Machtmissbrauch erkennen und verhindern: Jetzt für das Zertifikatsprogramm bewerben
Ob in Kirchen, Vereinen oder beim Film – Menschen missbrauchen ihre Macht
in vielen Settings. Um die Strukturen, die dahinter stecken, geht es im
Zertifikatsprogramm "Machtmissbrauch erkennen und verhindern" der Uni
Würzburg. Es dauert zwei Semester und richtet sich an Berufstätige sowie
an Studierende der Uni Würzburg. Bewerbungsende für das Wintersemester ist
der 15. Juli 2026.
Die erste Runde des Zertifikatsprogramms „Machtmissbrauch erkennen und
verhindern“ (MEV) der Uni Würzburg geht im Juli 2026 zu Ende. Nach einem
erfolgreichen Start wird das zwei Semester umfassende Programm im Winter
fortgesetzt.
Der Pilot-Jahrgang bestand aus 115 Teilnehmenden. Etwa die Hälfte davon
waren Studierende der JMU. Dazu kamen Berufstätige aus pädagogischen,
psychologischen, medizinischen, kirchlichen, kulturellen und politischen
Arbeitsfeldern, die MEV als weiterbildendes Studium besuchten. In all
diesen Arbeitsbereichen gibt es Organisationen mit ausgeprägten
Hierarchien, die immer das Risiko für Machtmissbrauch beinhalten.
Das Zertifikatsprogramm MEV vermittelt den Teilnehmenden eine Grundlage,
auf der sie mögliche Grenzüberschreitungen frühzeitig erkennen und ihnen
gegensteuern können. Und auf der sie Schutzkonzepte planen können, die
missbräuchliches Verhalten gar nicht erst ermöglichen.
Theorie, Praxis und die Perspektive von Betroffenen
MEV besteht aus zwei Phasen.
Das Wintersemester legt mit Theorien und Definitionen von Macht das
wissenschaftliche Fundament. Die Teilnehmenden erfahren, wie Psychologie,
Philosophie und Sozialethik Macht und Machtmissbrauch definieren. So
lernen sie, Machtmissbrauch zu erkennen, zu benennen und zu analysieren.
Im Lauf des Semesters werden die Lehrveranstaltungen zunehmend
praxisorientierter.
Ein Highlight des Wintersemesters war ein Gesprächsabend mit zwei
Mitgliedern des Betroffenenbeirats und der Unabhängigen Kommission zur
Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Bistum Würzburg. Die Perspektive
von Betroffenen gehört maßgeblich dazu, wenn man sich um Prävention
bemühen möchte: Erst durch ihre Erzählungen werden auch die kleinen, meist
unsichtbaren Mechanismen und Auswirkungen von Macht konkret.
Im Sommersemester wird die im Wintersemester gelernte Theorie angewendet.
Die Teilnehmenden bekommen die unterschiedlichsten Handlungssettings
vorgestellt: von Kita, Schule und Hochschule über kulturell-
gesellschaftliche Bereiche wie Musik, Kirche und Sport bis hin zu Klinik,
Heim und Ehrenamt.
Herzstücke des Sommersemesters waren Veranstaltungen mit Dr. Ulrike
Hoffmann, die sich um den Kinderschutz in der Medizin verdient gemacht
hat, und mit Professorin Barbara Kavemann, die über sexuelle Gewalt gegen
Kinder und Jugendliche forscht. Außerdem konnten die Teilnehmenden mit
Regisseur Christoph Röhl, der einen Film über den institutionellen
Missbrauch an der Odenwaldschule („Die Auserwählten“, D 2014) gedreht hat,
und mit dem Generalvikar des Bistums Würzburg, Dr. Jürgen Vorndran,
diskutieren.
Feedback von Teilnehmenden
Schon während des Pilot-Kurses meldeten Teilnehmende immer wieder zurück,
dass das Programm direkt ihre Arbeit beeinflusse. Ein Teilnehmer, der im
kirchlichen Kontext als Ausbilder arbeitet, konnte die theoretischen
Inhalte direkt in einen Ausbildungs-Workshop einarbeiten.
Eine Teilnehmerin, die eine Ombudsstelle leitet: „Die Inhalte vermitteln
nicht nur relevantes theoretisches Wissen, sondern regen zugleich dazu an,
Fälle, Kommunikationssituationen und institutionelle Prozesse
differenziert zu reflektieren. Ich habe den Studiengang insgesamt als
fachlich anspruchsvoll und gleichzeitig sehr praxisorientiert, und
unterstützend erlebt. Er stärkt nicht nur das Wissen, sondern auch die
eigene Handlungssicherheit im Umgang mit sensiblen Situationen und
institutionellen Herausforderungen.“
Bewerbung für die nächste Runde läuft
Die zweite Runde des Zertifikatsprogramms „Machtmissbrauch erkennen und
verhindern“ startet im Wintersemester 2026/27. MEV richtet sich an
Studierende der JMU sowie an Berufstätige aus allen Bereichen mit
hierarchischen Strukturen und Kontakt zu Schutzbefohlenen.
Interessierte können sich bis 15. Juli 2026 über ein Onlineformular auf
der Homepage des Zertifikatsprogramms (https://go.uniwue.de/mev) bewerben.
Die Teilnehmenden können den Kurs an ihre individuellen Lebenssituationen
anpassen: Die meisten Lehrinhalte stehen als asynchrone Einheiten online
zur Verfügung, nur wenige Termine finden in Präsenz (als Zoom-Kolloquium
und als Workshop) statt.
Wer einen Einblick in die Entstehung, Motivation und Ziele von MEV
erhalten möchte, kann sich auf YouTube die feierliche MEV-Eröffnung vom
30. September 2025 mit dem Festvortrag von Professor Jörg Fegert
(Uniklinikum Ulm) ansehen. https://www.youtube.com/live/k
