generell
können Eltern Kinder dabei unterstützen, ein gesundes Selbstbewusstsein
und Körpergefühl zu entwickeln. Eine ausgewogene Ernährung mit gemeinsamen
Mahlzeiten sind hier förderlich. Über falsche Schönheitsideale in sozialen
Medien sollten Eltern frühzeitig das Gespräch suchen. Vor ihren Kindern
sollten sie niemals abwertend über ihren eigenen Körper sprechen.

Anna Philippi ist Politikwissenschaftlerin und verfügt über langjährige
Erfahrung im Bereich der Gesundheitspolitik und politischen Kommunikation.
Im Februar hat sie die Leitung Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation
der Stiftung Kindergesundheit übernommen.

Frau Philippi, welche Rolle spielt die Kommunikationsarbeit im
Zusammenhang mit diesen Themen?

Ich denke, Aufklärung ist hier essentiell. Kinder müssen wissen, dass man
sich Hilfe holen kann, wenn es einem nicht gut geht. Eltern sollten für
die Alarmsignale sensibilisiert sein, die auf eine Störung der psychischen
Gesundheit ihres Kindes hindeuten. Zielgruppe der Kommunikation unserer
Stiftung sind aber auch Pädagog:innen, Medien und nicht zuletzt die
Politik. Um Prävention in den Bereichen psychische Gesundheit und
Ernährung zu stärken, braucht es strukturelle Veränderungen, für die viele
kleine Schritte auf vielen Ebenen nötig sind. Wir müssen Erkenntnisse aus
der Wissenschaft so kommunizieren, dass politische Entscheider:innen einen
Handlungsbedarf erkennen und an den großen Stellschrauben drehen.

Wie kann man dem Thema mehr Aufmerksamkeit verleihen um Prävention zu
fördern?

Leider zeigt sich immer wieder, dass Kinder eine sehr schwache Lobby
haben. Um Gehör zu finden, ist es hilfreich, wenn sich verschiedene Player
zusammentun. Deswegen haben wir beispielsweise zusammen mit anderen
Organisationen, die sich dem Wohlergehen von Kindern widmen, eine
Kindergesundheitsagenda ins Leben gerufen. Im Herbst wollen wir erstmalig
einen eigenen Kindergesundheitsbericht veröffentlichen und an die Politik
geben. Zum Thema psychische Gesundheit oder sozioökonomische Disparität
werden hier aktuelle Daten aus verschiedenen Forschungseinrichtungen
einfließen.

Wir wissen, dass gerade die psychotherapeutische und psychiatrische
Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland vor massiven
Problemen steht.
Welchen Herausforderungen muss die Politik hier am dringendsten begegnen?

Es gibt eine sehr große Nachfrage nach Therapieplätzen, die Wartelisten
sind lang. Manchmal müssen Kinder etliche Monate warten, ehe sie mit der
Behandlung beginnen können. Hier müssen schnell pragmatische Lösungen her.
Privatpraxen oder in Kliniken tätige Kinder- und
Jugendpsychotherapeut:innen und -psychiater:innen könnten kurzfristig mit
ins Boot geholt werden. Langfristig braucht es aber sowohl mehr
Zulassungen als auch Präventionsmaßnahmen. Dazu gehören auch staatliche
Investitionen in Schulpsycholog:innen und Sozialarbeiter:innen.

Die Stiftung Kindergesundheit befasst sich mit den Auswirkungen der
Pandemie auf das gesunde Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen und
startete unlängst eine eigene Umfrage zum Thema Kindergesundheit in Zeiten
von Corona mit 1000 Kindern im Alter bis 14 Jahren.

Prof. Dr. Berthold Koletzko, Kinder und Jugendarzt am Dr. von Haunerschen
Kinderspital der Universität München, Gründer und Vorstand der Stiftung
Kindergesundheit, erklärt, was die Studie gezeigt hat.

Welche Ergebnisse konnte die Umfrage generieren?

