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Gesundheit

Ausgekugelte Schulter - OP oder konservative Therapie?

Eine ungünstige Bewegung mit extremer Krafteinwirkung, ein Sturz oder
gegnerischer Kontakt im Sport und schon ist es passiert: die Schulter ist
ausgekugelt. Bei einer Luxation springt ruckartig ein Knochen aus dem
Gelenk. Im Schultergelenk kommt es dann zu starken Schmerzen und
Bluterguss-Bildung. Die Schulter lässt sich nicht mehr bewegen. In der
Regel trifft dieses Phänomen junge, aktive Patienten, die schnell zurück
in ihren Beruf und auch in ihren Sport wollen. Operieren oder konservativ
behandeln ist dann die Frage.

Ob eine Therapie der luxierten Schulter operativ oder konservativ besser
ist und von welchen Faktoren dies abhängt – darüber referiert Prof. Dr.
Sebastian Siebenlist, Sektionsleiter und Chefarzt der Sportorthopädie, TU
München, auf dem 13. Zeulenrodaer Kongress für Orthopädie und
Sportorthopädie (ZKOS).

Am häufigsten betroffen von einer ausgekugelten Schulter sind Patienten
zwischen 20 und 35 Jahren, zum Teil auch jünger, häufig Männer. Die
Verletzungen entstehen bei ihnen meist in den Wurfsportarten, wie
beispielsweise Handball, Basketball, Volleyball oder in den Vollkontakt-
Sportarten, wie Football, Rugby, Judo oder Eishockey.

Eine zweite Gruppe, die häufig betroffen ist, sind die über 70Jährigen.
Hier wird meist durch häusliche Stürze ein Riss der - in die Jahre
gekommenen - Rotatorenmanschette (Gruppe von Muskel- und Sehnensträngen
unter dem Schulterdach) ausgelöst.
„Bei den jungen Patienten ist die Erst-Luxation meist weichteilig, das
heißt Gelenklippe und Kapsel reißen ab. Der Oberarmkopf hat somit keinen
Halt mehr auf der Schultergelenkpfanne und rutscht dann wie ein Ball nach
vorne oder hinten“, erklärt Prof. Siebenlist.

Das Wort Erst-Luxation lässt nicht Gutes ahnen. Und tatsächlich: Studien
zufolge haben unter 30Jährige eine Rezidivrate (wiederholte Auskugelung)
von bis zu 50 Prozent, bis zu einem Alter von 18 Jahren liegt sie sogar
bei bis zu 75 Prozent. Siebenlist: „Das Widerauftreten der Luxation hat
eine hohe Wahrscheinlichkeit, besonders bei den „high-impact“
(Kontakt)-Sportarten. Je nach Alter, Anspruch an das Gelenk und
Morphologie der Verletzung richtet sich dann die Indikation zur OP. Bei
den jungen, aktiven Menschen bringt eine OP sehr gute mittelfristige bis
langfristige Ergebnisse.“

Bei stärkeren Verletzungen, wenn etwa durch einen gegnerischen Anprall an
der Gelenkpfanne auch ein Stück Knochen mit absplittert, sind zur Diagnose
CT und MRT unerlässlich. Wird der Defekt nicht operiert, reibt sich mit
der Zeit der Knochen ab, die Auflageflächen werden immer kleiner,
zunehmend fehlt dann die knöcherne Führung, so Siebenlist.

Eine konservative Therapie kommt heutzutage nur noch bei geringen,
weichteiligen Defekten infrage und – wenn der Patient fast ausschließlich
am Schreibtisch sitzt und auch sonst im Alltag oder Sport einen sehr
niedrigen funktionellen Anspruch an sein Schultergelenk hat.

Primär wird nach Luxation das Gelenk unter einer Schmerzsedierung erst
einmal eingerenkt. Eine Operation erfolgt dann fast ausschließlich
arthroskopisch, also minimalinvasiv über kleinste Schnitte.

Die Ausfallzeit hinterher beträgt in der Regel mind. drei Monate im
Minimum, egal, ob Freizeit- oder Profisportler.  Das Gelenk braucht Zeit
zur Regeneration.

