Uniklinikum baut Engagement zur Versorgung ländlicher Regionen aus
Medizinisches Versorgungszentrum stellt ab 2027 Augenarztangebot in
Bannewitz. Unterschiedliche Konzepte ermöglichen Facharztpräsenz außerhalb
von großen Städten. Telemedizin spielt entscheidende Rolle, um ärztliche
Expertise zu den Menschen zu bringen.
Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden stärkt mit neuen
Strukturen und Kooperationen seine Rolle als verlässlicher Partner für die
medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Patientinnen und Patienten
soll so auch außerhalb der Ballungszentren ein besserer Zugang zu moderner
Diagnostik, spezialisierter Behandlung und digital unterstützter Medizin
ermöglicht werden. Der Fachkräftemangel, demografischer Wandel und
finanzielle Herausforderungen machen neue Versorgungsmodelle zur
medizinischen Betreuung notwendiger denn je. „Dieser Verantwortung sind
wir uns bewusst. Als Maximalversorger kümmern wir uns nicht nur um
medizinischen Fortschritt in Diagnostik und Therapie. Wir fühlen uns auch
verantwortlich, wenn es um die medizinische Versorgung aller Menschen in
Sachsen geht. Hier sehen wir uns als Partner in der Region und als
Impulsgeber für neue Versorgungsmodelle – auf Augenhöhe mit den Akteuren
vor Ort“, sagt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand am
Uniklinikum Dresden.
Im Laufe des Jahres 2027 soll die neue Augenarztpraxis in Bannewitz
eröffnen. Lange hat die Gemeinde darauf gewartet. Das Medizinische
Versorgungszentrum (MVZ), eine hundertprozentige Tochter des
Universitätsklinikums, mietet sich dafür in das neue Pilotwerk Bannewitz
ein, das in der Gemeinde entsteht. Perspektivisch soll das Pilotwerk auch
Heimat für anderen medizinischen Angebote sein. Die Augenarztpraxis ist
Blaupause dafür. „Wir freuen uns sehr, dass wir damit die Expertise der
Universitätsmedizin nach Bannewitz bringen und vor allem den Menschen hier
ein Angebot schaffen, das bisher vermisst wird“, sagt Prof. Uwe
Platzbecker in seiner Funktion als Teil der Geschäftsführung des MVZ.
„Bannewitz ist das Tor zum Weißeritzkreis und damit ins Osterzgebirge. Die
gute Verkehrsanbindung der Gemeinde ermöglicht es uns, perspektivisch als
Bindeglied zu medizinisch unterversorgten Regionen zu agieren.“ „Die
Ansiedlung der neuen Augenarztpraxis in Bannewitz ist ein wichtiger
Meilenstein für unsere Gemeinde und ein starkes Zeichen für die
Sicherstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im ländlichen Raum. Viele
Bürgerinnen und Bürger haben sich seit Jahren eine wohnortnahe
fachärztliche Versorgung gewünscht. Umso mehr freut es uns, dass wir
gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Dresden eine nachhaltige Lösung
schaffen, die die medizinische Versorgung in unserer Region langfristig
stärkt“, sagt der Bannewitzer Bürgermeister Heiko Wersig. Bevor es
losgeht, wird das Gebäude für die neue Praxis gebaut.
Das Projekt in Bannewitz zeigt, dass es starke Kooperationen und
finanzielle Modelle braucht, um medizinische Expertise in den ländlichen
Raum zu bringen. Es ist Blaupause und Leuchtturm, um mit ähnlichen
Projekten auch andere Regionen zu unterstützen. Vielerorts fehlt es an
ausreichend fachärztlichen Angeboten. Das Universitätsklinikum Dresden ist
bereits seit Jahren verlässlicher Partner bei der Entwicklung von
tragfähigen Lösungen. Dabei spielt auch die Telemedizin eine Rolle. Die
Idee: Via Kamera und Übertragungstechnik kommt die Expertise aus Dresden
in Kommunen, Kreisstädte und Landkreise. Dabei arbeitet das
Universitätsklinikum Dresden in unterschiedlichen Konstellationen und mit
verschiedenen Akteuren der Gesundheitsversorgung zusammen. Das zeigen
vielfältige Beispiele:
- Mitte Mai 2026 hat am Klinikum Oberlausitzer Bergland in Ebersbach-
Neugersdorf eine neue dermatologische Eigenpraxis der Kassenärztlichen
Vereinigung Sachsen (KV Sachsen) eröffnet. Ziel ist es, die ambulante
hautärztliche Versorgung in der Region nachhaltig zu stabilisieren und für
die Bevölkerung wohnortnah zugänglich zu machen. Die neue Praxis entstand
auf Initiative der KV Sachsen und in enger Kooperation mit dem
Universitätsklinikum Dresden. Während das UKDD die ärztliche Expertise vor
Ort bereitstellt und das Klinikum Oberlausitzer Bergland gGmbH den
Kooperationspartnern die Praxisräumlichkeiten überlässt, übernimmt die KV
Sachsen die Gesamtverantwortung für den Praxisbetrieb. Dieses Modell
stärkt gezielt die Zusammenarbeit zwischen ambulanter und stationärer
Versorgung und schafft eine zukunftsfähige Struktur für die Region. In der
Praxis werden allgemeine dermatologische Leistungen und allergologische
Diagnostik und Behandlung angeboten. Die Versorgung erfolgt sowohl in
Präsenz- als auch in Videosprechstunden. Ergänzend ist die Praxis in das
telemedizinische Projekt „Dermatologisches Telekonsil“ eingebunden.
