Positionspapier Biogas und Kapazitätsmärkte: Biogas sollte neue Kraftwerke ergänzen, statt sie zu ersetzen
Die Bundesregierung plant zur Sicherung der zukünftigen Stromversorgung
die Finanzierung neuer Erdgaskraftwerke im Umfang von 9 Gigawatt. In der
Vergangenheit haben Studien darauf hingewiesen, dass klimafreundlicher
Strom aus Biogas neue Erdgaskraftwerke ersetzen kann. Ein jetzt
veröffentlichtes Positionspapier vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
(UFZ) und dem Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) zeigt, dass mehr
Biogas sinnvoll ist, ein völliger Verzicht auf neue Erdgaskraftwerke würde
die Energiewende jedoch verteuern.
Die Energiewende in Deutschland wird maßgeblich durch Wind- und
Solarenergie vorangetrieben. Zur Überbrückung von möglichen Dunkelflauten
sind jedoch zusätzliche Technologien und Maßnahmen erforderlich. Neben
Energiespeichern und Mechanismen zur Anpassung der Stromnachfrage sind
flexible Erdgaskraftwerke in der Diskussion, die zukünftig mit Wasserstoff
betrieben werden können. Während der Bedarf an flexiblen Lösungen
allgemein anerkannt ist, gehen Schätzungen zum Bedarf an neuen
Erdgaskraftwerken auseinander. Gründe hierfür sind hohe Kosten für den Bau
neuer Kraftwerke und die damit verbundene Nutzung von klimaschädlichem
Erdgas – mit entsprechenden Nachteilen für die
Energieversorgungssicherheit. Auch die ungewisse zukünftige Verfügbarkeit
von Wasserstoff ist eine Hypothek für den klimafreundlichen Betrieb
solcher Kraftwerke in der Zukunft.
Ein gemeinsames Positionspapier von UFZ und DBFZ zur Kraftwerkstrategie
der Bundesregierung zeigt vor diesem Hintergrund auf, dass Biogas eine
stärkere Rolle auf sogenannten Kapazitätsmärkten übernehmen sollte.
Technisch wäre es laut der Expert:innen von UFZ und DBFZ möglich, auf neue
Erdgaskraftwerke ganz zu verzichten, wenn die vorhandenen Biogasanlagen
erweitert würden. Allerdings legen aktuelle Modellergebnisse nahe, dass
ein solcher Schritt schon bis zum Jahr 2030 Mehrkosten von mehr als 5 Mrd.
EUR verursachen könnte – selbst, wenn die Klimavorteile von Biogasanlagen
berücksichtigt werden. Würde Erdgas bzw. Wasserstoff im Stromsektor
langfristig vollständig durch Biogas ersetzt, könnten die kumulierten
Mehrkosten auf bis zu 46 Mrd. EUR ansteigen – auch, weil die knappe
Biomasse dann für Klimaschutz in anderen Sektoren fehlt.
„Biogasanlagen können den Bedarf an neuen Erdgaskraftwerken zwar senken,
sollten diese aber nicht vollständig ersetzen. Beide Optionen ergänzen
sich eher. Wenn wir im Stromsektor zu viel Biomasse nutzen, fehlt sie z.B.
im Verkehr oder in der Chemieindustrie - das macht den Klimaschutz
insgesamt deutlich teurer“, so Prof. Dr. Daniela Thrän vom UFZ. So sieht
es auch Harry Schindler vom DBFZ: „Biogas ist ein wichtiger Baustein für
die Energiewende im Stromsektor. Bioenergie kann die großen
Herausforderungen dort aber nicht allein bewältigen, wenn wir die Kosten
mit im Blick behalten wollen. Wir brauchen also auch neue Kraftwerke, die
Strom übergangsweise mit Erdgas und langfristig aus Wasserstoff erzeugen“.
Die Autor:innen des Positionspapiers betonen jedoch auch, dass die
Ergebnisse stark von den Annahmen zur zukünftigen Verfügbarkeit von
Wasserstoff abhängen. Wenn dieser Energieträger langfristig nicht im heute
erwarteten Umfang zur Verfügung steht, kann eine stärkere Rolle von
Biogasanlagen im Stromsektor sinnvoll sein. Die Politik sollte daher ihre
Strategie für Kapazitätsmärkte regelmäßig neu evaluieren und den Beitrag
von Biogas zur Stromerzeugung bei Bedarf noch stärker ausbauen.
Download Positionspapier:
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