Leise Gefahr Bluthochdruck: Mit Blutdruck-Check vor Risiken schützen
Herzschwäche, Vorhofflimmern, Schlaganfall: Ursache ist häufig ein über
Jahre unbemerkter Bluthochdruck. Wer früh seinen Blutdruck misst und
handelt, kann Herz und Hirn vor Komplikationen schützen – Infopaket zum
Welthypertonietag (17. Mai)
Über 20 Millionen Menschen haben in Deutschland einen hohen Blutdruck, das
ist etwa jeder dritte Erwachsene. Und die Dunkelziffer ist hoch: Jeder
Fünfte weiß nichts von seiner Erkrankung. Und zehn Prozent derer, die von
ihrem hohen Blutdruck wissen, lassen ihn nicht behandeln. Dabei ist
Bluthochdruck keineswegs eine Bagatelle, sondern weltweit der häufigste
und relevanteste Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (1). Ein
dauerhaft unzureichend oder nicht behandelter Bluthochdruck kann zu
Herzerkrankungen wie Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und Vorhofflimmern
oder zu schweren Komplikationen wie Schlaganfall
(Hirnblutung/Hirninfarkt), Herzinfarkt oder Nierenversagen führen. „Hinzu
kommt: Der hohe Blutdruck macht sich nicht unbedingt mit Beschwerden
bemerkbar, obwohl Organe möglicherweise bereits geschädigt sind. Das macht
ihn so tückisch“, warnt der Kardiologe Prof. Dr. Thomas Voigtländer,
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Bei Personen mit
dauerhaft erhöhtem Blutdruck kann sich der Körper sogar an den hohen Druck
gewöhnen: „Man kann sich trotzdem gut fühlen und im Alltag mithalten“,
erklärt Prof. Voigtländer. „Wenn sich Beschwerden wie Schwindel,
Ohrensausen oder Kopfschmerzen bemerkbar machen, ist es leider meistens zu
spät, weil Gefäße und Organe schon geschädigt sind.“
Um möglichst alle Menschen zu motivieren, ihren Blutdruck regelmäßig zu
messen und frühzeitig Bluthochdruck zu erkennen, rufen die Deutsche
Herzstiftung, der Bundesverband der Niedergelassenen Kardiologen (BNK) und
die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände zum
Welthypertonietag (17. Mai) zum Blutdruckmessen auf. Unter dem Motto
„Lass‘ Dich checken!“ steht unter
https://herzstiftung.de/welthy
um den Bluthochdruck zur Verfügung. Das Paket hilft Interessierten wie
Betroffenen, selbst aktiv zu werden, ihren Blutdruck richtig zu messen und
sich so optimal vor den Folgen der Volkskrankheit zu schützen.
Beste Vorsorge: Blutdruckmessen und richtig handeln
„Wer frühzeitig seine Herz-Risiken wie erhöhte Blutdruckwerte kennt, kann
noch gut durch Lebensstilmaßnahmen und gegebenenfalls eine medikamentöse
Therapie der gefäßschädigenden Wirkung des Bluthochdrucks gegensteuern“,
bestätigt der Kardiologe Dr. Norbert Smetak, Bundesvorsitzender des BNK
mit eigener kardiologischer Arztpraxis in Kirchheim Teck. „Das gilt
genauso für weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie erhöhte LDL-
Cholesterin- und Blutzuckerwerte“, unterstreicht der BNK-Vorsitzende.
Erhöhtes LDL-Cholesterin und Diabetes mellitus sind wie Bluthochdruck als
leise Gefäßkiller besonders gefährlich und ebenso Hauptrisikofaktoren für
Herzinfarkt und Schlaganfall. Dass es für Präventionsmaßnahmen nie zu spät
ist, hat eine internationale Studie (2) jüngst zeigen können: Wer im Alter
von 50 Jahren einen normalen Blutdruck, normale Cholesterinwerte und ein
gesundes Körpergewicht hat, nicht raucht und nicht an Diabetes erkrankt
ist, bleibt im Vergleich zu Personen mit allen fünf Risikofaktoren länger
von Herzkrankheiten verschont und lebt insgesamt länger. „Auch im
mittleren Alter lohnt es sich noch immer, seine Risikofaktoren anzugehen
und zu behandeln: medikamentös und – ebenso wichtig – mit
Lebensstilmaßnahmen. Damit lassen sich mehr Lebensqualität und ein Plus an
Lebensjahren gewinnen“, so der BNK-Vorsitzende Smetak.
Trotz Behandlung keine guten Werte – was tun?
