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Klimawandel in Hamburg: Persönliche Betroffenheit so groß wie nie

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Der Klimawandel ist spürbar und stellt eine Bedrohung für Hamburg dar.
Darin ist sich die Mehrheit der Befragten in der vom Helmholtz-Zentrum
Hereon durchgeführten Langzeitstudie „Risikobewusstsein Hamburger
Bürger_Innen für den Klimawandel 2026“ einig. Dieses Jahr fühlen sich so
viele Befragte wie nie zuvor von Naturkatastrophen persönlich betroffen.
Sturmfluten, Überschwemmungen und Stürme werden als die größten Gefahren
für Hamburg eingeschätzt. Das Risikobewusstsein ist vor allem bei jungen
Menschen gestiegen.

Zum 19. Mal infolge haben die Hereon-Wissenschaftlerinnen Prof. Beate
Ratter und Johanna Nicolaysen in Zusammenarbeit mit dem
Meinungsforschungsinstitut Forsa Hamburgerinnen und Hamburger befragt, wie
sie den Klimawandel und seine Folgen wahrnehmen. „Mit dieser
Langzeitstudie untersuchen wir die tiefgehenden Einstellungen zum
Klimawandel sowie Trends, die jenseits tagesaktueller Diskussionen die
gesellschaftlichen Einstellungen bestimmen”, erklärt sie. Ratter leitet
die Abteilung für Sozioökonomie des Küstenraums am Hereon-Institut für
Küstensysteme - Analyse und Modellierung und ist Professorin an der
Universität Hamburg.

Große persönliche Betroffenheit

In diesem Jahr gaben 64 Prozent der Befragten an, dass sie es für möglich
halten, selbst von einer Naturkatastrophe betroffen zu sein – ein neuer
Höchstwert. Bei den weiblichen Befragten stieg dieser Anteil sogar um 12
Prozentpunkte.

Mehr junge Menschen fühlen sich bedroht

Eine zentrale Veränderung gegenüber 2025 zeigt sich auch bei den jüngeren
Altersgruppen. 2025 war bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein
deutlicher Rückgang im Risikobewusstsein festgestellt worden. Diesmal
stieg der Anteil der Befragten im Alter von 14 bis 39 Jahren, die den
Klimawandel als große Bedrohung sehen, auf 45 Prozent (+7 Prozent).
Gleichzeitig sanken die Prozentpunkte bei der Wahrnehmung als weniger
große Gefahr auf 22 Prozent (-10 Prozent). Insgesamt zeigte sich unter
allen Befragten ein hohes Risikobewusstsein. Wie im Vorjahr nahmen 63
Prozent den Klimawandel als große oder sehr große Bedrohung für die Stadt
Hamburg wahr.

Größte Gefahren: Sturmfluten, Überschwemmungen, Stürme

Auf die Frage, wann die Folgen des Klimawandels für Hamburg spürbar
werden, antworteten 56 Prozent aller Befragten mit „heute“ – ein Rückgang
von 5 Prozentpunkten. 14 Prozent hingegen gaben an, dass die Folgen erst
in 30 Jahren spürbar werden – ein Anstieg von 5 Prozentpunkten.

Bei der Einschätzung konkreter Risiken bleibt Hamburg seiner Küstenlage
treu: Sturmfluten und Überschwemmungen werden weiterhin mit Abstand als
größte Gefahr wahrgenommen (66 Prozent), auch wenn ihr Anteil leicht
zurückging (-4 Prozent). Neu ist die Verschiebung bei anderen
Extremereignissen: Stürme gewinnen an Bedeutung (+6 Prozent), Hitzewellen
verlieren dagegen (-5 Prozent). Damit kehrt sich der Trend aus 2025
teilweise um, als Hitzewellen erstmals stärker in den Fokus gerückt waren.

