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S3-Leitlinie zum Mammakarzinom aktualisiert: Personalisierte Therapien für Betroffene von Brustkrebs im Fokus

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Das Leitlinienprogramm Onkologie hat die S3-Leitlinie zur Früherkennung,
Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms aktualisiert. Unter
anderem wurden die Empfehlungen für Diagnostik und Screening überarbeitet,
Deeskalationsstrategien bei lokalen Therapien empfohlen und zahlreiche
neue medikamentöse Therapien aufgenommen.

Die S3-Leitlinie entstand unter
Federführung der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS), der
Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) und
der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) der Deutschen
Krebsgesellschaft e.V. sowie unter Mitwirkung von 47 weiteren
Fachgesellschaften und Organisationen.

Brustkrebs ist mit Abstand die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Laut
Robert Koch-Institut erkranken jährlich rund 74.000 Menschen an dieser
Tumorart. Etwa ein Prozent der Neuerkrankungen betrifft Männer. Da die
Tumore, auch dank der Früherkennungsangebote, häufig in frühen Stadien
erkannt werden, haben die meisten Patient*innen eine gute Prognose. Auch
Verbesserungen in der Versorgung haben dazu geführt, dass die
Sterblichkeit in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesunken ist.

Die aktualisierte S3-Leitlinie zum Mammakarzinom trägt dazu bei, die
Versorgung der Patient*innen weiterhin zu verbessern, indem sie auf
gezieltere Behandlungswege, schonendere Verfahren und ein breites Spektrum
neuer, innovativer Medikamente verweist.

Screening und genetische Beratung weiterentwickelt
Etwa 30 Prozent aller Brustkrebserkrankten in Deutschland weisen eine
familiäre Belastung auf und erfüllen die Einschlusskriterien für eine
genetische Untersuchung. Für diese Patient*innengruppe gibt es in der
Leitlinie neue Kriterien für genetische Tests und angepasste Beratungs-
und Therapiepfade.

Weniger ist manchmal mehr: Deeskalation operativer Maßnahmen

Neu in der Leitlinie ist, dass für bestimmte Patient*innengruppen auf die
Sentinel-Lymphknotenbiopsie (Sentinel-Node-Biopsie, SLNE) verzichtet
werden soll. „Die Methode erfolgte bislang als Routineeingriff beim
Mammakarzinom“, so Professor Achim Wöckel, Universitätsklinikum Würzburg.
Gemeinsam mit Professorin Ute-Susann Albert, ebenfalls vom
Universitätsklinikum Würzburg und Professor Wolfgang Janni,
Universitätsklinikum Ulm, koordiniert er die Aktualisierung der Leitlinie.
„Mit der Methode wird überprüft, ob sich Zellen des Tumors im lokal
angrenzenden Lymphknotengebiet ausgebreitet haben. Studien zeigen aber,
dass sie bei bestimmten Tumor-Eigenschaften keinen Vorteil bringt.“

Auch die Notwendigkeit axillärer Lymphknotenentfernung – die etwa zu
Lymphödemen und Bewegungseinschränkungen im Arm führen kann – wurde neu
bewertet: In der Adjuvanz soll bei ausschließlicher Mikrometastasierung
auf eine weitere gezielte Therapie der Lymphabflussgebiete verzichtet
werden. Wie bereits bei brusterhaltender Therapie bekannt, sollte nun auch
bei Patient*innen mit Mastektomie und anschließender Bestrahlung bei
pT1-pT3/cN0-Tumoren und einem oder zwei positiven Sentinel-Lymphknoten auf
eine Axilladissektion verzichtet werden.
„Das ist ein wichtiger Schritt zur Vermeidung unnötiger operativer
Eingriffe – ganz im Sinne der Deeskalation bei niedrigem Risiko“, sagt
Wöckel.

Mehr Präzision dank molekularer Marker

Neu aufgenommen wurde die Empfehlung, im Rahmen der Diagnostik eine ganze
Reihe von Biomarkern zu bestimmen. Darüber hinaus wurde in der Leitlinie
eine umfangreiche Bewertung neuer medikamentöser Therapien vorgenommen.

