Praktische Meeresmessung auf See
Wie funktionieren Meeresmessgeräte und was sagen die Messergebnisse über
den Zustand der Meere aus? Mit solchen Fragen beschäftigen sich
Studierende in der Vertiefungsrichtung Meerestechnik und Windenergie (MUW)
des Bachelorstudiengangs Ingenieurwesen. Ob das, was sie in den
Vorlesungen gelernt haben, auch tatsächlich funktioniert, haben Theresa
Mevenkamp, Johannes Lutz und Alisa Küther kürzlich bei einer fünftägigen
Forschungsfahrt nach Helgoland getestet. Auf dem Forschungsschiff
„Heincke“ erhoben und untersuchten sie Proben, mit denen der Einfluss der
Gezeiten auf das Ökosystem sichtbar wurden. Möglich war die Exkursion
durch die langjährige Kooperation mit dem Alfred-Wegener-Institut.
Das theoretische Wissen, wie Meeresmessungen durchgeführt werden und
welche Auswirkungen beispielsweise Ozeanströmungen oder Gezeiten auf das
Ökosystem haben, haben Theresa Mevenkamp, Johannes Lutz und Alisa Küther
in den Vorlesungen Meereskunde, Ozeanographie und Meerestechnik erworben.
Ob sich das auch tatsächlich in der Realität so beobachten lässt, konnten
die Studierenden im Wahlpflichtmodul „Praktische Meeresmessungen auf See“
herausfinden. Gemeinsam mit Studierenden der LMU München haben sie fünf
Tage lang Praxiserfahrungen sammeln können. Dazu gehörten die Erhebung und
Auswertung von Proben sowie die Präsentation der Ergebnisse. Betreut
wurden sie dabei von den Professoren Dr. Alexander Haumann, Dr. Mario
Hoppema und Dr. Benjamin Rabe, den wissenschaftlich-technischen
Mitarbeitenden Ina Schmidt und Ralph Igel, dem Doktoranden Nils Müller,
der Masterstudentin Marlene Schramm sowie dem Fahrtleiter Dr. Wilken-Jon
von Appen, der auch die gesamte Reise koordinierte.
Bei der Exkursion wurde eine Forschungsfahrt auf der „Heincke“ simuliert.
Die Studierenden wurden nicht nur durch den Maschinenraum und die Brücke
geführt, sondern übernahmen auch Aufgaben an Bord. Dafür wurden sie
zunächst von Fachkräften angelernt und mussten das Wissen dann an ihre
Kommiliton:innen weitergeben. „Wir mussten uns selbstständig organisieren
und auch zum Beispiel Ersatz finden, wenn wir durch die Messungen andere
Aufgaben von uns nicht übernehmen konnten. Wir haben dadurch einen guten
Einblick in das Leben an Bord bekommen“, sagt Johannes Lutz. Auch die
Fahrtleitung durften sie an einem Tag übernehmen. „Wir haben gemeinsam die
Fahrtroute festgelegt und entschieden, welche Stationen wir anfahren und
was wir messen wollen.“
Ziel der Fahrt war die Untersuchung von Wasserproben mithilfe einer CTD-
Rosette. Die Abkürzung CTD steht für Conductivity, Temperature und Depth
(Leitfähigkeit, Temperatur, Tiefe) und sagt aus, welche Parameter erhoben
werden können. „Mit einer CTD-Rosette werden der Salzgehalt, die
Temperatur, die Tiefe, Dichte und der Druck in unterschiedlichen
Wassertiefen gemessen. Die Ergebnisse sagen etwas über die Zirkulation und
den Zustand des Meeres aus“, erklärt Theresa Mevenkamp. „Außerdem konnten
wir in unterschiedlichen Tiefen Wasserproben nehmen und chemisch
untersuchen. So haben wir etwas über den Sauerstoffgehalt erfahren.“ Auf
diese Weise lassen sich Modelle von Meeren erstellen und so auch die
Auswirkungen des Klimawandels nachweisen. „Mich hat besonders überrascht,
dass sich die Gezeiten auf Helgoland noch so auswirken. Damit rechnet man
nicht unbedingt. Bei Flut wird zum Beispiel salzhaltiges Wasser Richtung
Helgoland gedrückt. Das ist auch am Ökosystem erkennbar,“ erklärt Alisa
Küther.
Neben der CTD-Rosette kam auch ein sogenannter Van Veen Grab Sampler bei
der Forschungsfahrt zum Einsatz. Dies ist eine große Schaufel, mit der
Sediment vom Meeresboden entnommen wird. Auch daran werden Eingriffe des
Menschen in die Umwelt deutlich. „Das Sediment aus der Nordsee
unterscheidet sich von dem aus Flüssen. Flusssediment ist zum Beispiel
klebriger und enthält weniger Muscheln. Bei der Vertiefung der Elbe wurde
der Fluss ausgebaggert und das Sediment vor Helgoland abgelegt. Das
konnten wir in unserer Probe nachweisen“, sagt Theresa Mevenkamp.
In Zweiergruppen haben die Studierenden die Messdaten analysiert und ihre
Ergebnisse später ihren Kommiliton:innen präsentiert. Das sorgte für
einige Aha-Erlebnisse. „Ich hätte nicht gedacht, dass man anhand der
Proben so viel sehen kann. Aber durch die Präsentationen der anderen
Gruppen und den Austausch untereinander sieht man plötzlich auch
Zusammenhänge, die man vorher nicht erkennen konnte“, sagt Alisa Küther.
Sie sind dem Alfred-Wegener-Institut dankbar für die Exkursion und die
herausragende Betreuung. „Es war toll, eine Forschungsfahrt in der
Realität erleben zu dürfen und immer jemanden zu haben, dem man Fragen
stellen konnte. Auf zwei Studierende kommt ein Betreuer – wo hat man das
schon“, so Johannes Lutz abschließend.
Derzeit läuft die Bewerbungsphase für ein Studium an der Hochschule
Bremerhaven. Auch der Bachelorstudiengang Ingenieurwesen nimmt neue
Studierende auf. Die Bewerbungsfrist ist der 15. August. Weitere
Informationen zum Bewerbungsverfahren für Bachelorstudiengänge unter www
.hs-bremerhaven.de/bachelorbew
hat, findet weitere Informationen unter https://www.hs-
bremerhaven.de/masterbewerbung