Je nach Höhe des Blutdrucks, kann zunächst versucht werden, nur durch
Änderungen des Lebensstils – Verzicht aufs Rauchen, mehr Bewegung und
gegebenenfalls Gewichtsreduktion – die Werte ausreichend zu senken. Vor
allem bei Patienten mit erhöhten Werten im Bereich von 120-139/70-89 mmHg
ist zunächst eine Änderung des Lebensstils als alleinige Maßnahme
angezeigt. Doch häufig ist es nicht möglich, durch eine gesunde
Lebensweise auf die Einnahme von Blutdrucksenkern zu verzichten. Dann
komme es beim Bluthochdruck – wie auch bei anderen Herz-Risikofaktoren –,
so Kardiologe Smetak, auf eine konsequente Therapie an.
Und trotzdem erreicht jeder zweite Hochdruckpatient trotz Behandlung keine
guten Blutdruckwerte (2). Wie kann das sein? „Wer die Diagnose
Bluthochdruck hat, sollte zunächst einmal seine Medikamente auch
regelmäßig einnehmen und parallel dazu sein Risikoprofil mit Hilfe von
Lebensstiländerungen anpassen. Kommt es zum Beispiel zu unerwünschten
Wirkungen der Medikamente, dann sollten Patienten keinesfalls den
Blutdrucksenker eigenhändig absetzen, sondern diese mit dem Hausarzt
besprechen“, rät der Kardiologe. Die Arzt-Patienten-Kommunikation bei
Therapieproblemen sei für den Erfolg der Behandlung besonders wichtig.
Ursache von Nebenwirkungen können zum Beispiel Wechselwirkungen mit
anderen Arzneien sein. Fehler bei der Medikamenteneinnahme wie die falsche
Dosis oder andere lebensstilbedingte Faktoren wie eine zu hohe Salzzufuhr
könnten wiederum manchmal erklären, warum der Blutdruck weiterhin zu hoch
sei. Infos: https://herzstiftung.de/blutdr
Blutdruck messen und Herz-Risiko senken
ABDA-Präsident Thomas Preis betont, dass Apotheken „einen wichtigen
Beitrag leisten, Patientinnen und Patienten mit erhöhten Blutdruckwerten
zu identifizieren und ihnen eine zeitnahe ärztliche Untersuchung
anzuraten“. Seiner Ansicht nach sind Apotheken auch eine ideale Brücke hin
zum behandelnden Arzt, wenn Betroffene zwar in Behandlung wegen ihres
Bluthochdrucks sind, aber nicht merken, dass ihre Werte nicht gut
eingestellt sind. Die Überprüfung der Blutdruckeinstellung können
Apotheken im Rahmen der pharmazeutischen Dienstleistung ,Standardisierte
Risikoerfassung hoher Blutdruck‘ einmal pro Jahr bei Hochdruckpatientinnen
und -patienten mit einer Beratung in Abhängigkeit der gemessenen
Blutdruckwerte anbieten. Die altersabhängigen Empfehlungen zur Bewertung
der gemessenen Blutdruckwerte in der Apotheke wurden gemeinsam von der
ABDA, der Bundesapothekerkammer und der Deutschen Gesellschaft für
Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) entwickelt. Infos unter:
https://www.abda.de/pharmazeut
„Bei erhöhten Blutdruckwerten kommt es entscheidend auf eine gute
Verzahnung an: Die Apotheke identifiziert auffällige Werte und stößt die
weitere ärztliche Abklärung beim Hausarzt oder gegebenenfalls Kardiologen
an“, betont der Herzstiftungs-Vorsitzende Prof. Voigtländer.
Blutdruck messen: Wann, wie häufig?
Nach den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC)
aus dem Jahr 2024 wird dazu geraten, dass Erwachsene unter 40 Jahren alle
drei Jahre ihren Blutdruck checken lassen sollten. Ab 40 Jahren – vor
allem bei Vorliegen von Risikofaktoren für Bluthochdruck oder
Herzerkrankungen – sollte der Blutdruck einmal pro Jahr überprüft werden.
Sollten bei einer Messung bereits leicht erhöhte Werte (120-139/70-89
mmHg) auffallen, ist die regelmäßige Kontrolle umso wichtiger. „Denn mit
dem Alter wächst das Risiko für Bluthochdruck. Das trifft zum Beispiel
Frauen nach den Wechseljahren oft ganz unbemerkt, obwohl zuvor ihre Werte
stets in Ordnung waren“, erklärt der Herzstiftungs-Vorsitzende Prof.
Voigtländer. Der Herzspezialist informiert unter https://herzstiftung.de
/blutdruck-messen, worauf bei der Blutdruckmessung etwa beim Selbstmessen
zu Hause genau zu achten ist.
