Millionen Frauen nutzen gynäkologische individuelle Ultraschall- Gesundheitsleistungen (IGeL) – wann sind diese sinnvoll?
Ultraschall-Expertinnen und Experten diskutieren auf einer Online-
Pressekonferenz am 17. März 2026 über den Nutzen von IGeL-Leistungen
Gynäkologische Ultraschalluntersuchungen zählen zu den am häufigsten in
Anspruch genommenen individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) in
Deutschland – und stehen zugleich seit Jahren im Zentrum
gesundheitspolitischer Diskussionen. Nach Angaben des IGeL-Monitors nutzen
rund 7,5 Millionen Frauen entsprechende Angebote, etwa 3,3 Millionen davon
einen transvaginalen Ultraschall der Eierstöcke [1].
Während ein bevölkerungsweites Screening auf Eierstockkrebs aus
evidenzbasierter Sicht nicht empfohlen wird, gehört der Ultraschall in der
täglichen Versorgungspraxis zu den wichtigsten bildgebenden Verfahren zur
Beurteilung gynäkologischer Befunde. Wann also ist Ultraschall als
Selbstzahlerleistung medizinisch sinnvoll – und wann nicht? Diese Frage
steht unter anderem im Mittelpunkt einer Online-Pressekonferenz der
Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) am 17.
März 2026.
Hier geht es zur Anmeldung:
https://events.teams.microsoft
40c5-9912-2415233305c3@1495922
Der transvaginale Ultraschall der Eierstöcke wird in der
gesundheitspolitischen Diskussion häufig an der Frage gemessen, ob er als
bevölkerungsweites Screening die Sterblichkeit an Eierstockkrebs senken
kann. Da hierfür keine ausreichende Evidenz vorliegt, wird ein generelles
Screening derzeit nicht empfohlen [2, 3]. „Diese Perspektive greift jedoch
zu kurz“, betont Professor Dr. med. Markus Hoopmann, Leiter der
gynäkologischen Sonografie an der Frauenklinik des Universitätsklinikums
Tübingen. „Die Annahme, dass die Diagnostik der Eierstöcke mittels
Sonografie medizinisch wertlos oder gar schädlich ist, lässt völlig außer
Acht, dass die Untersuchung überwiegend nicht zur Krebsfrüherkennung
eingesetzt wird, sondern als ergänzende Methode zur Beurteilung von
Eierstockbefunden – auch bei Frauen, die zunächst keine krankhaften
Symptome aufzeigen.“ Während die gesetzliche Krebsfrüherkennung auf die
Tastuntersuchung setzt, lassen sich Veränderungen der Eierstöcke durch
Abtasten häufig erst ab einer Größe von fünf bis sieben Zentimetern – oft
sogar erst darüber – zuverlässig erfassen. Die Ultraschalldiagnostik
ermöglicht demgegenüber eine deutlich frühere bildgebende Beurteilung.
„Hier bietet die Ultraschalldiagnostik einen bedeutenden Mehrwert“, so der
DEGUM-Experte.
Aus Sicht der DEGUM wird die öffentliche Diskussion dem klinischen Alltag
daher nicht immer gerecht: Die Frage, ob ein Screening die Zahl der
Todesfälle senkt, ist nicht gleichzusetzen mit der medizinischen Abklärung
individueller Befunde im Einzelfall. Gerade darin sieht die
Fachgesellschaft eine strukturelle Herausforderung für die Versorgung,
denn für gesetzlich Versicherte ist der Zugang zu einer risikoarmen und
breit verfügbaren Bildgebung häufig erst bei konkretem Krankheitsverdacht
vorgesehen – nicht jedoch zur individuell begründeten diagnostischen
Einordnung.
