Vortrag: Wann werden Bürger zu guten Demokraten?
In der Ruperto Carola Ringvorlesung spricht Thomas Maissen über
demokratische Gebilde der europäischen Vormoderne
Unter welchen Bedingungen werden Bürgerinnen und Bürger zu Demokratinnen
und Demokraten? Und wie können politische Theorie und historische
Vorbilder helfen, demokratische Modelle zu entwickeln, die
widerstandsfähig sind gegen autoritäre Anfechtungen und ökonomische
Krisen? Diesen Fragen geht der Heidelberger Historiker Prof. Dr. Thomas
Maissen in einem Vortrag nach. Sein Beitrag ist Teil der Ruperto Carola
Ringvorlesung „Wehrhafte Demokratie – Resilienz, Sicherheit,
Verteidigung“, zu der die Universität Heidelberg in diesem Sommersemester
einlädt.
Die Veranstaltung „Können arme Bürger gute Demokraten sein?
Historische Erfahrungen für aktuelle Herausforderungen“ mit Prof. Maissen
findet am Montag, 29. Juni 2026, in der Aula der Alten Universität statt;
Beginn ist um 18.15 Uhr.
Die Ausbreitung von demokratischen Verfassungen seit dem 19. Jahrhundert
und vor allem nach 1989 ist für den Referenten keine zwangsläufige
Entwicklung hin zu politischer Emanzipation und Freiheit. Er sieht in der
Demokratisierung vielmehr eine „Gegenleistung“ für einen immer stärkeren
Zugriff staatlicher Institutionen auf das Individuum. Insbesondere in der
europäischen Vormoderne befürchtete man weithin, dass Bürger sich nur so
lange als gute Demokraten erweisen würden, als sie sich durch politische
Partizipation materiellen Nutzen erhoffen konnten. Ausgerechnet in armen,
peripheren Regionen bewiesen einige demokratische Gemeinwesen nach den
Worten von Prof. Maissen jedoch erstaunliche Widerstandsfähigkeit – so
etwa die Landsgemeinden in der alpinen Schweiz, die nicht nur bis in die
Zeit der Französischen Revolution, sondern als staatliche Gebilde bis
heute überdauert haben. Ob solche historischen Erfahrungen Antworten auf
aktuelle Herausforderungen für demokratische Gesellschaften liefern
können, ist Thema des Vortrags. Thomas Maissen ist Professor für Neuere
Geschichte am Historischen Seminar der Universität Heidelberg. Dort
forscht er unter anderem zur Geschichte des politischen Denkens in der
europäischen Vormoderne.
Die Ruperto Carola Ringvorlesung ist Teil eines Konzepts von Fokusthemen.
Damit will die Universität Heidelberg zweimal jährlich gesellschaftlich
relevante Forschungsfragen in unterschiedlichen Formaten an die breite
Öffentlichkeit herantragen. In der aktuellen Reihe befassen sich
Forscherinnen und Forscher aus unterschiedlichen disziplinären
Perspektiven mit den vielschichtigen Herausforderungen, vor denen
Demokratien heute stehen. Anliegen der Ringvorlesung ist es, mit der
interessierten Öffentlichkeit ins Gespräch zu kommen und gemeinsam über
die Zukunft unseres demokratischen Zusammenlebens nachzudenken.
Der Veranstaltung mit Prof. Maissen folgen zwei weitere Vorträge mit
Heidelberger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Sie sprechen über
die Bedeutung von Demokratiebildung in migrationsdiversen Gesellschaften
und die verfassungsrechtlichen Grundlagen der wehrhaften Demokratie. Die
Veranstaltungen finden montags in der Aula der Alten Universität statt.
Beginn ist jeweils um 18.15 Uhr. Aufzeichnungen der Beiträge sind zu einem
späteren Zeitpunkt abrufbar auf heiONLINE, dem zentralen Portal der
Universität Heidelberg mit Vorträgen, Diskussionsrunden und
Veranstaltungen in digitalen Formaten.