(Wi)
Zusatzinformationen zum Bluthochdruck
Wie teilt der Arzt die Schwere eines Bluthochdrucks ein?
Für die Blutdruckwerte von Erwachsenen gilt folgende Einteilung der
europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC 2024):
- optimal: <120 mmHg/<70 mmHg
- erhöhter Blutdruck: 120-139/70-89 mmHg
- Bluthochdruck Grad 1: 140-159/90-99 mmHg
- Bluthochdruck Grad 2: 160-179/100-109 mmHg
- Bluthochdruck Grad 3: >180/>110 mmHg
- isolierter systolischer Blutdruck: >140/<90 mmHg
Die Höhe des Blutdrucks zeigt an, wie gesund wir sind. Erstrebenswert sind
bei Erwachsenen Blutdruckwerte von maximal 120/70 mmHg. Dieser Wert wird
nicht in allen Leitlinien so eng gefasst. Doch gerade die aktuellen ESC-
Leitlinien (2024) sind besonders streng. Hier werden bereits Werte
zwischen 120-139/70-89 mmHg als erhöht eingestuft. Allen Leitlinien gemein
ist jedoch: Bluthochdruck liegt definitiv bei Werten über 140/90 mmHg vor.
Spätestens hier muss gehandelt werden. Infos: https://herzstiftung.de/was-
ist-bluthochdruck
Für mehr Lebensjahre: Mach‘ den Herz-Kreislauf-Gesundheits-Che
Grundsätzlich sollte jeder Mensch den kostenfreien Gesundheits-Check
wahrnehmen, der ab dem 18. bis zum 34. Lebensjahr einmalig und ab dem 35.
Lebensjahr alle drei Jahre kostenfrei angeboten wird. Durchgeführt wird
der Check von Allgemeinmedizinern, praktischen Ärzten und Internisten.
Über diesen Gesundheits-Check hinaus empfiehlt die Deutsche Herzstiftung,
ab dem 35. Lebensjahr neben den Werten für Blutdruck, Cholesterin,
Blutzucker, Körpergewicht auch einmalig den Lipidwert Lipoprotein (a),
kurz Lp(a), bestimmen zu lassen sowie ein EKG (Elektrokardiogramm) in Ruhe
und unter Belastung vornehmen zu lassen. Das Aufzeichnen der elektrischen
Aktivität des Herzens ermöglicht es, Herzrhythmusstörungen wie
Vorhofflimmern zu erkennen. Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens
ergänzt das Untersuchungsspektrum, um strukturelle Veränderungen zu
erkennen. Ultraschalluntersuchungen der Halsschlagadern oder der Becken-
und Beingefäße erlauben es darüber hinaus, frühzeitig Gefäßverkalkungen zu
erkennen, die für die Betroffenen noch ohne Symptome sind, aber darauf
hindeuten, dass auch in den Herzkranzgefäßen Ablagerungen vorhanden sind.
Von vielen unterschätzt: Ein Rauchstopp schützt das Herz enorm und bringt
einige Jahre an Lebensgewinn.
Infos-Service zum Welthypertonietag
Die Herzstiftung bietet anlässlich des Welthypertonietags ein kostenfreies
Paket mit einer Vielzahl von Broschüren, die über den Bluthochdruck
informieren. Das Infomaterial hilft dabei, selbst aktiv zu werden, den
Blutdruck zu regulieren und seine Gesundheit optimal zu schützen. Jetzt
Paket bestellen unter https://herzstiftung.de/welthy
Broschüre zu Bluthochdruck – die stille Gefahr
In der Broschüre „Bluthochdruck: Herz und Gefäße schützen“ informieren
Bluthochdruckexperten laienverständlich über Ursachen, Diagnose und
Therapie des Bluthochdrucks. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Prävention.
Die 128 Seiten umfassende Broschüre kann bei der Herzstiftung kostenfrei
angefordert werden unter https://herzstiftung.de/bestel
unter
Literatur
(1) J Am Coll Cardiol. 2025 Dec 2;86(22):2167-2243. doi:
10.1016/j.jacc.2025.08.015. Epub 2025 Sep 24.
(2) World Health Organization (WHO), WHO Global report on hypertension
2025: high stakes: turning evidence into action
(3) Magnussen C. et al. (2025): Global Effect of Cardiovascular Risk
Factors on Lifetime Estimates. doi: 10.1056/NEJMoa2415879
Für weiteres Bildmaterial (honorafrei) wenden Sie sich bitte an die
Pressestelle der Deutschen Herzstiftung (
