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Krankenhaus Rating Report 2026: Krankenhäuser, Krankenkassen und Kommunalfinanzen unter Druck

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Das deutsche Gesundheitswesen trotzt der gesamtwirtschaftlichen Flaute. Im
Jahr 2024 er-reicht es ein Umsatzvolumen von 538 Milliarden Euro. Erstmals
sind zudem über eine Million Vollzeitkräfte in den Krankenhäusern tätig.
Allerdings sind sowohl die wirtschaftliche Lage der Krankenkassen und
Krankenhäuser sowie die Kommunalfinanzen äußerst angespannt. Nach einer zu
erwartenden Erholung in den Jahren 2025 und 2026 stehen die Krankenhäuser
mit den ab 2027 geplanten Erlöskürzungen des GKV-
Beitragssatzstabilisierungsgesetzes vor einer enormen Herausforderung. ...



...  Bis zum Jahr 2030 dürften rund 70 Prozent der Kliniken Jahresverluste
verzeichnen, es sei denn, es gelingt ihnen, ihre Betriebskosten zu senken.
Bürokratie und zunehmende Regulierung verhindern dies jedoch in vielen
Fällen. Wenn die Betriebskosten nicht ausreichend sinken, sind
Standortschließungen in großem Ausmaß unausweichlich. In diesem Fall muss
die Politik Leitplanken setzen, um mögliche Versorgungsengpässe zu
vermeiden.

Diese und weitere Ergebnisse bringt die zweiundzwanzigste Ausgabe des
„Krankenhaus Ra-ting Report“ unter dem Titel „Flucht nach vorne“. Er wurde
gemeinsam vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der
Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Bank
im Bistum Essen (BIB), der Ecclesia und der Solidaris Revisions-GmbH
erstellt. Die zentralen Ergebnisse wurden am 25. Juni im Rahmen des
„Hauptstadtkongress 2026 – Medizin und Gesundheit“ der Öffentlichkeit
vorgestellt.

Status quo

• Der deutsche Gesundheitsmarkt wuchs 2024 auf ein Volumen von 538
Milliarden Euro, was einem Anteil von 12,4 Prozent am Bruttoinlandsprodukt
entspricht. Für 2025 wird sogar ein Anstieg auf rund 580 Milliarden Euro
(13,0 Prozent des BIP) erwartet.

• Die wirtschaftliche Lage der Kliniken war im Jahr 2024 sehr angespannt:
Die Hälfte der Krankenhäuser schrieben einen Jahresverlust (2020: 28
Prozent). Das durchschnittliche Jahresergebnis lag bei minus 0,6 Prozent
der Erlöse und es gab deutlich mehr Insolvenzen im Zeitraum von 2023 bis
2025 als in früheren Jahren.

• In den Jahren 2025 und 2026 ist jedoch mit einer Verbesserung der Lage
zu rechnen. Auch bereits geprüfte Jahresabschlüsse des Jahres 2025 von
Solidaris zeigen eine Erholung. Dennoch reicht bei der Hälfte der Kliniken
die Liquidität für weniger als anderthalb Wochen, erforderlich wären
mindestens vier.

• Die Insolvenzwahrscheinlichkeit der Krankenhäuser stieg 2024 auf hohe
2,2 Prozent. 22 Prozent der Kliniken befanden sich im roten Bereich mit
erhöhter Insolvenzgefahr, 30 Prozent im gelben und nur 48 Prozent im
grünen Bereich. Im Jahr 2026 rechnen wir dagegen mit einer geringeren
Insolvenzwahrscheinlichkeit von 1,7 Prozent.

• Die Zahl der stationären Fälle ist im Jahr 2024 mit 2,0 Prozent erneut
stark gestiegen. Hinzu kamen erstmals eine größere Zahl an Hybrid-DRG. Im
Jahr 2025 war fast nur noch im Bereich der Hybrid-DRG ein Zuwachs zu
verzeichnen, während die stationäre Fallzahl nahezu unverändert blieb.

