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Medizin vor Ökonomie: Ärzte Codex der DGIM wird eine ethische Grundlage der ärztlichen Weiterbildung

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Der Ärzte Codex der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
soll künftig zu den ethischen Grundlagen ärztlichen Handelns gehören, die
Ärztinnen und Ärzte in ihrer Weiterbildung erlernen. Das hat der 130.
Deutsche Ärztetag im Rahmen der Weiterentwicklung der
Musterweiterbildungsordnung (MWBO) beschlossen. Die DGIM begrüßt diesen
Schritt als wichtiges Signal angesichts einer zunehmenden Ökonomisierung
in der Medizin: Gerade in Zeiten knapper Kassen müsse der Maßstab jeder
medizinischen Intervention die Notwendigkeit im Sinne jeder einzelnen
Patientin und jedes einzelnen Patienten sein.



Wenn im Gesundheitswesen über Einsparungen, Strukturreformen oder die
Kosten von Arzneimitteln diskutiert wird, stellt sich für Ärztinnen und
Ärzte stets die Kernfrage: Dient eine geplante Maßnahme der besseren
Versorgung, der Kostensenkung oder der Gewinnoptimierung? Unter dem
Leitgedanken, dass im Zweifelsfall die medizinisch begründete Entscheidung
den absoluten Vorrang vor betriebswirtschaftlichen Vorgaben haben muss,
hat die DGIM den Ärzte Codex „Medizin vor Ökonomie“ ins Leben gerufen.
„Der Codex soll Ärztinnen und Ärzten Orientierung geben, die
Entscheidungen häufig unter Zeit-, Kosten- oder Strukturdruck treffen
müssen“, sagt Professorin Dr. med. Petra-Maria Schumm-Draeger, die diese
ethische Selbstverpflichtung als DGIM-Vorsitzende im Jahr 2017 initiiert
hat. Mehr als 40 Verbände, medizinische Fachgesellschaften sowie
zahlreiche Einzelpersonen unterstützen den Ärzte Codex.

Nun soll der Ärzte Codex nach Beschluss des Deutschen Ärztetages in die
Allgemeinen Inhalte der MWBO aufgenommen werden und neben dem Genfer
Gelöbnis und der Deklaration von Helsinki als weiterer ethischer
Bezugspunkt dienen. „Dass alle angehenden Ärztinnen und Ärzte sich im
Laufe der Weiterbildung mit dem Ärzte Codex und den zugrunde liegenden
ökonomischen Aspekten auseinandersetzen müssen, begrüßen wir
ausdrücklich“, so Schumm-Draeger. Die Allgemeinen Inhalte der MWBO, in die
der Ärzte Codex nun aufgenommen wird, geben vor, welche übergreifenden
Kompetenzen, Haltungen und Rollen Ärztinnen und Ärzte im Laufe der
Weiterbildung erwerben. Rechtlich verbindlich sind die
Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern, die die MWBO in eigener
Zuständigkeit umsetzen.

Notwendige Einsparungen im Gesundheitswesen machen Ärzte Codex aktuell
Der betriebswirtschaftliche Druck auf Ärztinnen und Ärzte sei in den
letzten Jahren nicht weniger geworden und nehme gerade in der aktuellen
Debatte um Einsparungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung, die
Krankenhausreform und die Ambulantisierung nochmals zu. „Gerade deshalb
ist es für junge Ärztinnen und Ärzte wichtig, einen klaren ethischen
Maßstab an ihr Handeln anzulegen und stets das Patientenwohl in den
Vordergrund zu stellen“, so die Münchener Internistin.

In diesem Spannungsfeld gibt der Ärzte Codex Orientierung. „Zentrale Idee
des Ärzte Codex ist, dass wirtschaftliche Aspekte eine ärztliche
Entscheidung nicht beeinflussen dürfen. Entscheidend bleibt, was
Patientinnen und Patienten medizinisch brauchen“, sagt auch DGIM-
Generalsekretär Professor Dr. med. Georg Ertl. „Dabei entbindet er
Ärztinnen und Ärzte nicht von einem verantwortungsvollen Umgang mit
begrenzten Ressourcen. Gute, wissenschaftsbasierte Medizin vermeidet
Überversorgung, das heißt unnötige Diagnostik und Therapie“, sagt der
Internist und Kardiologe.

Mehr zum Ärzte Codex: https://www.dgim.de/veroeffentlichungen/aerzte-codex