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Schnellere COVID-19-Behandlung möglich: Mediziner fordern zugesicherte Medikamenten-Finanzierung für Kliniken

Die Auslastung mit Corona-Patienten in deutschen Kliniken kann im
kommenden Winter sehr deutlich reduziert werden, wenn der Bund ab sofort
wieder in die Finanzierung der Behandlung mit dem Medikament Remdesivir
einsteigt. Zu diesem Schluss kommen führende Medizin-Fachgesellschaften.

„Bei zugesicherter Kostenübernahme würde Remdesivir – das schwere
COVID-19-Verläufe nachweislich deutlich reduziert – in allen Kliniken
leitliniengerecht eingesetzt werden können. Das führt zu weniger
COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen und so zu mehr Kapazitäten
für andere notwendige Behandlungen“, sagt Professor Torsten Bauer,
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin
(DGP). Zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
sowie der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) kritisiert die
DGP, dass sowohl die gesetzlichen als auch die privaten
Krankenversicherungen Ende 2021 für die Kostenübernahme von Remdesivir auf
den Dienstweg verwiesen und so zu einer Verschärfung der Situation in den
Kliniken beitragen, wenn die Kostenfrage nicht schnellstmöglich geklärt
wird.

Die Kosten für eine frühzeitige Behandlung mit Remdesivir liegen zwischen
2.000 und 3.000 Euro – je nach Therapiedauer. Auf diesen Kosten bleiben
viele Kliniken derzeit sitzen. Denn der Arzneistoff ist als neue
Untersuchungs- und Behandlungsmethode noch nicht im deutschlandweit
geltenden Pauschalabrechnungssystem der Krankenhäuser enthalten, wonach
die Patientenbehandlung nach diagnosebezogenen Fallgruppen vergütet wird.
Für Remdesivir können die Kliniken lediglich einen Antrag auf eine
zeitlich befristete Vergütung bei den Krankenkassen stellen. Allerdings
kann die Bearbeitung Jahre dauern und es gibt keine Garantie für eine
Bewilligung der Gelder. „Mit dieser Unsicherheit können die Kliniken nicht
arbeiten. Qualität und Wirtschaftlichkeit müssen gerade auch in Corona-
Zeiten in Einklang gebracht werden“, sagt Torsten Bauer. Konkret hieße
das: Werden die Kosten für das hochwirksame Remdesivir nicht übernommen,
könnten sich immer mehr Kliniken allein aus wirtschaftlichen Gründen aus
der regulären Versorgung von COVID-19-Patienten abmelden.

Engpass erwartet: Nur ein Drittel aller Kliniken beantragt Remdesivir-
Zuschuss

Schon jetzt sei in vielen Bundesländern zu erkennen, dass immer mehr
Krankenhäuser keine Corona-Patienten mehr aufnehmen – und damit andere
Einrichtungen umso mehr belasten. Engpässe im Winter seien zu erwarten.
Eine konkrete Zahl der Häuser sei derzeit schwer zu erfassen: „Allerdings
ist schon auffällig, dass lediglich rund ein Drittel aller Kliniken für
dieses Jahr einen Zusatzantrag für die Sondervergütung von Remdesivir
gestellt hat. Wer also keine Restbestände des Arzneimittels haben sollte,
wird Remdesivir wohl auch nicht mehr zum Einsatz bringen“, erklärt Bauer.
Eine Anfrage beim Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) der
DGP zeigt auf: von 1.903 Krankenhäusern hatten lediglich 675 Einrichtungen
einen Antrag für die Remdesivir-Vergütung für das Jahr 2022 gestellt. Wer
den Antrag noch nicht gestellt hat, muss nach aktueller Regelung die
Kosten auf jeden Fall selbst tragen – oder eben auf den Einsatz des
Medikamentes verzichten. Die Antragsfrist zur Kostenübernachte durch die
Krankenkassen für das Jahr 2023 läuft am 31. Oktober dieses Jahres ab.

Vorhersehbar: Ohne Finanzierung fehlen im Winter die
Behandlungskapazitäten

Für die klinisch tätigen Ärztinnen und Ärzte ist das Szenario
vorhersehbar: „Wird die Finanzierung von antiviralen Mitteln wie
Remdesivir vom Bund nicht schnellstmöglich zugesichert, werden es immer
weniger Kliniken einsetzen. Das führt wieder zu mehr schwerwiegenden
Coronafällen und mehr Patienten, die wesentlich länger im Krankenhaus
behandelt werden müssen. Das belastet wiederum zwangsläufig die
Intensivstationen und nimmt Behandlungskapazitäten für andere
Krankheitsfälle“, sagt Torsten Bauer. „Und wir gehen davon aus, dass in
diesem Winter die Zahl schwerer akuter respiratorischer Infektionen – zum
Beispiel Atemwegsinfekte durch Bakterien wie Pneumokokken und
Influenzaviren – wieder steigen wird“, so der Pneumologe.

