VDI gibt Kommunen praxisnahe Empfehlungen für Hitzeaktionspläne
Deutschland erlebt derzeit die bislang intensivste Hitzewelle des Jahres.
In vielen Regionen steigen die Temperaturen bereits auf deutlich über 35
Grad, zum Wochenende werden örtlich sogar Spitzenwerte nahe der 40-Grad-
Marke erwartet. Gleichzeitig nehmen tropische Nächte zu, in denen die
Temperaturen kaum noch unter 20 Grad fallen.
Hitzewellen stellen eine wachsende Gesundheitsgefahr dar und können ohne
ausreichende Maßnahmen besonders für ältere Menschen, Kleinkinder und
chronisch Erkrankte lebensbedrohlich werden. Der VDI liefert Kommunen
konkrete Empfehlungen für die Aufstellung und Umsetzung von
Hitzeaktionsplänen.
Lag die Anzahl heißer Tage im Zeitraum 1961 bis 1990 (Klimanormalperiode)
noch bei 4,2, hat sich der Durchschnittswert im darauffolgenden Zeitraum
(1991 bis 2020) mehr als verdoppelt - auf 8,9 Hitzetage pro Jahr. Dabei
gilt ein Tag als Hitzetag, wenn die Tageshöchsttemperatur mindestens 30 °C
erreicht oder überschreitet. Durch Hitze entsteht ein Gesundheitsrisiko,
das folgende Beschwerden auslösen kann:
-Überlastung des körpereigenen Kühlsystems
-Dehydration und Elektrolytverlust
-Überhitzung des Körpers
-Belastung des Herz-Kreislauf-Systems
-Verschlimmerung bestehender Gesundheitsprobleme
Ein Blick auf die jüngst vergangenen Jahre verdeutlicht zudem, dass sich
der Trend einer Zunahme heißer Tage weiter fortsetzt. Vor allem in den
letzten zehn Jahren waren kurzaufeinanderfolgend besonders viele heiße
Tage pro Jahr zu verzeichnen, 2015 (17,6), 2018 (20,4), 2019 (17,0), 2022
(17,3).
Als Antwort auf die zunehmende Hitzebelastung empfiehlt der VDI die
Aufstellung und konsequente Umsetzung kommunaler Hitzeaktionspläne. Zwar
gewinnt der Hitzeschutz auf Bundes- und Länderebene zunehmend an
Bedeutung, eine flächendeckend verbindliche Verpflichtung zur Erstellung
und Umsetzung solcher Pläne besteht bislang jedoch nicht.
Hitzeaktionspläne stellen ein systematisches Vorgehen dar, um
gesundheitliche Schäden bei besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen zu
verringern. Sie beinhalten kurzfristige Maßnahmen wie die Aktivierung von
Notfallplänen bei Hitzewarnungen, mittel- und langfristige Anpassungen wie
die Begrünung von Städten sowie die gezielte Aufklärung der Bevölkerung.
Eine harmonisierte Hitzeaktionsplanung im Sinne einer Standardisierung ist
aus Sicht des VDI ratsam und hilfreich – auch weil der Begriff
„Hitzeaktionsplan“ von Kommunen unterschiedlich ausgelegt wird. Im Jahr
2025 verfügten lediglich 42 der insgesamt 406 Landkreise und kreisfreien
Städte in Deutschland über einen veröffentlichten Hitzeaktionsplan.
„Hitzeschutz ist präventiver Katastrophenschutz“, betonte Dr. Thomas
Griebe, Vorsitzender des VDI-Gremiums „Hitzeaktionsplanung“ schon im
letzten Jahr auf einer VDI-Pressekonferenz. „Unsere Empfehlungen sollen
Kommunen helfen, systematisch auf Hitzewellen zu reagieren und die
Gesundheit der Bevölkerung zu schützen.“
VDI-Expertenempfehlungen bieten konkrete Hilfestellung
Die veröffentlichten VDI-Expertenempfehlungen geben praxisnahe Anleitungen
für Kommunen. Sie umfassen unter anderem:
Koordination und Kooperation zwischen relevanten Akteuren,
die Nutzung von Hitzewarnsystemen und abgeleitete Handlungsoptionen,
zielgruppenspezifische Kommunikation über Gefahren und Schutzmaßnahmen,
vorbereitende Maßnahmen zum Schutz besonders vulnerabler Gruppen,
sowie städtebauliche Konzepte zur Reduzierung der Hitzebelastung.
Die Expertenempfehlungen VDI-EE 3787 Blatt 13.1 bis 13.3 befassen sich mit
allen zentralen Aspekten eines Hitzeaktionsplans. Die drei Teilblätter
enthalten eine praxisorientierte Handreichung zur Erstellung und Umsetzung
von Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor hitzebedingten
Gesundheitsrisiken. Details dazu erhalten Sie in dieser Pressemeldung.
Kurz- und langfristige Maßnahmen
Der VDI empfiehlt Kommunen sowohl kurz- als auch langfristige Maßnahmen
zur Hitzereduktion. Um kurzfristige Anpassungen zu treffen, bietet sich
eine Minderung der Hitzebelastung in Innenräumen an. Lüften, außenliegende
Verschattung oder automatisierte Systeme greifen an dieser Stelle.
Langfristig sollten sich Kommunen bei der Stadtentwicklung an bestehenden
Normen, Standards und Regelwerken orientieren.
Kommunen müssen jetzt handeln
Bei einer Hitzewarnung gibt es verschiedene Handlungsoptionen. Unter
anderem kann es bei Städten und Kommunen zur Alarmierung des dafür
eingerichteten Krisenstabs kommen. Ingo Wobker, Stabsstellenleiter
Krisenmanagement & Bevölkerungsschutz der Stadt Duisburg, sagte dazu:
„Hitzeaktionspläne sind ein wichtiger Baustein im kommunalen
Krisenmanagement. Sie helfen uns, im Ernstfall schnell und koordiniert zu
handeln.“ Gehandelt wird nach einem sogenannten Entscheidungsbaum. Nach
einer DWD-Hitzewarnung gibt es eine Informationsweitergabe und
Erstbewertung durch die Feuerwehr. Danach wird entschieden, ob eine
Gefahrenlage besteht und entsprechende Maßnahmen greifen.
Angesichts der zu erwartenden Zunahme extremer Hitzetage sind präventive
Maßnahmen unverzichtbar. Kommunen sind gefordert, Hitzeaktionspläne zu
erstellen und diese als Regelaufgabe im Bevölkerungsschutz zu verankern.
Der VDI unterstützt sie dabei mit fundierten Handlungsempfehlungen, um die
Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig zu schützen. Die gesamte Publikation
kann hier heruntergeladen werden.
