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Klimawandel und Gesundheit: Hitze erhöht Risiko für Nierensteine

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Wenn der „Steingürtel“ nach Norden wandert: Nephrologinnen und Nephrologen
raten zu 2,5 Liter Flüssigkeitszufuhr täglich
Hitzewellen nehmen zu – und mit ihnen das Risiko für Nierensteine. In
heißen Regionen der Welt, dem sogenannten „Steingürtel“, sind Harnsteine
besonders verbreitet. Fachleute warnen: Durch den Klimawandel könnte sich
dieses Risiko auch in Deutschland erhöhen.

Die Deutsche Gesellschaft für
Nephrologie e. V. (DGfN) empfiehlt daher, besonders in der warmen
Jahreszeit täglich etwa 2,5 Liter Flüssigkeit über Nahrung und Getränke zu
sich zu nehmen. Das gilt vor allem für Menschen mit erhöhtem Risiko, denn
Nierensteine entstehen oft durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Die Pressemitteilung ist auch unter folgendem Link abrufbar:
https://www.dgfn.eu/pressemeldung/hitze-erhoeht-risiko-fuer-
nierensteine.html

Nieren- und Harnleitersteine können äußerst schmerzhaft sein und treten
recht häufig auf: In den Industrienationen liegt die Häufigkeit der
sogenannten Urolithiasis zwischen 5 bis 11% (1, 2). Männer sind etwa
doppelt so häufig wie Frauen betroffen (3). Allein im Jahr 2024 wurden in
Deutschland über 113.000 Menschen deshalb im Krankenhaus behandelt (4).
“Die Zahl der Erkrankten liegt jedoch deutlich höher, da viele Fälle
ambulant versorgt werden oder unbemerkt mit ihren Steinen leben“, sagt
Professorin Dr. med. Sylvia Stracke, Bereichsleitung Nephrologie und
Hypertensiologie an der Universitätsmedizin Greifswald und
Pressesprecherin der DGfN. Und sie geht von steigenden Zahlen aus: „Hitze
ist ein unterschätzter Risikofaktor für Nierensteine“, erläutert sie: „Wer
viel schwitzt und zu wenig trinkt, produziert weniger Urin. Dadurch
konzentrieren sich steinbildende Substanzen im Harn und Kristalle können
entstehen und wachsen.“

„Steingürtel“ zeigt: Hitze begünstigt Steinbildung
Diese Zusammenhänge sind aus dem sogenannten „Steingürtel“ bekannt –
Regionen rund um den Äquator sowie heiße Gebiete wie der Südosten der USA
oder Teile Südostasiens. Dort sind mehr als zehn Prozent der Bevölkerung
von Nierensteinen betroffen. Grund ist vor allem der chronische
Flüssigkeitsmangel durch hohe Temperaturen. „Durch den Klimawandel und die
steigenden Temperaturen könnte sich dieser „Steingürtel“ weiter nach
Norden ausdehnen“, so Sylvia Stracke. „Das bedeutet: Auch in Deutschland
müssen wir künftig mit mehr Nierenstein-Erkrankungen rechnen.“

2,5 Liter täglich – besonders wichtig im Sommer
Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung ist ausreichend Trinken, am besten
ungesüßten Tees, Mineralwasser mit wenig Kalzium und dünne Saftschorlen.
„Wir empfehlen Erwachsenen, besonders in der warmen Jahreszeit täglich
etwa 2,5 Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen – bei Hitze auch mehr“,
betont auch Dr. med. Nicole Helmbold, Generalsekretärin der DGfN. Denn:
Viel Trinken verdünnt den Urin und senkt so die Konzentration von Stoffen
wie Kalzium, Oxalat oder Harnsäure, aus denen sich die meisten
Nierensteine bilden. Rund 70 Prozent der Steine bestehen aus
Kalziumoxalat. Jedoch kann es schwierig sein, eine hohe Trinkmenge
aufrechtzuerhalten, wie eine aktuelle Studie zeigt (5). „Man muss wirklich
aktiv daran denken“, sagt Sylvia Stracke.

Risikofaktoren: mehr als nur zu wenig trinken
Neben Flüssigkeitsmangel spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle bei
der Entstehung von Nierensteinen. Dazu zählen:
•       Übergewicht und Bewegungsmangel
•       unausgewogene Ernährung (z. B. viel Salz, tierisches Eiweiß)
•       Stoffwechselerkrankungen wie das metabolische Syndrom oder die
metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung (MAFLD) (6)
•       Kinder und Ältere mit wenig Durstgefühl
•       eine familiäre Veranlagung.
Auch bestimmte Ernährungsgewohnheiten können das Risiko beeinflussen: Zu
viel Oxalat (z. B. in Mangold, Rhabarber und Spinat), Kalzium, Salz sowie
Vitamin C und D können die Steinbildung fördern, während Citrat, Magnesium
und Kalium eher schützend wirken. „Auch manche Diuretika erhöhen die
Kalziumausscheidung im Urin – was ebenfalls ein Risikofaktor für die
Steinbildung ist“, so Sylvia Stracke.

Starke Schmerzen – mögliche Komplikationen ernst nehmen
Kleine Steine gehen oftmals unbemerkt mit dem Urin ab. Sind die Steine
aber größer und sitzen sie an einer ungünstigen Stelle, können sie
Schmerzen verursachen. Typische Symptome sind plötzlich einsetzende,
krampfartige Schmerzen in der Flanke, Übelkeit, Harndrang oder Blut im
Urin. Blockiert ein Stein den Harnleiter, kann sich der Urin zurückstauen.
„Dann drohen Komplikationen wie eine Nierenbeckenentzündung“, erklärt
Sylvia Stracke. Gelangen Bakterien ins Blut, kann sich im schlimmsten Fall
eine lebensbedrohliche Sepsis entwickeln. Bei Fieber, Schüttelfrost oder
starken Schmerzen sollten Betroffene daher umgehend medizinische Hilfe
suchen.

Trinken ist Basis – individuelle Prävention bleibt wichtig
Auch wenn eine hohe Flüssigkeitszufuhr die wichtigste allgemeine Maßnahme
zur Vorbeugung ist, reicht sie nicht immer aus. „Nierensteine haben oft
mehrere Ursachen“, sagt die Nephrologin. „Deshalb ist es wichtig, bei
wiederholtem Auftreten die individuellen Risikofaktoren genauer zu
untersuchen.“ Die Rückfallrate ist hoch: Bis zu 50 Prozent der Betroffenen
entwickeln erneut Steine. Eine Analyse der Steinzusammensetzung und
angepasste Therapie können das Risiko deutlich senken.