Leitliniengerechte Therapie ist möglich – mit Medikament von nationaler
Bedeutung

Dabei wollen die Ärztinnen und Ärzte in den Kliniken möglichst allen
betroffenen Patienten eine leitliniengerechte Behandlung zukommen lassen.
Die DGP, DGIM und DGI haben bereits früh in der Corona-Pandemie mit elf
weiteren wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften eine Leitlinie
zur stationären Behandlung von COVID-19-Patienten erarbeitet, die
Empfehlungen über den gesamten Verlauf der stationären Behandlung von
COVID-19 umfasst – von der Aufnahme und Diagnostik über die Therapie bis
hin zum weiteren Krankheitsverlauf. „Diese leitliniengerechte Therapie in
den Krankenhäusern braucht jetzt die zugesicherte Finanzierung von
Remdesivir – im COVID-19-Kontext ist es ein Medikament von nationaler
Bedeutung und gehört bereits diesen Winter in das Behandlungsangebot aller
deutschen Krankenhäuser“, sagt Bauer. Und er ergänzt: „Auch die
Finanzierung von zukünftigen Medikamenten zur COVID-19-Behandlung muss
schon jetzt seitens des Staates gesichert werden – für die ambulante wie
stationäre Behandlung.“ Bauer erinnert daran, dass bei der Abgabe von
wirksamen Corona-Medikamenten wie Paxlovid und Molnupiravir die
Notaufnahmen der Krankenhäuser nicht einbezogen worden sind.

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Post-Covid: Covid-19 hat langfristige Folgen für Herz und Gefäße

Was ist zu Long-/Post-Covid mit Blick auf Herz und andere Organe bekannt
und welche Hilfsangebote für Betroffene gibt es? Herzstiftungs-Experten
informieren

Im dritten Jahr der Corona-Pandemie und bei über 30 Millionen erfassten
Covid-19-Fällen in Deutschland (RKI) zeichnet sich ab, dass viele
Betroffene nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 noch lange Beschwerden
haben wie Herzrasen, Gedächtnisprobleme, Muskelschwäche und -schmerzen
sowie lähmende Erschöpfung. Bis zu 30 Prozent der an Covid-19 Erkrankten
geben nach der Infektion anhaltende Beschwerden an, die sich an ganz
unterschiedlichen Stellen im Körper zeigen, auch am Herzen. Eine US-Studie
fand zum Beispiel nach einem Jahr bei ehemals Covid-Erkrankten ein um über
70 Prozent erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz im Vergleich zu
Nichtinfizierten (1). „Nach den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre ist
das Herz auch über den akuten Infekt hinaus gefährdet, einen Schaden
davonzutragen“, betont Prof. Dr. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender
der Deutschen Herzstiftung. Typische anhaltende Herzbeschwerden, über die
Patienten in der Folge noch weiter klagen, sind dem Kardiologen zufolge
„insbesondere Brustschmerzen, Herzstolpern und Herzrasen, Kurzatmigkeit
sowie eingeschränkte körperliche Belastbarkeit und Schwäche nach
körperlicher Belastung“. Die Krankheitsmechanismen sind unklar; am ehesten
sind Autoimmunreaktionen dafür verantwortlich. Über die langfristigen
Folgen von Covid-19 auf das Herz und was unter Long-/Post-Covid genau zu
verstehen ist, informiert die Herzstiftung unter www.herzstiftung.de/post-
covid-herzschaeden


Long-/Post-Covid: Über 200 Symptome
Inzwischen gibt es etliche Berichte und Studien über anhaltende Symptome
nach Abklingen der eigentlichen Covid-19-Infektion. 200 verschiedene
Symptome, die sich etwa zehn Organsystemen zuordnen lassen, sind
beschrieben worden. Long-Covid hat sich als Überbegriff für anhaltende
Beschwerden nach der Infektion etabliert. Ärzte differenzieren zwischen
einem
- Long-Covid-Syndrom, wenn die Beschwerden länger als vier Wochen
anhalten, und einem
- Post-Covid-Syndrom, wenn die Symptome mehr als zwölf Wochen andauern.
- Chronisches Covid-Syndrom wird häufig als Begriff genutzt, wenn die
Beschwerden sogar mehr als ein halbes Jahr anhalten.

