Notfallversorgung steuern statt überlasten: Innenminister Ebling beim Notfallmedizinkongress im Austausch mit Experten
Steigende Einsatzzahlen, gebundene Rettungsmittel und veränderte
Klinikstrukturen erhöhen den Druck auf die Notfallversorgung. Wie sie
unter diesen Bedingungen effizient und zugleich patientengerecht
organisiert werden kann, war zentrales Thema beim Besuch des rheinland-
pfälzischen Innenministers Michael Ebling auf dem Deutschen
Interdisziplinären Notfallmedizin Kongress (DINK), den die Deutsche
Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin am 5. und 6. März
2026 in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle veranstaltet.
Im Mittelpunkt stand die Weiterentwicklung der Patientennavigation. Ziel
ist es, Hilfesuchende bereits beim ersten Kontakt strukturiert nach
medizinischer Dringlichkeit einzuschätzen und gezielt in die passende
Versorgungsstruktur zu lenken – in den Rettungsdienst, die Notaufnahme,
den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder in ambulante Angebote.
„Notfallversorgung beginnt nicht erst am Krankenhausbett, sondern mit der
richtigen Steuerung am Anfang der Versorgungskette“, betonte Prof. Dr.
Jörg Christian Brokmann, Mitglied des Organisationskomitees des DINK und
Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme an der Uniklinik RWTH Aachen.
Eine strukturierte Ersteinschätzung in den Leitstellen, standardisierte
Notrufabfragen, digitale Unterstützungssysteme und eine enge Vernetzung
mit den Kliniken seien entscheidende Bausteine. „Nur wenn wir diese
Steuerung verbessern, können wir Ressourcen gezielt einsetzen und zugleich
die Versorgungsqualität sichern.“
Reform der Notfallversorgung lässt auf sich warten
Genau diese Instrumente sollen mit der geplanten Reform der
Notfallversorgung bundesweit verbindlich eingeführt werden. Doch die
gesetzliche Neuordnung wird inzwischen in der dritten Legislaturperiode
beraten; der aktuelle Entwurf befindet sich weiterhin in der Abstimmung.
Bereits vor zwei Jahren hatte Prof. Brokmann im Rahmen des Kongresses
gewarnt: „Die Zeit drängt. Reformvorschläge liegen ausreichend vor. Es
fehlt die Umsetzung.“ Diese Einschätzung gelte leider noch immer.
Unabhängig vom Stand des Gesetzgebungsverfahrens wurde in Koblenz
deutlich, worauf es fachlich ebenfalls ankommt: Eng mit der
Patientennavigation verknüpft ist der zielgerichtete Einsatz von
Rettungsmitteln. Hochqualifizierte Ressourcen – insbesondere Notärztinnen
und Notärzte – sollen dort eingesetzt werden, wo ihre Expertise
medizinisch notwendig ist. Gleichzeitig gewinnen die erweiterten
Kompetenzen von Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern sowie
telemedizinische Unterstützungssysteme an Bedeutung.
„Der Rettungsdienst ist ein komplexes Gesamtsystem. Effizienz entsteht
nicht durch Reduktion, sondern durch klare Standards, definierte
Zuständigkeiten und abgestimmte Prozesse“, sagte Dr. David Häske,
ebenfalls Mitglied des Organisationskomitees des DINK und
wissenschaftlicher Geschäftsführer des Zentrums für öffentliches
Gesundheitswesen und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum
Tübingen. „Wenn wir Rettungsmittel dort einsetzen, wo sie medizinisch
wirklich erforderlich sind, und digitale Unterstützung konsequent nutzen,
sichern wir Kapazitäten für zeitkritische Notfälle und stärken die
Qualität der Versorgung insgesamt.“
„Ein Land – ein Rettungsdienst“ in Rheinland-Pfalz setzt auf einheitliche
Standards
Minister Michael Ebling stellte in diesem Zusammenhang das Konzept „Ein
Land – ein Rettungsdienst“ als strukturelle Antwort des Bundeslandes
Rheinland-Pfalz auf steigende Anforderungen im Rettungswesen vor. „Ein
leistungsfähiger Rettungsdienst braucht klare Strukturen und landesweit
einheitliche Standards“, erklärte Ebling. „Mit unserem Konzept ‚Ein Land –
ein Rettungsdienst‘ setzen wir auf eine durchgängige Organisation mit
einheitlicher Leitstellentechnik, standardisierten Behandlungsalgorithmen
und einem flächendeckenden Telenotarztsystem. Das ermöglicht es,
Rettungsmittel gezielt dort einzusetzen, wo sie medizinisch notwendig
sind, und gleichzeitig die Versorgungsqualität im ganzen Land auf einem
hohen Niveau zu sichern. Denn einheitliche Daten- und
Dispositionsstrukturen schaffen nicht nur Transparenz und verbessern die
Steuerungsfähigkeit, sie erlauben es auch, Innovationen zügig landesweit
umzusetzen.“
Auch die bereichsübergreifende Versorgungsplanung spiele dabei eine
zentrale Rolle. „Wenn Leitstellen, Rettungsmittel und
Qualitätsmanagementsysteme auf einer gemeinsamen Grundlage arbeiten,
können Einsätze ohne Zeitverlust über Bereichsgrenzen hinweg disponiert
werden. Das stärkt die Resilienz des Gesamtsystems“, so Ebling weiter.
Notfallversorgung muss jederzeit funktionieren
Die gemeinsame Diskussion auf dem DINK machte deutlich: Die Zukunft der
Notfallmedizin liegt nicht allein in medizinischem Fortschritt, sondern
auch in intelligenter Organisation, digitaler Vernetzung und einer klaren
Patientensteuerung entlang der gesamten Versorgungskette. „Am Ende geht es
um Verlässlichkeit für die Patientinnen und Patienten“, sagte Prof.
Brokmann. „Notfallversorgung muss jederzeit funktionieren. Dafür brauchen
wir klare Prozesse und den Mut, fachlich sinnvolle Lösungen konsequent
umzusetzen.
Informationen zum Kongress
Der Deutsche Interdisziplinäre Notfallmedizin Kongress findet 2026 bereits
zum 17. Mal statt. Er gilt als zentrale Plattform für den fachlichen
Austausch zu aktuellen Entwicklungen in der Akut- und Notfallversorgung.
Jährlich kommen rund 1.500 Fachleute aus Leitstellen, Rettungsdiensten,
Notaufnahmen, Pflege, Wissenschaft und weiteren Bereichen zusammen, um
strukturelle Herausforderungen zu analysieren und konkrete Lösungsansätze
für eine leistungsfähige, patientenorientierte Notfallmedizin zu
entwickeln.
Im Fokus stehen in diesem Jahr Themen wie die Resilienz von
Versorgungssystemen, interprofessionelle Zusammenarbeit, digitale
Innovationen sowie die Weiterentwicklung der Notfallversorgung entlang der
gesamten Versorgungskette – vom Notruf über die präklinische Versorgung
bis zur Behandlung im Krankenhaus.
Originalpublikation:
https://www.dgai.de/aktuelles-
projekte/pressemitteilungen/31
ueberlasten-innenminister-ebli
mit-fachleuten.html
