KI soll soziale Hilfe schneller, passgenauer und gerechter machen
KIDaS: FAU-koordiniertes Projekt macht mit KI soziale Angebote
transparenter
Wer soziale Hilfe braucht, muss in Deutschland oft lange warten, obwohl
passende Angebote vielerorts existieren. Das Forschungsprojekt KIDaS will
das ändern. Mit einer KI-gestützten Datenplattform sollen soziale
Dienstleistungen künftig schneller gefunden, besser koordiniert und
gezielter weiterentwickelt werden. Ziel des Verbundprojekts, das von der
Friedrich-Alexander-Universitä
Menschen in schwierigen Lebenslagen passgenauer zu unterstützen und
Sozialarbeitende spürbar zu entlasten.
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrtmit mehr als 1,9
Millionen Euro gefördert, rund 770.000 Euro davon gehen an die FAU.
Angefangen von der Pflege- und Erziehungsberatung über
Alltagsunterstützung, wie Essen auf Rädern und Hilfe beim Einkaufen, bis
zur Unterstützung bei Schulden oder Suchterkrankungen: Viele soziale
Dienstleistungen in Deutschland sind bislang nur schwer auffindbar oder
unzureichend miteinander vernetzt. Für Betroffene bedeutet das oft lange
Wartezeiten, unübersichtliche Zuständigkeiten und Hilfe, die nicht optimal
zur eigenen Situation passt. Gleichzeitig investieren Kommunen und
Sozialträger jedes Jahr Milliardenbeträge in Eingliederungs- und
Sozialhilfeleistungen. Hier setzt das neue Verbundprojekt KIDaS (KI-
gestützte Datenplattform für Soziale Services) an, das Anfang 2026
gestartet ist.
Dieses baut auf einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft,
Sozialverwaltung und Praxispartnern auf. Koordiniert wird das auf drei
Jahre angelegte Forschungsprojekt vom FAU-Lehrstuhl für Digital Industrial
Service Systems, Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Im
Zentrum von KIDaS steht die Entwicklung einer digitalen Plattform, die
Wohlfahrtsverbände, Beratungsstellen, soziale Einrichtungen und
Hilfesuchende besser miteinander vernetzt. Die Plattform soll sichtbar
machen, welche sozialen Angebote es gibt, welche Kapazitäten verfügbar
sind und welche Leistungen zu den individuellen Bedürfnissen eines
Menschen passen.
Damit soziale Hilfe passgenau ankommt
„Wir wollen mit KIDaS dazu beitragen, dass soziale Hilfe schneller dort
ankommt, wo sie gebraucht wird. Genau darin liegt für uns der
gesellschaftliche Nutzen von Digitalisierung“, betont Prof. Dr. Martin
Matzner, Inhaber des Lehrstuhls für Digital Industrial Service Systems an
der FAU sowie Leiter und Koordinator des Gesamtprojekts. Bislang müssen
Sozialarbeitende häufig mühsam recherchieren, welche Einrichtungen freie
Plätze haben oder welche Angebote zu einem konkreten Fall passen könnten.
Gerade kleinere Vereine und soziale Initiativen verfügen oft nicht über
die Ressourcen, ihre Angebote regelmäßig in Datenbanken oder Portalen zu
pflegen.
KIDaS setzt deshalb auf generative KI: KI-Agenten sollen Informationen
automatisiert sammeln, aktualisieren und strukturieren. Mitarbeitende
müssen die Daten anschließend nur noch prüfen und freigeben. „Vor allem
verbessern wir damit die Situation der Menschen, die Unterstützung
brauchen“, sagt Dr. Martin Käppel, Post-Doc am Lehrstuhl für Digital
Industrial Service Systems und Projektleiter. „Sie sollen schneller
passende Hilfe erhalten und sich stärker einbezogen fühlen, statt im
System verloren zu gehen.“
Fachkräfte gezielt unterstützen
Ein weiterer Bestandteil des Projekts ist ein sogenanntes „Service-Sonar“.
Dabei analysiert die Plattform öffentlich zugängliche Informationen, etwa
aus Selbsthilfeforen oder sozialen Medien, um frühzeitig gesellschaftliche
Entwicklungen und neue Unterstützungsbedarfe zu erkennen. „Während der
Corona-Pandemie haben sich auf diese Weise beispielsweise steigende
Bedarfe nach psychologischer Unterstützung oder Angeboten gegen Einsamkeit
früher identifizieren lassen“, unterstreicht Martin Matzner.
Die Forscher betonen dabei, dass KI menschliche Entscheidungen nicht
ersetzen soll. Vielmehr gehe es darum, Fachkräfte gezielt zu unterstützen
und bessere Entscheidungsgrundlagen bereitzustellen. „Vertrauen in
staatliche und soziale Institutionen entsteht vor allem dann, wenn Hilfe
funktioniert und Menschen sich ernst genommen fühlen“, sagt Matzner.
„Gerade angesichts von Fachkräftemangel und steigenden Anforderungen
brauchen wir intelligente Werkzeuge, die Beschäftigte entlasten und
zugleich die Qualität sozialer Leistungen verbessern.“
Soziale Unterstützung zugänglicher machen
Langfristig soll KIDaS bundesweit nicht nur eine bessere Übersicht über
soziale Angebote schaffen, sondern auch Innovationen im Sozialbereich
fördern. Beteiligt an KIDaS sind außerdem die Universität Kassel
(Fachgebiet Wirtschaftsinformatik, Prof. Dr. Jan Marco Leimeister), die
ANLEI-Service GmbH als Tochtergesellschaft für Anwendungssysteme und IT in
der Sozialverwaltung des Landeswohlfahrtsverbands Hessen (LWV) und das IT-
Unternehmen Dataciders PRODATO. Das Projekt wird gefördert vom
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen der
Initiative „Nutzen in Daten-Ökosystemen: Wettbewerb - Kommunikation –
Kooperation“, kurz: „DigiNutzenDat“.