Allerdings: Alter, Vorerkrankungen und Schwere der Covid-19-Erkrankung
sind keine verlässlichen Vorhersage-Parameter für das Risiko von Post-
Covid. Nachgewiesen ist, dass Long-Covid bzw. Post-Covid offenbar Frauen
häufiger trifft. Doch viele weitere Aspekte der Langzeitfolgen sind noch
nicht geklärt.

Wohin kann man sich bei Post-/Long-Covid wenden?
Immer häufiger wenden sich Betroffene mit Beschwerden mehrere Wochen oder
Monate nach einer Covid-Erkrankung an ihren Hausarzt oder an eine der rund
100 Post-Covid-Ambulanzen hierzulande. Die Bandbreite bei über 200
Symptomen, die sich unter dem Oberbegriff „Post-Covid“ sammeln, ist groß
und kann „in individuell unterschiedlichen und phasenweise wechselnden
Konstellationen auftreten“, wie Prof. Dr. Bernhard Schieffer, Direktor der
Klinik für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin am
Universitätsklinikum Marburg (UKGM) berichtet. Er leitet dort auch eine
interdisziplinäre Post-Covid-Ambulanz. Neben Herzbeschwerden klagen die
Patienten dort auch über neurologische und kognitive Symptome wie Seh-
bzw. Konzentrationsstörungen oder Beschwerden der Lunge (Luftknappheit,
Atemnot) sowie Abgeschlagenheit und Erschöpfung, die dem sogenannten
Chronischen Fatigue-Syndrom (CFS) ähneln. Was zu den bisher vermuteten
Ursachen von Long-Covid und Risikofaktoren bekannt ist und welche
Hilfsangebote zur Verfügung stehen, erläutert der aktuelle Podcast „Long-
Covid: Wer leidet besonders unter Langzeitfolgen?“ mit Prof. Schieffer und
seiner Kollegin Dr. Ann-Christin Schäfer unter www.herzstiftung.de
/podcast-longcovid

Langzeitfolgen für Herz und Kreislauf
Gerade Patienten mit einem vorerkrankten Herzen oder Risikofaktoren für
Herzkrankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus sind für schwere
Covid-19-Verläufe besonders gefährdet. US-Wissenschaftler haben sich in
einer großen Studie (1) bei über 150.000 ehemaligen Militärangehörigen mit
überstandener Covid-Erkrankung ein Jahr lang den Gesundheitsstatus
angeschaut. Die Analyse ergab eine deutlich erhöhte Fallzahl an
Vorhofflimmern und anderen Rhythmusstörungen, von koronarer Herzkrankheit
(KHK) und Herzschwäche. So hatten Covid-Patienten nach einem Jahr ein um
72 Prozent höheres Risiko für eine Herzinsuffizienz im Vergleich zu
Kontrollpersonen ohne Infektion. Daraus errechneten die Wissenschaftler,
dass es auf 1.000 Infizierte 12 zusätzliche Fälle von Herzinsuffizienz und
insgesamt 45 zusätzliche Fälle an einer der 20 untersuchten Herzkreislauf-
Erkrankungen insgesamt gab. „Und dieses Risiko war auch bei Patienten
erhöht, die vorher keine Anzeichen für eine Herzerkrankung hatten“,
berichtet der Herzstiftungs-Vorsitzende Voigtländer. Laut einer
schwedischen Studie (2) ist offenbar auch das Risiko für venöse
Thromboembolien nicht nur in der Akutphase, sondern noch Monate nach der
Infektion erhöht – vor allem bei Patienten mit schwerem Covid-19. In
diesem Zusammenhang war vor allem die Gefahr einer Lungenembolie über die
folgenden sechs Monate deutlich erhöht. „Schwer an Covid Erkrankte haben
allerdings generell ein erhöhtes Risiko für Thrombosen und Herz- und
Gefäßerkrankungen, bedingt allein durch die Bettlägerigkeit und durch den
schweren Krankheitsverlauf“, so Voigtländer.