• Die Investitionsfördermittel der Länder stiegen im Jahr 2024 um über
neun Prozent auf 4,24 Milliarden Euro. Das ist erfreulich, reicht jedoch
weiterhin nicht aus: Bezogen auf die Erlöse lag ihr Anteil lediglich bei
3,7 Prozent – erforderlich für den Erhalt und zur Weiterentwicklung der
Unternehmenssubstanz wären jedoch 7 bis 8 Prozent. Die Folge ist ein
Substanzverzehr, insbesondere in Ostdeutschland. Dortige Häuser haben das
niedrige Substanzniveau der westdeutschen Krankenhäuser inzwischen fast
erreicht.

• Kliniken in privater und freigemeinnütziger Trägerschaft schneiden im
Rating deutlich besser ab als öffentlich-rechtliche Häuser. Letztere
konnten bisher auf finanzielle Unterstützung von ihren kommunalen Trägern
hoffen, doch deren Finanzierungssalden rutschen aufgrund der
gesamtwirtschaftlichen Stagnation immer stärker ins Defizit. Wir gehen
davon aus, dass 22 Prozent der kommunalen Kliniken einen Träger mit einer
so hohen Schuldenlast haben, dass sie bald Schwierigkeiten bekommen
werden, ihren Betrieb auf Dauer fortführen zu können.

• Personal ist ein zentraler Kosten- und Erfolgsfaktor: Im Jahr 2024 wurde
die Grenze von einer Million Vollzeitkräften in Krankenhäusern erstmals
überschritten. Ihre Zahl war damit um 9,3 Prozent höher als 2019, während
die stationäre Fallzahl um 9,6 Prozent unter dem Niveau von 2019 lag.
Damit sank gegenüber 2019 die Zahl der Fälle je Vollkraft um rund 20
Prozent.

Projektion

• Demografisch bedingt wird die Nachfrage nach Krankenhausleistungen zwar
steigen, jedoch wird ein zunehmender Teil der Leistungen ambulant
erbracht, sodass die stationären Fallzahlen tendenziell sinken werden.

• Im Basisszenario schreiben wir die Gewinn- und Verlustrechnungen der
Krankenhäuser unter der aktuellen Gesetzeslage fort. Wir rechnen mit einer
Verbesserung der Lage in den Jahren 2025 und 2026: Nur noch 31 Prozent
bzw. 22 Prozent der Krankenhäuser erwirtschaften einen Jahresfehlbetrag.
Unter anderem aufgrund des Wegfalls des 3,25-prozentigen
Rechnungsaufschlages wird sich 2027 die Lage allerdings kurzeitig
verschlechtern, bevor sich mittelfristig die positiven Effekte der
Krankenhausreform (KHVVG und KHAG) zeigen.

• Die geplanten Erlöskürzungen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes
(GKV-BStabG) führen hingegen ab 2027 zu einer drastischen
Verschlechterung: Der Anteil der Kliniken mit einem Verlust würde auf 60
Prozent springen und bis 2030 auf 68 Prozent ansteigen. Die Umsatzrendite
würde auf etwa -2 Prozent fallen. Um dies zu vermeiden, müssen
Krankenhäuser ebenfalls ihre Kosten senken, insbesondere ihre
Personalkosten bis 2030 um 8 bis 9 Prozent (außer in der Pflege).

• Sollte dies nicht gelingen, steht für viele Standorte die Schließung
bevor. Der Report identifiziert circa 400 mittelfristig „gefährdete“
Standorte. Im Status quo ist die Erreichbarkeit der Krankenhäuser sehr
gut; nur 1,7 Prozent der Bevölkerung haben einen Anfahrtsweg zu einem
Allgemeinkrankenhaus von mehr als 30 Minuten. Eine Schließung der
gefährdeten Häuser würde für weitere 5,2 Prozent der Bevölkerung den
Anfahrtsweg auf über 30 Minuten erhöhen.

