Automatisierte Messkabine soll Notaufnahme entlasten: Deutschlandpremiere am UKSH
Patientinnen und Patienten der Notaufnahme am UKSH, Campus Kiel, können ab
sofort eigenständig wichtige Körperwerte in einer digitalen Messkabine
erfassen, noch bevor die eigentliche Ersteinschätzung (Triage) durch die
Notfallfachpflege stattfindet. So soll das ärztliche Personal schneller
über den Zustand einer Person entscheiden können. Die Bedienung in der
Kabine erfolgt intuitiv per Anleitung an einem Bildschirm. Das System
misst vollautomatisiert Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung,
Atemfrequenz, Temperatur und Gewicht. Welche Personen für die Nutzung
infrage kommen, entscheidet das geschulte Personal bei der Anmeldung.
Damit geht das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) neue Wege in
der akuten Patientenversorgung. Als bundesweit erste Notaufnahme testet
der Campus Kiel den Einsatz der eHealth Station des Herstellers MedicubeX
zur automatisierten Selbsterfassung von Vitalparametern. Nach Angaben des
Herstellers wird die eHealth Station in Deutschland bislang nur an wenigen
Kliniken und außerhalb der Notfallmedizin eingesetzt. Die direkte
Integration in die Abläufe einer Notaufnahme ist demnach eine bundesweite
Premiere. Bewährt sich das Pilotprojekt in Kiel, soll das System auch am
Campus Lübeck zum Einsatz kommen.
Selbstständige Erfassung direkt vor der Ersteinschätzung
Der große Vorteil für die Abläufe in der Notaufnahme liegt in der
nahtlosen digitalen Integration: Die Messstation überträgt die erhobenen
Werte direkt in das Krankenhausinformationssystem. Damit entfallen für die
Pflegekräfte zeitaufwendige manuelle Mess- und Dokumentationsschritte.
Wenn die Patientin oder der Patient zur Ersteinschätzung aufgerufen wird,
liegen dem Pflegepersonal bereits alle Basisdaten vor. Die medizinische
Entscheidung bleibt aber immer Aufgabe des Notaufnahmepersonals. Die
Technik ersetzt keine pflegerische oder ärztliche Beurteilung, sondern
liefert frühzeitig und standardisiert erhobene Informationen, um den
Behandlungsprozess ab der ersten Minute zu beschleunigen.
„In der Notaufnahme zählt ein schneller, strukturierter und zuverlässiger
Überblick über den Zustand unserer Patientinnen und Patienten“, sagt Dr.
Domagoj Schunk, Leiter der Interdisziplinären Notaufnahme am UKSH, Campus
Kiel. „Jede Information, die bereits zu Beginn vorliegt, hilft uns, die
Situation eines Menschen besser einzuordnen. Genau darum geht es bei
diesem Projekt: Wir wollen prüfen, ob die Station unseren Mitarbeitenden
im Alltag spürbar den Rücken freihält – damit mehr Zeit für den Menschen
bleibt.“
Universitätsmedizinische Versorgung zukunftsfähig weiterentwickeln
„Die Notaufnahmen in Kiel und Lübeck stehen vor denselben
Herausforderungen: viele Fälle, knappe Personalressourcen und die
Notwendigkeit, gleich zu Beginn der Versorgung zügig und verlässlich zu
entscheiden“, sagt Dr. Sebastian Wolfrum, Leiter der Interdisziplinären
Notaufnahme am UKSH, Campus Lübeck. „Deshalb entwickeln wir das Projekt
gemeinsam für beide Campi. Der Testbetrieb am Campus Kiel soll zeigen, wie
gut sich die Station in den Alltag integrieren lässt, wie einfach
Patientinnen und Patienten sie nutzen können und ob der Prozess die Teams
spürbar entlastet.“
„Digitale Lösungen können einen wichtigen Beitrag leisten, um die
universitätsmedizinische Versorgung zukunftsfähig weiterzuentwickeln“,
sagt Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender (CEO) des
UKSH. „Entscheidend ist dabei, dass Technik dort eingesetzt wird, wo sie
Patientinnen und Patienten sowie unseren Mitarbeitenden konkret nutzt.“