Long-Covid: Was zu Therapie und Schutzmaßnahmen bekannt ist
Die Behandlung von Post-Covid-Beschwerden orientiert sich in der Regel an
der Symptomatik. Etablierte Behandlungsverfahren gibt es bislang nicht.
Kardiologen der US-Fachgesellschaft ACC haben in ihrer Stellungnahme
speziell zu langfristigen Herzbeschwerden allerdings Empfehlungen
zusammengefasst (3). Sie unterscheiden dabei zwei Post-Covid-Formen
(PASC=Post acute sequelae of Covid-19) mit jeweils verschiedenen
Beschwerdebildern, die das Herz betreffen. Beide Formen, das PASC-
cardiovascular syndrome (PASC-CVS) und das PASC-cardiovascular disease
(PASC-CVD) unterscheiden sich grob gefasst darin, dass bei der Therapie
von Patienten mit PASC-CVD – also definierten Herzschäden – die Behandlung
der Herzerkrankung entsprechend den ärztlichen Leitlinien im Vordergrund
steht. Bei der PASC-CVS richten sich die Empfehlungen an der Symptomatik
aus. Beide Formen werden unter www.herzstiftung.de/post-covid-herzschaeden
genauer erläutert.
Was können wir nun tun, um uns vor Long-/Post-Covid zu schützen?
Kardiologe Prof. Schieffer, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der
Deutschen Herzstiftung, verweist auf Schutzmaßnahmen, die bereits für
Covid-19 auch von Experten der US-Amerikanischen Kardiologenvereinigung
ACC für Herz-Kreislauf-Patienten und Ältere mit einem erhöhten Risiko für
schwere Covid-Verläufe empfohlen wurden: „Jeder sollte sein Risikoprofil
optimieren und auf seinen Gesundheitsstatuts achten: regelmäßig mit
Ausdauerbewegung aktiv sein, sich gesund ernähren. Auch sollte man seinen
Immunstatuts durch Impfen gegen SARS-CoV-2, Influenza, Pneumokokken sowie
Herpes Zoster, verbessern. Ältere Menschen sollten auch ihren
Vitamin-D-Spiegel prüfen – und nicht zu vergessen die etablierten
Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln.“
(wi)

Service-Tipp

Weitere Infos zu den Langzeitfolgen von Covid-19 auf das Herz und Long-
Covid unter www.herzstiftung.de/post-covid-herzschaeden

Podcast der Reihe imPULS. Wissen für Ihre Gesundheit: „PostCovid - Wie
Betroffenen mit Covid-Langzeitfolgen geholfen wird“
Im Gespräch mit dem Marburger Kardiologen Prof. Bernhard Schieffer und
seiner Kollegin Dr. Ann-Christin Schäfer, die sich intensiv mit den
Langzeitfolgen von Covid – und in seltenen Fällen – auch einer Impfung
(Post-Vac) auseinandersetzen, geht es darum, was schon zu den Ursachen
bekannt ist und wie bisher Betroffenen geholfen wird (Post-Covid-
Ambulanzen/-Sprechstunden) www.herzstiftung.de/podcast-longcovid

Zusatzmaterial für Redaktionen

Long-Covid: Rund 200 Symptome erfasst und drei Gruppen zugeordnet
Britische Forscher haben die unterschiedlichen Dauerbeschwerden im Zuge
einer Befragung von rund 3.800 Betroffenen erfasst und rund 200 Symptome
zehn Organsystemen zugeordnet (4). 66 Symptome davon hielten mehr als
sieben Monate an und wurden nach Symptomdauer in drei Gruppen aufgeteilt:

1. Symptome vor allem der Atemwege und des Magen-Darm-Bereichs, die früh
im Erkrankungsverlauf auftreten, nach 2-3 Wochen ihren Höhepunkt erreichen
und langsam innerhalb von 90 Tagen abklingen.
2. Symptome insbesondere neuropsychiatrisch und kardiovaskulär, aber auch
Fatigue (übergroße Müdigkeit) und Hauterscheinungen mit z.B. frostbeulen-
ähnlichen Veränderungen an den Zehen, die ihren Höhepunkt etwa sieben
Wochen nach Covid-Beginn erreichen und deutlich langsamer abnehmen.
3. Symptome wie Allergien, Tinnitus, Neuralgien oder die als „Brain Fog“
bezeichneten ausgeprägten Konzentrationsstörungen, die mild beginnen und
nach etwa 10-15 Wochen ihr Maximum erreichen und danach kaum Besserung
aufweisen.