Auf der einen Seite haben wir gesehen, dass zu Zeiten von Homeoffice und
Homeschooling zu Hause mehr gekocht und deshalb häufiger Gemüse, Obst und
gesunde Lebensmittel gegessen wurden, zumindest in Familien mit höherem
Sozialstatus. Auf der anderen Seite haben sich die Kinder und Jugendlichen
deutlich weniger bewegt. Viele haben an Gewicht zugenommen.
Besorgniserregend ist die Tatsache, dass in dieser Zeit die
sozioökonomische Disparität massiv zugenommen hat. Weniger privilegierte
Kinder hatten ein 2,5-faches Risiko für eine Gewichtszunahme als solche
aus gut situierten Familien.

Wie kann man das Thema gesunde Ernährung im Alltag zu Hause trotz der
Mehrfachbelastung, unter der Eltern noch immer leiden, umsetzen?

Wenn es irgendwie geht, sollte man selbst kochen. Das können ganz
einfache, günstige Gerichte sein, wie Pellkartoffeln mit Quark und
Rohkost. Fertigprodukte sollte man vermeiden, von sogenannten
„Kinderlebensmitteln“ und süßen Getränken die Finger lassen. Beim Kauf von
abgepackten Produkten sollte man bevorzugt solche auswählen, die eine
grüne NutriScore-Auszeichnung tragen (NutriScore A oder B). Damit ist
schon viel getan. Man kann versuchen, die Kinder in das Kochen mit
einzubeziehen. Aber natürlich liegt hier ein strukturelles Problem vor,
wenn Eltern so überlastet sind. Die Verantwortung kann nicht allein bei
den Familien liegen. Die Politik ist hier gefragt. Zum Beispiel sollte sie
für eine qualitativ hochwertige Ernährung in der Schule und im
Kindergarten sorgen. Es ist mitunter erschreckend, was in einem reichen
Land wie Deutschland unseren Kindern zum Mittagessen vorgesetzt wird.

Welche Programme hat die Stiftung zur Prävention im Bereich der Ernährung
entwickelt?

Unser Präventionsprogramm „DIE RAKUNS – Das gesunde Klassenzimmer“ fördert
die Gesundheit von Grundschulkindern auf vielen Ebenen und verbessert ihr
Gesundheitsverhalten. Das Programm ist wissenschaftlich evaluiert und
läuft mittlerweile bundesweit in über 4100 Schulen sehr erfolgreich. Unser
Programm „Tigerkids“ fördert Bewegung und gesunde Ernährung in
Kindertageseinrichtungen, um Übergewicht vorzubeugen. Es ist ebenfalls
wissenschaftlich fundiert und wird mittlerweile von 2500 Kindergärten und
Kitas genutzt. Das Programm zielt sowohl auf das Verhalten des einzelnen
Kindes als auch auf gesundheitsfördernde Bedingungen im Kindergarten ab.
Außerdem entwickeln wir ein neues Programm, das die Wechselwirkung
zwischen Kindergesundheit und planetarer Gesundheit in den Fokus nimmt.
Ziel ist, dass Kinder einen gesundheitsförderlichen und gleichzeitig
umweltbewussten Lebensstil entwickeln. Und dann legen wir „Powerkids“ neu
auf, ein Schulungsprogramm für übergewichtige Kinder und Jugendliche, das
nun digitalisiert wird.

Wie kann man das Bewusstsein der Kinder für ein gesundes Essverhalten
schärfen?

Essen muss Spaß machen. Nahrungsmittel zuzubereiten ist eine sinnliche
Erfahrung. Das müssen Kinder erleben dürfen. Dazu braucht es Vorbilder -
und Zeit. Wenn Eltern dies beides nicht leisten können, muss zumindest in
der Kita und Schule gegengesteuert werden.

Die Stiftung Kindergesundheit wird sich auch in Zukunft dafür einsetzen,
die Gesundheit von Kindern durch Präventionsarbeit zu stärken - ob im
Settingbereich von Schulen und Kindergärten, in Informationsmaßnahmen für
die breite Öffentlichkeit oder im wissenschaftlich-politischen Umfeld im
Rahmen des Kindergesundheitsberichts. Ihr Ziel ist es, Erkenntnisse aus
der Wissenschaft für die Praxis nutzbar zu machen – durch evidenzbasierte
Programme und Maßnahmen. In ihrem Jubiläumsjahr hat sich die Stiftung
einiges vorgenommen. „25 Aktionen für 25 Jahre Stiftungstätigkeit“ – so
lautet das Motto. Mit einem Kunstprojekt für Kinder und Jugendliche zum
Thema gesunde Ernährung wird die Stiftung zum Beispiel am JuKi Festival in
München vertreten sein. Aber auch die Themen Gesundheit & Klimaschutz,
Bewegung und mentale Gesundheit werden weiter vorangebracht.

