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Nix los ohne Kinder oder lieber kinderlos? Warum ein kinderfreies Leben immer sichtbarer wird und die Gesellschaft (noc

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Eine eigene Familie zu gründen und Nachwuchs zu bekommen, galt
jahrzehntelang als selbstverständlich. Doch das ist es für viele Deutsche,
vor allem die „berüchtigte“ Gen Z heute aus unterschiedlichen Gründen
nicht mehr. Die Sichtbarkeit jener, die sich bewusst gegen eine
Elternschaft entscheiden, wird immer größer. Woher kommt dieser Wandel und
warum löst die Entscheidung gegen Kinder so viele Diskussionen aus? Diese
und weitere Fragen zum Thema beantworten Dr. Sarah Seidl und Dr. Thomas
Bippes, beide Professoren an der SRH Fernhochschule – The Mobile
University, hier.



Die Geburtenrate war im letzten Jahr beinahe auf einem historischen
Tiefstand. Denn 2025 wurden in Deutschland nach vorläufigen Angaben rund
654.300 Kinder geboren, was die niedrigste Zahl seit dem Ende des Zweiten
Weltkriegs war. Bereits 2022 waren von 29,7 Millionen Frauen zwischen 20
und 75 Jahren rund 9,5 Millionen kinderlos. Oder ein bisschen greifbarer:
Die aktuelle Geburtenzahl liegt in Deutschland bei 1,38 Kindern pro Frau.

Entscheidung mit lebenslanger Konsequenz

In Großstädten, wie beispielsweise Hamburg, ist im Schnitt jede dritte
Frau kinderlos, in anderen Regionen sind es immer noch deutlich über 20
Prozent. Um so aufrechterhalten werden zu können, wie es konzipiert wurde,
bräuchte unser Rentensystem 2,1 Kinder pro Frau, doch diese Quote wird
schon lange nicht mehr erfüllt. Denn gesellschaftlicher Beitrag hin oder
her: Die Entscheidung für oder gegen eigene Kinder ist eine der
persönlichsten überhaupt.

Kein Glück ohne Kinder? Gesellschaftlich kaum vorstellbar.

„Schon die Vorstellung eines glücklichen Lebens ohne Kinder irritiert
viele Menschen", sagt Psychologin Sarah Seidl von der SRH Fernhochschule –
The Mobile University. „Dabei gibt es längst nicht mehr den einen
richtigen Lebensentwurf. Familie kann vieles bedeuten – mit Kindern oder
ohne."

Dabei gäbe es große Unterschiede in der Akzeptanz kinderfreier
Lebensentwürfe, erklärt Seidl. Vor allem in jüngeren und urbanen Milieus
steige diese deutlich, wobei die Gründe vielfältig seien. „Ökonomische
Unsicherheiten spielen ebenso eine Rolle wie die Sorge vor der
Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Kann ich für meine Kinder sorgen?
Kann ich mir das überhaupt leisten? Dazu kommt ein gesellschaftlicher
Wandel, der die Ansprüche an Elternschaft verändert hat. Eltern sehen sich
heute einer ganz anderen Erwartungshaltung und höheren Ansprüchen an die
eigene Performance als gute Mutter oder als guter Vater ausgesetzt, als
das vor Jahren oder gar Jahrzehnten noch der Fall war“, erläutert Seidl
weiter.

Wagnis Elternschaft

Auch aus diesen Gründen setzen sich die Menschen heute anders und
intensiver mit dem Kinderwunsch oder der Familienplanung auseinander. Und
kommen nicht selten an den Punkt, für sich zu beschließen, das Wagnis
Elternschaft eben nicht einzugehen.