Basierend auf den im Rahmen der Diagnostik bestimmten Tumormarkern können
die Therapien gezielt für das jeweilige molekulargenetische Profil des
Tumors gewählt werden – etwa mit CDK4/6-Inhibitoren beim HR-positiven,
HER2-negativen metastasierten Mammakarzinom, oder PARP-Inhibitoren bei
BRCA1/2-Mutationen. Auch die Therapiewahl im metastasierten Stadium
richtet sich künftig konsequenter nach molekulargenetischem Profil:
HER2-low, PIK3CA-mutiert, BRCA-defizient – für all diese Subgruppen gibt
es neue, auf das Tumorprofil zugeschnittene, Therapiepfade, die in der
aktualisierten Leitlinie aufgeführt sind.

„Die neue S3-Leitlinie bringt eine klarere Ausrichtung auf personalisierte
Behandlungsstrategien, reduziert überflüssige Eingriffe und integriert
gezielt neue Wirkstoffe für definierte Patient*innengruppen“, so Wöckel.
„Darüber hinaus haben wir ganze Themenbereiche aufgenommen, die es bislang
noch nicht in der Leitlinie gab: Brustkrebs bei Transpersonen,
Brustrekonstruktion und Brustkrebs bei speziellen Tumorentitäten. Nun gibt
es auch für diese Fragestellungen in der Behandlung des Mammakarzinoms
eine evidenzbasierte Orientierungshilfe.“

Die neue S3-Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar: https://www
.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/mammakarzinom

Zudem sind die Inhalte der Leitlinie im Leitlinien-Hub auch digital
verfügbar: https://hub.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinie
/frueherkennung-diagnostik-therapie-und-nachsorge-des-mammakarzinoms

Zusätzlich sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.
Weitere Informationen unter: https://www.leitlinienprogramm-
onkologie.de/app


Das Leitlinienprogramm Onkologie

Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 36 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/home

Die Deutsche Gesellschaft für Senologie

Die Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS) engagiert sich seit
1981 für die Brustgesundheit von Frauen. Sie erforscht, lehrt und
vermittelt Wissen über die normalen und gestörten Funktionen der
weiblichen Brust. Ein besonderes Anliegen ist es, den Erfahrungsaustausch
zwischen WissenschaftlerInnen unterschiedlicher medizinischer Disziplinen
sowie Leistungserbringern im Gesundheitswesen anzuregen. Die DGS hat dafür
neben der jährlich stattfindenden Jahrestagung auch eine Akademie
gegründet, die DAS. Weiterhin war die DGS mit der ersten Zertifizierung
von Brustzentren der Initiator für die onkologische Qualitätssicherung und
ist federführend für die Erstellung und Aktualisierung der S3-Leitlinie
„Mammakarzinom“ verantwortlich. Mehr unter: https://www.senologie.org/

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) ist
eine der großen wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie
hat sich der Stärkung der Fachgebiete der Frauenheilkunde und Geburtshilfe
verschrieben und fördert das gesamte Fach sowie seine Subdisziplinen, um
die Einheit des Faches Frauenheilkunde und Geburtshilfe
weiterzuentwickeln. Als medizinische Fachgesellschaft engagiert sich die
DGGG fortwährend für die Gesundheit von Frauen und vertritt die
gesundheitlichen Bedürfnisse der Frau auch in diversen politischen
Gremien.
Mehr unter: https://www.dggg.de/

Die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie

Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) ist eine
selbstständige AG der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe e.V. (DGGG) und der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG).
Die AGO verfolgt die Förderung der Wissenschaft und Forschung sowie die
Aus- und Weiterbildung von Medizinerinnen und Medizinern in den Themen-
und Aufgabenbereichen der gynäkologischen Onkologie einschließlich der
Mammatumoren. Mehr unter: https://www.ago-online.de/