Unter dem Motto „25 EURO für 25 Jahre“ hat jeder die Möglichkeit die
Arbeit der Stiftung Kindergesundheit zu unterstützen. Mehr dazu unter
www.kindergsundheit.de.

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Rheuma und kardiovaskuläres Risiko: EULAR präzisiert Therapieempfehlungen bei der rheumatoiden Arthritis

Die Therapie der rheumatoiden Arthritis wird kontinuierlich
weiterentwickelt. Neuere Erkenntnisse zur Verträglichkeit von bislang
verordneten Rheuma-Medikamenten haben nun zu einer Überarbeitung der
Therapieempfehlungen der European Alliance of Associations for
Rheumatology (EULAR) geführt: Um das kardiovaskuläre Risiko für
Patient:innen zu minimieren, sollen Glukokortikoide nur in sehr geringer
Dosis und zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Auch für die
Medikamentengruppe der Januskinase-Inhibitoren gibt die EULAR neue
Anwendungshinweise. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.
(DGRh) begrüßt die Anpassung der EULAR-Empfehlungen.

Sie finden diese Meldung auch online unter:
<https://www.dgrh.de/Start/DGRh/Presse/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen/2022
/Pressemitteilung-Nr.-6-2022.html
>

Zum Zeitpunkt der Diagnose „rheumatoide Arthritis“ (RA) leiden die
Betroffenen häufig bereits unter ausgeprägten Beschwerden: Gelenke im
ganzen Körper sind schmerzhaft entzündet, die Lebensqualität ist deutlich
eingeschränkt. Weil die Wirkung der Basistherapie mit so genannten
konventionellen, synthetisch hergestellten DMARDs (Disease Modifying Anti-
Rheumatic Drugs) wie z.B. Methotrexat nur verzögert einsetzt, werden diese
zunächst mit Glukokortikoiden (Kortison-Präparate) kombiniert. Diese
unterdrücken die Entzündung rasch, lindern die Krankheitssymptome sofort
und überbrücken somit die Zeit bis zur Wirkung der Basismedikamente.
„Glukokortikoide haben jedoch ein breites Spektrum an möglichen
unerwünschten Wirkungen, vor allem wenn sie über eine längere Zeit oder in
hoher Gesamtmenge eingenommen werden“, sagt Prof. Dr. med. Andreas Krause,
Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Präsident der DGRh. „Im
Hinblick auf kardiovaskuläre – also das Herz und Gefäßsystem betreffende –
Ereignisse zählen u.a. Herzinfarkt, Schlaganfall, entgleister
Bluthochdruck und Thrombosen dazu.“ Daher achten Rheumatolog:innen sehr
darauf, Glukokortikoide nur so kurz wie möglich und so niedrig wie nötig
zu dosieren. Dies wird in den EULAR-Empfehlungen nun noch einmal
konkretisiert. Die aktuelle Empfehlung der EULAR (2022) zum Ausschleichen
der begonnenen Glukokortikoid-Therapie wurde gegenüber der vorherigen
Empfehlung aus dem Jahr 2019 insofern verschärft, als dass Glukokortikoide
nicht nur so schnell wie möglich reduziert, sondern reduziert und dann
abgesetzt werden sollen. Diese überarbeitete Empfehlung stimmt mit der
Leitlinie der DGRh überein, welche bereits 2018 empfahl, dass die
Glukokortikoid-Therapie auf drei bis sechs Monate beschränkt werden soll.
„Dies impliziert, dass auch sehr geringe Dosen von weniger als fünf
Milligramm pro Tag demnach nicht als Dauertherapie gegeben, sondern weiter
reduziert und abgesetzt werden sollen“, so Krause. Denn für das
kardiovaskuläre Risiko sei nicht nur die tägliche, sondern auch die im
Laufe der Zeit eingenommene Gesamtmenge an Glukokortikoiden
ausschlaggebend.

