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MLU veröffentlicht Archiv zu Lebensgeschichten von Sowjetdeutschen

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In Deutschland leben rund 2,5 Millionen sogenannte Russlanddeutsche.
Einige haben noch den Zweiten Weltkrieg, die stalinistischen Deportationen
und Zwangsarbeit in der Sowjetunion erlebt. Über ihre Erfahrungen ist
wenig bekannt. Historikerinnen der Martin-Luther-Universität Halle-
Wittenberg (MLU) haben erstmals die Lebensgeschichten dieser Menschen
gesammelt und als Archiv veröffentlicht. Das Material steht Forschenden,
Medien und Kultureinrichtungen zur Verfügung.



Interviewt wurden für das Projekt Personen, die in deutschen Familien auf
dem Gebiet der Sowjetunion geboren wurden und gelebt haben – und
inzwischen in Deutschland leben. „Speziell die älteste Generation, die den
Zweiten Weltkrieg oder die Nachkriegszeit, die stalinistische
Diskriminierung und Deportationen miterlebt hat, kam bisher öffentlich
kaum zu Wort. Dabei prägen ihre Erfahrungen ihre Identitäten und
Einstellungen bis heute – und damit einen Teil unserer Gesellschaft“, sagt
Dr. Anne Kluger vom Institut für Geschichte der MLU. Gemeinsam mit der
Historikerin Alexandra Kenig erstellte die Forscherin das neue Archiv von
Lebensgeschichten. Gefördert wurde das Projekt von der Bundesstiftung zur
Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Das Archiv umfasst 17 ausführliche Interviews mit sowjetdeutschen Personen
der Jahrgänge 1933 bis 1953 auf Deutsch und Russisch. Die Interviews
ergeben zusammen rund 50 Stunden Audiomaterial, das transkribiert und in
beide Sprachen übersetzt wurde. Die Interviewten berichten beispielsweise
über ihr Aufwachsen in der Sowjetunion, über ihre Arbeitserfahrungen und
ihr familiäres Umfeld. Auch die Ankunft in Deutschland ist Thema, ebenso
aktuelle politische Themen wie der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine.
Zu den Interviews hinzu kommen autobiografische Aufzeichnungen von zwei
Personen, die in den 1920er Jahren geboren wurden, sowie Fotos,
Behördendokumente, Zeichnungen und weitere persönliche Erinnerungsstücke
aus dem Besitz der Zeitzeugen.

Die anonymisierten Materialien können über die Forschungsdatenplattform
„RADAR“ des FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur
abgerufen werden. Das Angebot richtet sich hauptsächlich an Forschende aus
Geschichte, Soziologie, Linguistik und angrenzenden Disziplinen. Auch
Medien, Museen und andere Kultureinrichtungen können auf die
Interviewtranskripte und weitere Materialien zugreifen.

Weitere Informationen: https://www.geschichte.uni-
halle.de/struktur/neuzeit/forschungsprojekte/dokumentationsprojekt/