Neuer Ansatz in der Migränebehandlung
Universitätsklinikum Dresden ist Projektpartner im Innovationsfondsprojekt
MIGRA-MD. Deutschlandweit sollen 1.000 Patientinnen und Patienten
aufgenommen und therapiert werden. Projekt soll Lücken in der
Migräneversorgung schließen und Therapieentscheidungen stärken.
Migräne ist eine der häufigsten Erkrankungen im jungen bis mittleren
Erwachsenenalter und führt oft zu einer deutlichen Beeinträchtigung der
Lebensqualität und beruflichen Leistungsfähigkeit. Zwei von drei
erwachsenen Deutschen leiden zumindest zeitweilig unter Kopfschmerzen. Von
diesen sind fast 18 Millionen von Migräne betroffen. Trotz guter
Therapieoptionen erhalten Migränepatientinnen und -patienten in
Deutschland nicht immer eine leitliniengerechte, auf die individuelle
Situation abgestimmte Therapie. Deshalb fördert der Gemeinsame
Bundesausschuss (G-BA) das Innovationsfondsprojekt „MIGRA-MD –
Strukturierte fachärztliche Migräneversorgung – multimodal und digital“.
Das Universitätsklinikum Dresden ist ein Partner in dem Projekt, das durch
die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) initiiert
wurde. Die Förderung beträgt über fünf Millionen Euro. In den kommenden
anderthalb Jahren, beginnend mit dem 1. März 2026, werden insgesamt 1.000
Patientinnen und Patienten aufgenommen.
„Dieses Projekt mit multimodalem Ansatz und Nutzung von digitalen
Anwendungen hat das Potenzial, die Versorgung von Menschen mit Migräne
deutlich zu verbessern.“, sagt Prof. Gudrun Goßrau, Leiterin des
Kopfschmerzzentrums am Universitätsklinikum Dresden. Das Projekt MIGRA-MD
nutzt digitale Tools, multimodale Edukation und Unterstützung bei
leitliniengerechten Therapieentscheidungen, um Lücken in der
Migräneversorgung zu schließen. Teilnehmende Fachärztinnen und -ärzte
werden von der DMKG zur Migränebehandlung geschult und erhalten im
Arztportal des DMKG-Kopfschmerzregisters eine strukturierte Übersicht der
von Patientinnen und Patienten vorab eingegebenen Daten sowie Checklisten
für Diagnostik und Therapie. Dies ermöglicht eine gezieltere Behandlung.
Die Patientinnen und Patienten dokumentieren ihre Kopfschmerzen digital
über die DMKG-App und einen Fragebogen und nehmen drei Behandlungstermine
bei teilnehmenden Fachärztinnen und -ärzten wahr. Ergänzend nutzen sie die
Online-Plattform „MIGRA-MD Wissen“ mit kurzen Videos und Audios zu
Migräne, auslösenden Faktoren und Behandlungsmöglichkeiten, einschließlich
nichtmedikamentöser Prävention wie Stressreduktion, Entspannungsverfahren
und Bewegung. Zusätzlich werden regelmäßige Online-„Meet-the-
Expert“-Veranstaltungen angeboten. Die Teilnahme inklusive Nachbeobachtung
dauert 13 Monate. Die Teilnehmenden werden per Zufall (randomisiert) einer
Gruppe mit sofortigem Behandlungsbeginn oder einer Gruppe mit
dreimonatiger Verzögerung zugeteilt. Begleitet wird das
Innovationsfondsprojekt von der MigräneLiga e.V.. „MIGRA-MD ist ein großer
Schritt vorwärts in der Migräneversorgung“, sagt Präsidentin Veronika
Bäcker. „Wir freuen uns, mit unserer Arbeit einen Beitrag für eine gute
Datenqualität zu leisten, damit aussagekräftige Studienergebnisse erzielt
werden können“, ergänzt Dr. Xina Grählert, Leiterin des
Koordinierungszentrum für Klinische Studien Dresden an der TU Dresden.
Zeigt die Evaluation von MIGRA-MD eine nachhaltige Verbesserung in Bezug
auf Kopfschmerzhäufigkeit und Beeinträchtigung im Alltag, kann eine
Überführung in die Regelversorgung empfohlen werden.
Die Konsortialführung von MIGRA-MD liegt beim LMU Klinikum München. Als
Konsortialpartner sind beteiligt:
- DMKG e.V.
- Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald
- Institut für Informationssysteme der Hochschule Hof
- smartlytic GmbH
- Universitätsmedizin Rostock
- Berufsverband Deutscher Neurologen e.V.
- Koordinierungszentrum für Klinische Studien Dresden der Technischen
Universität Dresden
- BARMER
- AOK Bayern
Patientenrekrutierung gestartet
Seit März werden Patientinnen und Patienten in das Programm aufgenommen.
Eine Plattform informiert über das Projekt und prüft anhand von Fragen die
Eignung von interessierten Patientinnen und Patienten. Teilnehmen können
gesetzlich krankenversicherte Erwachsene mit Migräne, die regelmäßig
zwischen vier und 25 Kopfschmerztage pro Monat haben und nicht mehr als
zwei migräneprophylaktische Medikamente ohne Erfolg angewendet haben. Wer
für die Teilnahme in Frage kommt, wird von einer Studienassistenz und
einem Studienarzt des LMU Klinikums kontaktiert, detailliert über die
Studie aufgeklärt und bei Erfüllung aller Einschlusskriterien in die
Studie aufgenommen. Die Behandlung erfolgt an einem wohnortnahen MIGRA-MD-
Zentrum. Patientinnen und Patienten aus der Region Dresden / Ostsachsen
können auch am Kopfschmerzzentrum des Universitätsklinikums Dresden
behandelt werden.