Quellen:
(1) Long-term cardiovascular outcomes of COVID-19Nat. Med. 2022,
doi.org/10.1038/s41591-022-01689-3
(2) Risks of deep vein thrombosis, pulmonary embolism and bleeding after
Covid-19, BMJ February 2022; doi.org/10.1136/bmj-2021-069590
(3) ACC Expert Consensus Decision Pathway on Cardiovascular Sequelae of
COVID-19 in Adults; J Am Coll Cardiol. März 2022; DOI:
10.1016/j.jacc.2022.02.003
(4) Characterizing long COVID in an international cohort: 7 months of
symptoms and their impact,E Clinical Med 2021; online 15. Juli;
doi.org/10.1016/j.eclinm.2021.101019
Weitere: https://www.acc.org/~/media/665AFA1E710B4B3293138D14BE8D1213.pdf

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Renommierte Preise für Multiple-Sklerose-Forschung verliehen

Die Sobek Stiftung hat jetzt ihre Preisträger der Jahre 2020 bis 2022 in
einem gemeinsamen Festakt in der Stuttgarter Musikhochschule geehrt. Der
Sobek Forschungspreis, mit einer Dotierung von 100.000 Euro die europaweit
höchste Auszeichnung auf dem Gebiet der Multiple-Sklerose-
Grundlagenforschung, wurde an zwei Preisträger verliehen, den mit jeweils
15.000 Euro dotierten Nachwuchspreis erhielten drei Preisträger. So sind
die im Rahmen des Festakts vergebenen Auszeichnungen für klinische und
experimentelle Forschung auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose (MS) mit
Preisgeldern in Höhe von insgesamt 245.000 Euro verbunden.

Die Roman, Marga und Mareille Sobek Stiftung ehrte pandemiebedingt ihre
Preisträger der Jahre 2020 bis 2022 in einem gemeinsamen Festakt in der
Stuttgarter Musikhochschule. Der Sobek Forschungspreis ist mit einer
Dotierung von 100.000 Euro die europaweit höchste Auszeichnung auf dem
Gebiet der Multiple-Sklerose-Grundlagenforschung und wird für eine
Lebensleistung verliehen. Preisträger des Jahres 2021 ist Prof. Dr. med.
Alexander Flügel, Direktor des Instituts für Neuroimmunologie und
Multiple-Sklerose-Forschung an der Universitätsmedizin Göttingen. Zum
Preisträger des Jahres 2020 hatte der wissenschaftliche Beirat der
Stiftung Prof. Alan J. Thompson vom Queen Square Institute of Neurology,
Dekan der Faculty of Brain Sciences am University College London, gewählt.
Mit Nachwuchspreisen für das Jahr 2022 und jeweils 15.000 Euro Preisgeld
würdigte die Sobek Stiftung die Forschungsarbeiten von Prof. Dr. Anne-
Katrin Pröbstel, Leitende Ärztin in der Neurologie am Universitätsspital
Basel und Forschungsgruppenleiterin an den Departmenten Biomedizin und
Klinische Forschung sowie dem Research Center for Clinical Neuroimmunology
and Neuroscience der Universität Basel, und Prof. Dr. Lucas Schirmer,
Geschäftsführender Oberarzt und Leiter der Sektion für Neuroimmunologie an
der Neurologischen Universitätsklinik Mannheim. Den Nachwuchspreis 2020
erhielt Privatdozent Dr. Benjamin Knier von der Klinik und Poliklinik für
Neurologie des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität
München (TUM). Die jährliche Preisverleihung findet in Zusammenarbeit mit
AMSEL e.V., Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG,
und DMSG-Bundesverband sowie unter Schirmherrschaft des Ministeriums für
Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg statt.