Mehr Notvorräte, weniger Versicherungen

Die Hamburgerinnen und Hamburger treffen zunehmend persönliche
Vorsorgemaßnahmen: 76 Prozent nutzen nach wie vor Warn- und Wetterapps, 57
Prozent legen Notvorräte an (+7 Prozent). Jedoch geht die Bereitschaft
zurück, sich finanziell abzusichern: 39 Prozent gaben an, Versicherungen
gegen Klimaschäden abgeschlossen zu haben – ein neuer Tiefstand.

Klima gewinnt als politisches Thema an Bedeutung

Die Teilnehmenden der Studie wurden auch nach den größten Problemen in
Hamburg allgemein gefragt. Das Klima landet hier mit 11 Prozent (+4
Prozent) erstmals unter den am häufigsten genannten Themen. Die größten
Sorgen bereiten der Mehrheit jedoch Verkehr (35 Prozent), Mieten und
Wohnung (31 Prozent) sowie Baustellen (17 Prozent). Auf den hinteren
Plätzen landen mit 5 Prozent unter anderem Energiepolitik und
Energiepreise.

Gesellschaftliche Debatte verändert sich
„Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass der Klimawandel
weiterhin von einer stabilen Mehrheit als ernstzunehmende Gefahr
eingeschätzt wird“, fasst Nicolaysen zusammen. „Gleichzeitig verändert
sich die gesellschaftliche Debatte über persönliche Betroffenheit,
politische Verantwortung und die konkrete Ausgestaltung von
Klimaschutzmaßnahmen.“ Dies zeigte sich auch beim Hamburger Volksentscheid
zur Klimaneutralität am 12. Oktober 2025. Knapp über die Hälfte der
Menschen stimmte für den Zukunftsentscheid und damit für eine Verschärfung
der Klimaziele und eine Klimaneutralität der Stadt bis 2040 – also fünf
Jahre früher als vom bisherigen Senat geplant. „Das zeigt: klimapolitische
Maßnahmen finden trotz kontroverser Diskussionen weiterhin mehrheitliche
Unterstützung“, sagt Ratter. Aus den Ergebnissen der Langzeitstudie könne
man auch Potenziale für ein klimaangepasstes Handeln ableiten. „Im
Hinblick auf den gesellschaftlichen Umgang mit dem Klimawandel ist das
besonders wichtig.“

Hintergrund der Studie

Die Langzeitstudie „Risikobewusstsein der Hamburger Bürger_Innen für den
Klimawandel“ wird seit 2008 jährlich durchgeführt. Rund 500 Befragte geben
in der Telefonumfrage von Forsa jedes Jahr Auskunft über vier Fragen zu
ihrer Wahrnehmung des Klimawandels. Seit 2019 werden zusätzlich
persönliche Vorsorgemaßnahmen abgefragt und seit 2010 auch die Meinung zu
Hamburgs wichtigsten Problemen. Die Studienergebnisse aus allen Jahren
sind öffentlich einsehbar.

Spitzenforschung für eine Welt im Wandel

Das Ziel der Wissenschaft am Helmholtz-Zentrum Hereon ist der Erhaltung
einer lebenswerten Welt. Dafür erzeugen rund 1000 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter Wissen und erforschen neue Technologien für mehr Resilienz und
Nachhaltigkeit – zum Wohle von Klima, Küste und Mensch. Der Weg von der
Idee zur Innovation führt über ein kontinuierliches Wechselspiel zwischen
Experimentalstudien, Modellierungen und künstlicher Intelligenz bis hin zu
Digitalen Zwillingen, die die vielfältigen Parameter von Klima und Küste
oder der Biologie des Menschen im Rechner abbilden. Damit wird
interdisziplinär der Bogen vom grundlegenden wissenschaftlichen
Verständnis komplexer Systeme hin zu Szenarien und praxisnahen Anwendungen
geschlagen. Als aktives Mitglied in nationalen und internationalen
Forschungsnetzwerken und im Verbund der Helmholtz-Gemeinschaft unterstützt
das Hereon mit dem Transfer der gewonnenen Expertise Politik, Wirtschaft
und Gesellschaft bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft.