Studie zur schulischen Inklusion: Positionspapier formuliert Empfehlungen für die Bildungspolitik
Die Daten der Langzeitstudie „Inklusion in und nach der Sekundarstufe I in
Deutschland“ (INSIDE) stehen der wissenschaftlichen Gemeinschaft ab sofort
zur Verfügung. Parallel dazu veröffentlichten die INSIDE-Projektpartner
ein Positionspapier, das auf Basis der bisherigen Studienergebnisse
Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die Weiterentwicklung inklusiver
Bildung in Deutschland formuliert – beispielsweise die stärkere
Verankerung des Themas bereits in der Lehrkräfteausbildung.
Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 hat
sich Deutschland zu einem inklusiven Bildungssystem verpflichtet.
Infolgedessen werden Schülerinnen und Schüler mit und ohne
sonderpädagogischen Förderbedarfen zunehmend gemeinsam an allgemeinen
Schulen unterrichtet. Doch insbesondere für die Sekundarstufe I sowie für
die anschließenden Übergänge in Ausbildung, weiterführende Bildungsgänge
oder das Berufsleben bestehen erhebliche Forschungsbedarfe zum Gelingen
inklusiver Bildung und zu den Bildungswegen von Schülerinnen und Schülern
mit und ohne sonderpädagogische Förderbedarfe.
INSIDE liefert erstmals Daten zum Stand der schulischen Inklusion
Hier setzt die INSIDE-Studie an, die zwischen 2019 und 2024 insgesamt fünf
Erhebungswellen durchgeführt hat, um den Stand der schulischen Inklusion
in und nach der Sekundarstufe I zu erfassen. Zu Beginn nahmen mehr als
4.500 Schülerinnen und Schüler der sechsten Jahrgangsstufe, mit und ohne
sonderpädagogischen Förderbedarfen, teil. Neben wiederholten Befragungen
wurden regelmäßig Kompetenztests durchgeführt. Darüber hinaus erfasste die
Studie Informationen aus dem schulischen und familiären Umfeld durch
Befragungen von Lehr- und Fachkräften, Schulleitungen sowie Eltern. Der
nun verfügbare Datensatz enthält die aufbereiteten Längsschnittdaten aller
fünf Erhebungswellen und steht der wissenschaftlichen Gemeinschaft
kostenfrei für Analysen zur Verfügung.
Positionspapier formuliert bildungspolitische Empfehlungen
Zeitgleich mit der Datenveröffentlichung haben Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler des INSIDE-Projekts ein Positionspapier veröffentlicht,
das zentrale bisherige INSIDE-Erkenntnisse für politische
Entscheidungsträger aufbereitet. Im Fokus stehen dabei unterschiedliche
Formen der Umsetzung inklusiver Bildung sowie deren Auswirkungen auf die
schulische Entwicklung und die Bildungswege von Schülerinnen und Schülern
mit und ohne sonderpädagogische Förderbedarfe.
Auf Grundlage der bisherigen INSIDE-Ergebnisse empfehlen die Autorinnen
und Autoren unter anderem ein breites Verständnis von Inklusion, das alle
Schülerinnen und Schüler einbezieht und eine ganzheitlich inklusive
Schulentwicklung unterstützt. Weitere Empfehlungen betreffen die
verbindliche Zusammenarbeit von sonderpädagogischen und
allgemeinpädagogischen Lehrkräften, die stärkere Verankerung des
professionellen Umgangs mit Heterogenität in der Lehrkräftebildung sowie
die Förderung sozialer Teilhabe, grundlegender Kompetenzen und
überfachlicher Fähigkeiten.
Darüber hinaus formuliert das Positionspapier weitere bildungspolitische
Empfehlungen. Dazu zählen die Entwicklung klarer Indikatoren für
schulische Inklusionsziele, die stärkere Ausarbeitung inklusiver Konzepte
insbesondere für Gymnasien sowie eine engere Zusammenarbeit von
allgemeiner und sonderpädagogischer Lehrkräftebildung bereits an den
Hochschulen.
INSIDE als Kooperationsprojekt
Die INSIDE-Studie wurde als gemeinsames Forschungsprojekt des Leibniz-
Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi), der Humboldt-Universität zu
Berlin, der Bergischen Universität Wuppertal und der Universität Potsdam
durchgeführt. Ziel der Studie war es, die Gelingensbedingungen inklusiven
Unterrichts sowie die Umsetzung und Auswirkungen inklusiver Bildung in
Deutschland umfassend und längsschnittlich zu untersuchen. Die Erhebungen
wurden bundesweit in 14 Bundesländern durchgeführt. Mit der
Veröffentlichung des Scientific-Use-Files und des Positionspapiers werden
die im INSIDE-Projekt gewonnenen Daten und Erkenntnisse sowohl für die
wissenschaftliche Weiterarbeit als auch für die Diskussion über die
zukünftige Ausgestaltung inklusiver Bildung in Deutschland zugänglich
gemacht.
