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nteraktive Ausstellung macht neuronale Kommunikation körperlich erfahrbar

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Mit Somatic Circuits präsentiert das Fraunhofer IZM ein Kunstwerk, das die
Kommunikation biologischer Signale in ein körperliches und ästhetisches
Erlebnis verwandelt. Im Zentrum stehen flexible Wearables, die die
Künstlerin Marlot Meyer mithilfe von Entwicklungen der Forschungsgruppe
„Technologien der Bioelektronik“ und dem Kurator Pierre Wolter (Galerie
Art Claims Impulse) gestaltet hat. Sie verbinden Klang, Berührung und
Körperwahrnehmung in einem multisensorischen Netzwerk. Das interaktive
Kunstwerk, welches Wissenschaft
und Design verbindet, feiert ihre Premiere beim Festival der Zukunft in
München vom 2. bis 4. Juli.



Die aufblasbaren Skulpturen der Künstlerin Marlot Meyer sind groß, bunt
und einladend – und sie eröffnen Besucher*innen einen spielerischen Zugang
zu den Themen Gehirn, neuronale Netzwerke, menschliche Kommunikation und
körperliche Erfahrbarkeit. Im Zentrum stehen komplexe, tragbare „Ballons“,
die jeweils ein Neuron repräsentieren. Sobald Teilnehmende diese
Skulpturen aufnehmen, werden sie selbst zu aktiven Elementen eines
lebendigen, neuronalen Netzwerkes: Ihre Atemfrequenz, Bewegungen und
Schallsignale fließen unmittelbar in die Interaktion mit anderen
Teilnehmenden ein.

Technisch funktioniert die Interaktion zwischen den Teilnehmenden so: Die
Atemfrequenz und -tiefe der Teilnehmenden wird in gerichteten Schall
(Ultraschall) gewandelt, der bei einem „Gegenüber“ über ein Mikrophon
empfangen und in elektrische Reize übersetzt wird. Über flexible
Elektroden an den Händen werden diese Reize für das „Gegenüber“ spürbar –
ein multisensorisches Kommunikationssystem entsteht, in dem Menschen nicht
nur die Signale anderer wahrnehmen, sondern an bestimmten Körperstellen
sogar deren Atemrhythmus empfinden können – jedoch nur dann, wenn der
gerichtete Schall der anderen Person auf den eigenen Körper trifft.

Das visuelle Zentrum bildet eine mit Wasser gefüllte Skulptur, die das
„zentrale Neuron“ der Installation darstellt. Die Audiosignale aller
Teilnehmenden steuern einen Subwoofer, der auf der Wasseroberfläche
stehende Wellen entstehen lässt, sodass die gemeinsame Aktivität des
Netzwerks sichtbar wird.

Flexible Wearables machen Bioelektronik erlebbar

Möglich ist diese immersive Installationserfahrung durch flexible
Wearables, die Forschende am Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und
Mikrointegration IZM entwickelt haben. Die Forschungsgruppe „Technologien
der Bioelektronik“ arbeitet an flexiblen neuronalen Schnittstellen, die
als Alternative oder Ergänzung zu pharmazeutischen Therapien des
Nervensystems dienen können. Solche bioelektronischen Systeme kommen heute
beispielsweise bereits in Hörimplantaten zum Einsatz, bei denen Schall in
elektrische Signale umgewandelt wird, die dann direkt an das Nervensystem
weitergegeben werden, um verlorene Sinnesfunktionen wiederherzustellen.

Im Forschungsalltag entwickelt die Gruppe in diesem Zusammenhang
sogenannte Cuff-Elektroden aus biokompatiblen Materialien wie Polyurethan,
die direkt am Nerv eingesetzt werden. Die eingesetzten flexiblen Polymere
passen sich besonders gut an biologisches Gewebe an und ermöglichen einen
erhöhten Tragekomfort. Neben elektrischer Stimulation untersucht die
Forschungsgruppe zusätzlich die Wirkung von Ultraschall zur Aktivierung
des Nervensystems, wobei die hochfrequenten Ultraschallwellen gezielt
Nervenzellen beeinflussen können.

Für das interdisziplinäre Projekt Somatic Circuits passen die Forschenden
diese Technologien erstmals so an, dass sie nicht-invasiv auf der Haut
funktionieren und machen so ihre wichtige, medizintechnische Forschung und
deren Anwendung einem breiten Publikum zugänglich und unmittelbar
erlebbar.

Neuronale Kommunikation als multisensorisches Erlebnis

Die Installation greift grundlegende Prinzipien der neuronalen
Informationsübertragung auf: Im menschlichen Nervensystem erfolgt
Kommunikation multimodal – also elektrisch über Aktionspotenziale und
chemisch durch Neurotransmitter. Somatic Circuits überträgt dieses Prinzip
in den Ausstellungsraum und kombiniert elektrische, akustische und
ultraschallbasierte Signale zu einem gemeinsamen Erlebnisraum.

Ko-Kreation als Grundlage der Installation

„Die Verbindung zwischen Kunst und Wissenschaft ist oft durch
unterschiedliche Arbeitsweisen geprägt, was bedeutet, dass ein
harmonisches gegenseitiges Verständnis nicht immer von selbst entsteht.
Umso wertvoller ist es, wenn beide Bereiche als Partner zusammenkommen, um
neue Wege zu beschreiten.“, fasst die Medienkünstlerin Marlot Meyer
zusammen.

Besonders am Projekt ist die enge Zusammenarbeit zwischen Forschenden,
Künstlerin und Kurator. Workshops, gegenseitige Labor- und Atelierbesuche
und gemeinsam durchgeführte Experimente bilden die Grundlage der
Installation. Die Arbeitsweise spiegelt somit zeitgleich die zentralen
Themen des Projekts – Kommunikation, Verbindung und kollektive Interaktion
– wider. Diese enge Verzahnung ermöglicht eine Installation, die sowohl
technologisch anspruchsvoll als auch ästhetisch und sinnlich zugänglich
ist.

Ziel des Projekts ist es, Wissen über Bioelektronik zu vermitteln,
Berührungsängste abzubauen und neue Perspektiven auf das Zusammenspiel von
Körper, Technologie und Gesellschaft zu eröffnen. Die Installation richtet
sich an eine kunst- und wissenschaftsaffine Öffentlichkeit ebenso wie an
Vertreter:innen aus Industrie und Forschung. Mit Somatic Circuits schaffen
das Fraunhofer IZM, die Künstlerin Marlot Meyer und die Galerie Art Claims
Impulse einen wichtigen Beitrag in der Wissenschaftskommunikation, indem
sie kreative Zugänge zur Bioelektronik schaffen und durch eine
multisensorische, interaktive Erfahrung naturwissenschaftliche Forschung
verständlich und erlebbar machen. Das Projekt wird gefördert durch das
Fraunhofer Netzwerk „Wissenschaft, Kunst und Design (WKD)“.

Premiere beim Festival der Zukunft vom 02.07.-04.07.2026

Die erste öffentliche Präsentation von Prototypen des interaktiven
Kunstwerks von Somatic Circuits findet beim Festival der Zukunft in
München vom 02.07.-04.07.2026 statt. Besucher*innen sind eingeladen, Teil
des neuronalen Netzwerkes zu werden und die Verbindung von Bewegung, Klang
und Technologie selbst zu erleben.

(Text: Lotta Jahnke)

Weitere Bilder: https://www.izm.fraunhofer.de/en/news_events/pics.html