- „Expertenwissen für Menschen mit MS im ländlichen Raum“ heißt das
Pilotprojekt zur telemedizinischen Versorgung von Menschen mit Multipler
Sklerose (MS), das im April 2026 gestartet ist. Ziel ist es, Patientinnen
und Patienten in ländlichen und medizinisch unterversorgten Regionen einen
besseren Zugang zu spezialisiertem medizinischen Fachwissen zu
ermöglichen. Für den Erfolg solcher Projekte sind starke Partnerschaften
entscheidend. Beim Aufbau wichtiger Strukturen mit Hausärztinnen und
Hausärzten wurde die Carus Consilium Sachsen GmbH eingebunden. Darüber
hinaus unterstützen das Sächsische Krankenhaus Arnsdorf sowie die Deutsche
Multiple Sklerose Gesellschaft Landesverband Sachsen e. V. das Vorhaben.
Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung spielt die Gemeinnützige Hertie-
Stiftung. Diese unterstützt das auf zwei Jahre angelegte Projekt
finanziell im Rahmen der Initiative „mitMiSsion“.
- Bereits seit 2023 betreibt das MVZ am Uniklinikum Dresden zwei
Nebenbetriebsstätten in der Strahlentherapie. Modernste Diagnose- und
Behandlungstechnik sowie die Partnerschaft zum Universitätsklinikum
Dresden ermöglichen in Bautzen und Pirna eine onkologische
Krankenversorgung auf höchstem Niveau und auf direktem Weg. Damit haben
Patientinnen und Patienten an den beiden Standorten Zugang zur Bestrahlung
mit Photonen samt entsprechender medizinischer Betreuung.
- Seit April 2026 ist in Zittau die Beratungsstelle Seelische Gesundheit
für Kinder und Jugendliche eröffnet. Die neue Anlaufstelle für den
Landkreis Görlitz schließt künftig die Lücke zwischen ersten psychischen
Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter und klinischer Diagnostik und
Behandlung. Das Vorhaben wird im Rahmen eines Projekts gemeinschaftlich
durch das Sächsische Krankenhaus Großschweidnitz, das Universitätsklinikum
Carl Gustav Carus Dresden, den Landkreis Görlitz sowie die Carus Consilium
Sachsen GmbH umgesetzt. Finanziert wird das Vorhaben durch das Sächsische
Sozialministerium. Mit der Beratungsstelle entsteht im Landkreis Görlitz
ein niedrigschwelliges und wohnortnahes Unterstützungsangebot für Kinder
und Jugendliche, die erste emotionale oder soziale Auffälligkeiten zeigen,
mit der medizinischen Kompetenz des Sächsischen Krankenhauses
Großschweidnitz und des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden im
Rücken.
- Das telemedizinische Schlaganfallversorgung Ost-Sachsen Netzwerk (SOS-
TeleNET) ist ein seit 2007 etabliertes telemedizinisches Netzwerk zur
Verbesserung der akut-neurologischen Versorgung in Regionen ohne eigene
Stroke Unit. Ziel ist es, eine leitliniengerechte und evidenzbasierte
Schlaganfalltherapie flächendeckend verfügbar zu machen. Das Dresdner
Neurovaskuläre Centrum (DNVC) stellt derzeit für zwölf kooperierende
Kliniken in Ost-Sachsen eine rund um die Uhr verfügbare telemedizinische
Beratung bereit. Das Netzwerk umfasst kooperierende telemedizinische
Kliniken und unterstützt zugleich eine wohnortnahe, qualitativ hochwertige
Versorgung von Schlaganfallpatientinnen und -patienten in der Region.
Kernbestandteile sind Echtzeit-Videokonsultationen zwischen dem
behandelnden Arzt vor Ort und einem Schlaganfallspezialisten der Klinik
für Neurologie, die telemedizinische Übertragung und Beurteilung der
Bildgebung (CT/MRT) sowie die strukturierte klinische Untersuchung des
Patienten per Video.
„Die medizinische Versorgung von Menschen im ländlichen Raum ist eine der
großen Herausforderungen der kommenden Jahre. Wir müssen gemeinsam
sicherstellen, dass alle Menschen, unabhängig von ihrem Wohnort, Zugang zu
Präventionsangeboten, moderner Diagnostik und Therapien haben. Die
Universitätsmedizin Dresden sieht sich hier in der Verantwortung. Und die
Möglichkeiten der Digitalisierung sind ein Schlüssel, um diese
wahrzunehmen. Die zukünftige Sicherstellung medizinischer Versorgung ist
insbesondere in der Etablierung von telemedizinischen Hybridpraxen zu
finden, die die Expertise von fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen
zielführend in die Fläche bringen. Vor Ort können dabei vorrangig
nichtärztliche Praxisassistenzen, aber auch Physician Assistants als
Ansprechpartnerinnen und -partner agieren“, sagt Prof. Uwe Platzbecker,
Medizinischer Vorstand am Universitätsklinikum Dresden.
