DGNI: Kritischer Blick auf gesundheitspolitische Entwicklung – Die Notfallreform rückt näher
Prof. Dr. med. Matthias Klein, München, einer der führenden deutschen
Experten für Neurointensiv- und Notfallmedizin, wirft als amtierender
Präsident der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin
(DGNI) einen Blick auf die aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen
und setzt kritische Akzente:
„Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einem umfassenden Sparpaket. Für
die neurologische Intensivmedizin sind aktuell zwar keine unmittelbaren
Einschnitte erkennbar, dennoch wird es entscheidend sein, die weiteren
Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen. Besonders relevant ist in diesem
Zusammenhang die geplante Notfallreform. Der aktuelle Gesetzesentwurf
setzt klar auf eine verbesserte Steuerung von Patientinnen und Patienten
in der Notfallsituation, was grundsätzlich zu begrüßen ist. Offen bleibt
jedoch, wie künftig ausreichende ambulante Versorgungsstrukturen für
subakute neurologische Symptome und Krankheitsbilder geschaffen werden
sollen, die aktuell in Notaufnahmen versorgt wurden. Kritisch zu sehen ist
insgesamt, dass weiterhin an einer strikten Trennung zwischen stationärer
Notfallversorgung und ambulanter Behandlung über KV-Vertragsarzt-Praxen
festgehalten wird. Eine wirklich zukunftsweisende Reform müsste diese
sektorale Grenze im Notfallkontext endlich überwinden. Wir hoffen auf
positive Entwicklungen im Hinblick auf die Reform der Notfallstrukturen
aus neurologischer Perspektive.“
Hintergrund:
Die Deutsche Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI)
fördert Wissenschaft, Praxis, Forschung und Pflege in der neurologischen
und neurochirurgischen Intensiv- und Notfallmedizin. Sie hat sich zum Ziel
gesetzt, sowohl die klinischen Versorgungsstrukturen als auch die
wissenschaftliche Fortentwicklung auf dem Gebiet der NeuroIntensivmedizin
und Notfallmedizin zu unterstützen, damit Patienten mit Gehirnblutung,
Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma überall auf höchstem Niveau behandelt
werden können. Aktuell hat die DGNI mehr als 1.230 Mitglieder (Stand
Januar 2026), die als Ärzte, Pfleger oder Therapeuten im Bereich der
NeuroIntensivmedizin arbeiten.