Mammasonografie als Ergänzung in der Brustkrebsdiagnostik – nicht als
Ersatz
Auch die Mammasonografie wird häufig als IGeL-Leistung angeboten. Jedes
Jahr erkranken rund 75.000 Frauen in Deutschland an Brustkrebs. Bei
manchen handelt es sich um Vorstufen, bei anderen werden Veränderungen in
der Brust entdeckt, bei denen noch unklar ist, wie sie sich
weiterentwickeln werden. Das staatlich finanzierte Screening-Programm –
die Mammografie – richtet sich an Frauen zwischen 50 bis 75 Jahren – und
lässt dabei jüngere Patientinnen völlig außer Acht. „Gerade für
Patientinnen unter 50 Jahren, die ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, und
für Frauen mit dichtem Brustdrüsengewebe empfehlen wir die Mammasonografie
als ergänzende Methode zur Brustkrebsdiagnostik, da sie hier besonders
exakte Bildergebnisse liefert“, betont Dr. med. Ellen Marzotko, Fachärztin
für Gynäkologie und Geburtshilfe aus Erfurt. Und auch für jüngere
Patientinnen hat eine Brustkrebsvorsorge eine große Relevanz: So liegen
Krebserkrankungen der Brustdrüse bei jungen Patientinnen (15 bis 39 Jahre)
an vorderer Stelle [4].
Aktuelle Studien zeigen, dass ergänzende bildgebende Verfahren bei dichtem
Brustgewebe zusätzliche Karzinome detektieren können. Gleichzeitig weist
die DEGUM auf mögliche Nachteile hin: Zusätzliche Bildgebung kann die Rate
falsch-positiver Befunde erhöhen. Dies kann weitere Kontrollen oder
Biopsien nach sich ziehen. Entscheidend seien daher eine
qualitätsgesicherte Durchführung, eine klare Indikationsstellung und eine
umfassende Aufklärung der Patientinnen.
Aus Sicht der DEGUM stellt sich daher die gesundheitspolitische Frage, wie
ergänzende diagnostische Verfahren künftig stärker indikationsbezogen in
bestehende Vorsorgestrukturen integriert werden können. „Die Debatte
sollte sich weniger an der pauschalen Frage ‚IGeL – ja oder nein?‘
orientieren“, so Marzotko, „sondern stärker daran, für welche Patientin
welche Untersuchung medizinisch angezeigt ist.“ Diese Grundsatzfrage steht
auch im Mittelpunkt weiterer Beiträge der Online-Pressekonferenz.
Diskutiert werden unter anderem der Einsatz des Ultraschalls zur
Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen sowie der therapeutische
Ultraschall als Selbstzahlerleistung bei der Behandlung der Kalkschulter.
Die Pressemitteilung ist auch auf der DEGUM-Homepage zu finden:
https://www.degum.de/presse/pr
frauen-nutzen-gynaekologische-
gesundheitsleistungen-igel.htm
Quellen
[1] Blume J, Drews M, Kalinowski I (im Auftrag des Medizinischen Dienstes
Bund). IGeL-Bericht 2024: IGeL-Markt in Deutschland – Ergebnisse der
Repräsentativbefragung 2024. https://www.igel-
monitor.de/fileadmin/Downloads
Bericht_2024_lang.pdf
[2] Menon U, Gentry-Maharaj A, Burnell M, Singh N, Ryan A, Karpinskyj C,
Carlino G, Taylor J, Massingham SK, Raikou M, Kalsi JK, Woolas R,
Manchanda R, Arora R, Casey L, Dawnay A, Dobbs S, Leeson S, Mould T, Seif
MW, Sharma A, Williamson K, Liu Y, Fallowfield L, McGuire AJ, Campbell S,
Skates SJ, Jacobs IJ, Parmar M. Ovarian cancer population screening and
mortality after long-term follow-up in the UK Collaborative Trial of
Ovarian Cancer Screening (UKCTOCS): a randomised controlled trial. Lancet
2021;397:2182-93. https://doi.org/10.1016/s0140-
[3] Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche
Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge
maligner Ovarialtumoren“ – Langversion 6.0 2026.
https://doi.org/10.1007/s12312
[4] Egger-Heidrich K. et al.: Langzeitnachsorge junger erwachsener
Krebsüberlebender: Empfehlungen, Lücken und Perspektiven; Journal
Onkologie 1/2026; S. 20.
