Projektpartner des EU-Projekts ENDOTARGET möchten Patienten mit rheumatischen Erkrankungen unterstützen
Das EU-Projekt ENDOTARGET möchte die Lebensqualität von Menschen mit
rheumatischen Erkrankungen verbessern. Im Rahmen einer
Populationskohortenanalyse lieferten vorläufige Analysen erste
Erkenntnisse über die Verteilung der Biomarker nach Geschlecht, Alter,
Body Mass Index (BMI) und Krankheitstyp (OA, RA, SpA) sowie über
Unterschiede zwischen Kontroll- und Krankheitsgruppen. Fokussierte
Kohortenstudien und In-vitro-Untersuchungen analysierten die Rolle von SE
und der Darmpermeabilität bei RA, SpA und verwandten entzündlichen
Erkrankungen.
Mit dem EU-Projekt ENDOTARGET verfolgen das Steinbeis Europa Zentrum und
13 weitere Projektpartner ein ambitioniertes Ziel: die Lebensqualität von
Menschen mit rheumatischen Erkrankungen zu verbessern., In neun eng
miteinander verknüpften Arbeitspaketen untersucht das Konsortium, wie
Darmmikrobiota, Darmpermeabilität und systemische Endotoxämie den Ausbruch
und das Fortschreiten rheumatischer Erkrankungen wie Arthrose,
rheumatoider Arthritis und Spondylarthritis beeinflussen.
ENDOTARGET wird vom Horizon Europe-Forschungs- und Innovationsprogramm
seit 1. Januar 2023 gefördert und geht nun in sein letztes Jahr. Es wird
vom Universitätsklinikum Helsinki koordiniert. Das Steinbeis Europa
Zentrum unterstützt als Projektpartner die Kommunikations- und
Verbreitungsaktivitäten des Projektes sowie die Verwertung der
Forschungsergebnisse.
Um die in den vergangenen sechs Monaten erzielten Fortschritte zu
reflektieren, traf sich das Konsortium am 17. November virtuell zu einem
Update über die nicht-wissenschaftlichen Arbeitspakete, darunter „Ethik,
Regulierung und DSGVO“, „Verbreitung, Verwertung und Kommunikation“ sowie
„Projektmanagement“. Im Anschluss fand vom 20. bis 21. November in
Lausanne, Schweiz, ein hybrides Treffen statt, das vom SIB –
Schweizerischen Institut für Bioinformatik – ausgerichtet wurde. Diese
Treffen boten eine wertvolle Plattform für den Wissensaustausch, die
Bewertung von Fortschritten und die Bewältigung von Herausforderungen in
allen Arbeitspaketen.
Forschungsneuigkeiten von ENDOTARGET
Populationskohortenanalyse:
Das Konsortium führt groß angelegte Kohortenstudien durch, um Biomarker
und lebensstilbedingte Risikofaktoren in fünf der zwölf Projektkohorten zu
identifizieren. Die Biomarker-Bewertung für die HBS-, FINRISK- und EstBB-
Kohorten ist abgeschlossen und konzentriert sich auf:
Endotoxämie-Biomarker: Lipopolysaccharid-bindendes Protein (LBP),
lösliches CD14 und Lipopolysaccharid (LPS)-Bioaktivität
Biomarker für Darmpermeabilität und Entzündung: Zonulin, intestinales
Fettsäure-bindendes Protein (I-FABP) und Calprotectin (S100A8/A9)
Vorläufige Analysen lieferten erste Erkenntnisse über die Verteilung der
Biomarker nach Geschlecht, Alter, Body Mass Index (BMI) und Krankheitstyp
(OA, RA, SpA) sowie über Unterschiede zwischen Kontroll- und
Krankheitsgruppen. Erste Trends und Korrelationsmuster zeichnen sich ab,
die detaillierte statistische Modellierung ist jedoch noch im Gange.
Parallel dazu integrieren Partner Mikrobiom- und Biomarkerdaten von
FINRISK und EstBB, um mikrobielle Signaturen zu identifizieren, die mit SE
assoziiert sind. Hierfür entwickelte das Team eine neuartige
diffusionsbasierte statistische Methode zum Screening von Metagenomen, die
erste vielversprechende Ergebnisse lieferte.
Zusätzlich wird derzeit eine genomweite Assoziationsstudie (GWAS) auf
Basis von EstBB-Daten durchgeführt, um genetische Faktoren zu erforschen,
die mit SE und RDs in Verbindung stehen. Das Konsortium erarbeitet nun die
Strategie zur Auswertung und Interpretation dieser Ergebnisse.