• Eine Reduktion der Betriebskosten ließe sich auch dadurch erreichen,
dass Krankenhäuser mit geringeren Kosten die Leistungen der Krankenhäuser
mit höheren Kosten übernehmen. Eine Überschlagsrechnung zeigt, dass 30
Prozent des Krankenhausumsatzes auf diese Weise umverteilt werden müsste,
um im Gesamtmarkt wieder eine positive Umsatzrendite von 1,0 Prozent im
Jahr 2030 zu erzielen. Dies beträfe ungefähr 500 Standorte.

Handlungsempfehlungen und Forderungen

• Aufgrund der seit längerer Zeit prekären gesamtwirtschaftlichen Lage
müssen die Ausgabenzuwächse der Sozialversicherungen, darunter der GKV,
spürbar vermindert werden. Eine damit verbundene Reduktion der Erlöse der
Krankenhäuser muss jedoch durch eine entsprechende Reduktion ihrer
Betriebskosten aufgefangen werden, wenn man Betriebsaufgaben in großem
Stil vermeiden bzw. die Transformation zu effizienteren Strukturen aktiv
gestalten will.

• Um die Transformation der Krankenhausstrukturen zusätzlich zum KHVVG
anzuregen, schlagen wir als weitere konkrete Maßnahme vor, den bis Oktober
2026 befristen Rechnungsaufschlag in einen Strukturzuschlag umzuwandeln,
der abhängig von der in einem Bundesland erzielten Bettendichte ausgezahlt
wird. Er würde einen Anreiz für Bundesländer schaffen, eine günstigere
Krankenhausstruktur anzustreben. Eine damit erzielbare Reduktion der
stationären Fallzahlen könnte sogar dazu führen, dass sich der
Strukturzuschlag selbst finanziert.

• Ein stetiger Aufwuchs von regulatorischen Vorgaben und die Anhebung von
Standards in Kombination mit bürokratischen Erfordernissen haben die
Fixkosten von Krankenhäusern steigen lassen, insbesondere im
Personalbereich.

• Wir sehen es daher als dringend geboten, den Krankenhausbetrieben mehr
Gestaltungsfreiheit zu geben, um aus eigener Kraft ihre Betriebskosten
senken zu können. Der Fokus sollte künftig stärker auf
Ergebnisorientierung anstatt auf Struktur- und Prozessvorgaben, wie
beispielsweise bundesweit einheitliche Pflegepersonaluntergrenzen (PPUG)
auf Abteilungsebene, liegen. Dies muss durch einen konsequenten Abbau von
Bürokratie flankiert werden. Beispiele hierfür sind das
Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und Anerkennungsverfahren für
internationale Talente aus Drittstaaten. Denn in einer seit dem Jahr 2019
stagnierenden Volkswirtschaft können mangels Ressourcen Standards nicht
hochgefahren werden. Stattdessen braucht es eine Rückbesinnung auf
Standards der 2010er Jahre.

• Schließlich müssen starke Kostentreiber wie das auf Selbstkostendeckung
beruhende Pflegebudget neu justiert werden.

„Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser dürfte sich aktuell verbessert
haben“, sagt RWI-Gesundheitsexperte Boris Augurzky. „Aber mit dem GKV-
Beitragssatzstabilisierungsgesetz stehen im nächsten Jahr erhebliche
Erlöseinbußen der Krankenhäuser an“. „Bis zum Jahr 2030 rechnen wir bei
rund 70 Prozent der Kliniken mit einem Jahresverlust. Dem müssen die
Häuser mit einer entsprechenden Reduktion ihrer Betriebskosten begegnen
können. Dazu benötigen sie mehr Gestaltungsfreiheit. Alternativ geschieht
dies dadurch, dass Standorte mit hohen Betriebskosten schließen“, so
Augurzky.

„Die Politik muss dabei Leitplanken setzen, um Versorgungsengpässe für die
Bevölkerung zu vermeiden“, ergänzt Adam Pilny, Gesundheitsökonom der hcb.

Datengrundlage des Reports ist eine Stichprobe von 430 Jahresabschlüssen
aus dem Jahr 2024 sowie eine Sonderauswertung von 125 geprüften
Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2025. Sie umfassen zusammen 864
Krankenhäuser.