Sobek Forschungspreis 2021 für Einblicke in das Immungeschehen direkt am
Entzündungsort

Prof. Dr. med. Alexander Flügel, Sobek Preisträger des Jahres 2021, ist
international anerkannter Experte in der Grundlagenforschung zur
Entstehung und Entwicklung der Multiplen Sklerose in Bezug auf
immunologische Reaktionen (Immunpathogenese). Seine bahnbrechenden Ansätze
zur Mikroskopie an lebenden Organismen (Intravitalmikroskopie) schafften
die Voraussetzungen zur direkten Beobachtung von autoimmunologischen
Prozessen im zentralen Nervensystem (ZNS) bei experimentellen
Krankheitsmodellen der MS. Seine vielfältigen Erkenntnisse haben zu neuen
Sichtweisen der MS-Immunpathogenese geführt und haben das Potenzial, die
verschiedenen Stadien der Krankheitsprozesse klarer abgegrenzt zu
definieren, um sie therapeutisch effizienter zu beeinflussen.

Es gelang ihm als erstem, die Bewegungsmuster krankmachender (pathogener)
T-Zellen bis zur Überwindung der Blut-Hirn-Schranke darzustellen. Seine
Methode erlaubt den direkten Blick auf das Geschehen an den
Entzündungsorten im ZNS. Erstaunlich auch seine Entdeckung, dass
autoaggressive T-Zellen fast mühelos durch das dichte Nervengewebe
manövrieren können, bis sie auf lokale Makrophagen treffen und von diesen
aktiviert werden. Dies führt zu einer immunologischen Kettenreaktion, die
letztendlich den Beginn der Krankheit markiert. Prof. Flügel forscht und
lehrt an der Universität Göttingen.

Sobek Forschungspreis 2020 für Meilensteine in der Diagnostik der
progredienten MS

Alan Thompson leistete Pionierarbeit bei der Aufklärung der besonders
schwer verlaufenden und bis heute nur begrenzt therapierbaren primär
progredienten Form der MS. Er hat entscheidend dazu beigetragen, die lange
Jahre gültigen McDonald-Kriterien der verschiedenen MS-Verlaufsformen zu
erweitern und für Neurologen weltweit verbindlich zu definieren. Diese
erweiterten „McDonald-Kriterien“ bilden die Basis für die klinischen
Therapiestudien der letzten zwei Jahrzehnte, die einen differenzierteren
Einsatz der modernen Therapie-Optionen ermöglicht haben.

Ministerialdirektor Dr. Hans J. Reiter, Amtschef des Ministeriums für
Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, würdigte die
Preisträger in seinen Laudationes: „Ihre Arbeiten sind wichtige
Puzzleteile, um die Krankheit Multiple Sklerose, ihre Entstehung und ihre
Mechanismen zu erkennen und zu verstehen. Auf Ihrer Arbeit, auf den
Ergebnissen Ihrer Forschungen ruht die Hoffnung von 2,5 Millionen MS-
Kranken weltweit, die heute noch mit der unberechenbaren Erkrankung leben
müssen. Auch dank Ihrer Forschungen wird diese Krankheit hoffentlich eines
Tages heilbar sein. Die Verleihung des Sobek Forschungspreises für Ihre
Lebensleistung unterstreicht die Bedeutung Ihrer Forschung und Ihrer
herausragenden wissenschaftlichen Arbeit und unterstützt mit dem Preisgeld
Ihr weiteres Engagement."

Sobek Nachwuchspreise der Jahre 2020 und 2022

Mit den diesjährigen Nachwuchspreisen wurde zum einen Prof. Dr. Anne-
Katrin Pröbstel für ihre wissenschaftliche Arbeit im Bereich der B-Zell-
vermittelten Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems
ausgezeichnet. Zum anderen ihr Kollege und bisweilen Co-Autor von
wissenschaftlichen Arbeiten, Prof. Dr. Lucas Schirmer. Ihm gelang es unter
Anwendung der neuesten Techniken von Einzelzellsequenzierungsverfahren,
neue zelltypspezifische Krankheitsmechanismen zu identifizieren. Ziel der
Arbeiten beider Nachwuchspreisträger ist ein besseres
Krankheitsverständnis der MS und die Identifizierung neuer potenziell
therapeutischer Zielstrukturen im Gewebe.

2020 hatte die Sobek Stiftung Privatdozent Dr. Benjamin Knier von der
Klinik und Poliklinik für Neurologie des Klinikums rechts der Isar der
Technischen Universität München (TUM) mit dem Nachwuchspreis
ausgezeichnet. Ihm war mittels Optischer Kohärenztomografie (OCT) der
Nachweis gelungen, dass bereits im Vorstadium der MS sichtbare
Veränderungen der Netzhaut auftreten, die Hinweise auf den späteren
Krankheitsverlauf geben können.