Fokussierte Kohortenstudien und In-vitro-Untersuchungen:
Diese Aufgabe untersucht die Rolle von SE und der Darmpermeabilität bei
RA, SpA und verwandten entzündlichen Erkrankungen. Ein wichtiger Erfolg
ist die umfassende Sammlung und laufende Analyse klinischer Proben. Zu den
wichtigsten Analysen gehören: (i) Serumanalysen von LPS, Zonulin,
Calprotectin und Occludin, (ii) histologische Analysen von Entzündungen
und der Expression von Occludin und Claudinen in Darmbiopsien sowie (iii)
Einzelzell-RNA-Sequenzierung von mononukleären Zellen des peripheren
Blutes und Darmzellen. Bisher wurden Proben analysiert, die
Datenauswertung läuft.
Parallel dazu untersucht diese Aufgabe die Wirkung von LPS verschiedener
Bakterienarten auf das Darmepithel, um die pathogensten Formen zu
identifizieren. Diese in vitro LPS-Charakterisierung ist nahezu
abgeschlossen, und zwei wissenschaftliche Publikationen mit den
Ergebnissen sind geplant. Darüber hinaus wurde erfolgreich ein Darm-auf-
einem-Chip-System etabliert, das derzeit zur Untersuchung der Auswirkungen
von LPS, äußeren Membranvesikeln und extrazellulären Vesikeln auf die
Barrierefunktion des Darms eingesetzt wird.
Mechanistische und Machbarkeitsstudien:
Aktuelle Experimente untersuchen die Reaktion verschiedener
Gelenkzelltypen (Chondrozyten, Synoviozyten, Osteoblasten, Adipozyten,
Makrophagen) auf die in früheren Arbeiten identifizierten pathogensten
LPS-Varianten. Erste Ergebnisse weisen auf eine vielversprechende Richtung
hin, jedoch sind weitere Experimente erforderlich, um aussagekräftige
Schlussfolgerungen zu ziehen. Darüber hinaus wurde die Wirkung der
ausgewählten LPS auf den Stoffwechsel der verschiedenen Gelenkzelltypen
sowie ihre Fähigkeit zur Modulation der Entzündungsreaktion analysiert.
Parallel dazu werden entwickelte Tiermodelle eingesetzt, um die
systemischen und lokalen Effekte von LPS auf die OA-Progression zu
evaluieren. Die Daten wurden erhoben und werden derzeit analysiert.
Interventionsstudien: ENDOTARGET führt im Rahmen seines translationalen
Forschungsansatzes zwei Interventionsstudien durch. Ziel dieser Studien
ist es, zu untersuchen, wie gezielte Strategien die Darmmikrobiota, die
Integrität der Darmbarriere und die systemische Entzündungsreaktion im
Kontext von rheumatischen Erkrankungen beeinflussen können.
SpA-FMT-Studie:
Die Rekrutierung für die Studie zur fäkalen Mikrobiota-Transplantation
(FMT) bei Patienten mit SpA wurde erfolgreich abgeschlossen. Die Studie
konzentriert sich auf die Bewertung der Auswirkungen von FMT auf die Darm-
und systemische Entzündung. Zu den erhobenen Daten und biologischen
Materialien gehören (i) Krankheitsaktivität, (ii) gastrointestinale
Symptome, (iii) Lebensqualitätsbeurteilung, (iv) Blutproben zur Analyse
von Entzündungsmarkern, (v) Stuhlproben zur Calprotectin- und
Mikrobiomanalyse sowie (vi) Ileum- und Kolonbiopsien für Immunhistochemie,
RNA-Sequenzierung und 16S-rDNA-Analyse. Die Datenvorverarbeitung und
-analyse laufen noch; Ergebnisse werden Mitte 2026 erwartet.
TASTY-Studie:
Diese Studie untersucht, ob eine mediterrane Ernährung mit fermentierten
Lebensmitteln die Darmflora, die Krankheitsaktivität und die
Lebensqualität von Menschen mit RA verbessern kann. Die Rekrutierung läuft
aktiv und wird zum Ende von 2025 abgeschlossen sein. Die Datenerhebung und
-analyse haben bereits begonnen. Zu den erhobenen Daten gehören (i)
biologische Proben: Stuhl, Speichel, Blut, Urin; (ii) anthropometrische
und ernährungsphysiologische Daten: Größe, Gewicht, BMI, Taillenumfang,
Körperzusammensetzung, Einhaltung der mediterranen Ernährung; und (iii)
klinische Messungen: Ultraschalluntersuchung aller 32 Gelenke, Anzahl
schmerzhafter und geschwollener Gelenke, Krankheitsaktivität (DAS28-ESR-
Score), funktionelle Beeinträchtigung und Lebensqualitätsbeurteilungen.