Aktualisiert hat die EULAR auch die Empfehlungen zu den so genannten
Januskinase-Inhibitoren (JAK-Hemmer). Diese noch junge Gruppe von
synthetisch hergestellten DMARDs (tsDMARDs) blockiert die für
Entzündungsprozesse wichtigen Enzyme der Familie der Januskinasen. „Zu
diesen Wirkstoffen sind in den vergangenen Monaten teils widersprüchliche
Studienergebnisse publiziert worden“, sagt Krause. Vor allem die von der
US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA in Auftrag gegebene ORAL
Surveillance Studie habe Fragen zur Sicherheit des JAK-Hemmers Tofacitinib
bei Patienten mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko aufgeworfen. An
der Studie hatten über 4300 Patienten, die an einer RA erkrankt waren und
das 50. Lebensjahr überschritten hatten, teilgenommen. Bei den
Studienteilnehmer:innen, die Tofacitinib erhielten, traten geringfügig
häufiger schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse auf – etwa Herzinfarkte
oder Schlaganfälle – als in einer Vergleichsgruppe von Patient:innen, die
mit einem TNF-Blocker behandelt wurde. Auch Lungenkrebserkrankungen waren
unter Tofacitinib etwas häufiger. „Diese Effekte sehen wir in
Registerdaten allerdings nicht“, betont Krause und verweist auf eine
kürzlich publizierte Auswertung des deutschen RABBIT-Registers. Hier war
die Einnahme von JAK-Hemmern nicht mit einem höheren Herz-Kreislauf-Risiko
verbunden.
Auch die EULAR-Empfehlung rät von JAK-Inhibitoren daher nicht generell ab.
In ihrem angestammten Einsatzgebiet – als Zweitlinientherapie, wenn
konventionelle DMARDs nicht ausreichend ansprechen – können sie weiterhin
gegeben werden, so die EULAR. In der Abwägung gegenüber dem Einsatz von
Biologika müssen dabei die einschlägigen Risikofaktoren (u.a. die
kardiovaskulären und infektiologischen Risikofaktoren) besonders
berücksichtigt werden.

„Solche individuellen Risikofaktoren spielen bei jeder
Therapieentscheidung eine wichtige Rolle“, sagt PD Dr. med. Jan Leipe,
Sektionsleiter Rheumatologie am Universitätsklinikum Mannheim. Das gelte
auch für andere Risiken und Begleiterkrankungen, die bei RA-Patienten
vermehrt auftreten, wie etwa Osteoporose, Infektionen, Krebs oder
Depressionen, so Leipe, der die Entwicklung der neuen DGRh-Leitlinie zu
kardiovaskulären Komorbiditäten bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen
koordiniert. Generell gelte es, individuelle Risikofaktoren zu
identifizieren, die Patient:innen über deren Bedeutung für die RA-Therapie
aufzuklären und gemeinsam zu einer Therapieentscheidung zu kommen.
„Patienten sprechen unterschiedlich auf medikamentöse Therapien an, und
auch die Nebenwirkungen unterscheiden sich“, ergänzt DGRh-Präsident
Krause. Daraus ergäben sich persönliche Präferenzen, die bei der Wahl der
Behandlung berücksichtigt werden sollten – denn nicht zuletzt sei auch die
Therapietreue entscheidend dafür, wie gut die Erkrankung und mögliche
Komplikationen beherrscht werden könnten. Es sei daher sehr zu begrüßen,
dass auch die neuen EULAR-Empfehlungen die Therapiefreiheit im
Wesentlichen aufrechterhielten.

Bei Abdruck Beleg erbeten.

Literatur:
Meissner Y, Albrecht K, Kekow J, et al. OP0135 RISK OF CARDIOVASCULAR
EVENTS UNDER JANUS KINASE INHIBITORS IN PATIENTS WITH RHEUMATOID
ARTHRITIS: OBSERVATIONAL DATA FROM THE GERMAN RABBIT REGISTER Annals of
the Rheumatic Diseases 2022;81:86-87.

Prof. Dr.  Josef S. Smolen, Update of the EULAR Recommendations on the
management of Rheumatoid Arthritis, EULAR 2022, 1. Juni 2022)

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