Die Sobek Stiftung verleiht ihre Forschungspreise jährlich auf Vorschlag
eines wissenschaftlichen Beirates. Beim diesjährigen Festakt ehrte die
Stiftung erneut führende Wissenschaftler, die mit ihren
Forschungsergebnissen neue Perspektiven für die Diagnose und Therapie der
MS als Autoimmunerkrankung eröffnen. Seit dem Jahr 2000 investierte die
Sobek Stiftung mehr als 2,8 Millionen Euro zugunsten der MS-
Grundlagenforschung.

Hintergrund-Informationen

Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste Erkrankung des
Zentralnervensystems. Aus bislang noch unbekannter Ursache werden die
Schutzhüllen der Nervenbahnen an unterschiedlichen Stellen angegriffen und
zerstört, Nervensignale können in der Folge nur noch verzögert oder gar
nicht weitergeleitet werden. Die Symptome reichen von Taubheitsgefühlen
über Seh-, Koordinations- und Konzentrationsstörungen bis hin zu
Lähmungen. Die bislang unheilbare, aber mittlerweile behandelbare
Krankheit bricht gehäuft zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr aus. In
Deutschland leiden rund 250.000 Menschen an MS. Weltweit sind
schätzungsweise 2,8 Millionen Menschen an MS erkrankt.

Roman, Marga und Mareille Sobek Stiftung
Mit dem Sobek Forschungspreis der Stiftung aus Renningen, Baden-
Württemberg, werden jährlich seit dem Jahr 2000 richtungsweisende
Leistungen von Wissenschaftlern an Hochschulen und außeruniversitären
Forschungseinrichtungen im Bereich der Multiplen Sklerose und der
dazugehörenden Grundlagenforschung ausgezeichnet. Entscheidungskriterien
sind allein Qualität und Exzellenz der Forschungsleistung. Es kann sowohl
eine außerordentliche wissenschaftliche Einzel- als auch eine
Gesamtleistung gewürdigt werden. Darüber hinaus kann ein Nachwuchspreis
verliehen werden.
Die Sobek Stiftung verleiht ihren Forschungspreis auf Vorschlag eines
wissenschaftlichen Beirates in Zusammenarbeit mit der AMSEL, Aktion
Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg
e.V. und der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V.
(DMSG). Die Schirmherrschaft für die Preisverleihung hat das Ministerium
für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg.
Die Sobek Stiftung wird wird vom Deutschen Stiftungszentrum (DSZ) im
Stifterverband verwaltet.

AMSEL e.V.
Die AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in
Baden-Württemberg e.V. ist professioneller und unabhängiger Fachverband,
Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung für MS-Kranke in Baden-
Württemberg. Die Ziele der AMSEL: MS-Kranke informieren und ihre
Lebenssituation nachhaltig verbessern. Dazu hat AMSEL ein umfangreiches
Dienstleistungsangebot aus individueller Beratung, aktuellen Informationen
und Austausch auf www.amsel.de und den AMSEL-eigenen sozialen Plattformen,
Veranstaltungen und umfangreichen Publikationen erarbeitet. Der AMSEL-
Landesverband hat rund 7.400 Mitglieder und über 60 AMSEL-Gruppen in ganz
Baden-Württemberg. Schirmherrin der AMSEL war von 1982 bis 2022 Ursula
Späth. Mehr unter http://www.amsel.de.

DMSG, Bundesverband e.V.
Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft mit Bundesverband, 16
Landesverbänden und derzeit rund 830 örtlichen Kontaktgruppen ist eine
Gemeinschaft von MS-Erkrankten, ihren Angehörigen, knapp 4.000 engagierten
ehrenamtlichen Helfern und 290 hauptberuflichen Mitarbeitern. Insgesamt
hat die DMSG rund 44.000 Mitglieder. Mit ihren umfangreichen
Dienstleistungen und Angeboten ist sie heute Selbsthilfe- und Fachverband
zugleich, aber auch die Interessenvertretung MS-Erkrankter in Deutschland.
Schirmherr des DMSG-Bundesverbandes ist Christian Wulff, Bundespräsident
a.D. Weitere Informationen unter http://www.dmsg.de.

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