Und kommunizieren das dann auch offen in ihrem Umfeld. Doch gerade diese
Offenheit führt auch zu Konflikten. Denn wer sich gegen Kinder
entscheidet, erlebt häufig neugierige oder sogar übergriffige Fragen.
Warum willst du keine Kinder? Bereust du das später nicht? Dann bist du ja
im Alter ganz allein! Fehlt dir da nicht etwas? Was von diesen und ähnlich
gearteten Fragen zu halten ist, macht Seidl deutlich:

„Mit solchen Fragen dringen Menschen oft in einen sehr intimen
Lebensbereich ein. Es geht um persönliche Werte, Partnerschaft, Gesundheit
oder Sexualität. Niemand muss sich dafür rechtfertigen, wie er sein Leben
gestaltet."

Wer sich unwohl fühlt, darf und sollte Grenzen setzen. „Darüber möchte ich
nicht sprechen" reicht oft aus. Seidl empfiehlt auch die Aussage: „Für
mich haben gerade andere Dinge Priorität." Das entspricht der Wahrheit und
man entgeht einer leidigen Diskussion rund um eine höchst persönliche
Entscheidung. Wer seine Entscheidung aber offen kommunizieren wolle, könne
dies selbstverständlich ebenfalls tun. Entscheidend ist, dass nur die
befragte Person selbst darüber entscheidet, was sie bereit ist,
preiszugeben. Oder eben nicht.

#nokidsclub & #childfreelife: Warum gewollte Kinderlosigkeit gerade viral
geht

Dass das Thema derzeit besonders präsent erscheint, hängt auch mit
sozialen Medien zusammen. Auf Plattformen wie TikTok oder Instagram haben
sich große Communities gebildet, die sich über bewusste Kinderlosigkeit
austauschen und gegenseitig bestärken.
„Aus medienwissenschaftlicher Sicht ist das hochinteressant", sagt Dr.
Thomas Bippes, Professor für Medien, Kommunikation und Online Marketing an
der SRH Fernhochschule. „Social Media gibt Lebensentwürfen Sichtbarkeit,
die im persönlichen Umfeld häufig erklärungsbedürftig sind. Aus
individuellen Entscheidungen entstehen digitale Gemeinschaften."

Allerdings dürfe man die Reichweite einzelner Trends nicht mit einem
repräsentativen Bild der Gesellschaft verwechseln. Algorithmen verstärkten
Themen, die Aufmerksamkeit erzeugen. Dadurch könne leicht der Eindruck
entstehen, eine Haltung sei viel weiterverbreitet, als sie tatsächlich
ist.

„Social Media zeigt Ausschnitte von Öffentlichkeit", erklärt Bippes. „Was
im eigenen Feed allgegenwärtig wirkt, ist nicht automatisch die Meinung
der Mehrheit. Gleichzeitig helfen die Plattformen dabei, gesellschaftliche
Veränderungen sichtbar zu machen und Debatten anzustoßen."

Mehr Akzeptanz für verschiedene Lebensentwürfe

Für Psychologin Sarah Seidl steht deshalb weniger die Frage im
Mittelpunkt, ob Menschen Kinder bekommen sollten oder nicht. Viel
wichtiger sei der gesellschaftliche Umgang mit unterschiedlichen
Lebensentwürfen.

„Ein erfülltes Leben hat viele Gesichter", sagt sie. „Manche Menschen
finden ihr Glück in einer Familie mit Kindern, andere in Partnerschaft,
Freundschaften, Beruf oder ganz eigenen Projekten. Wenn wir aufhören, das
Leben anderer an unseren eigenen Vorstellungen zu messen und andere
Lebensentwürfe tolerieren würden, wäre allen schon sehr geholfen."

Studium mit oder ohne Kind & Kegel
Und mit diesem Plädoyer für Selbstbestimmung und mehr Akzeptanz für höchst
persönliche Lebensentscheidungen, erwähnen wir hier, rein informell, dass
ein Studium an der SRH Fernhochschule – The Mobile University für sehr
viele verschiedene Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten
eine Möglichkeit wäre, sich zumindest die eigenen Bildungs- und
Berufsträume zu erfüllen. Ob mit Familie, Vollzeitjob „nebenher“ oder
anderen Alltags-Schauplätzen. Auch das wäre ein guter Schritt, dem
Fachkräftemangel entgegenzuwirken 😉.