Darüber hinaus laufen in vitro Experimente zur Identifizierung von
Medikamenten und/oder aus Lebensmitteln gewonnenen Verbindungen, die die
durch Lipopolysaccharide (LPS) ausgelösten angeborenen Immunreaktionen
blockieren. Ziel ist die Entwicklung neuer Präventionsstrategien für
Arthritis.
Datenmanagement, Multiomics-Modellierung und KI:
Ziel dieser Aufgabe ist die Integration der Ergebnisse verschiedener
Studien und deren Nutzung für die Krankheitsvorhersage. Das Konsortium
konzentrierte sich auf Datenextraktion, -standardisierung und
-harmonisierung – unerlässliche Schritte, um die Konsistenz und
Vergleichbarkeit der Datensätze über verschiedene Kohorten und
Studientypen hinweg zu gewährleisten. Die nächsten Schritte umfassen die
mehrstufige Datenintegrationsanalyse, die Entwicklung des Rheuma-
Vorhersageinstruments und die Entwicklung von Risikoprädiktionsscores.
Highlights der Verbreitung und Kommunikation:
- Partner von GIMM nahmen am 47. ESPEN-Kongress im September 2025 in Prag,
Tschechische Republik, teil.
- HUS, TU Wien und ETH Zürich nahmen am 18. ICRS-Kongress im Oktober 2025
in Boston, USA, teil.
- der Konsortiumspartner GIMM präsentierte das Projekt ENDOTARGET auf dem
40. APTAC-Kongress im Oktober 2025 in Lissabon, Portugal.
- GIMM nahm am 24. Kongress für Ernährung und Lebensmittel in Lissabon,
Portugal, teil.
- GIMM wurde eingeladen, einen Vortrag auf dem UM Global Symposium
(05.–07.11.2025) in Macau, China, zu halten.
- Partner von HUS nahmen am Stay Health Cluster Symposium im Dezember 2025
in Berlin, Deutschland, teil.
- SERGAS/FIDIS nahmen an der online Konferenz VII Congreso Lire im
November 2025 teil.
Merken Sie sich den 2. April 2026 (10:00–12:00 Uhr MESZ) für unser
nächstes Webseminar vor: „Modelling the Gut–Joint Axis: Organ-on-Chip
Approaches for Chronic Inflammation“
Das Webinar bietet Expertenvorträge von:
- TU Wien: Organ-on-a-chip developments within ENDOTARGET
- Nathalie Sauvonnet (Institut Pasteur, Paris): Tissue microenvironments
[&] intestinal pathologies
- Alan Li Zhong (Chinesische Universität Hongkong): Microbe–gut–cartilage
axis-on-a-chip
Interaktive virtuelle Breakout-Sessions ermöglichen den Teilnehmenden den
direkten Austausch mit den Referenten.
Wissenschaftliche Publikationen:
Franco-Trepat, et al. 2023. Antioxidants. β boswellic acid blocks
articular innate immune responses: an in silico and in vitro approach to
traditional medicine. doi: 10.3390/antiox12020371
Guillán-Fresco, et al. 2023. Nutrients. Formononetin, a Beer Polyphenol
with Catabolic Effects on Chondrocytes. doi: 10.3390/nu15132959
Charneca, et al. 2023. Nutrients. Beyond Seasoning—The Role of Herbs and
Spices in Rheumatic Diseases. doi: 10.3390/nu15122812
Pazos-Pérez, et al. 2024. Antioxidants. The hepatokine RBP4 links
metabolic diseases to articular inflammation. doi: 10.3390/antiox13010124
Weber, et al. 2024. Osteoarthritis and Cartilage Open. The collagenase-
induced osteoarthritis (CIOA) model: Where mechanical damage meets
inflammation. doi: 10.1016/j.ocarto.2024.100539
Parantainen, et al. 2025. Atherosclerosis. Increased intestinal mucosal
permeability and metabolic endotoxemia predict the risk of cardiovascular
mortality. doi: 10.1016/j.atherosclerosis.2025
Brandauer, et al. 2025. Lab on a Chip. Sensor-integrated gut-on-a-chip for
monitoring senescence-mediated changes in the intestinal barrier. doi:
10.1039/d4lc00896k
Charneca, et al. 2025. Nutrition Journal. TASTY trial: protocol for a
study on the triad of nutrition, intestinal microbiota and rheumatoid
arthritis. doi: 10.1186/s12937-025-01089-6
Bevc, et al. 2025. RMD Open. Evaluating the role of lipopolysaccharides in
the joint: fibronectin as a novel protective mechanism. doi:
10.1136/rmdopen-2025-005622
Tiemblo-Martin, et al. 2025. Chemical Science. Odoribacter splanchnicus
Lipooligosaccharide: an uncommon structure with weak immunostimulatory
activity. doi:10.1039/D5SC08335D
